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- 29.11.2007

Was Frauen wollen

Mel Gibson arbeitet nicht in der Merchandising-Abteilung von Borussia Dortmund. Das ist schade! Denn glaubt man dem Kino, weiß Mel Gibson, was Frauen wollen. Dort spielte er vor einiger Zeit mit großem Erfolg den emphatischen Angestellten einer Werbeagentur und fast möchte man dem BVB eine Verpflichtung des Schauspielers ans Herz legen, blättert man durch den aktuellen Fanartikelkatalog.


Wir schreiben das Jahr 2007. Die deutsche Frauen Nationalmannschaft gewinnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Mit Monica Lierhaus und Katrin Müller-Hohenstein moderieren gleich zwei Frauen traditionelle Sportmagazine. Aber auch der klassische Fan stellt bei der genauen Betrachtung seiner heimischen Tribünenumgebung fest: „Wow, ganz schön viele Mädels hier“. Der BVB scheint diesen Trend nicht verschlafen zu haben, bietet er in seinem aktuellen Winterkatalog doch tatsächlich das komplette Rundum Sorglos Paket in Sachen Kleidung an. Vorbei also die Zeiten, in denen frau die Wahl zwischen riesigen Männer- und/oder kleinen Kindertrikots hatte. Endgültig passé. Einem schicken Stadionbesuch steht somit nichts mehr im Wege. Also, alles super? Nö, irgendwie nicht. Denn anders als Nick Marshall alias Mel Gibson scheint die Merchandising-Abteilung des BVB mit keinem ähnlich hochkarätigen Frauenversteher besetzt zu sein. Natürlich ist es erst einmal positiv, dass man auch in Dortmund erkannt hat, dass die weiblichen Fans die (ehemalige) Männerdomäne Fußball mehr und erobern. Das in Zeiten verstärkter Kommerzialisierung die neu entdeckte und hoffentlich kauffreudige Zielgruppe natürlich sofort mit entsprechenden Produkten ausgestattet und versorgt wird, muß wohl so sein. Und da Frauen bekanntlicherweise viel Wert auf ihr modebewusstes Äußeres legen, ist eine speziell für sie zugeschnittene Fan-Ausrüstung ja auch durchaus löblich. Was vielmehr sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass diese „BVB-Accessoires“ neben zahlreichen Glitzer- und Strassapplikationen insbesondere eine dominierende Farbe aufweisen. Na klar, schwarzgelb, schwarz oder auch nur gelb, möchte man meinen. Doch weit gefehlt. Sie sind alles, nur nicht schwarzgelb. In der Hauptsache rosafarben. Rosa? Moment mal, da kann doch irgendwas nicht stimmen. Ein Verein wie Borussia Dortmund, der so stolz auf seine Vereinsfarben ist, möchte seine Fans bewusst in rosafarbenen Schals und Trikots sehen? Ein Verein, dessen gelb-weiße Trikotgestaltung in der letzten Saison Entrüstung und Empörung in einer ganzen Stadt und weit um diese herum auslöste, tritt wieder in dasselbe Fettnäpfchen? Das erscheint kurios. Und hierbei stellt sich die Frage, welches Image der BVB sich mit diesen Aktionen unfreiwilligerweise auferlegt hat. Mögliche und denkbare Varianten stimmen traurig. Entweder ist der Verein nicht sonderlich an den Wünschen der Fans interessiert. Denn die Tatsache, dass ich als Fan, egal ob männlich, weiblich, alt oder jung, die Verbundenheit zu meinem Verein durch das Tragen der Vereinsfarben symbolisieren möchte, erscheint dann doch als ein, sagen wir mal, primäres Grundinteresse. Dieses trotz der Erfahrungen der letzten Saison mit Füßen zu treten, ist schon harter Tobak. Eine andere Variante wäre die, dass der BVB seine weiblichen Fans bewusst mit anderen Kleidungsstücken ausstatten möchte, um sie so aus der Masse hervorzuheben. Möglicherweise möchte man seinen Stolz auf die zahlreichen Frauen im Stadion unterstreichen oder aber sieht in ihnen nur schmückendes Beiwerk, dem nicht wirklich etwas am Fußball bzw. dem Verein liegt und für die man deshalb auch keine identitäts-stiftenden Utensilien anzubieten braucht. Das dies im Umkehrschluss auch schnell die Grenze zu einer gewissen Art von Stigmatisierung überschreitet, wird schnell deutlich. Eine große BVB-Familie? Wohl eher nicht. Liebe Merchandising-Abteilung, wir Fans brauchen keine teuren rosa Herzchen oder glitzernde Steinchen auf unseren Schals, Trikots oder Jeans. Zumindest nicht im Stadion. Eine weibliche „BVB-Linie“ ist in der Idee nicht verkehrt, aber dann doch bitte in schwarz-gelb. Denn über Geschmack lässt sich streiten, über die Zugehörigkeit zu seinem oder ihren Verein und den Wunsch, diese auszudrücken, nicht!


Geschrieben von Rahel/ Ramona

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