Männer

3:3 zum Jahrsauftakt Bittersüßer Nervenkitzel

10.01.2026, 13:00 Uhr von:  Gastautor*in  
Bittersüßer Nervenkitzel

Der BVB erzielt in letzter Sekunde den Ausgleich gegen Eintracht Frankfurt. Im Stadion herrscht Ekstase. Doch schon auf der Rückfahrt kommt auch ein wenig Frust auf.

All die Ruhe der vergangenen 20 fußball-freien Tagen ist passé. Borussia spielt wieder. Und das erste Spiel des neuen Jahres zerrt direkt mal so richtig an den Nerven. Anders als befürchtet hat Sturmtief Elli damit fast gar nichts zu tun. Mit gerade mal einer Viertelstunde Verspätung erreicht der ICE 125 den Frankfurter Hauptbahnhof.

"Im Herzen von Europa" - wohl das beste Kurvenintro der Bundesliga

Aufregend wurde es stattdessen auf dem Platz und auf den Rängen. Der BVB verspielt zwei Führungen. Ein paar Frankfurt-Fans gleich neben dem Gästeblock führen sich oberpeinlich auf. Und in der letzten Minute fällt der Ausgleich zum 3:3. Was ein Hin und Her.

Also: Wie war’s? Was bleibt?

1. Halbzeit

Tja, wo fängt man da an. Die erste Halbzeit fühlt sich im Stadion phasenweise reichlich zäh an. In Erinnerung geblieben ist vor allem der Ärger über den ein oder anderen katastrophalen Fehlpass. Auch wenn die Wahrnehmung auf der Tribüne offenbar nicht ganz zur Realität passt: Der Kicker weist für das Spiel eine Passquote von 85 Prozent aus. Ganz so schlimm war’s wohl doch nicht.

Zumal der BVB gut ins Spiel kommt: Schlotterbeck schön auf Ryerson, der legt zurück, Beier schiebt ein – 1:0. Ein frühes, wichtiges Tor in einem schwierigen Auswärtsspiel – das wissen wir ja noch vom Pokalspiel Ende Oktober. Doch nach dem Treffer? Lässt sich Borussia hinten reindrängen. Frankfurt kommt zu guten Chancen und erhält einen Elfmeter. Guirassy trifft Koch am Oberschenkel. Im Stadion nicht so recht zu erkennen, aber laut Liveticker sehr berechtigt. Na gut. Uzun tritt an, 1:1.

Gedenken an Marcels Tod im Gästeblock

Apropos Guirassy: 16 Ballkontakte, 12 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 1 Torschuss, 0,02 Expected Goals, seit dem 31.Oktober ohne Ligatreffer. Klar, Formtiefs im Fußball gehören dazu. Und Stürmer stehen besonders im Fokus, sind angewiesen auf die Pässe der Hintermänner. Aber ist das überhaupt noch ein Formtief? Angesichts seiner Leistungen und allen voran seiner Körpersprache fragt man sich unweigerlich, ob der 29-Jährige gedanklich ganz woanders ist. Auch wenn wir in der Chronologie des Textes ja eigentlich noch bei der ersten Hälfte sind: Guirassys Statistiken beziehen sich auf seine gesamte Einsatzzeit von einer Stunde und fünf Minuten …

Weiter im Text: Das Spiel ist nach dem Ausgleich wieder ausgeglichener, ohne die richtig großen Torchancen, ohne überraschende Bälle oder Kombinationen. Kurz vor der Halbzeit kommt noch mal Hoffnung auf, als der BVB einen Freistoß aus halbrechter und guter Position erhält. Ryerson nimmt Maß – und: spielt den Ball dem Frankfurter Højlund perfekt in die Füße. Aha: Fehlpass! Nimm das, Kicker-Statistik! 

Schwerer Stand: Serhou Guirassy gegen Arthur Theate

Auch die Fans sind in der ersten Halbzeit noch nicht warm. Viele Gesänge plätschern dahin, lange Zeit machen nur die ersten Reihen so richtig mit. Nach mahnenden Worten der Vorsänger („nichts Halbes und nichts Ganzes“) sind die Gesänge kurzzeitig bedeutend lauter, doch eine Stimmung, die einem Flutlichtspiel im Waldstadion gerecht wird, kommt erst mal nicht auf. Das gilt auch für die Frankfurter Seite. Da war beim Pokalspiel deutlich mehr Feuer drin.

Angesichts der Wetterlage und der mauen ersten Hälfte sollte dieser Spielbericht eigentlich die Überschrift „Sturmtief Borussia“ tragen. So zumindest der Plan in der Pause. Aber dann wurde es in der zweiten Hälfte zum Glück bedeutend besser. Schade um das schöne Wortspiel. Naja.

2. Halbzeit

Niklas Süle stand wieder seinen Mann in der Innenverteidigung

Also: zweite Hälfte. Frankfurt kommt zwar zuerst besser aus der Pause, aber ab der 55. Minute spielt sich in der BVB in eine ansehnliche Druckphase. Die Steckpässe von Brandt kommen nun zuverlässiger an, Svensson kann das ein oder andere Mal aus guter Position in den Strafraum querlegen. Nur ein Tor springt aus dieser dominanten Phase erst mal nicht heraus.

Auch auf den Rängen wird die Stimmung hörbar besser. Lautere Gesänge, höhere Mitmachquote. Hier geht was! Erst recht als der Gästeblock in der Mitte eine Gasse bildet und die Gesänge von links nach rechts wechseln, wird ausgelassen mitgegrölt. 

Wie oben schon verraten: Nach 65 Minuten ist Schluss für Guirassy. Fabio Silva kommt und belebt mit seinem Engagement das Offensivspiel. Zwei Minuten nach dem Wechsel will Theate den Ball klären und legt unfreiwillig für Nmecha auf, dessen Schuss abgefälscht im Tor landet. Jawoll! 

„Jetzt müssen wir das Spiel killen“, heißt es im Gästeblock. Borussia Dortmund? Ein Spiel killen? In der Saison 25/26?

Erstes Spiel für die SGE - erster Treffer: Younes Ebnoutalib

Nur drei Minuten später ist der Frankfurter Debütant Younes Ebnoutalib nach einem starken Ball von Kalimuendo beim Konter frei durch und überspielt Kobel zum erneuten Ausgleich. Das darf doch nicht wahr sein. Das Spiel bleibt offen, Kovac bringt Adeyemi und Can für Beier und Süle. Auf Frankfurter Seite kommen zwei Ex-Borussen: Mario Götze und Mahmoud Dahoud. Der BVB in der Folge erneut mit einigen guten Aktionen. Svensson bringt den Ball mal wieder quer und mal wieder zu ungenau in den Strafraum. All seine Hereingaben hätten heute gerne deutlich gefährlicher werden dürfen.

Die Schlussphase hat es in sich: In der 90. köpft Schlotterbeck nach Ecke an die Latte, Seitfallzieher Silva, drüber. Danach landet ein Klärungsversuch von Ryerson bei Dahoud. Linksschuss, abgefälscht, Innenpfosten, drin. Verdammt. Die Eintracht dreht das Spiel. 

Respekt gebührt einem besonders reaktionsschnellen Frankfurter: Noch als der Ball den Innenpfosten berührt, ertönt schon die Torhymne. Oder macht sowas heutzutage schon die KI?

Ernüchterung und Ärger auf den Rängen. Zwei Führungen und jetzt holt Frankfurt den späten Dreier? Einige obercoole Eintracht-Fans, die Sitzplatzkarten gleich neben dem Gästeblock ergattern konnten, lassen es sich nicht nehmen, sich mit obszönen Handgesten mit dem Gästepublikum anzulegen. Hat alles ein wenig Juventus-Vibes.

Typisch BVB: Mo Dahoud bringt die SGE sogar kurzzeitig in Führung

Zum Glück zeigt der BVB trotz der späten Führung eine gute Reaktion. 90+6.: Sabitzers Flanke kommt irgendwie bei Joker Chukwuemeka an, der Keeper Santos aus kurzer Distanz keine Chance lässt. Im Gästeblock gibt es kein Halten mehr. Für diese Augenblicke lohnen sich all die Strapazen doch immer und immer wieder! 

Grüße an die Frankfurt-Fans neben dem Block: Karma. :)

Fazit

Als man es nach dem Parkplatzgedränge auf die A3 Richtung NRW geschafft hat, lässt die Euphorie spürbar nach. Der BVB vergibt in Frankfurt zwei Führungen, hätte drei wichtige Punkte in einem der kniffligsten Auswärtsspiele mit nach Dortmund nehmen können (oder müssen?), sah defensiv bei den Gegentoren schlecht aus. 

ABER: In der zweiten Hälfte spielt der BVB druckvoll, spielerisch gut, vermiest dem Frankfurter Publikum in der sechsten Minute der Nachspielzeit die Siegeslaune. Ein erfolgreicher Start ins Fußballjahr 2026? Zumindest ein aufregender! Und einer, der dank der Leistungen in der zweiten Hälfte hoffen lässt für die kommenden Spiele. Auf geht’s Dortmund, kämpfen und siegen!

Ach ja: Wir wollen schwatzgelbe Trikots! Und Fabio Silva von Anfang an.

Erneut spielte der BVB grundlos in den hässlichen Ausweichtrikots damit der Hauptsponsor sein rotes Logo präsentieren konnte

Gastautor Dominik

Unterstütze uns mit steady

Weitere Artikel