Hinrunde mit 3:0 Sieg beendet Schlecht spielen und hoch gewinnen
Platz zwei, die beste Hinrunde seit Jahren mit nur einer Niederlage. Läuft doch super beim BVB, möchte man meinen. Aber dennoch hinterließ die Art und Weise des Erfolgs gegen Bremen viele Zweifel. Unser Spielbericht zum Heimsieg gegen Werder.
3:0 gegen Werder Bremen! Wow! Früher wären wir nach so einem Ergebnis auf den Zaun geklettert, hätten den Spielern frenetisch zugejubelt und zur Feier des Tages auf dem Heimweg noch einen halben Kiosk leer getrunken. Und gestern? Kurzer Applaus nach der Partie, erste zaghafte Versuche sich das Geschehene schön zu reden und dann schnell nach Hause. Letzteres lag sicherlich auch an der unglücklichen Terminierung. Warum legt die DFL den einzigen Spieltag der Saison unter der Woche in die erste Januar-Hälfte? Wenn dann auch noch der Dortmunder Bahnhof am späten Abend die meisten Zugverbindungen kappt, wird der Besuch eines Fußballspiels an einem Winterabend für viele Fans noch strapaziöser.
Dabei hatte die Partie schwungvoll begonnen, zumindest die Bremer waren sofort hellwach und wäre Ex-BVB II- Spieler Justin Njinmah nicht zu eigensinnig gewesen (4.), hätte es sofort 0:1 stehen können. Ein guter Move von Nico Schlotterbeck schien dann aber die Bremer Anfangsoffensive jäh zu beenden. Nach einer Ecke von Ryerson stand der Dortmunder Innenverteidiger so frei wie wohl noch nie in seiner Karriere und konnte aus zwei Metern Entfernung ein köpfen (11.). Gegenspieler Stage und auch Werder- Keeper Backhaus sahen da wie amateurhafte Dilettanten aus.
Normalerweise bringt so eine frühe Führung Ruhe und Sicherheit für die Heimmannschaft. Nicht so beim BVB. Im Mittelfeld häuften sich nun die Fehlpässe bei Nmecha, Sabitzer und vor allem Chukwuemeka, die rechte Seite mit Couto und dem blassen Beier fand keine Harmonie, der für Guirassy in die Startelf gekommene Silva war, positiv formuliert, immerhin viel unterwegs. So musste Kobel, wieder einmal der beste Borusse, bei einer erneuten Großchance von Njinmah (18.) die knappe Führung retten. Danach sank das Niveau der Partie, weil nun auch den Bremern nichts mehr einfiel, bis zur Pause aufs absolute Not gegen Elend-Level. Dafür gab´s sogar auf der Südtribüne Pfiffe für die magere Vorstellung. Eigentlich mag ich dieses Gepfeife gegen das eigene Team überhaupt nicht, aber gestern hatte ich erstmals einen Hauch von Verständnis.
Halbzeit zwei
Auch der Seitenwechsel brachte da zunächst wenig Besserung, spielerisch blieb es bis auf einen flotten Konter, bei dem Beier und Silva scheiterten, auf dürftigem Niveau. Aber immerhin hatte die Defensive, in der Can den gelb vorbelasteten Süle ersetzte, die immer harmloser agierende Bremer Offensive nun im Griff. Trotzdem, bei der Kombination aus schwacher Leistung und knapper Führung (ist ja in letzter Zeit öfter in die Hose gegangen), ertappte ich mich immer häufiger beim Blick auf die Anzeigentafel, wo die Minuten einfach nicht verrinnen wollten.
Umso größer der Jubel, als Marcel Sabitzer die schwarz-gelbe Gemeinde mit einem feinem und unhaltbaren Treffer aus 16 Metern erlöste.(76.). Von den Gästen kam jetzt nichts mehr und so hielt der Abend noch einen schönen und versöhnlichen Abschluss bereit, als der eingewechselte Serhou Guirassy einen kapitalen Abwehrfehler der Gäste zum 3:0 nutzte (83.). Bemerkenswert, dass sogar Gregor Kobel den weiten Weg bis vor die Südtribüne zurücklegte, um die Wiederauferstehung des zuletzt recht formschwachen Torjägers gemeinsam mit der ganzen Mannschaft zu feiern. Der Teamgeist, von dem bei Trainer Kovac häufig die Rede ist, scheint intakt zu sein.
Fazit: Auch wenn gegen Werder eine Überdosis an Rumpelfussball zu sehen war, der gegen einen stärkeren Gegner sicherlich bestraft worden wäre, bleibt die tabellarische Lage im Vergleich zum – sagen wir mal Horror-Januar vor genau einem Jahr- hervorragend.
Und eigentlich sind die sehr gute Hinrunde, Platz zwei und eine grandiose Heimstärke doch Top-Voraussetzungen für besseren und schöneren Fußball, am besten schon am Samstag gegen den FC St.Pauli.
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