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- 08.09.2006

David gegen Goliath: Macht der BVB das Dutzend voll?

Warum treten wir eigentlich an? Es ist mal wieder DFB-Pokal-Time, die Chance für Underdogs, mit nur sechs (manchmal sogar nur fünf) Siegen in den Europapokal zu kommen. Die Möglichkeit, die großen Klubs zu ärgern. Einer, der regelmäßig geärgert wird, ist der BVB. Wie ist es in der Saison 2006/07? Gibt es eine DFB-Pokal-Saison wie 1964/65 oder endet es wie in der Saison 2001/02?

Die TSG Thannhausen ist im diesen Jahr der glückliche Verein, der das Pokallos Borussia Dortmund gezogen hat. Nicht nur glücklich, weil der BVB den Bayern ein volles Haus und reichlich Einnahmen beschert. Nein, das Glück kann auch ganz wo anders liegen. Denn der BVB hat sich diesen Wettbewerb ausgesucht, um ständig zu versagen. Wolfsburg Amateure, Wattenscheid 09 oder Concordia Hamburg hießen die Mannschaften, gegen die der BVB in der ersten Hauptrunde verloren hat. Und selbst, wenn man diese mal überstanden hat, konnte man sich immer noch gut blamieren. Niederlagen gegen unterklassige Gegner sind beim BVB der Regelfall. Zum Beispiel 99/00, als man gegen die Stuttgarter Kickers rausgeflogen ist. Oder Eintracht Trier in der Saison 97/98, oder die Heimniederlage in der Saison 93/94 gegen Carl Zeiss Jena. Die bitterste Niederlage war wohl 82/83, als man im Pokalhalbfinale gegen den Zweitligisten Fortuna Köln mit 0-5 unterging, was Trainer Feldkamp den Job kostete.

Tannhausen oder Thannhausen? – Die Suche nach unserm Gegner

Als die Auslosung beendet war, wurde schon nach dem Ort Thannhausen gesucht. Als erstes ging es um die Schreibweise. Die ersten landeten in Baden-Württemberg im Ostalbkreis (Ostwürttemberg). Dort konnte man den SV Tannhausen und den VfB Tannhausen finden. Aber unser Gegner wird halt mit H geschrieben. Da findet man ein Thannhausen in der Steiermark. Aber auch dieser Ort kann nicht richtig sein, denn bekanntlich gehört Österreich seit ein paar Jahren nicht mehr zu Deutschland. Also suchen wir weiter. Nach langer Suche quer durch Deutschland findet man dann das richtige Thannhausen in Bayern und um es genau zu sagen, es liegt zwischen Augsburg und Ulm.

Nachdem das erste Problem gelöst worden war, ging es nun um den Verein. Dortmunds Gegner heißt TSG von 1890 Thannhausen e.V und deren erste Mannschaft spielt in der Landesliga Süd. Die aktuelle Saison lief bisher zufriedenstellend. Zurzeit liegt die TSG auf Platz 4 mit vier Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Am letzten Spieltag konnte Thannhausen ein 0-0 gegen den TSV 1860 (nein nicht München, sondern Rosenheim) verbuchen. Die Mannschaft jetzt vorzustellen, ist ein bisschen schwierig. Denn bis auf Co-Trainer Cookie dürfte diese Mannschaft wohl noch kein BVB-Fan live gesehen haben. Trotzdem haben sie einen Deutschen Meister im Kader. 2004 holte Johannes Schlumberger mit der Bayernauswahl diesen Titel. Außerdem konnte Torhüter Sebastian Steidle bereits Regionalligaluft schnuppern. Er gehörte dem Kader des FC Augsburg an. Ein weiterer Spieler, der sicher den BVB kennt, ist der Stürmer Mijo Stijepic, der von den Amateuren des FC Sch*lke kam. Er ist mit seinen neun Treffern der torgefährlichste Spieler der TSG. Trainer dieser Mannschaft ist der Student Oliver Schmid, dessen größter Erfolg der zweimalige Aufstieg in die Landesliga ist. Natürlich wird er hoffen, dass er es seinem Lieblingsverein nachmachen kann und den BVB erneut eine Niederlage im Bayernland beibringen kann.

Wahrscheinlich spielt die TSG im Tor mit Sebastian Steidle, in der Abwehr mit Marian Dischl, Mark Hugel, Manuel Kirschenhofer und Stefan Mittelbach. Im Mittelfeld stehen Peter Jakob, Stefan Selig, Tobias Schieferle und Franz Stroh. Der Sturm besteht aus Bayram Sadrijaj und Mijo Stijepic.

Wer mehr über das Pokalspiel in Thannhausen erfahren möchte: die TSG hat einen Flyer herausgebracht, welche man über deren Homepage runterladen kann (LINK). Und wer sich für das super Vorprogramm interessiert, kann dies sich unter dieser Adresse angucken.

Ganz Dortmund möchte nach Berlin

Erinnerungen an 1989 - Wann erleben wir so etwas mal wieder?

Ganze vier Leute im großen Verein BVB wissen noch, wie es ist, nach Berlin zu reisen und da einen Pokal mitzubringen. Da ist zum einen Aki Schmidt, der diesen Pokal 1965 gegen Alemannia Aachen gewonnen hat (gut, es gibt weitere Mitglieder dieser Mannschaft, die zurzeit im BVB-Ältestenrat arbeiten). Bekannter sind die Pokalhelden von Berlin 1989, deren Heldenstatus ihnen heute noch hilft. Davon zehren sicher Sportmanager Zorc, Torwarttrainer de Beer und vor allem Eventmanager Dickel. Aber auch diejenigen, die beim Traditionsabend am 28.09.2005 anwesend waren, werden wissen, dass man so einen Triumph gerne wieder in Dortmund erleben möchte. Höher ist wohl nur ein Derbysieg angesiedelt. Aber schwelgen wir nicht in Erinnerungen, sondern kommen zurück in die Gegenwart. Nachdem die Vorbereitung ohne Probleme vorbeigegangen ist, begann die Saison sportlich wie auch gesundheitlich schlecht. Nach einer nicht erhofften Niederlage in München und einem enttäuschenden Unentschieden gegen Mainz 05 konnte der BVB sein zweites Auswärtsspiel gegen den schwächelnden VfB Stuttgart mit 3-1 gewinnen. Allerdings musste der BVB wieder viele Verletzungen hinnehmen. Beim Bayern-Spiel verletzte sich Kehl. Außerdem fiel Metzelder aus. Beim Heimspiel gegen Mainz überzeugte dessen Vertreter Amedick (nicht nur, weil er ein Tor erzielte), aber wie immer, auch er verletzte sich. So durfte in Stuttgart die dritte Innenverteidigung auflaufen. Amedick wurde durch den in den ersten beiden Spielen gesperrten Wörns ersetzt. In allen drei Partien überzeugte die Abwehr nicht. Zu allem Überfluss riss am letzten Wochenende beim Spiel der Dortmunder Zweitvertretung dem Ersatzkeeper Bernd Meier erneut das Kreuzband, so dass der BVB auch dort nun vor einem Problem steht.

Aber wenn man eins in Dortmund gelernt hat, dann ist es Verletzungskrisen zu überwinden. So wird im Tor Roman Weidenfeller stehen und auf der Bank wird die Nummer 1 der Regionalligamannschaft des BVB, Sören Pirson, Platz nehmen. Die Abwehr wird aus Degen, Brzenska, Wörns und Dede bestehen. Das Mittelfeld werden Kruska, Tinga, Kringe und Pienaar bilden und im Sturm wird Bert van Marwijk auf Frei und Valdez setzen. Das ist dann auch eine Besonderheit beim BVB. Wer kann sich heute noch an das letzte Pflichtspiel erinnern, in dem der BVB mit haargenau der gleichen Aufstellung wie Spiel vorher aufgelaufen ist? 

Zehn Flugzeuge waren am Start, 100 Busse standen parat....


Die spinnen, die Dortmunder !

Gut, ganz so viele Leute wie in dem Lied von BUMS sind es nun nicht, aber eins dürfte klar sein: es werden genug Borussen in Thannhausen vor Ort sein. Dank der RAG werden 12 subventionierte Busse unterwegs nach Bayern sein. Nicht alle dieser Busse werden in Dortmund starten, sondern es werden diesmal Busse aus der ganzen Bundesrepublik die BVB-Fans nach Thannhausen bringen und diesen Ort wie in den Asterix-Comics einkesseln. Hoffen wir mal, es gelingt uns besser als den Römern.

Gespielt wird im Mindelstadion in der Jahnstrasse 5 (Anfahrtsweg). Für das Spiel der Spiele wurden Zusatztribünen aufgebaut und die Kapazität auf über 10.000 Zuschauer erweitert. Damit werden mehr Zuschauer im Stadion sein als der Ort Einwohner hat (ca. 6.000). Allerdings sind alle Tribünen unüberdacht. Sollte es regnen, werden sehr viele Fans nass, denn das Mitbringen von Regenschirmen ins Stadion ist untersagt. Am Spieltag selbst werden die Strassen rund um das Stadion nicht (Jahnstrasse, Lindenstrasse und Uferweg) bzw. nur teilweise (Fritz-Kieninger-Strasse) befahrbar sein. Außerdem hat die TSG verkündet, dass es keinen Shuttleservice geben wird.

Die allgemeinen Parkplätze werden voraussichtlich eingerichtet auf oder an:

-         vier Wiesengrundstücken an der Bayersrieder Straße (bei nassem Untergrund: Bayersrieder Str. einseitig)

-         Sudetenlandstraße (ehemals Lidl)

-         Edmund-Zimmermann-Straße (vier Parkplätze der Fleischwerke Zimmermann)

-         Mindelheimer Straße (Kleingartenanlage)

-         Im Krautgarten (Kaupp-Gelände)

-         Im Krautgarten (ehemals „Melody“)

-         Badstraße (Freibad, Schützenheim)

Sonderparkplätze gibt es im Bereich der Schulen (Busse), im Innenhof der Hauptschule (VIP) und an der Freizeitanlage beim Stadion (Presse). Ansonsten muss im Stadtgebiet geparkt werden.

Besucher aus Thannhausen werden gebeten, möglichst zu Fuß oder mit dem Fahrrad ins Mindelstadion zu kommen. Dort wird in Zelten und an diversen Ständen für das leibliche Wohl gesorgt.

Statistisch kann man zu der Partie wenig sagen, da Thannhausen bisher noch nie Gegner des BVB war. Insgesamt hat der BVB 166 Spiele im DFB-Pokal bzw. im WFV-Pokal gespielt. Davon gewann der BVB 95 Spiele und erreichte 18 Unentschieden. Aber auch 53 Partien gingen verloren, davon 41 auswärts. Insgesamt elf Erstrunden-Niederlagen verzeichnete der BVB. Dagegen stehen drei Endspiel- und fünf Halbfinalteilnahmen.

Schiedsrichter der Partie ist der 38jährige Wolfgang Walz. Der aus Baden-Württemberg stammende Rettungswachleiter des DRK wird von seinen Assistenten Guiseppe Palila und Macro Fritz unterstützt. Seit vier Jahren pfeift er in der zweiten Liga und kam bisher auf 32 Partien.

Die Aufstellungen

Die Thannhauser Pokalhelden: Steidle – Hugel, Mittelbach, Dischl, Kirschenhofer – Schieferle, Jakob, Selig, Stroh – Stijepic, Sadrijaj

 

Die Dortmunder Pokalblamagenverhinderer: Weidenfeller – Degen, Brzenska, Wörns, Dede – Kruska – Tinga, Kringe – Pienaar – Valdez, Frei

 
Die Dortmunder Bank: Sören Pirson – Uwe Hünemeier, David Vrzogic, Lars Ricken, Nuri Sahin, Sebastian Tyrala, Ebi Smolarek
 

Und was gibt es sonst noch?

 Für Daheimgebliebene gibt es ebenfalls eine Chance, das Pokalspiel der Borussen zu sehen. Da aus technischen Gründen eine Netradio-Übertragung nicht möglich war, entschloss man sich für ein bisschen WM-Feeling in Dortmund und reaktivierte das „Public Viewing“. Denn am 09.09.2006 ab 11 Uhr veranstaltet ein großer Lebensmittelkonzern im Stadion Rote Erde ein Familienfest. Neben diversen Showacts und einem Fußballspiel zwischen der Filmcrew von „Das Wunder von Bern“ und einer Charity-Auswahl (Spielbeginn um 13 Uhr) wird eine Großleinwand aufgebaut, auf der das Pokalspiel zwischen dem BVB und Thannhausen übertragen wird. Der Eintritt kostet im Vorverkauf einen Euro (in Dortmunder REWE-Geschäften), an der Tageskasse 1,50 Euro. Der Erlos kommt einer Dortmunder Stiftung zu Gute.

 

So etwas möchte man bestimmt wieder in Dortmund erleben, oder?

Abschließend bleibt diesmal hoffentlich nicht die Erkenntnis, dass der BVB und der DFB-Pokal nicht mehr zusammenkommen. Sollte es aber trotzdem mal wieder passieren, empfehlen wir unseren Lesern die Seite www.dfb.de. Dort wird auch nach der ersten Runde über den Pokal berichtet. Sollte aber die „Sensation“ passieren, dass der BVB in die Runde zwei kommt, dann sollte man nächste Woche am Samstag um 22 Uhr das Aktuelle Sport-Studio schauen. Denn da wird die nächste Runde ausgelost.
Geschrieben von CHS


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