Frauen

BVB-Frauen in der Regionalliga Zwischen Aufstiegsjagd und Popp-Beben

09.03.2026, 08:00 Uhr von:  Gastautor*in  
Zwischen Aufstiegsjagd und Popp-Beben

Zwischen Aufstiegskampf und dem Traum von den ganz großen Stars. Unser Gastautor Isaija über die aktuelle Situation bei den BVB-Frauen.

Rückblickend ist es schon erstaunlich, dass der letzte große Blick auf die BVB-Frauen nach der 0:2-Niederlage im DFB-Pokal gegen Bayern entstanden ist. Damals, vor dieser Rekordkulisse (Schwatzgelb berichtete, dass das die Rote Erde Stadion seit langem mal wieder voll war), war es ein Moment des puren Stolzes, ein Beweis dafür, was in diesem Verein und dieser Mannschaft steckt, wenn die Bühne groß genug ist. Man muss dabei ehrlich bleiben: Auf dem Platz war unser BVB gegen diese übermächtigen Gegnerinnen weitgehend chancenlos, doch das war ja zu erwarten. Viel wichtiger war, dass sie gekämpft haben. Und genau deshalb fühlte sich die 0:2-Niederlage am Ende trotzdem irgendwie wie ein kleiner Sieg an. Das man gegen ein absolutes Weltklasse-Team (diese Saison bisher mal wieder 1. in der Frauen-Bundesliga) über 90 Minuten nur zwei Gegentreffer durch Pernille Harder kassierte – und das innerhalb von nur sieben Minuten, zeigt, wie stabil der BVB defensiv stehen kann, wenn die Einstellung stimmt. Doch die wahre Prüfung für unsere Truppe, die von Markus Högner trainiert wird, begann erst danach, als das Spiel beendet war und der Fokus zurück auf das harte Kerngeschäft in der Regionalliga West wanderte.

Wer geglaubt hatte, nach so einem Höhepunkt würde ein Loch folgen, sah sich getäuscht, denn gerade die Monate seit Oktober 2025 haben gezeigt, wie gnadenlos unser BVB Spiele gewinnen kann. Besonders der Oktober bleibt uns allen in Erinnerung, als der BVB die Gegnerinnen mit Toren überflutete. Ein 9:0 gegen den GSV Moers (Letzter in der Regionalliga West) setzte den Start, gefolgt von einem souveränen 5:0 gegen Wacker Mecklenbeck und einem deutlichen 7:0-Auswärtssieg beim SSV Rhade. Auch Fortuna Köln wurde mit einer 6:0-Packung nach Hause geschickt, in einem Spiel, in dem die Torgefahr des BVB auf so vielen Schultern lastete, dass die Gegnerinnen gar nicht wussten, wen sie zuerst decken sollten. Allein in dieser Partie trugen sich mit Ronja Leubner, Rita Schumacher (Doppelpack), Jill Steenwijk, Dana Marquardt und Jasmin Jabbes gleich fünf verschiedene Akteurinnen von uns in die Schützenliste ein. Selbst das 1:1 Unentschieden gegen Arminia Bielefeld konnte unseren Lauf kaum bremsen, da unsere BVB-Frauen kurz darauf Spoho Köln mit 4:0 fertigmachten.

Der November 2025 brachte dann jedoch den emotionalen Dämpfer, der im Fußball leider einfach dazugehört: Am 21. November unterlag unser BVB den Schalke-Frauen im prestigeträchtigen Duell mit 1:2. Trotz eines Treffers von Rita Schumacher reichte es an diesem Tag nicht, um im Westfalenpokal weiterzukommen. Da die Schalke-Frauen „nur“ in der Westfalenliga (4. Liga) sind, war die Niederlage für uns besonders schmerzhaft. Doch die Reaktion unseres Teams war bezeichnend für die Mentalität, die Högner allen eingeimpft hat. Anstatt zu zweifeln, festigte der BVB seine Position mit einem 4:0-Auswärtssieg gegen Leverkusen II und einem hart erkämpften 1:1 im Heimspiel gegen Köln. Auch die Siege gegen Gütersloh und die Zweitvertretung der SGS Essen im November untermauerten, dass ein Aufstieg in die 2. Liga alles andere als unrealistisch ist.

Ein Blick auf die Statistiken offenbart dabei die endlose Qualität im Kader: Dana Celine Marquardt liefert eine Quote ab, die sprachlos macht – 14 Tore in nur 11 Einsätzen sind ein Statement. Flankiert wird sie von Rita Schumacher, die ebenfalls bei 14 Saisontoren steht und das Sturmduo zur gefährlichsten Waffe der Liga macht. Doch der BVB ist keine Zwei-Frauen-Show: Ronja Leubner mit neun Treffern sowie Jasmin Jabbes und Annika Enderle mit jeweils sieben Toren sorgen für eine Breite, die ihresgleichen sucht. Besonders die Entwicklung von Annika Enderle ist hervorzuheben: Mit der Erfahrung von 27 Bundesliga-Spielen für die SGS Essen im Gepäck blüht sie beim BVB in der Regionalliga regelrecht auf. Auch Celina Baum hat bereits beweisen, wie wichtig sie für das Teamgefüge ist.

Was unsere Frauen neben der sportlichen Dominanz aber so besonders macht, ist die Fairness. Die Mannschaft präsentiert sich als extrem faires Team, das seine Überlegenheit fast ausschließlich spielerisch ausspielt. In der laufenden Regionalliga-Saison hat die Mannschaft eine beeindruckend weiße Weste gewahrt und ist mit wenigen gelben Karten im einstelligen Bereich das absolute Vorbild in Sachen Fairplay. Es zeigt, dass Markus Högner es geschafft hat ein Team zu formen, dass nicht nur fußballerisch gut auftritt, sondern auch noch fair ist. Dabei gilt zu bemerken, dass die Frauenteams insgesamt fairer Auftreten als die Männer und auch andere Teams aus der Regionalliga West oft ohne Karten auskommen.

In diese ohnehin schon hochkarätige Truppe stieß am 30. Januar 2026 nun auch noch Marina Scholz hinzu. Die Verpflichtung der erst 20-jährigen Offensivkraft vom 1. FC Nürnberg unterstreicht die Ambitionen des BVB, den Kader langfristig auf Top-Niveau zu hieven, die Spieler aber selber zu entwickeln.

Mit 35 Punkten aus 15 Spielen (ø2,33Punkte pro Spiel) und einer Tordifferenz von 65:9 steht der BVB aktuell auf dem zweiten Platz der Regionalliga West, was in der dritthöchsten deutschen Spielklasse eine hervorragende Ausgangslage für den angepeilten Sprung in die 2. Bundesliga ist. Das Testspiel gegen den Zweitligisten Carl Zeiss Jena Anfang Februar (2:6) diente dabei als wichtiger Weckruf, in dem Paula Reimann und Annika Enderle zeigten, dass sie auch gegen höherklassige Gegner treffen können und insgesamt als Team alle füreinander kämpfen.

Doch während auf dem Platz weiter gearbeitet wird, sorgt eine Nachricht abseits des Rasens gerade für ordentlich Gesprächsstoff. Keine Geringere als Alexandra Popp, unsere Ikone des deutschen Fußballs, hat am 3. März 2026 die Gerüchteküche eigenhändig (!) zum Überkochen gebracht. In einem Podcast des Deutschen Fußballmuseums gab die gebürtige Wittenerin und bekennende BVB-Anhängerin tiefe Einblicke in ihre Zukunftsplanungen. Mit den Worten „Ich würde ja nicht über den BVB reden, wenn's nichts für mich wäre“, schickte sie eine Liebeserklärung in Richtung unserer BVB-Frauen, die jedem echten Fan eine Gänsehaut verpassen sollte! Popps Vertrag in Wolfsburg läuft im Sommer aus, und sie macht keinen Hehl daraus, dass ein Wechsel zu ihrem Herzensclub eine von mehreren realen Optionen ist. Dass die dreimalige Fußballerin des Jahres (2014, 2016 und zuletzt 2023) den Schritt von einem Champions-League-Club in ein „Projekt“ wie Dortmund in Erwägung zieht, zeigt, welche Strahlkraft der BVB mittlerweile entwickelt hat. Möglicherweise fungiert sie ab Sommer als unsere „Projektleiterin“ für den weiteren Weg nach oben, zumal sie offen ansprach, dass man in Wolfsburg zuletzt etwas stehen geblieben sei. Die Weiterentwicklung in Dortmund wäre auf jeden Fall gegeben. Für den BVB wäre eine Verpflichtung der 145-fachen Nationalspielerin ein echter Sprung, egal ob sportlich oder menschlich, egal ob in der Regionalliga oder in der 2. Bundesliga.

Bevor ich aber zu viel von „Poppi“ im schwarzgelben Dress träume, gilt für unsere Frauen, die volle Konzentration wieder auf den aktuellen Erfolgsweg zu lenken: Am 15.03.26 wird es endlich wieder ernst, wenn es in der Liga gegen Borussia Mönchengladbach II um die nächsten Big Points für den Aufstieg geht. Wir sind bereit für den Endspurt, denn die fehlenden drei Punkte auf Köln II müssen noch aufgeholt werden (im Hinspiel 31.08.2025 verlor man knapp mit 4:3, im Rückspiel trennte man sich 1:1).

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