wat willze jetz eigentlich? Mal so ganz platt gefragt, auch wenn Schlotterbeck vermutlich nicht direkt zum Hörer greifen und uns eine Antwort geben wird. Aber so langsam fängt es wirklich an zu nerven, wie zäh sich das Gezerre um eine Vertragsverlängerung gestaltet. Unstrittig ist, dass Schlotterbeck rechtlich völlig korrekt handelt. Sein Vertrag bei Borussia Dortmund läuft noch bis zum Ende der nächsten Saison und es ist wohl eher eine Eigenart des Fußballs und seiner finanziellen Besonderheiten, dass dieses Thema eigentlich schon zwei Jahre vor Ablauf aufgekommen ist.
Ebenso unstrittig ist, dass es Borussia Dortmund schwer fallen dürfte, einen sportlich gleichwertigen Ersatz verpflichten zu können. In der Defensive zwar immer noch mit gelegentlichen Unsauberkeiten, so sind allerdings seine langen Diagonalbälle zur Spieleröffnung ebenso spektakulär wie selten. Das macht ihn interessant für viele Clubs aus der sportlichen und finanziellen Kategorie über uns. Kein Wunder also, dass Borussia Dortmund intensiv um eine Verlängerung des Arbeitskontraktes kämpft. Selbst eine deutliche Gehaltserhöhung dürfte als Paket massiv günstiger sein als die Kombination aus Ablösesumme, Handgeld und einem ebenfalls nicht gerade geringen Gehalt für einen Ersatz. Schlotterbeck hält alle Trümpfe in der Hand, also ist es auf der einen Seite nachvollziehbar, wenn er für sich das Beste herausholen möchte.
Sportliche Perspektive ist bekannt
Dennoch wird es langsam Zeit, dass man sich beim BVB nicht auf nebulöse, sich selbst gesetzte und nicht öffentlich definierte „Deadlines“ des Spielers verlässt, sondern selbst das Heft des Handelns wieder in die Hand nimmt. Es gibt auch eigentlich kaum noch Unklarheiten. Schlotterbeck will eine Perspektive beim BVB sehen? Was gibt es da noch für Unklarheiten? Unglücklich ausgeschieden im DFB-Pokal gegen Leverkusen – kann immer mal passieren und ist nicht planbar. In der Champions-League, ein Weiterkommen gegen Bergamo vorausgesetzt, kommt eine Ende im Achtel-, allerspätestens Viertelfinale – das wird sich nicht ändern, weil der finanzielle Rückstand auf die Topvereine so groß ist, dass man nur mal mit ganz viel Glück mehr erreichen kann. Und in der Bundesliga? Da sind wir am 23. Spieltag mit deutlichen Vorsprung Zweiter der Tabelle und haben gerade mal ein Spiel verloren. Die „gläserne Decke“ ist und bleibt der FC Bayern München. Die Lücke zu ihnen, werden wir nicht dauerhaft schließen und immer darauf angewiesen bleiben, dass man an der Säbener Straße mal eine schwächere Saison spielt. Mit anderen Worten: es wird sich unterm Strich langfristig nicht viel an der aktuellen Perspektive ändern. Schlotterbeck kann sich entscheiden, ob er Teil – oder Kopf – einer Mannschaft sein möchte, die immer mal für eine Überraschung gut ist und hart dafür arbeitet, oder ob er jedes Jahr ein absoluter Titelkandidat sein möchte. Dann muss er eben gehen.
Wertvolles Zeitfenster für den BVB
Wenn es in Hinblick auf die sportliche Perspektive also kaum noch offene Fragen gibt, kann es nur ums finanzielle gehen. Es ist absolut okay, wenn Schlotterbeck bei einem Verein unterschreiben würde, bei dem es noch ein paar Millionen Euro mehr im Jahr gibt. Die Vereine selbst trimmen die jungen Spieler in den Nachwuchsleistungszentren darauf, nur auf sich selbst zu schauen und sieben gnadenlos die Spieler aus, von denen sie keinen ausreichenden Mehrwert erwarten. Dann muss man sich auch nicht wundern, dass man Spielergenerationen bekommt, die auch für sich auf die „beste Option“ setzen. Es wäre nur wünschenswert im Rahmen einer halbwegs vertraulichen Arbeitsbeziehung, dass Schlotterbeck das dem Verein auch kurzfristig mitteilt. Das wäre auch für den BVB von Vorteil, weil sich für den BVB gerade ein wichtiges Zeitfenster auftut. Die aktuelle Tabellenlage macht eine erneute Qualifikation zu Champions-League höchstwahrscheinlich. Vier Siege aus elf Spielen sollten ausreichen, um erneut in die Königsklasse einzuziehen. Das gibt frühzeitig finanzielle Planungssicherheit und man kann potenziellen Neuzugängen eine Perspektive bieten, die unsere direkten Konkurrenten aus Leipzig, Leverkusen oder Stuttgart noch nicht zusichern können. Ein echter Wettbewerbsvorteil.
Eine schnelle Klarheit, egal wie sie sich darstellt, wäre also auf jeden Fall für alle wünschenswert und so sollte auch Borussia auf eine definitive Antwort zu einem festen Termin drängen. Wenn sie bis dahin ausbleibt, zieht man das Angebot eben zurück und schaut sich um.
Eine Situation, die Sportdirektor Sebastian Kehl gut kennen dürfte. Für ihn hing mal in der Kurve ein Banner mit der Aufschrift: „Sebastian, gibt dir einen Ruck. Unterschreib und bleib.“ Wäre schön, wenn Nico Schlotterbecks Kampf um eine Vertragsverlängerung den gleichen Ausgang hätte.
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