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SG Spezial: #KeineSchwäche - 10 Jahre nach Robert Enkes Tod

05.11.2019, 10:29 Uhr von:  Redaktion
SG Spezial: #KeineSchwäche - 10 Jahre nach Robert Enkes Tod

Es sind wichtige Wochen für den BVB. Derby, Champions League, Auswärts in München und dazwischen noch ein Pokalspiel gegen den Tabellenführer. Und das alles mit einem in der Kritik stehenden Trainer. "Schicksalswochen", "Wochen der Wahrheit", "BVB und Favre unter Druck" so oder ähnlich war es in den vergangenen Tagen und Wochen zu lesen.

Doch eine Sache sollte dabei nicht untergehen: Es ist nur Fußball. Wie klein und unwichtig dieser Fußball sein kann, erfuhren wir alle am 10. November 2009, als der damalige Nationaltorwart Robert Enke Suizid beging.

Mit Fassungslosigkeit und Entsetzen reagierte Deutschland auf diese Nachricht. Dass ein hochangesehener und beliebter Fußballprofi keinen anderen Ausweg sah, als sich das Leben zu nehmen, war für viele ein Schock. Am Tag nach dem Suizid trat Roberts Ehefrau Teresa vor die Presse und berichtete, dass Robert seit langer Zeit an Depressionen erkrankt war.

In den folgenden Tagen und Wochen wurde viel diskutiert, wie die Fußballwelt mit dem Tod Enkes umgehen soll und welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um so etwas zu verhindern. Neben dem Umgang mit der Krankheit Depression rückte auch schnell der vorherrschende Druck im Profisport in den Blickpunkt.

Wir haben uns, 10 Jahre danach, auf Spurensuche begeben. Haben uns mit vielen Menschen getroffen und mit ihnen gesprochen. Über den Kosmos Profifußball, über Jugendfußball, über Druck, über Depressionen, über Hilfe, über notwendige Maßnahmen. Dabei sind viele interessante Artikel und Interviews entstanden, die wir in den nächsten Wochen hier auf unserer Seite veröffentlichen werden.

Beginnen werden wir nächste Woche mit Ciriaco Sforza. Am Rande des Sommertrainingslagers hat er sich mit uns zusammengesetzt und über seine Karriere gesprochen. Er hat uns mit seiner Erfahrung aus über 250 Bundesligaspielen erzählt, wie er Druck empfunden hat und wie er damit umgegangen ist.

Wir möchten mit dieser Serie Denkanstöße liefern. Denkanstöße in einem System, in dem viele Fußballer glauben, #KeineSchwäche zeigen zu dürfen. Und gleichzeitig Denkanstöße, dass psychische Krankheiten #KeineSchwäche sind. Sie sind genauso ernst zu nehmen und zu behandeln wie ein Kreuzbandriss, eine Innenbanddehnung, eine Muskelverletzung. Und wir möchten Verständnis wecken. Verständnis dafür, dass in dem ganzen Millionengeschäft Fußball auch nur Menschen tätig sind.

Denkt nicht nur an den Schein, an das, was sich dort zeigt, über die Medien verbreitet. Denkt auch an das, was im Menschen ist, an Zweifel und an Schwächen. Fußball ist nicht alles.

Theo Zwanziger bei der Trauerfeier für Robert Enke

WICHTIG: Depressionen können jeden treffen. Sie sind keine Einbildung, sondern eine Krankheit, die mittlerweile gut behandelt werden kann. Wenn ihr akut Hilfe braucht, wendet euch an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 (kostenlos).

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