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Warmlaufen - 16.05.2008

Der Itsch-Faktor

Felix Magath hat mit Wolfsburg die Chance auf den UEFA-CupMissverstanden wurde er am Anfang. Als machtgeil verschrien, weil er nicht nur den Trainerjob, sondern auch gleich noch den Managerposten an sich riss. Dazu ist er ein unerbittlicher Schleifer auf dem Platz. Das Team dankte es ihm zunächst mit einem Abstiegsplatz. Dann entdeckte Felix Magath den Itsch-Faktor. Und plötzlich lief es.

Wenn man die Trainer Felix Magath und Thomas Doll vergleicht, dann finden sich nur sehr wenige Parallelen. Der eine eher gefürchtet bei seinen Spielern, der andere Kumpeltyp. Magath war schon deutscher Meister und Pokalsieger, Doll eher nicht. Der Trainer der Wolfsburger steht für oft trocken-ironische Interviews, der BVB-Trainer für – sagen wir jetzt mal – sehr emotionales Mikrofongerede. Quälix ist Westdeutscher, Dolli aus dem Osten. Aber eines haben die beiden gemeinsam: Den Itsch-Faktor.

Bei Thomas Doll war der Itsch-Faktor quasi zorc-gegeben Aber beide gehen damit sehr unterschiedlich um. Während bei Thomas Doll der Itsch-Faktor quasi zorc-gegeben war, musste Magath ihn sich erst bauen. Und Doll ging mit dem Gut sehr verschwenderisch um. Völlig falsch setzte er am Anfang der Saison den Itsch-Faktor auf der Spielmacherposition ein. Dabei ist er Stürmer, der nur einmal zu laut auf eine Frage mit „Ja“ geantwortet hat. Nämlich auf die, ob er sich denn die Spielmacherposition zutraue.

  In der Winterpause standen wir noch einen Platz vor Wolfsburg. Bei uns zog der Itsch-Faktor. Er stürmte und traf gerne im Doppelpack. Bis heute 13 Mal. Bei Wolfsburg hakte es noch im Getriebe. Es musste etwas geschehen, dachte sich der allmächtige Felix von der Wolfsburg. Wir brauchen den Itsch-Faktor.

Quälix schaute sich in der Bundesliga um. Der Itsch-Faktor führte meistens zu einem guten Ergebnis. Als Kandidat für einen Platz im Europapokal brauchen wir den Faktor wohl, schloss er daraus. Denn: In Bremen trotzte ein Klasnic allen gesundheitlichen Widrigkeiten und traf nach seiner Genesung wie früher. In Mladen Petric ist Dortmunds bester StürmerHamburg begeisterte ein Olic die Massen, mit mieser Technik aber Tempofußball und Treffsicherheit. Auch die Blauen haben ihn. In zwei Ausführungen: Krstajic dilletiert mehr vor sich hin, als dass er ein Sicherheitsgarant ist. Dafür machte der junge Rakitic positiv auf sich aufmerksam. Aber auch die Mannschaften dahinter rüsteten mit dem Itsch-Faktor auf. Die Berliner haben einen im Sturm, einen Pantelic mit sehr guter Trefferquote. In Hannover schwang sich Hanno Ballitsch zur Führungspersönlichkeit auf. In Nürnberg zauberte ein Misimovic, scheiterte dabei aber an den Unzulänglichkeiten seiner Mitspieler. Und Cottbus setzt fast mit dem gesamten Kader auf den Itsch-Faktor. Und sie haben die Klasse gehalten.

Magath schaute sich seinen Kader an. „Verdammt, keinen mit Itsch“, fluchte er laut vor sich hin. Er ging zu einem seiner Stürmer. Der Brasilianer Grafite, schon belächelt und als Fehleinkauf abgestempelt, bekam von seinem Trainer folgende Worte zu hören: „Du heißt ab jetzt Grafitsch!“. Grafite nickte. Bald schon verbreitete sich das Ammenmärchen unter allen Fußballreportern und jeder nannte den Wolfsburger Stürmer wie selbstverständlich mit wissendem Unterton Grafitsch. Und plötzlich lief es beim Werksclub. Grafitsch traf, wie es Grafite niemals schaffte. Und mit Grafitsch stürmte Wolfsburg in der Rückrunde bis in die Nähe der Europapokalplätze.

So sah es im Hinspiel aus...Als Grafitsch einige Spiele aussetzen musste, lief es nicht mehr. Die Wolfsburger verspielten ihre gute Ausgangsposition mit leidenschaftslosem Gekicke wie in Nürnberg. Aber als Graftisch wieder auflaufen durfte, hagelte es wieder Punkte. Nun liegt es an uns, dafür zu sorgen, dass der unbeliebte Verein VfL Wolfsburg uns nicht in den UEFA-Pokal folgt. Leider haben wird diesmal keinen Itsch-Faktor. Denn Mladen Petric sitzt maximal auf der Bank. Wir haben noch nicht mal einen Atsch-Faktor, denn Robert Kovac ist gesperrt. Also werden Mats Hummels und Christian Wörns in seinem Abschiedsspiel versuchen, Grafitsch am Toreschießen zu hindern. Eigentlich würde es schon genügen, ihm zu sagen, dass er eigentlich Grafite heißt.

Vermutete Aufstellungen:

Zum letzten mal Gelbe Wand in der aktuellen SpielzeitBorussia Dortmund: Höttecke - Rukavina, Hummels, Wörns, Dede - Kruska - Kuba, Tinga - Federico - Frei, Valdez
Auf der Bank: Bade - Amedick, Kringe, Gordon, Buckley, Petric.

VfL Wolfsburg: Benaglio - Riether, Ricardo Costa, Simunek, Schäfer - Hasebe, Josué, Gentner - Marcelinho - Grafite, Dzeko.
Auf der Bank: Lenz - Madlung, Dejagah, Krzynowek, Niang, Baier, Ljuboja.

Schiedsrichter: Wir haben ihn stark vermisst, da ist er endlich wieder - Peter Gagelmann (Gelsen......äähh, Bremen).
Assistenten: Sönke Glindemann, Deniz Aytekin. Vierter Offizieller: Kai Voß.

Zuschauer: Bis zu 75.000 Besucher werden erwartet. Die Tageskassen öffnen um 11 Uhr.

DvB, 16.05.2008


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