Unsa Senf

Das Dilemma des BVB Watzke liefert

15.04.2026, 07:09 Uhr von:  DocKay    
Blick auf die Fläche zwischen Rote Erde und Körnig-Halle bei Sonnenuntergang
Zwischen Stadion Rote Erde und Helmut-Körnig-Halle soll bald eine vom BVB finanzierte Halle entstehen.
© schwatzgelb.de

Seit Jahren ist es der Sportstadt Dortmund nicht gelungen, den Bau einer zeitgemäßen, modernen Halle für den Spitzensport auf den Weg zu bringen. Jetzt nimmt der BVB das Heft selbst in die Hand.

Dortmund bezeichnet sich gern als Fußballhauptstadt, doch die Stadt hat viel mehr zu bieten als „nur“ Fußball. Betrachten wir die aktuelle Situation. Beim BVB gibt es neben der Fußballabteilung zwei weitere professionelle Abteilungen, die die Stadt und den Verein auf höchstem Niveau in der Sportwelt repräsentieren. Die Tischtennisabteilung, die früher eher im Breitensportbereich aktiv war, wurde zunehmend professionalisiert und spielt seit der Saison 2024/2025 in der ersten Bundesliga. Die Geschichte des Handballsports und der Handballdamen von Borussia Dortmund reicht deutlich weiter zurück. Die Handballabteilung feierte im Jahr 2024 ihr 100-jähriges Jubiläum. Nach einigen turbulenten Jahren gelang 2015 der Wiederaufstieg in die erste Bundesliga. Nach dem Gewinn der Meisterschaft im Jahr 2021 mit der überragenden Alina Grijseels gehört der BVB inzwischen zu den Top-Adressen des deutschen Frauenhandballs. In der laufenden Saison fügte das Team seinen bisherigen Titeln noch den Pokalsieg hinzu. Aktuell stehen sie in den Play-off-Spielen um die deutsche Meisterschaft und können die Saison 2025/2026 noch mit dem Double krönen.

Fontänen von Pyrotechnik beim Pokalgewinn auf dem Siegerpodest
Jubel beim zweiten Pokalsieg der Vereinsgeschichte.
© schwatzgelb.de

Die Tischtennis- und die Handballabteilung zeichnen sich durch hervorragende Nachwuchsarbeit aus. Im Handball holten die Jugendmannschaften des BVB unzählige Meister- und Vizemeistertitel in verschiedenen Altersklassen und der Verein wurde mehrfach für seine Talentförderung ausgezeichnet. Das Goethe-Gymnasium ist eine Eliteschule des Sports und offizieller Nachwuchsstützpunkt des Deutschen Handballbundes. Die TU Dortmund übernimmt die sportwissenschaftliche Betreuung. Im Tischtennis ist der BVB noch der klassische Ausbildungsverein. Die Nachwuchsarbeit befindet sich noch im Aufbau. Das Ziel besteht darin, junge Spieler und eigene Talente in den Profibereich zu führen. Die Verpflichtung von Timo Boll, der ein glühender BVB-Fan ist und den Verein repräsentiert, wird der Abteilung einen weiteren Schub geben.

Eigentlich könnte alles toll sein, gäbe es da nicht eine weitere, eher negative Gemeinsamkeit, die für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Beide so erfolgreichen Profiteams besitzen keine adäquate Spielstätte und müssen sich in einer Dreifachturnhalle präsentieren. Seit Jahren – böse Zungen behaupten sogar seit Jahrzehnten – gelingt es dem Rat der Stadt Dortmund nicht, Vollzug zu melden. Man verstrickt sich in politischen Diskussionen und versucht, sich gegenseitig eins auszuwischen. Dabei verliert man Zeit und Kosten aus den Augen. Im Vordergrund stehen Diskussionen im Stadtrat, eine große Anzahl von Beteiligten, Genehmigungsverfahren und schließlich die Finanzierung. Nach dem Desaster der SPD in Dortmund geht es den politischen Gegnern zunächst einmal darum, dazwischenzuhauen und Entscheidungen zu blockieren; Parteiinteressen stehen im Vordergrund. Das große Ganze spielt dann keine besondere Rolle mehr – Berlin lässt grüßen. Das hören wir doch tagtäglich in den Nachrichten. Und was ist mit Dortmund?

Alina Grijseels überwindet die Abwehr mit einem Sprungwurf
Das Champions League Spiel gegen Metz musste man in der WESTPRESS arena in Hamm austragen.
© BVB/Stummbillig

Mit seinem Vorschlag hat Aki Watzke die Verwaltung erheblich unter Druck gesetzt. Zwar ist es kein Triumphbogen wie bei unserem allseits geliebten Donald Trump, aber auch Hans-Joachim Watzke könnte sich damit als Präsident des BVB ein Denkmal setzen. Ob ihn sein Parteifreund Alexander Kalouti dabei unterstützt, wird man sehen. Beide sind erstaunlich häufig bei den Spielen der Handballfrauen zu sehen, ihnen scheint das Handballspiel zu gefallen. Vielleicht erkennt Kalouti kurz nach seiner Amtseinführung, dass ein 70- bis 80-Millionen-Projekt am Dortmunder U für die Stadt finanziell nicht zu stemmen ist. Auch Daniel Lörcher, Vizepräsident des eingetragenen Vereins, ist fast regelmäßig bei den Spielen dabei. „Aki” lässt sich nach Spielende gerne die Spielergebnisse telefonisch mitteilen. Da scheint etwas zu wachsen.

Für die Verantwortlichen der Stadt ist es wie ein Elfmeter ohne Torhüter. Sie müssen lediglich den Schützen auswählen, der das leere Tor trifft.     


Aus dem Kreis der Handballfamilie

Warum dann nicht gleich eine eigene Halle bauen und das zugehörige Grundstück kaufen? Im Rahmen der von allen geforderten Entbürokratisierung könnte der Stadtrat ein Zeichen setzen, indem er dem Neubau der Halle zwischen der Helmut-Körnig-Halle und dem Stadion Rote Erde zustimmt – ohne die Parteibrille aufzusetzen. Gleichzeitig würde man anderen Sportarten und dem Nachwuchs eine neue Heimat bieten. Außerdem gibt es klare Signale vom Deutschen Handballbund (DHB), der seine Unterstützung für dieses Projekt signalisiert hat, um den Handballstandort Dortmund zu stärken. 

Der Hallensprecher steht allein auf der Platte und spricht zum Publikum
Gehört die Turnhalle Wellinghofen bald der Vergangenheit an?
© BVB/Stummbillig

Es bleibt spannend und die Zeit drängt. Die verschärften Lizenzregeln im Handball treten schneller in Kraft, als man denkt. Aktuell kann man sich mit Provisorien über Wasser halten und auf ein engagiertes Ehrenamt zurückgreifen. Die Frustration ist bei vielen Verantwortlichen allerdings deutlich zu spüren. Stimmen wir für den Aufbruch und machen wir es ähnlich wie in München! Dort ist Basketball zur Institution geworden. Frauenhandball ist bei Borussia Dortmund und in der Stadt bereits eine Institution. Es liegt an uns, hier für die Spitzenposition des Handballs alles zu geben und den Namen der Stadt nach Europa zu tragen – dorthin, wo in Ungarn und Rumänien mit deutscher Sponsorenhilfe Spitzenteams entstanden sind. Vielleicht können wir dann irgendwann sagen: „Weißt du noch damals in der Schulturnhalle Wellinghofen?”

Alina Grijseels verwandelt einen Siebenmeter. Blick durch das Netz von hinter dem Tor
Beim letzten Heimspiel in der Liga gab es einen klaren Sieg gegen die HSG.
© BVB/Stummbillig

Trotzdem müssen wir der aktuellen Situation ins Auge blicken und am 25.04.2026 die Halle Wellinghofen zur Festung machen. Dann nämlich trifft unser Team im ersten Play-off-Spiel um die deutsche Meisterschaft auf die „Flames” der HSG Bensheim-Auerbach. Spielbeginn ist um 19 Uhr. Ein ausverkauftes Haus und eine schwarz-gelbe Hölle wären sicher ein Katalysator fürs Weiterkommen. Drücken wir beiden Projekten die Daumen!

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