Die BVB-Geschichte

schwatzgelb.de im Rückspiegel (Teil 2)

05.04.2020, 20:44 Uhr von:  DocKay
Lesezeit: ca. 6 Minuten
schwatzgelb.de im Rückspiegel (Teil 2)

Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt läuft die Zeit; wir laufen mit. Wir blicken zurück auf die zweite Jahreshälfte 2000 und feiern ein Jubiläum der ganz besonderen Art.

Am 03.07.2000 begrüßte Matthias Sammer die Spieler zum Trainingsauftakt. Mit dabei waren die „Neuen“ Christoph Metzelder, Sunday Oliseh und Philipp Laux. Es fehlte Sergej Barbarez, der zwischenzeitlich zum HSV gewechselt war. Ablösefrei hatten den Verein verlassen: Andi Möller (GE), Karsten Baumann (RWO), Wolfgang Feiersinger (LASK) und Jovan Kirovski (Sporting Lissabon). Es begann das Gezanke um Jan Derek Sörensen, der in Dortmund angeblich eine Absichtserklärung für einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hatte, plötzlich aber mit 1860 München in Verbindung gebracht wurde. Kurze Zeit später meldete der Präsident Dr. Niebaum Vollzug in der Verpflichtung von Jörg Heinrich (AC Florenz) für offiziell acht Millionen Mark.

Freddy Bobic
Freddy Bobic

Erneut beklagte man eine lange Verletztenliste mit Nerlinger, Bobic, de Beer, Reuter, Ricken, Addo und Wörns als man zur Saisoneröffnung vor 10.000 Fans ins Stadion Rote Erde einlud. Trotz der schwachen Heimspielserie der vergangenen Rückrunde orderten 43.000 Fans eine Dauerkarte. Später kam es dann noch zur Verpflichtung von Emmanuel Krontiris von TB Berlin für 500.000 Mark. Vielleicht sind dies ja Transfersummen an die wir uns nach der Corona Krise gewöhnen müssen. Das System Fußball wird sich bestimmt in absehbarer Zeit verändern und das ist vielleicht ganz gut so liebe Spieler, Berater und Funktionäre.

Verändert hatte sich die Fußballwelt aber auch am 23.10.2000. An diesem Tag begann die Zeichnungsfrist für die BVB-Aktie. Am 31.10. wurde die Aktie dann unter der Wertpapier-Kenn-Nummer 549 309 erstmals an der Börse gehandelt.

Der Börsengang spielte schlappe 260 Millionen Mark in die Vereinskasse, sollte den Anlegern die folgenden Jahre aber keine große Freude bereiten. Bei einem Ausgabekurs von 11 Euro ging die Aktie schon am ersten Tag auf Sturzflug und schmälerte die Freude des BVB-Chefs Gerd Niebaum.

„Die Zeit ist reif für den Börsengang. Der BVB ist nun einer der wohlhabendsten Sportvereine der Welt“

Gerd Niebaum

hatte er noch mit markigen Sprüchen im Vorfeld getönt. Die Aktie sollte zur Geld-Verbrennungsmaschine werden. Fünf Jahre später lag der Kurs bei beschiedenen 2.30 Euro und der BVB entwickelte sich zum größten Sorgenkind der Bundesliga mit Verbindlichkeiten in Höhe von 89 Millionen Euro. Die FAZ betitelt es in ihrer Ausgabe vom 24.10.2005 mit der „Geschichte eines Misserfolges“. Aber es sollte noch schlimmer kommen, denn 10 Jahre nach dem Börsengang war das Stück Papier nur noch 1.70 Euro wert.

Sammer und Sörensen
Sammer und Sörensen

Aber zurück zum Sportlichen. Das Theater um Sörensen ging weiter, plötzlich forderte auch Trondheim eine Ablösesumme für den Spieler. Es sollte noch bis in die Vorweihnachtszeit dauern bis klar war, dass Jan Derek Sörensen für den BVB spielen würde nach Zahlung einer Ablösesumme von 1,5 Millionen Mark an 1860 München. Die eigentliche Hiobsbotschaft des Jahres erreichte den BVB aber am 14.11. des Jahres und schockierte die ganze Fußballnation. Bei Heiko Herrlich wurde ein Hirntumor diagnostiziert, der sich erst Mitte Dezember als gutartig herausstellte. Wünschen wir Heiko bei seinem neuen Engagement beim FC Augsburg nach Bewältigung der Corona-Krise alles Gute und natürlich sportlichen Erfolg falls es denn überhaupt noch einmal zu geregelten Spieltagen kommen sollte.

Und auch die Fußball WM im Jahre 2006 warf schon ihre Schatten voraus. Dortmund und sein Westfalenstadion waren Austragungsort für vier Vorrundenspiele, ein Achtelfinale und ein Halbfinal-Spiel. Der BVB wurde unter Matthias Sammer deutlich stabiler und schloss nach dem Auswärtssieg mit 2:1 bei Hansa Rostock als auswärtsstabilste Mannschaft der Liga mit 33 Punkten und einem Torverhältnis von 29:25 die Hinrunde auf Platz drei ab nur einen Punkt hinter den Blauen, die damals Spitzenreiter waren und es erübrigt sich zu sagen, dass sie auch damals nicht deutscher Meister wurden. Am 27.11. 2000 führte schwatzgelb.de ein Gespräch mit Matthias Sammer. Man staune, das war damals noch möglich. Leider ist so ein Trainer-Gespräch aber durch die neue Kommunikationsabteilung in der heutigen Zeit in weite Ferne gerückt. Vielleicht erleben wir ja auch hier nach der Krise nicht nur finanzielle Umwälzungen sondern auch wieder etwas mehr Fan-Nähe. Träumen muss schließlich erlaubt sein. Die Redaktion von schwatzgelb.de kam abschließend nach dem Interview mit Sammer zu dem Statement, dass man es hier mit einer "ehrlichen Haut im harten Business" zu tun hatte.

Und da sind wir bei einem weiteren Jubiläum im Jahre 2020 und das betrifft uns selbst. Neben den 11Freunden, die ebenfalls Im Jahre 2000 gegründet wurden, hatten die „Gründerväter“ Jens Volke und Co. die spontane Idee ein Fanzine zu gründen. Im Laufe der letzten Jahre sind wir zu einer mittlerweile 50-köpfigen Redaktion angewachsen und haben uns natürlich auch weiterentwickelt. Lange bevor der BVB auf die Idee kam wurde von uns der Podcast „Auffe Ohren“ entwickelt und natürlich haben wir uns auch national und international mehr und mehr vernetzt. 3.000.000 Aufrufe im Jahr mit ca. 800.000 Lesern sind ein Ergebnis, das uns ein wenig stolz macht, an dem ihr aber einen großen Anteil habt. Im Forum sind aktuell 12.088 Benutzer angemeldet und leben mit uns „Ehrenamtlern“ die schwatzgelbe Leidenschaft. Im Jubiläumsjahr werden wir darüber natürlich noch ausführlich berichten. Zurückblickend also ein richtig tolles Jahr 2000 und freuen wir uns gemeinsam auf die nächsten 20 Jahre.

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