Spielbericht Profis

Weiße Weste auch in St. Gallen

31.07.2019, 16:51 Uhr von:  Seb
Weiße Weste auch in St. Gallen

Zwei Spiele an einem Tag, bevor es wieder ernst wird, haben ja seitdem Lucien Favre Trainer ist, bereits Tradition. Am Morgen schlug der BVB schon den FC Zürich mit 6:0. Dreimal Jadon Sancho, zweimal Paco Alcacer und einmal Thomas Delaney machten eine klare Nummer aus dem Testspiel. Der FC Zürich hingegen spielte ängstlich und war vor allem gegen die Offensivpower unserer Borussen völlig überfordert. Am Abend ging es dann im St. Galler Kybunpark gegen den FC St. Gallen, bevor es dann am Samstag mit dem Supercup gegen den FC Bayern zumindest halbernst wird. Die Mannschaft vom Morgenspiel unterschied sich natürlich auf nahezu allen Positionen zum Abendspiel, einzig Marwin Hitz bekam zweimal 90 Minuten.

Der Zuschauerandrang bleibt in der Schweiz ungebrochen
Der Zuschauerandrang bleibt in der Schweiz ungebrochen

1. Halbzeit

Der BVB eröffnete die Partie und ließ dem FC St. Gallen in den ersten zwei Minuten nahezu keine Gelegenheit überhaupt mal an den Ball zu kommen. Und nach 150 Sekunden war es dann auch schon soweit: Auf der linken Seite wurde Schulz fein geschickt, flache Hereingabe auf Hakimi – 1:0 für den BVB. Hakimi nahm an diesem Abend die offensivere Rolle auf der rechten Seite ein, während Morey hinter ihm verteidigte. Nur wenige Sekunden später dann wieder eine riesige Chance für den BVB, aber Hakimis Hereingabe auf Bruun Larsen war zu ungenau. In der Folge konzentrierte sich der BVB dann auf längere Ballbesitzphasen, entwickelte nach vorne aber auch weniger Durchschlagskraft. Zu ungenau die Zuspiele im letzten Drittel, bevor es dann wieder chancenreicher wurde. Zunächst spielte sich St. Gallen bis an der Dortmunder Strafraum. Eine Flanke durfte Campos sträflich frei auf den Kasten von Marwin Hitz köpfen, führte aber glücklicherweise nicht zum Torerfolg. Ein „Hop St. Gallen“ schallte durch den kybunpark. Im direkten Gegenzug leitete dann Hakimi mit einer flachen Hereingabe die nächste BVB-Chance ein, aber Reus traf nur den Torwart. Das hätte eigentlich das 2:0 sein müssen. Drei Zeigerumdrehungen später die nächste Großchance. Diesmal Morey mit der flachen Hereingabe von der rechten Seite, aber Bruun Larsen konnte den etwas hoppelnden Ball nicht optimal treffen. Zwei Minuten später fragte sich dann jeder im Stadion, wie der Ausgleich nicht fallen konnte: Götze versucht einen St. Gallener Spieler abzugrätschen und produziert eine Bogenlampe, die perfekt im Lauf Guillemenots landet. Hummels kam nicht hinterher, Guillemenot ist eigentlich schon an Hitz vorbei, aber dieser machte sich dann ganz lang und konnte dem Stürmer den Ball vom Fuß mopsen.

Axel Witsel im Kopfballduell
Axel Witsel im Kopfballduell

Es folgte erneut eine Ballbesitzphase mit weniger Druck, die dann in der 32. Minute von Axel Witsel und Bruun Larsen beendet wurde: Witsel chippt den Ball wunderbar in den Strafraum und Bruun Larsen streichelt ihn wunderschön mit dem Kopf am Klinsmann Sprössling vorbei in den Kasten – 2:0 für den BVB. Kurz vor der Pause erhöhte Bruun Larsen dann auch noch auf 3:0 für den BVB. Wieder wurde Schulz auf der linken Seite freigespielt, wieder die flache Hereingabe wie beim 1:0 und in der Mitte musste Bruun Larsen nur noch einschieben. Aber ohne Gegentor ging es dann in der ersten Halbzeit doch nicht. Mats Hummels verursachte einen unnötigen Freistoß, der zunächst an den Pfosten klatschte. Den Abpraller vollendete Vilotic dann souverän. Damit ging es dann auch in die Pause. Alles in allem ein gerechter Halbzeitstand, auch wenn der BVB im letzten Drittel noch ein bisschen konzentrierter zu Werke gehen könnte und dann durchaus auch mit 2-3 Toren mehr führen könnte.

Trikotreißtest bestanden: Julian Weigl
Trikotreißtest bestanden: Julian Weigl

2. Halbzeit

Die zweite Halbzeit eröffnete dann der FC St. Gallen mit einer ersten Chance, aber Hitz konnte parieren. Die Partie verflachte im Gegensatz zur ersten Halbzeit ein wenig. Wenn man bedenkt, dass es in der ersten Halbzeit bereits nach 150 Sekunden klingelte, war der Beginn der zweiten Hälfte eine Enttäuschung. Vor allem weil der FC St. Gallen deutlich wacher aus der Pause kam. Auf ein paar Positionen hatte Coach Zeidler gewechselt und direkt war das Offensivspiel der Schweizer deutlich flüssiger. Der BVB hatte phasenweise Probleme, einen klaren Ball aus dem eigenen Strafraum zu spielen. Zu allem Überfluss fing dann auch noch Bruun Larsen nach einem Zweikampf an zu humpeln und fasste sich immer wieder an den Knöchel. Das hielt ihn aber nicht davon ab, eine wunderschöne Hereingabe von Hakimi fast zum Hattrick zu verwandeln. Aus nächster Nähe scheiterte Bruun Larsen am St Gallener Torhüter. Nur wenige Minuten später erneut eine gute Chance für den BVB. Hakimi und Morey spielten sich auf der rechten Seite frei. Diesmal war Morey für die Flanke zuständig, die Bruun Larsen zunächst durchließ und etwas zu kurz auf Witsel geklärt wurde. Dieser verzog knapp von der Strafraumkante.

Kurz vor der Halbzeit gelang St. Gallen der Anschlusstreffer
Kurz vor der Halbzeit gelang St. Gallen der Anschlusstreffer

Und dann machte Mats Hummels Mats-Hummels-Dinge. Ein unglaublicher langer Ball auf Hakimi, der mit Bruun Larsen in Überzahl auf Klinsmann zuläuft und es am Ende irgendwie vergeigt. Und dann klingelte es doch noch: Weigl spielte auf Götze, der mit der Hacke zu Reus und der ist alleine vorm Torwart eiskalt: 4:1 für den BVB (65.). Dieses Tor gab dann wieder Auftrieb und unsere Borussen entwickelten in dieser Phase des Spiels eine ordentlich Portion Spielfreude. Vor allem die Seite Hakimi/Morey konnte Akzente setzen. Aber auch Bruun Larsen, der den Schmerz wohl rausgelaufen hatte, kam immer wieder in gute Abschlusspositionen. In der 72. Minute war dann Schluss für den Dänen, er wurde von Pherai ersetzt. Götze musste im gleichen Zuge für Reyna weichen. Beide U19-Spieler waren bereits mit in den USA. Die Wechsel motivierten den FC St. Gallen scheinbar noch einmal zu Offensivbemühungen. Boris Babic scheiterte zweimal am glänzend parierenden Hitz, ehe der Ball geklärt werden konnte. Zagadou ersetzte in der Folge Ömer Toprak. Zagadou, der in den letzten Tagen auf Grund einer Krankheit das Training verpasst hatte, bekam also sowohl gegen den FC Zürich als auch gegen den FC St. Gallen ein paar Minuten. Das Spiel trudelte dann etwas aus, auch weil beide Mannschaften sich zunehmend egalisierten, da der FC St. Gallen peu a peu Stammspieler einwechselte. Einzig Morey sorgte noch für einen kurzen Schreckmoment und musste einige Zeit an der Schulter behandelt werden. Hier gibt es allerdings noch keine Diagnose.

Starker Auftritt auf der rechten Seite von Mateu Morey
Starker Auftritt auf der rechten Seite von Mateu Morey

Fazit

Der BVB zeigte gute Leistungen in beiden Testspielen, allerdings gegen Mannschaften, die zwar schon im Ligabetrieb sind, aber eher mit einer B-Elf antraten. Erst als St. Gallen ein paar Stammspieler einwechselte, konnten sie den BVB etwas mehr fordern. Auch Favre zeigte sich mit der Leistung zufrieden. Besonders lobte er, wie sich seine Mannschaft Chancen erspielte und verteilte nach dem Spiel gegen Zürich ein Sonderlob an Tobias Raschl und nach dem Spiel gegen St. Gallen an Bruun Larsen, der „die Dynamik und die Schnelligkeit hat, in die Spitze zu stoßen und ich einige Chancen erarbeitete“. Am Samstag geht es dann im Supercup gegen die Bayern. Wer dabei im Tor stehen wird, ist noch fraglich. Bürki zog sich einen Cut am Schienbein zu, hier muss man von Tag zu Tag gucken. Hazard konnte zwar wieder ein wenig laufen, zeigte aber im Training an, dass sein Knöchel noch nicht komplett stabil ist. Definitiv ausfallen wir Brandt, der sich mit Adduktorenproblemen plagt. Die nominell stärkste Elf werden wir wohl nicht gegen Bayern sehen, aber es ist auch schön, dass noch Steigerungspotential vorhanden ist.

Borussia Dortmund: Hitz – Schulz, Toprak (Zagadou), Hummels, Morey – Witsel, Weigl – Götze (Reyna), Reus, Hakimi, Bruun Larsen (Pherai)

13.207 Zuschauer im St. Galler kybunpark

Unterstütze uns mit steady