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#KeineSchwäche - "Gemeinsam das Leben festhalten." Die Robert-Enke-Stiftung

17.11.2019, 14:56 Uhr von:  DocKay
#KeineSchwäche - "Gemeinsam das Leben festhalten." Die Robert-Enke-Stiftung

#KeineSchwäche - 10 Jahre nach dem Tod von Robert Enke begeben wir uns auf Spurensuche zu den Themen Depressionen und Druck im Profisport. In unserem heutigen Beitrag möchten wir Euch die Robert-Enke-Stiftung vorstellen.

Am 15. Januar 2010, ungefähr 2 Monate nach dem tragischen Tod des Torhüters, gründeten der DFB, die DFL und die Hannover 96 GmbH & Co. KG die Robert-Enke-Stiftung (RES). Es lag nahe, aufgrund des Krankheitsverlaufes des Nationaltorhüters, die Aufklärung hinsichtlich des Krankheitsbildes Depression öffentlich zu machen und die oft unterschätzte neue „Volkskrankheit Depression“ noch mehr in den Fokus zu rücken. Hinzu kam, nach dem Tod ihrer 2-jährigen Tochter Lara, der Wunsch der Vorsitzenden, Teresa Enke, dass sich die Stiftung um Kinder mit Herzkrankheiten und ihr familiäres Umfeld kümmert.

Lara Enke kam am 31. August 2004 mit einer angeborenen Chromosomenveränderung zur Welt, die nur Mädchen betrifft und oft von Fehlbildungen des Herzens begleitet wird. Mehrere operative Eingriffe im Säuglingsalter schlossen sich an. Eine weitere Operation am Ohr aufgrund einer medikamentösen Schädigung überlebte Lara nicht. Sie starb am 17. September 2006.

Die gemeinnützige RES unterstützt in diesem Zusammenhang die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und fördert verschiedene Projekte und Studien. Ein besonderer Wert wird auf die psychologische Betreuung von betroffenen Eltern gelegt, für die man eigens eine Sprechstunde eingerichtet hat. Im letzten Jahr begleitete man eine Studie des Universitätsklinikums Erlangen, die sich mit der psychischen Entwicklung von Kindern nach einer bestimmten Herzoperation beschäftigte. Sie zeigte, dass sich die Kinder trotz OP altersgerecht im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne eine solche OP entwickeln und die Eltern hierzu positiv beitragen können. Diese Studie wurde von der RES mit 41.000 Euro gefördert. In diesem Jahr unterstützte man daneben auch die Elterninitiative herzkranker Kinder Köln e.V. mit einem vierstelligen Geldbetrag.

Die zweite Säule des Stiftungsmodells beschäftigt sich mit dem Krankheitsbild der Depression. Hier unterscheidet die Stiftung zwischen dem Sektor „Leistungssport“ sowie der „Volkskrankheit Depression“. Dabei ist die RES zum einen eine operativ tätige Stiftung und verfolgt eigeninitiierte Projekte, zum anderen agiert man aber auch als fördernde Stiftung und unterstützt finanziell Projektanfragen, die einen direkten Bezug zu den Stiftungszwecken haben. Im Oktober 2016 wurde die EnkeApp vorgestellt um das Hilfsangebot für Menschen mit Depressionen zu erweitern.

Robert Enke konnten wir nicht retten. Dich schon.

Teresa Enke

In Deutschland sind ca. 4,5 Millionen Menschen von der psychischen Störung Depression betroffen. Es ist zu erwarten, dass die Dunkelziffer hier nicht unerheblich ist. Ungefähr 10.000 Betroffene nehmen sich pro Jahr deswegen das Leben. Die von der RES in diesem Jahr unterstützte Kampagne „Impression Depression“ soll für Aufklärung, Sensibilisierung und Unterstützung depressiver Menschen sorgen. Per virtueller Realität können Freunde und Familien von Betroffenen selbst erfahren was es bedeutet mit einzelnen Symptomen dieser psychischen Störung zu leben. Ab November geht diese Virtual Reality-Erfahrung auf Tour. Start ist an der Leibniz Universität Hannover am Donnerstag, den 21.11.2019. Anfang Dezember am 03.12.2019 geht es dann in Salzgitter weiter.

Diese Erfahrung besteht aus einer Einleitung, der VR-Erfahrung selbst und einer Reflexion, bei der die Gedanken wieder ins Positive gelenkt werden sollen. Die Maßnahme wird durch Spezialisten begleitet. Voranmeldungen sind auf der Seite „Impression Depression“ notwendig.

In diesem Jahr verlieh die RES auch erstmals den mit 17.500 Euro dotierten „Förderpreis Seelische Gesundheit im Nachwuchsleistungssport“. Insgesamt wurden drei Projekte ausgezeichnet: Die TSG 1899 Hoffenheim unter den Nachwuchsleistungszentren im Fußball, der Olympiastützpunkt Berlin unter den Olympiastützpunkten und das Sportinternat Knechtsteden unter den Vereinen und Sportinternaten. Alle haben sich nachhaltig mit der seelischen Gesundheit von Nachwuchsleistungssportlern auseinandergesetzt.

Wer die RES mit einer Spende unterstützen will, kann dies auf der Homepage der Stiftung durch eine Online Sofortspende per PayPal oder durch Ausfüllen eines Online-Spendenformulars tun. Die RES ist als eingetragene gemeinnützige Organisation von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit. Die Spende ist steuerlich absetzbar.

WICHTIG: Depressionen können jeden treffen. Sie sind keine Einbildung, sondern eine Krankheit, die mittlerweile gut behandelt werden kann. Wenn ihr akut Hilfe braucht, wendet euch an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 (kostenlos).

Hier findet Ihr die weiteren Teile des SG Spezials #KeineSchwäche:

Teil 1: SG Spezial: #KeineSchwäche - 10 Jahre nach Robert Enkes Tod

Teil 2: Ciriaco Sforza: "Ich würde es begrüßen, wenn jeder Verein dieses Thema professionell behandelt."


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