Serie

Wie die Zeit vergeht? - Was ist aus den Mannschaften der Oberliga West geworden? - Teil 3

27.03.2011, 07:09 Uhr von:  CHS
WESTDEUTSCHER FUSSBALL- UND LEICHTATHLETIKVERBAND
Gerade in der letzten Zeit gab es das große Traditionssterben der Vereine. Da fällt aktuell das Beispiel Rot-Weiß Essen ein. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Deutschen Meister. Vor gut 50 Jahren gehörte der Klub der Oberliga West, die höchste Spielklasse von Fußball-Deutschland hier im Westen, an. Diese Serie soll nun zeigen, was aus diesen Klubs, die einmal zu dieser Liga zählten, geworden ist. Nach dem ersten und zweiten Teil folgen heute weitere fünf Vereine, die eine gewisse Rolle auch in der Oberliga West gespielt haben.

SV Sodingen

Der Sportverein aus Sodingen wurde im Jahre 1912 gegründet. Der Ort, der 1926 nach Herne eingemeindet wurde, gilt als ein Bergbaustädtchen.In den Anfangsjahren spielten die Sodinger hauptsächlich in den unteren Ligen, konnten aber nach dem 2. Weltkrieg durch mehrere Aufstiege 1950 in die 2 Liga, zwei Jahre später sogar den Aufstieg in die Oberliga West, die höchste Liga in NRW damals, feiern. In der Saison 54/55 konnten die Sodinger den zweiten Platz in der Oberliga feiern und qualifizierten sich dadurch für die Endrunde der deutschen Meisterschaft. Nach einem Ausscheidungsspiel gegen den SSV Reutlingen spielte man in der Endrunden-Gruppe 1 zusammen mit Kaiserslautern, Hamburger SV und Viktoria Berlin und durfte am Ende einen achtbaren dritten Platz vorweisen, was gleichzeitig der größte Erfolg des Vereins war. In der Saison 1956/57 entging man dann nur knapp dem Abstieg. Wegen unerlaubter Barzahlungen wurden dem Verein sechs Punkte abgezogen und man landete auf Platz 14, punktgleich mit dem Absteiger Schwarz-Weiß Essen. Der Abstieg folgte dann 1959. Zwar konnte man dann sofort wieder den Aufstieg feiern, doch 1962 beendete man die Oberliga West-Teilnahme mit einem erneuten Abstieg in die zweite Liga. Pech hatten die Sodinger, es fehlte 1963 ein Punkt, um sich für die Regionalliga als neue zweite Liga, zu qualifizieren. So musste man in der Verbandsliga starten. Leider konnte man dann ein Jahr später diese Liga durch Verlust von Spielern nicht halten und landeten in der Landesliga. 1973 drohte der Absturz in die Kreisliga, den man aber in einem Entscheidungsspiel gegen Union Günnigfeld verhindern konnte. In der Folgezeit pendelte der Verein zwischen Landes- und Verbandsliga hin und her. Aktuell spielt der Verein in der Landesliga Staffel 3 West.

Westfalia Herne

Bereits acht Jahre davor wurde der etwas bekanntere Nachbar SC Westfalia von 1904 Herne gegründet. Nach dem ersten Weltkrieg waren die Herner bis 1930 zweitklassig und standen kurz vor der Bezirksmeisterschaft. Aber man verlor das Entscheidungsspiel. In die neu gegründeten Gauliga stieg Westfalia 1934 auf und konnte die Klasse bis zum Ende halten. In der Gauliga belegten die Herner meist Mittelfeldplätze, doch 1937 errang man die Vizemeisterschaft. Nach dem 2. Weltkrieg wurde man erst in die Landesliga Westfalen eingeordnet und war nach der Einführung der Oberliga West zweitklassig. Erst die Vizemeisterschaft 1954 und das folgende Entscheidungsspiel gegen Wattenscheid 09 brachte den Aufstieg in die Oberliga West, wo sie bis zur Einführung der Bundesliga spielten. In der Saison 58/59 konnte Westfalia sogar die Oberliga-Meisterschaft feiern, ein Jahr später wurde man Vizemeister. Beide Mal qualifizierte man sich für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft, allerdings konnte man dort keine Erfolge sammeln. 1959 belegte man in der Gruppe 2 mit Kickers Offenbach, Hamburger SV und Tasmania Berlin den dritten Platz, ein Jahr später in der Gruppe 1 mit Hamburg, KSC und Borussia Neunkirchen sogar nur den vierten Platz. Da sich Herne nicht für die Bundesliga qualifiziert hatte, wurden sie in die zweitklassige Regionalliga West runtergestuft. Bis auf zwei Jahre blieb die Westfalia ununterbrochen zweitklassig, konnte sich aber 1974 nicht für die neue zweite Bundesliga Nord qualifizieren, durfte aber ein Jahr später als Westfalenmeister und Sieger der Aufstiegsrunde dort mitspielen. Zwar wird Herne in der Saison 1978/79 in der zweiten Bundesliga Nord Tabellenfünfter, verzichtet aber für die kommende Saison auf die Lizenz. Hintergrund war die Pleite den Mäzen Erhard Goldbach. Westfalia startete dann in der Oberliga Westfalen. Nach weiteren Abstiegen fanden sich die Herner dann in der sechsklassigen Landesliga wieder. In der jüngeren Geschichte des Sportclubs konnte man sich als Westfalen-Pokalsieger für die Hauptrunde des DFB-Pokals qualifizieren, schied dort aber in der ersten Runde gegen Erzgebirge Aue aus. Aktuell spielt Westfalia Herne in der NRW-Liga, also der fünften Liga.

TSV Marl-Hüls

Gegründet wurde Marler Sportverein im Jahr 1912 und spielte nach dem ersten Weltkrieg in der Landesliga Westfalen. Im Jahr 1954 konnte man dann den größten Erfolg verbuchen, als man die deutsche Amateurmeisterschaft errang und in die zweite Liga aufstieg. Der Aufstieg in die oberste Spielklasse, der Oberliga West, klappte dann 1960 und man konnte die Klasse bis zum Ende der Oberliga halten. Mit der Einführung der Bundesliga wurde die TSV dann zweitklassig und konnte die Regionalliga bis 1970 halten. In der jüngeren Geschichte konnten die Marler dann noch das Finale der deutschen Amateurmeisterschaft 1972 erreichen, verloren aber das Spiel gegen FSV Frankfurt. Aktuell spielt der Verein in der Bezirksliga 12 Westfalen.

Preußen Münster

Der Sportverein wurde 1906 als FC Preußen gegründet. Bereits1914 wurden die Preußen Westfalenmeister, was sie im Jahr 1921 wiederholten. Zu diesem Zeitpunkt nannten sich die Münsteraner um in Sportclub Preußen. In die höchste Spielklasse, der Gauliga Westfalen, stiegen die Preußen im Jahre 1933 auf, stiegen aber drei Jahre später wieder ab. Im Jahr 1938 stieg man dann wieder auf und blieb dort bis 1941. Nach dem Krieg stiegen die Münsteraner im Jahr 1948 in das Oberhaus auf und belegten auf Anhieb den vierten Tabellenplatz. Den größten Erfolg feierte Preußen dann in der Saison 1950/51, als man den zweiten Platz in der Oberliga West belegte und sich damit für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizierte. Dort setzte man sich in der Gruppe 2 überraschend gegen 1. FC Nürnberg, Hamburger SV und Tennis Borussia Berlin durch und erreichte das Endspiel. In Berlin verlor man dann aber gegen den 1. FC Kaiserslautern. Zwar konnte man in der Saison 53/54 einen vierten Platz vorweisen, landete aber in der restlichen Oberliga West-Zeit nur im Mittelfeld der Tabelle. Umso überraschender war die Qualifikation der Preußen für die neue 1. Bundesliga. Aber das Abenteuer Bundesliga hielt nur ein Jahr, am Ende der ersten Saison stiegen die Münsteraner als Vorletzter ab. Bis zum Ende der Regionalliga West waren die Preußen dabei, belegten aber auch da meist nur einen Mittelfeldplatz. Trotzdem qualifizierte sich Preußen Münster für die 2. Bundesliga Nord. Mehrfach hatte man dann die Chance zum Aufstieg in die erste Liga, verpasste diesen aber immer wieder um einen Platz. Als dann 1981/82 die eingleisige 2. Bundesliga gegründet wurde, schaffte es der Sportclub aus Münster diesmal nicht und wurde erstmals drittklassig. Die Rückkehr in die zweite Liga glückte dann 1989, aber nur nach zwei Jahren folgte der Abstieg in die Drittklassigkeit. In der Folgezeit scheiterte Münster mehrfach in der Aufstiegsrunde, qualifizierte sich aber für die Regionalliga. Außerdem wurde man in diesem Jahr deutscher Amateurmeister. Im Jahr 2006, also zum 100. Geburtstag stiegen die Preußen erstmalig in die vierte Spielklasse ab. Zwar qualifizierten sich die Münsteraner mehrfach für den DFB-Pokal, aber kamen nie über die erste Runde hinaus. Aktuell spielt Preußen Münster in der Regionalliga West und belegt da den ersten Platz, der zum Aufstieg in die 3. Liga berechtigt. Im DFB-Pokal trafen die Münsteraner in der Saison 10/11 auf den Bundesligist VfL Wolfsburg und unterlagen dort knapp mit 1-2.

Alemannia Aachen

Der Verein wurde 1900 als Fußballklub Aachen gegründet. Da es aber bereits einen 1. FC Aachen gab, gab man sich den Namen „Alemannia Aachen". Vor dem zweiten Weltkrieg pendelte Aachen zwischen der Bezirksliga und der Gauliga hin und her. Den größten Erfolg in dieser Zeit feierten die Alemannen 1938 als der Aufsteiger in die Gauliga Mittelrhein diese gewann und so an der Endrunde der deutschen Meisterschaft teilnehmen durfte. Dort belegte man in der Gruppe mit Hannover 96, 1. FC Nürnberg und FC Hanau 93 nur den dritten Platz und schied aus. Nachträglich wurde die Meisterschaft nach Protesten des SV Beuel 06 den Aachener aberkannt.

Nach dem Krieg gelang den Aachenern die Qualifikation für die neugegründete Oberliga West. Während dieser Zeit schafften es die Alemannen nicht, sich für die Endrunde zu qualifizieren. Die beste Platzierung erreichten die Aachener mit einem dritten Platz. Diese Platzierung schaffte die Mannschaft in den Saison 1951/52, 1955/56 und 1957/58. Auch gehörten die Alemannen zu den drei Vereinen, die in der gesamten Oberliga West-Zeiten die Klasse erhalten haben (die beiden anderen Vereine war ein Verein aus Gelsenkirchen und natürlich unserer Verein). Trotzdem qualifizierten sich die Aachener nicht für die Bundesliga. In der Oberligazeit war der größte Erfolg der Endspieleinzug im DFB-Pokal 1953, wo man gegen Rot-Weiß Essen im Düsseldorfer Rheinstadion mit 2-1 verlor.

Erst in der Saison 1966/67 gelang Aachen die Meisterschaft in der Regionalliga West und der damit verbundene Aufstieg in die Bundesliga. Während man in der ersten Saison einen Mittelfeldplatz belegte, wurde man 1969/70 sogar Vize-Meister und feierte damit den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Die Ernüchterung folgte aber nur ein Jahr später, als man als Tabellenletzter abstieg. In der Folgezeit blieben die Alemannen zweitklassig und belegten meist nur Mittelfeldplätze. 1990 folgte dann sogar der Abstieg in die Drittklassigkeit. Außerdem hatte der Verein sich finanziell etwas übernommen und wies hohe Schulden auf. Erst 1999 gelang den Aachenern endlich wieder der Aufstieg in die 2. Bundesliga. Aber dieser Erfolg wurde von einem weiteren Schicksalsschlag überschattet, denn vor dem entscheidenden Aufstiegspiel gegen SpVgg.Erkenschwick verstarb der Erfolgscoach Werner Fuchs an einem Herzinfakt. Wieder feierten die Aachener einen Einzug ins DFB-Pokal-Finale. In der Saison 03/04 verlor man aber gegen Werder Bremen mit 2-3. Trotzdem qualifizierte man sich für den Uefa-Cup. Nach dem man in der 1. Runde FH Hafnarfjörour bezwungen hatte und auch in der Gruppenphase siegreich war, schied man erst in der Runde der letzten 32 gegen den niederländischen Erstligisten AZ Alkmaar aus. Durch den DFB-Pokal-Einzug und den anschließenden UEFA-Cup war der Verein finanziell saniert. In der Saison 2005/06 gelang dann endlich wieder der Aufstieg in die Bundesliga, aber man musste den Traum nach nur einen Jahr beenden. Aktuell spielt der Aachener TSV Alemannia 1990 weiterhin in der zweiten Bundesliga und belegt dort einen Mittelfeldplatz.

Wenn euch die Serie gefallen hat oder wenn ihr einen Fehler entdeckt habt, schreibt einfach eine Mail an uns! Wenn euch das Thema interessiert, empfehlen wir euch die Serie „Die vergessenen Jahre", die sich mit der Oberliga beschäftigt. Ihr findet diese unter „Historisches" -> „schwatzgelber Saisonrückblick".

CHS, 27.03.2011

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