Serie

Wie die Zeit vergeht? - Was ist aus den Mannschaften der Oberliga West geworden? - Teil 2

12.08.2010, 19:09 Uhr von:  CHS
WESTDEUTSCHER FUSSBALL- UND LEICHTATHLETIKVERBAND
Gerade in der letztenZeit gab es das große Sterben der Traditionsvereine. Da fällt aktuell das Beispiel Rot-Weiß Essen ein, immerhin ein ehemaliger Deutschen Meister. Vor gut 50 Jahren gehörte der Klub der Oberliga West, der höchsten Spielklasse in Westdeutschland, an. Diese Serie soll nun zeigen, was aus den Klubs, die einmal zu dieser Liga zählten, geworden ist. Nach dem ersten Teil folgen heute weitere sechs Vereine, die eine gewisse Rolle auch in der Oberliga West gespielt haben.

TSG Vohwinkel 80 /SSV 04 Wuppertal / Wuppertaler SV

Die TSG Vohwinkel 80 wurde 1880 gegründet. Vor dem Krieg hatte der Vorortverein aus Wuppertal eigentlich nur eine regionale Bedeutung. Das änderte sich nach dem Krieg: Vohwinkel wurde Gründungsmitglied der Oberliga West und konnte mit Platz 10 und Platz 7 jeweils die Klasse halten. Im dritten Jahr erreichte man aber nur den 14. Platz und musste in die zweite Liga absteigen. Hier traf man dann wieder auf den Lokalrivalen SSV Wupertal. Im Jahr1954 fusionierten dann beide Vereine.

Vor dem Krieg war der SSV 04 Wuppertal der etwas erfolgreichere Verein. Zwar hatte auch Wuppertal nur eine regionale Bedeutung, allerdings durften sie sich 1936 über den Aufstieg in die Gauliga freuen. Ohne große Erfolge stieg man nach der Saison 1939/40 nach vier Jahre wieder in die zweite Liga ab. Nach dem Weltkrieg waren die Wuppertaler erst einmal bedeutungslos. Erst 1948 stiegen die SSVler unter Trainer Fritz Szepan wiederin die zweite Liga auf und trafen da auf den Lokalrivalen.

Am 08.07.1954 wurde dann der Wuppertaler SV aus den Vereinen TSG Vohwinkel 90 und SSV Wuppertal, dem Klub aus dem Stadtteil Elberfeld,gegründet. Die Vohwinkeler brachten die Vereinsfarbe Rot, die Wuppertaler die Farbe Blau in die Ehe ein. Diese Vereinigung zwischen den beiden WuppertalerVereinen war nicht ganz umstritten, dies lag vor allem an den Elberfeldern, die man gerne als „Speckjäger" titulierte. Das es zu einer Fusion kam, darf man gerne dem damaligen Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing zuordnen, der dank seines diplomatischen Geschicks diese Rivalen vereinte. Sie hatten bereits vorher in Freundschaftsspielen zusammen gearbeitet, aber seit 1954 waren sie ein Verein. Nach der Fusion konnte man gleich 1955 die souveräne Zweitligameisterschaft feiern und stieg somit wieder in die Oberliga West auf.Nach zwei Jahre im Mittelfeld belegte man im dritten Jahr nur den vorletzten Platz und stieg damit ab. Zwar kehrte man 1962 in der letzten Oberligasaison wieder zurück, beendete aber die Spielzeit nur mit dem vorletzten Platz. Immerhin erreichte man im DFB-Pokal das Halbfinale, das man dann allerdings in einem völlig überfüllten Stadion am Zoo vor gut 40.000 Zuschauern unglüklich gegen den späteren Sieger Hamburger SV verlor. Der größte Star seinerzeit war Horst Szymaniak, der von 1955 bis 59 für die Wuppertaler spielte. Der WM-Teilnehmer von 58 und 62 ist bis heute auch der einzige deutsche A-Nationalspieler in Reihen der Rot-Blauen. In der Oberliga West belegen die Wuppertaler inklusive seiner Vorgänger in der Ewigen Tabelle den zwanzigsten vom 29. Plätzen.

Nach der Oberliga West belegten die Wuppertaler in der zweiten Liga, die Regionalliga West, regelmäßig Spitzenplätze, der Aufstieg in die Bundesliga klappte aber erst 1971/72. Die Krönung folgte auch gleich im ersten Bundesligajahr, als man den vierten Platz erreichte und in den UEFA-Cup einzog. Dort schied man schon in der ersten Runde aus. 1975 stiegen die Wuppertaler dann als Letzter wieder in die zweite Liga ab. Die zweite Liga konnte man dann noch fünf Jahre halten, aber nach dem die eingleisige zweite Bundesliga gegründet wurde, war man nur noch drittklassig. Im Jahr 2004 wurden dann aus den beiden Wuppertaler Vereinen WSV und SV Borussia 07/12 (1976 entstanden aus den Vereinen SV Germania 1907 Wuppertal und VfL 1912 Wuppertal) der Verein Wuppertaler SV Borussia, der bislang als höchsten Erfolg dieTeilnahme in der neu gegründeten 3. Liga erreichte. Aktuell spielen die Wuppertaler in der viertklassigen Regionalliga West und werden da auf unsere Zweitvertretung treffen.

SpVgg Erkenschwick

Im Jahr 1916 wurde der Verein als Sportverein Erkenschwick gegründet. Nach diversen Umbenennungen und Fusionen hieß der Verein seit 1922 Spielvereinigung 1916 Erkenschwick. Erstmals Aufmerksamkeit bekam der Verein, als man mit dem Trainer Ernst Kuzorra 1943 in die Gauliga 9 (Westfalen) aufstieg und somit der höchsten Spielklasse angehörte. Nach dem Krieg belegte man bei der Bezirksmeisterschaft Westfalen 2 einmal den Platz eins, danach Platz zwei. Als dann die neue Oberliga West gestartet war, durften sich die Erkenschwicker nach dem 5-0-Sieg als erster Tabellenführer der neuen Liga bezeichnen. Am Ende belegte man dann den achten Platz. Bis 1953 konnte man die Klasse, meist mit Platzierungen in der unteren Tabellenhälfte, halten, ehe man dann doch Abstieg und die große Zeit des Vereins endete. In der Folgezeit pendelte die Spielvereinigung zwischen der zweiten und dritten Liga. Im Jahr1969 erreichte man das Endspiel um die Deutsche Amateurmeisterschaft, verlor aber mit 1-2 gegen SC Jülich 1910. Im neuen Jahrtausend waren die Erkenschwicker nur noch viert- bzw. fünftklassig. Nach dem 2008/09 die neue dritte Liga gegründet wurde, fand sich die Spielvereinigung in der sechsten Liga wieder. Nach der Meisterschaft in der 2. Staffel der Westfalenliga spielt die SpVgg Erkenschwick akutell in der NRW-Liga. Zuvor waren zwei Jahre vergangen, wo sich der Verein mit finanziellen Sorgen und einer Insolvenz herumärgern musste.

VfL 07 Witten

Vor dem Krieg war der VfL in Witten eigentlich nur die Nummer zwei hinter dem Wittener Fußballclub von 1892, konnte allerdings eine sehr gute Jugendarbeit vorweisen, die 1935 die A-Jugend-Gruppenmeisterschaft gewann. In der ersten Nachkriegs-Spielzeit schafften die Wittener den Sprung in die Landesliga Westfalen, in der man dann sogar Herbstmeister wurde und am Ende Platz drei belegte. Damit schaffte man die Qualifikation zur neuen Oberliga West. Allerdings stieg man da nach nur vier Siegen als Tabellenletzter ab. Zwar konnte man sich dann noch zwei Jahre in der zweiten Spielklasse halten, wurde allerdings 1950 aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen. In der Folgezeit folgten weitere Abstiege, so dass man sich in der Bezirksliga wiederfand. 1968 erreichte man die oberste Amateurklasse in Westfalen, die Verbandsliga. Nachdem Abstieg 1974 konnten die Wittener keine weiteren Erfolge verbuchen. 1994 fusionierte der VfL mit den Ballfreunden Ardey zum FSV Witten 07/32. Aktuell spielen sie in der Kreisliga A – Kreis Bochum.

Rhenania Würselen

Im Jahr 1905 wurde im Aachener Stadtteil der Verein SV Rhenania Würselen 05 gegründet. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg spielten die Würseler in der Gauliga Mittelrhein. Nach dem Krieg qualifizierte sich der Sportverein als Meister des Fußballverbandes Mittelrhein und nach zwei schweren Entscheidungsspielen war das Ziel, sich für die Oberliga West zu qualifizieren, geschafft. Zwei Jahre lang konnte Rhenania die Klasse halten, ehe man in der Spielzeit 1949/50 abstieg. In der zweiten Liga konnte man sich dann auch nur zwei Jahre halten, danach begann der Abstieg in die Amateur-Niederungen. Erst 1990 konnten die Würseler wieder feiern, man wurde Meister in der Bezirksliga Aachen. Und zwei Jahre später gelang sogar der Aufstieg in die Verbandsliga Mittelrhein, damals die zweithöchste Amateurliga. Im Jahr 1997 gelang unter Trainer Winnie Hannes der Aufstieg in die Oberliga Nordrhein. Allerdings war dieser Kraftakt nicht ohne Folgen geblieben, denn die Verantwortlichen haben sich finanziell total übernommen und es drohte die Insolvenz. Zwar konnte man diese abwenden, aber die Folge war der sportliche Abstieg. Aktuell spielt Rhenania in der Kreisliga B1.

Rheydter SpV.

Auch der Gladbacher Vorortsverein wurde im Jahr 1905 gegründet. Fünfzehn Jahre später steigen die Rheydter in die Gauliga auf, in der man mehrere Rheingau-Meisterschaften und –pokalsiege errang. Nach dem Krieg gewann man 1947 die Niederrhein-Meisterschaft und konnte ein Jahr später diesen Erfolg verteidigen. 1950 wurde man dann Meister der 2. Division West und stieg unter Spielertrainer Fritz Pliska endlich in die Oberliga West auf. Doch diese Klasse konnte man nur zwei Jahre halten und stieg wieder in die zweite Liga ab. Doch unter dem Weltklassetrainer Hannes Weisweiler konnten die Rheydter sofort den Wiederaufstieg schaffen. Leider gab es im Folgejahr den erneuten Abstieg. 1960 folgte dann sogar der Abstieg in Verbandsliga Niederrhein (damals dritte Liga und damit höchste Amateurliga). 1970 nahm der RSV an den Deutschen Amateurmeisterschaft teil, musste sich aber Jülich geschlagen geben. Fünf Jahre später stieg dann derVerein sogar in die Landesliga ab. Im Jahre 1987 schaffen die Rheydter die Sensation und stiegen als Meister in die oberste Amateurliga, die Oberliga,auf. Tiefpunkt des Vereins war 2002, als der Interimspräsident Schoutz beim Amtsgericht Mönchengladbach aufgrund einer Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag stellen musste. Zwar konnte man die Insolvenz verhindern, aber der Verein wurde nach sechszehn Jahre ununterbrochener Oberligazugehörigkeit aus der Oberliga Nordrhein ausgeschlossen und musste in der Verbandsliga Niederrhein spielen. Aktuell spielt der Verein in der Niederrhein Landesliga Gruppe 2.

Wenn euch die Serie gefallen hat oder wenn ihr einen Fehler entdeckt habt, schreibt einfach eine Mail an uns! Wenn euch das Thema interessiert, empfehlen wir euch die Serie „Die vergessenen Jahre", die sich mit der Oberliga beschäftigt. Ihr findet diese unter „Historisches" -> „schwatzgelber Saisonrückblick".

CHS, 12.08.2010

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