Klasse ohne Konstanz Julian Brandt: Ein letztes Mal im Westfalenstadion
Julian Brandt läuft gegen Eintracht Frankfurt zum letzten Mal als Borusse im Westfalenstadion auf. 306 Spiele, 57 Tore, Platz 3 bei den Vorlagen – und trotzdem bleibt ein Gefühl der Unvollständigkeit. Ein Abschied, der nachdenklich macht.
Am Freitag läuft Julian Brandt gegen Eintracht Frankfurt zum 306. und letzten Mal im BVB-Trikot im Westfalenstadion auf. Platz 18 in der ewigen Einsatzliste. Mit 70 Assists auf Platz 3 bei den Vorlagen hinter Marco Reus und Andreas Möller. 57 eigene Tore. Zahlen, die sich sehen lassen können – und die leicht vergessen gehen, wenn man nur an die Momente denkt, in denen Julian Brandt einen zur Weißglut getrieben hat.
2019 kam Brandt als eines der größten deutschen Talente – und entschied sich gegen Bayern und für Dortmund. Damals waren die Erwartungen riesig. Ein Spieler mit Technik, Übersicht und dem nötigen Selbstvertrauen, um den nächsten Schritt zu machen. Was folgte, war eine Karriere voller Widersprüche. Mal 4:2 gegen Atlético in der Champions League – Brandt mittendrin, mit dem wichtigen 1:0. Mal 1:2 in Dortmund gegen den damaligen Zweitligisten St. Pauli – Brandt irgendwo auf dem Rasen, schwer zu greifen, noch schwerer zu verstehen. Einem Zweikampf mit vollem Körpereinsatz folgte einer mit angezogener Handbremse. Julian Brandt war nie berechenbar – und genau das machte ihn zum Symbolbild des BVB in den vergangenen Jahren.
Blitzableiter einer Mannschaft, die zu selten das abrief, was in ihr steckte.
Nicht selten brachte er die Fans – und den Autor dieser Zeilen – damit auf die Palme. Gerade in den vergangenen 2-3 Jahren entlud sich der Frust nicht selten nach einer missglückten Aktion von Julian Brandt: manchmal berechtigt, manchmal stellvertretend für eine ganze Mannschaft, die dasselbe Problem hatte. Denn Brandt stand nie allein für das, was beim BVB schiefgelaufen ist. Er war nur derjenige, an dem es sich am leichtesten festmachen ließ. Der Blitzableiter einer Mannschaft, die zu selten das abrief, was in ihr steckte.
Am kommenden Freitag ist nun Schluss. Norbert Dickel wird Worte finden. Die Südtribüne vielleicht ein Spruchband. Und irgendwo zwischen Abpfiff und Abschied wird Julian Brandt ein letztes Mal durch das Westfalenstadion laufen – in einem Trikot, das er 306 Mal getragen hat. Platz 18. Platz 3. 57 Tore. 306 Spiele. Zahlen, die sich sehen lassen können – auch wenn es am Ende nicht gereicht hat für das große Versprechen von 2019.
Das ist schade. Für Julian Brandt. Und für Borussia Dortmund.
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