Unsa Senf

„Was machst du am Samstag?“

15.05.2020, 11:17 Uhr von:  mrg
„Was machst du am Samstag?“

Endlich wieder Fußball. Endlich wieder Fußball? Unser Autor über eine Frage, die ihn kurzzeitig aus dem Konzept brachte.

Was machst du am Samstag?

So unsinnig das ist, die Frage überrumpelte mich total. Gestellt hatte sie ein Reporter des New York Times Magazin. Wir hatten da bereits eine Dreiviertelstunde über die Kritik der Fanszene Deutschlands an den Geisterspielen gesprochen.

Nun stand diese Frage im Raum und ich hatte wirklich keine Antwort. Ich wusste es bis gestern nicht. Nadja hat bereits schön zusammengefasst, dass Fan sein für viele mehr ist, als nur das Spiel zu schauen. Von daher habe ich immer gerne Fußball geschaut, aber bei Borussia-Spielen fühlte sich das immer komisch an. Einen Vorgeschmack hat man beim Spiel in Paris bekommen – aber da stand alles noch am Anfang. Bis auf Großereignisse war die ganze Situation noch recht indifferent. Man hat das Spiel ein bisschen erlebt wie eine Blocksperre oder Protestspieltag. Es ist nicht das erste Mal, dass viele BVB Fans einem Spiel fernbleiben (mussten).

Wenig ist mir aktuell ferner als Fußball.

Mittlerweile sind zwei Monate vergangen. Der Profifußball hat mit aller Macht und unter reichlicher Mithilfe der sogenannten Sportjournalisten die Lobbytrommel gewirbelt und darf nun mit Geisterspielen zurückkommen. Ich weiß, dass das Geschäft Fußball genauso ein Recht hat für seine Sache einzutreten, wie es der Automobilsektor (Stichwort Kaufprämie) oder das Tourismusgewerbe (Stichwort Grenzöffnungen) mit aller Macht tun.

Der Großteil dieser Debatte ist glücklicherweise an mir vorbei gegangen. Seit Jahren schon gucke ich kein Doppelpass, das Aktuelle Sportstudio oder hatte je ein Sky Abo gehabt. So berührten auch die peinlichen Auftritte Watzkes mich eher am Rande. Über den Anspruch der Menschheit zu helfen und der kritiklosen Hinnahme solcher Hybris schmunzele ich nur noch, so abgestumpft bin ich vom rundherum. Mich ärgert aber dann doch der Alleinvertretungsanspruch. „Der Fußball“ hat kein Problem, sondern das Geschäft Profifußball.

Das ist wie Nachrichten aus einer anderen Welt.

Diese Ambivalenz ist mir seit Jahren bewusst. Man lehnt viele Entwicklungen ab, bekommt häufig geradezu das kalte Kotzen, aber investiert doch wahnsinnig viel Zeit – auch in den Zirkus. Doch die letzten zwei Monate waren das erste echte Aussetzen. Nicht nur die Spiele, das etwas mehr, was Borussia ausmacht, ist genauso gestoppt. Alles was mit Fußball zu tun hat, ist einfach nach wie vor irre weit weg – und ehrlich, ich habe vieles auch nicht vermisst. Die Düsseldorfer Ultras haben die aktuelle Stimmungslage ganz gut zusammengefasst. Irgendwie ist die Saison zu Ende. Das alles ist nur noch eine Farce. Persönlich finde ich fast spannender, wie wird es, wenn in drei, sechs oder zwölf Monate wieder Fußball „normal“ stattfindet? Hat man den kalten Entzug geschafft oder ist das wieder der Schuss zurück?

Was Samstag ist, weiß ich jetzt. Der Fußball wird nicht im Mittelpunkt stehen.

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