Spielbericht Profis

Alles wie immer

19.12.2020, 00:42 Uhr von:  Christoph
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Die alte Försterei

In Zeiten wie diesen ist es gut, wenn man sich auf etwas verlassen kann. Zu diesen Konstanten zählt auch, dass der BVB gegen Mannschaften, die Leidenschaft und Einsatz zeigen, nicht gewinnen kann. Weder der jüngste Torschütze der Bundesligageschichte, noch ein motivierter Dortmunder Junge auf der Trainerbank mögen daran etwas ändern. Der BVB verliert verdient mit 2:1 gegen Union Berlin.

Michael Zorc sitzt mit gesenktem Haupt auf der Reservebank, die Hände zum Gebet gefaltet, als Union den 2:1 Siegtreffer erneut nach einem Eckball erzielt. Standards können die Berliner, die Dortmunder können sie nicht. Weder schießen noch verteidigen. Das Ergebnis des Spiels allein an den Standards festzumachen, wäre zu einfach. Aber der Reihe nach.

Edin Terzic wechselt in seinem zweiten Spiel als Chefcoach auf zwei Positionen. Can, der bereits auf der Pressekonferenz in den höchsten Tönen von Terzic gelobt wurde, kommt für Bellingham ins Mittelfeld. Eine Maßnahme, die sich am Ende nicht auszahlen sollte. Im Gegenteil. Konnte Can in der ersten Halbzeit noch durch angemessenes Zweikampfverhalten auf sich aufmerksam machen, nutzt Witsel jede Gelegenheit, sich hinter den breiten Schultern von Can zu verstecken. Außerdem kehrt Meunier nach überstandenem Muskelfaserriss zurück in den Kader und verdrängt Morey dafür auf die Bank.
Auf der Berliner Bank bleiben hingegen einige Plätze frei. Zahlreiche Ausfälle sind beim Gastgeber zu beklagen. Darunter auch der Ausfall von Max Kruse. Insgesamt stehen nur 18 Spieler zur Verfügung.

Die alte Försterei im Jahr 2019
Die alte Försterei im Jahr 2019

1. Halbzeit

Die erste Halbzeit war ein hartes Stück arbeitet, nicht nur für die Zuschauer. Neben den zweikampfstarken und aggressiven Berlinern ist es vor allem die „Müdigkeit“ der Dortmunder, die förmlich ansteckend ist. Das BVB-Spiel ist statisch und wirkt behäbig. Immer wieder sind es leichte und vor allem haarsträubende Ballverluste der schwarzgelben, welche die Eisernen aus Berlin in den ersten Minuten zu guten Chancen einladen. Über einen Rückstand hätte sich der BVB in den ersten 30 Minuten nicht beschweren dürfen. Doch auch der BVB sollte die ein oder andere Möglichkeit erhalten, in Führung zu gehen. Fast mit dem Pausenpfiff des kaum geforderten Schiedsrichters wird Moukoko von Guerreiro klasse steilgeschickt und setzt den Ball nur an den rechten Pfosten. Das erste Tor des Wunderknaben rückt näher, ebenso die Hoffnung auf eine bessere 2. Halbzeit.

Der BVB Block im Jahr 2019
Ob mit oder ohne Fans: Für Dortmund gibt es in Berlin nichts zu holen

2. Halbzeit

Doch nach dem Seitenwechsel wird es allerdings nicht besser. Dortmund bekommt zwar mehr Spielanteile, bringt aber weiterhin zu selten Tempo in die Angriffsaktionen und lädt Berlin durch Fehlpässe auf Kreisliga-Niveau im Aufbau immer wieder zu Gelegenheiten ein. Nach einer Standardsituation fällt dann das erste Tor. Prömel verlängerte die Ecke an den zweiten Pfosten, wo Awoniyi Reyna entwischt war und aus kurzer Distanz durch Bürkis Beine köpfte (57.). Während die manuelle Anzeigentafel im Stadion nicht einmal das 1:0 anzeigt, trifft Moukoko. Fast deckungsgleich zum Pfostentreffer in der ersten Halbzeit spielt Guerreiro einen großartigen Pass auf Moukoko, der mit einem Linksschuss ins kurze Eck trifft (60.). Ein Weckruf? Fehlanzeige.

Das hat auch etwas damit zu tun, wie sehr man einen Sieg will

M. Hummels (DAZN)

Der BVB lässt weiter alles vermissen, was man von einer Spitzenmannschaft erwarten kann, was man überhaupt von einer Mannschaft erwarten darf, wenn man ein Spiel gewinnen möchte. Anstatt die Gunst der Stunde zu nutzen und den Druck durch Geschwindigkeit und Pässe in die Tiefe zu erhöhen, zog man den Ballbesitz im Mittelfeld vor. Und dann schlägt Union erneut zu. Wieder nach einer Ecke. Wieder machte es der BVB den Standardexperten aus Berlin einfach, wieder steht ein Berliner komplett frei und köpft seelenruhig und ungehindert in das Dortmunder Tor (78.). Täglich grüßt das Murmeltier. Wer jetzt ein Aufbäumen von Seiten des BVB erwartet, wird (erneut) bitter enttäuscht.

So haben sie gespielt

Union Berlin: Luthe – Trimmel (72. Ryerson), Friedrich, Knoche, Lenz – Griesbeck, Prömel, Teuchert (85. Gießelmann) – Becker, Awoniyi (86. Gogia), Bülter (66. Endo)

Borussia Dortmund: Bürki – Meunier (80. Morey), Akanji (85. Schulz), Hummels, Guerreiro – Witsel – Reus (72. Brandt), Can (80. Bellingham) – Sancho, Moukoko, Reyna


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