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Auslosung UEFA Champions League Gruppenphase 2019/20

02.09.2019, 14:58 Uhr von:  giog
Auslosung UEFA Champions League Gruppenphase 2019/20

Am 29. August war es also wieder soweit: die Auslosung der Champions League-Gruppenphase, die mittlerweile zum festen Repertoire der frühen Saisonphase gehört, stand vor der Tür. Anlass genug, um die Veranstaltung Revue passieren zu lassen und gleichzeitig einen ersten Blick auf die Gegner des Ballspielvereins zu werfen.

Die Auslosung fand – wie üblich – in Monaco vor diversen Vereinsvertretern und anderen Personen der europäischen Fußballszene statt. Im minutiös durchgetakteten Ablaufplan war gleich zu Beginn der große Auftritt von Ex-Gelsenkirchener Hamit Altintop vorgesehen, der als Botschafter den Finalort Istanbul vorstellte, wo im Atatürk-Stadion am 30. Mai 2020 das Finale um den Henkelpott steigt. Die Aufgaben der Losfeen hingegen wurden von Wesley Sneijder und Petr Čech übernommen, die beide erst kürzlich ihre beeindruckenden Karrieren beendeten (wobei vor allem Sneijder den verdienten Ruhestand offensichtlich in vollen Zügen zu genießen scheint).

Der BVB befand sich im Topf 2, wodurch immerhin die alljährliche Reise nach Madrid bereits im Vorfeld ausgeschlossen war, da sowohl Real als auch Atlético aus eben diesem Topf gezogen wurden. Unter Berücksichtigung weiterer Modalitäten (vor allem natürlich der Vermeidung von Vereinen der gleichen Nation in der Gruppenphase, aber auch das nicht gänzlich durchschaubare „Pairing“, d.h. die Paarung verschiedener Clubs, die etwa aus Gründen der „optimalen“ Fernsehübertragung nicht am selben Spieltag spielen sollen) wurde der BVB schließlich in die Gruppe F gelost – zusammen mit dem FC Barcelona (Topf 1), dem FC Internazionale aus Mailand (Topf 3) sowie Slavia Prag (Topf 4).

Unsere Gruppe F

Werfen wir also einen kurzen Blick auf unsere Gegner in der Gruppenphase:

FC Barcelona

Mit dem FC Barcelona hat der BVB einen Verein erwischt, welcher bei nicht wenigen Fans als kleines Traumlos galt. Dies mag verschiedene Gründe haben: Zum einen spielt hier sicherlich die Aura des FCB eine Rolle, welcher ohne jeden Zweifel weltweit zu den Clubs mit der größten Strahlkraft überhaupt zählt. Darüber hinaus kreuzten sich unsere Wege überraschenderweise lediglich zwei Mal im Rahmen des Supercups im Jahre 1998 (0:2 und 1:1 aus Sicht des BVB), sodass zumindest in der jüngeren Vergangenheit kein Aufeinandertreffen mehr stattfand. Schließlich – und das mag auch (m)eine ganz persönliche Note sein – hat es schon etwas Magisches, mit Lionel Messi den vermutlich besten Fußballspieler aller Zeiten im Westfalenstadion begrüßen zu dürfen. Womit wir beim Sportlichen wären: Barça blieb im Sommer alles andere als untätig und hat sich unter anderem mit Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam sowie Antoine Griezman vom Ligakonkurrenten aus Madrid verstärkt. Wäre die verstärkte Offensive nicht schon beeindruckend genug, steht weiterhin eine Rückholaktion von Neymar im Raum (Barcelonas Transfermethoden hat Sascha bereits sehr treffend beschrieben und ins Verhältnis mit dem eigenen Wahlspruch „Més que un club“ gerückt). Je nachdem, ob und wie dieser Transfer letztlich über die Bühne gehen wird, wäre auch ein Wiedersehen mit Ousmane Dembélé möglich. Auch über den Fußball hinaus ist Barcelona als Stadt mit Sicherheit eine Reise wert, zumal die schiere Größe des Camp Nou mit seinen über 90.000 Plätzen für ein entsprechend hohes Gästekontingent sorgen wird.

Inter Mailand

5.000 BVB Fans im Giuseppe - Meazza Stadion im Jahr 2002
5.000 BVB Fans im Giuseppe - Meazza Stadion im Jahr 2002

Vermutlich ist es nicht übertrieben zu sagen, dass man mit Inter Mailand den stärksten Gegner aus Topf 3 erwischt hat. Die Nerazzurri haben mit Antonio Conte zur neuen Saison nicht nur einen neuen Trainer verpflichtet, sondern in Person von Romelo Lukaku und Alexis Sánchez (Letzterer per Leihe) zwei ziemliche Granaten aus der Premier League nach Mailand geholt. Gerade am Beispiel Inter Mailand wird deutlich, dass die Jahre vorbei sind, in denen die Serie A ein wenig an Glanz verloren zu haben schien. Auch in der Defensive wurde man im Übrigen aktiv und konnte mit Diego Godin einen Routinier in der Innenverteidigung unter Vertrag nehmen. Ähnlich wie beim FC Barcelona liegt auch hier die letzte Begegnung mit der Borussia schon ein wenig zurück: In der Saison 1993/1994 musste man sich dem späteren UEFA-Pokalsieger im Viertelfinale geschlagen geben. Was die Reise nach Mailand für den geneigten Fan dabei besonders attraktiv macht ist wohl weniger das üppige Angebot an Modeboutiquen, sondern das altehrwürdige Giuseppe Meazza. Dieses wunderschöne Stadion wird nämlich voraussichtlich zur Saison 2022/2023 leider einem Neubau weichen, weshalb sich die seltene Gelegenheit bietet, das San Siro mit dem BVB zu besuchen zu können.

Slavia Prag

Schließlich wird die Gruppe F durch den Sportovní Klub Slavia Praha vervollständigt. Der amtierende tschechische Meister konnte sich in den Play-offs gegen den CFR Cluj durchsetzen und nimmt damit erst zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte an der Champions League-Gruppenphase teil. Die Reaktion der Slavia-Funktionäre bei der Ziehung steht wohl sinnbildlich für die sportliche Rolle, die die Tschechen in dieser sehr stark besetzten Gruppe wohl einnehmen werden. Unterschätzen sollte man Slavia jedoch nicht, die in der vergangenen Europa League-Saison schließlich bis ins Viertelfinale vordrangen, auf dem Weg dorthin den Europa League-Dauerabonnenten aus Sevilla ausschalten konnten und erst am späteren Sieger FC Chelsea scheiterten. Reisetechnisch meinte es die Losfee mit der tschechischen Hauptstadt auch wieder außerordentlich gut mit uns, wenngleich die überschaubare Kapazität des Stadion Edens (21.000 Plätze) vermutlich für Kopfschmerzen bei der Kartenvergabe sorgen wird.

Fazit

Es dürfte wohl jedem klar sein, dass ein Weiterkommen in dieser Gruppe an jedem Spieltag eine Leistung der Mannschaft erfordern wird, welche nahe am Maximum liegen muss. Aber genau deshalb möchte man doch in der Champions League spielen, oder nicht? Fakt ist, dass uns große Fußballabende gegen Vereine bevorstehen, die man in der Geschichte des Ballspielvereins nicht oder noch nicht häufig sehen durfte. Überdies hat man mit den drei Städten Barcelona, Mailand und Prag Reiseziele erwischt, die nahezu prädestiniert für attraktive Ausflüge sind. Insgesamt kann man daher ohne Weiteres von einer Traumgruppe sprechen!

Was gab es sonst noch?

Wie üblich, fanden im Rahmen der Veranstaltung noch individuelle Ehrungen statt. Hervorgehoben seien hier allerdings nur am Rande die sportlichen Auszeichnungen (für das Protokoll: Virgil van Dijk wurde verdientermaßen Europas Fußballer des Jahres, Lucy Bronze gewann die Trophäe im Frauenfußball), sondern die Vergabe des „Equal Game-Awards“ an den BVB für sein Engagement im Kampf gegen Rassismus. Man mag Preise für zivilgesellschaftliches Engagement durch einen so zwielichtigen Verband wie die UEFA zwar dem Grunde nach hinterfragen; gleichwohl soll damit in keiner Weise unterschlagen werden, welch herausragende Arbeit die in diesem Zusammenhang tätigen Akteure leisten und hierdurch eine mehr als verdiente Würdigung erfahren. Gerade mit Blick auf die just an diesem Tag bekanntgegebene Entscheidung der DFB-Ethikkomission ein gutes Zeichen, wenngleich diese Themen wohl leider nie an Aktualität einbüßen werden.

Und dann war da noch…

Eric Cantona. Die Manchester United-Legende wurde für seine außergewöhnlichen Verdienste um den Fußball ausgezeichnet und konnte nicht nur stilmäßig punkten, sondern lieferte eine – im Wortsinn – bemerkenswerte Dankesrede ab. Ich möchte mir gar nicht anmaßen, diese (offenbar mit Shakespeare-Zitaten gespickte) Ansprache genauer analysieren zu können und empfehle vielmehr, sich das Ganze einfach einmal anzusehen. Man bekam allerdings definitiv den Eindruck, dass hier jemand mehr zu sagen hatte, als lediglich die üblichen Floskeln loszuwerden, welche man in so einem Rahmen überwiegend zu hören bekommt…

Wie dem auch sei: am 17. September ist es dann so weit und kein Geringerer als der FC Barcelona gibt sich am ersten Spieltag bei uns die Ehre. Borussia. Westfalenstadion. Flutlicht. Barça. Messi. Was möchte man mehr?

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