Spielbericht Profis

Wenig überraschender Kantersieg bei der Veh-Farce

16.02.2014, 00:21 Uhr von:  Web
Wenig überraschender Kantersieg bei der Veh-Farce

Der BVB zerlegte eine Frankfurter Mannschaft nach allen Regeln der Kunst, die nie den Eindruck erweckte, sich in Dortmund einen Punktgewinn zuzutrauen. Mit 4:0 fiel das Ergebnis am Ende sogar gnädig für die Männer vom Main aus, denn die Borussen vergaben noch zahlreiche gute Einschussgelegenheiten. In der ersten Halbzeit brachte Aubameyang den BVB mit einem Doppelpack auf die Siegerstraße. Einen Traumeinstand feierte Neuzugang Jojic, der gleich mit seinem ersten Ballkontakt in schwarzgelb einen Treffer erzielte.

Gedenken der Jubos an Lars

Zweimal in einer Woche in Pflichtspielen gegen dieselbe Mannschaft anzutreten hat natürlich seinen speziellen Reiz. Allerdings hatte der kauzige Eintracht-Trainer Veh etwas dagegen. Nachdem der „eigentlich total liebe Junge“ Carlos Zambrano unter der Woche von den bösen Dortmundern aufs Übelste provoziert wurde und nur unter Aufbietung seiner sprichwörtlichen Gemütsruhe vermeiden konnte, unberechtigterweise vom Platz gestellt zu werden, gönnte Veh seinem emotional mitgenommenen Schützling ein freies Wochenende. Auch Seabstian Rode saß nicht einmal auf der Bank. Der sollte sich wohl schon mal an seinen neuen Job in der nächsten Saison gewöhnen, Robert Lewandowski von der Tribüne aus beim Fußball zuzugucken. Als Konkurrent von Borussia könnte man bei so einem Vorgehen von Wettbewerbsverzerrung sprechen, weil ja solche Maßnahmen auch Auswirkungen auf die Motivation der übrigen Spieler haben. Aber Armin Veh nennt das wohl eine ökonomische Taktik oder so ähnlich. Der BVB trat in unveränderter Aufstellung an wie unter der Woche, da die Wunderheilung von Reus ausgefallen war und auch der wiederhergestellte Sven Bender auf der Bank Platz nahm. Die JUBOS präsentierten zum Einlaufen der Mannschaften eine Doppelhalteraktion die an den Todetag eines verstorbenen Mitgliedes erinnerte. Dessen Konterfei wird wohl jeder kennen, der in letzter Zeit mal ein BVB Spiel besucht hat: „in unseren Herzen lebst Du weiter“

Erste Halbzeit

Guter Auftritt der Frankfurter

Auf dem Platz sahen die Kräfteverhältnisse schnell so aus, wie sie nach den Ankündigungen von Veh zu erwarten gewesen waren. Ein erster schöner Konter über den spritzigen Piszczek blieb erfolglos, weil Lewandowski seinem Querpass nicht mehr ausweichen konnte und Nuri Sahin sich den Nachschuss mit seinem schwachen rechten Fuß nicht zutraute. Auch in den nächsten vielversprechenden Angriffsaktionen wirkte der angehende Bayer unglücklich, beim Versuch seine Mitspieler in Szene zu setzen. Als er dann einmal Mkhitaryan fand, brachte der den Ball nicht an der vielbeinigen Frankfurter Abwehr vorbei. Beim nächsten Versuch spielte Mkhitaryan aber Aubameyang derart klug frei, dass der gar nicht mehr anders konnte, als den Ball in die Maschen zu hauen. Das Tor führte auch zu einem kurzen Frieden im Gästeblock, wo sich Frankfurter Fans zuvor untereinander handfest über die Frage auseinandergesetzt hatten, ob man im Block durchrückt oder lieber seinen Platz verteidigt. Der Schock des Gegentreffers kühlte die Gemüter anscheinend ein wenig. Auf dem Platz gab weiter der BVB den Ton an. Immer wieder trieb der bärenstarke Piszczek den Ball nach vorne.

Aubameyang netzte doppelt ein

Für einige Erheiterung sorgte dann Roman Weidenfeller. Der erst den Anlauf zum Abstoß dreimal abbrach, um den Ball dann direkt auf Höhe der Mitellinie ins Seitenaus zu pöhlen. In der zwanzigsten Minute hätte Lewandowski fast die Führung erhöht, scheiterte aber aus spitzem Winkel. So blieb die Arbeit wieder mal bei Aubameyang hängen. Eine starke Ecke von Mkhitaryan köpfte Friedrich aufs Tor, Trapp konnte den Ball nur noch nach vorne abwehren und Aubameyang stand erneut goldrichtig. Sein Torriecher ist wirklich erstaunlich. Als dann auch noch auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, dass Aubameyang bis zu diesem Zeitpunkt auch die meisten Zweikämpfe gewonnen hatte, konnte man nur noch staunen.

Die Borussen blieben hungrig und versuchten, der Eintracht sofort den Todesstoß zu versetzen, aber der enorm handlungsschnelle Mkhitaryan fand mit seinem Querpass Lewandowski nicht. Frankfurt schien sich nun an die taktischen Vorgaben ihres Trainers zu halten, das Spiel in Dortmund abzuschenken, weil die Punkte, die man woanders holt, viel wertvoller sind. Als Eintracht Fan, der eine stundenlange Anreise auf sich genommen hat, würde ich mir ziemlich verarscht vorkommen. Vermutlich lag es auch daran, dass die eigentlich reisefreudigen Frankfurter ihr Kartenkontingent nicht voll ausschöpften. Aber auch aus Sicht eines Borussen, ist so ein Vorgehen unwürdig, denn man will ja einen sportlichen Vergleich sehen und keinen Showkampf. Sokratis wurde es dann auch bald zu friedlich und so setzte er 25 Meter vor dem Tor eine eingesprungene Blutgrätsche an, die der Schiri wohl zurecht mit Freistoß bestrafte, obwohl der Grieche den Ball und nicht den Gegner getroffen hatte. Den schönen Freistoß von Djakpa konnte Weidenfeller nur nach vorne fausten und er hatte Glück, dass der Ball keinem Frankfurter vor die Füße fiel.

Micki im Zweikampf

Gerade als Frankfurt mal wieder so tat, als wollten sie auch mitspielen, gab es nach einer Ecke für die Eintracht die nächste dicke Gelegenheit für die Borussia. Ein weiter, hoher Ball und schon war Rakete Aubameyang auf der Reise. Leider geriet sein Abspiel mal wieder zu ungenau. Kurz darauf zeigte Großkreutz noch einen schönen Distanzschuss, der aber einigermaßen deutlich drüber ging. Frankfurt spielte weiter Tag der offenen Tür, aber Lewandowski hatte nach Großkreutz‘ Vorarbeit erneut kein Schussglück und Sokratis verfehlte nach dem anschließenden Eckball mit einem Kopfball das Tor knapp. Mehrere gefährliche Ecken! Vom BVB! In einer Halbzeit! Da muss man wohl einige Jahre zurückblicken, wann es das zuletzt gegeben hat.

Zweite Halbzeit

Kaum lief das Spiel wieder, fiel auch schon die Entscheidung. Djakpa berührte Lewandowski im Fallen leicht und Peter Sippel pfiff einen ziemlich harten Elfmeter. Wenn sich diese Linie durchsetzt, gibt es demnächst oft torreiche Spiele. Der Gefoulte trat selber an und ließ sich diese Chance nicht entgehen. Der BVB spielte einfach weiter nach vorn und nach einer schönen Flanke von Piszczek hätte Marcel Schmelzer beinahe das gefühlt erste Kopfballtor seiner Karriere erzielt. Kurz darauf wollte Kevin es ein wenig zu schön machen, ließ Trapp aussteigen und schoss dann einen Verteidiger an. Die Süd groovte sich jetzt wunderbar auf „Supergirl“ ein und die Welt war aus schwatzgelber Sicht ziemlich in Ordnung. Dann erschallte das Steigerlied, wobei es mir immer ganz besonders warm ums Herz wird. Auf der Nord machten die Eintracht-Supporter das, was sie scheinbar am besten können und feierten sich selbst. Der Ball lief wunderbar durch die schwarzgelben Reihen und Mkhitaryan zeigte, dass er neben Agilität auch eine gute Übersicht mitbringt. Leider schien Aubameyang sein Pulver in der ersten Halbzeit verschossen zu haben und brachte nach einer erneut wunderbaren Piszczek-Flanke nur ein harmloses Schüsschen zustande.

Dortmunder Jubel zum 3:0 um Lewandowski

Als das Spiel nur noch vor sich hin plätscherte hatte Jürgen Klopp doch noch ein Highlight in petto und verschaffte Winterzugang Milos Jojic sein Pflichtspieldebut. Und der war kaum auf den Platz gelaufen, da ließ Kevin Trapp einen Schuss seines Namensvetters Großkreutz vor seine Füße prallen und Jojic schob ihn locker ein. Einen schöneren Einstand hätte er sich nicht erträumen können. Solche Strorys schreibt nur der Fußball. Jetzt geriet die Partie endgültig zum Schaulaufen der Borussen. Das ganze Stadion stand auf und Nuri schnibbelte einen Freistoß knapp über den Winkel. Wenn der BVB nicht in bekannter Art und Weise verschwenderisch mit seinen Chancen umgegangen wäre, hätte wohl sogar ein zweistelliges Ergebnis im Bereich des Möglichen gelegen. Die Süd schmetterte aber trotzdem mit Inbrunst Erbse Erdmanns BVB-Walzer. Auch Schaukämpfe können schön sein. Zehn Minuten vor Schluss war dann sogar mal wieder Schiebertime. Der Schwabe, den man schon in die zweite Mannschaft runterschreiben wollte, durfte den Beweis antreten, dass er doch noch zu den Profis gehört.

Endgültig peinlich wurde der Auftritt der Frankfurter, als ihre Fans mal eben das ganze Stadion als Nazischweine beschimpften. Wenn man sonst nichts drauf hat, muss man wohl ganz tief ins Klo greifen, um trotzdem ein wenig Spaß haben. Ganz, ganz schwach, aber es passte ja zum Gesamteindruck, den die SGE hier hinterlassen hat. Auf dem Platz vor Anpfiff schon aufgegeben. Auf der Tribüne erst untereinander geprügelt und dann kaum zu hören. Das ist in keiner Beziehung bundesligareif und wenn im Tabellenkeller nicht ein derartiges Schneckenrennen stattfinden würde, wäre die Eintracht nicht zu Unrecht dick drin in der Verlosung der Abstiegsplätze.

Milos bejubelt seinen ersten BVB-Treffer

Im Süden ließ man sich die Stimmung aber nicht beeinträchtigen und ließ den Borussenstern aufleuchten. Der BVB konnte ja schließlich nichts dafür, dass Frankfurt sich hier auf und neben dem Platz in allen Belangen derart desolat präsentiert hatte und nach den letzten Heimspielen musste man die Feste auch feiern, wie sie fallen. Nächste Woche geht die Tour durch die Niederungen der Tabelle in Hamburg weiter. Ob man da ein Wiedersehen mit Ex-Trainer BvM feiern kann, ist nach den heutigen Ergebnissen allerdings äußerst Zweifelhaft.

Statistik

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Aubameyang (71. Hofmann), Mkhitaryan (68. Jojic), Großkreutz – Lewandingsbums (81. Schieber)

SGE Frankfurt: Trapp, Russ, Rosenhal, Lanig, Meier, Djakpa (73. Oczipka), Aigner, Anderson (33. Kempf), Jung, Weis (53. Schröck), Madlung

Tore: 1:0 Aubameyang (10. Mkhitaryan), 2:0 Aubameyang (21. Friedrich), 3:0 Lewandowski (47. Lewandowski), 4:0 Jojic (68. Großkreutz)

Torschüsse: 9:3

Ecken: 5:5

Gelbe Karten: Sahin – Kempf, Russ

80.100 Zuschauer im Westfalenstadion

Stimmen aus der PK

Armin Veh konnte mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht zufrieden sein

Armin Veh: Der Sieg geht auch in der Höhe in Ordnung. Wir haben zu früh das Gegentor bekommen, und dann beim 2:0 zum zweiten Mal innerhalb von ein paar Tagen das Tor nach einer Standardsituation bekommen. Dann war das Spiel entschieden. Wir müssen schon komplett sein und einen guten Tag haben, um hier in Dortmund eine Chance zu haben. Die Kluft zwischen den paar Spitzenclubs und denen, die darum kämpfen, drin zu bleiben, ist einfach zu groß

Jürgen Klopp: Das war von der ersten Sekunde an stark. Lewandowski und Mikhitaryan haben das heute vorne super gemacht und die Diagonalbälle viel besser verteidigt als noch in Frankfurt. Alle Tore haben wir zum perfekten Zeitpunkt gemacht. Das war ein sehr gutes Spiel von meiner Mannschaft. Jojic ist ein guter Fußballer. Das Tor war allerdings glücklich. Kevin hat da seinen 12. Versuch gestartet. Trapp kann den Ball nicht festhalten und dann steht er da halt richtig. Ansonsten mag ich es nicht, die Spieler nochmal vorzustellen, wenn sie ein Tor gemacht haben. Dass ich den Rekord von Ottmar Hitzfeld eingestellt habe, ist nur eine schöne Zahl. Borussia ist aber auch ein toller Verein und ich habe ein sehr gutes Trainerteam.

Noten

Lulasz Piszczek zusammen mit Sebastian Kehl

Weidenfeller: Wenig beschäftigt, aber mit einigen Unsicherheiten bei Abschlägen und ein paar Bällen, die unnötigerweise nach vorne abgewehrt wurden (3,5)

Piszczek: Deutete an, dass er wieder seine Form aus der letzten Saison wiederfindet. Unheimlich dynamisch und bessere Flanken schlägt beim BVB auch keiner (2)

Friedrich: Hinten sicher und vorne mit einem Assist. Seine Verpflichtung zahlt sich mehr und mehr aus (2,5)

Sokratis: Ein paar spektakuläre Zweikämpfe, die aber zum Teil auch nur deshalb notwendig wurden, weil er sich vorher selber in die Bredouille gebracht hatte (3)

Schmelzer: Hatte einige Gelegenheiten, sich in die Torschützenliste einzutragen, die er recht stümperhaft vergab. In der Defensive wenig gefordert (3,5)

Kehl: Ein unauffälliges Spiel des Kaptäns. Seine Stärken waren heute nicht so gefragt, weil Frankfurt dafür zu wenig Gegenwehr leistete (3,5)

Sahin: Zog im Mittelfeld gekonnt die Fäden, verlor seine Sicherheit aber, sobald es in den Frankfurter Strafraum ging (3)

Aubameyang: Torgefährlich wie immer. Da zu stehen, wo der Ball hinkommt, ist auch eine Stärke. Arbeitete für seine Verhältnisse auch gut mit nach hinten, zeigte aber auch ein paar schlampige Abspiele (2)

Robert Lewandowski - Auch er gehörte heute zu den Besten.
Mkhitaryan: Eine ganz starke Partie des Armeniers. Nutzte die Räume, die sich ihm boten und verteilte gut die Bälle. Auch im Pressing zusammen mit Lewandowski eine Macht (1,5)

Großkreutz: Die ganze Zeit unterwegs und sehr aktiv in der Offensive, dabei wechselten sich, wie bei ihm üblich, Licht und Schatten ständig ab. Hätte für seine zahlreichen Versuche aber auf jeden Fall einen Treffer verdient gehabt (2)

Lewandowski: Auch er gehörte heute zu den Besten. Ihm fehlte ein wenig das Schussglück, aber dafür setzte er seine Mitspieler umso besser in Szene. Arbeitete dazu wie üblich vorbildlich gegen den Ball (1,5)

Jojic: Feierte einen Traumeinstand, war aber etwas zu kurz auf dem Platz für eine ordentliche Bewertung.

Hofmann, Schieber: Durften am Ende auch noch mitwirken und sich für den Sieg feiern lassen.

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