Spielbericht Jugend

Göcke hält den Traum fest

07.11.2013, 02:04 Uhr von:  Redaktion

Es ist paradox: Während unsere U19 in der Bundesliga West nur graues Mittelmaß darstellt, hat man in der UEFA YouthLeague nach dem 2:2 in Holzwickede gegen Arsenal tatsächlich noch gute Chancen, ins Achtelfinale einzuziehen. Zwar war der Gast aus England spielerisch weit überlegen, aber Deutschland ist halt eine Torwartnation.

Der BVB bewies sich als lernfähig und lud zum freien Eintritt ein, was im ersten Heimspiel gegen Marseille in der Roten Erde noch anders war. Vielleicht hat man aus dem Hinspiel bei Arsenal gelernt, wo ebenfalls kein Geld beim Einlass zu bezahlen war. Von der sportlichen Perspektive her war es eine interessante Ausgangssituation. Mit Arsenal als Tabellenerstem und Gruppenfavorit kam ein athletischer und körperbetonter Gegner, der im Spiel vor zwei Wochen die größeren Spielanteile aufwies. Trotzdem ergatterte der BVB einen Punkt und hat so weiterhin die Chance, in der neuen YouthLeague zu überwintern und die K.O.-Phase zu erreichen. Unsere U19 vor dem Spiel

Ein Blick auf die nahezu komplett gefüllte Haupttribüne des Emscherstadions (der Sponsorenname wird auch aufgrund seiner Länge mal geflissentlich ignoriert) offenbarte ein bekanntes Gesicht. Die wohl einzige U19-Ultradame der Welt war auch nach Holzwickede gereist, um auf Englisch und Deutsch ihre „boys in red“ anzufeuern. Dafür gab es selbst von der VIP-Tribüne und den dortigen Scouts und Nationaltrainern Szenenapplaus. Auf Arsenal-Seite spielte mit Gedion Zelalem übrigens ein Deutsch-Äthiopier, der für die anwesenden Arsenal-Fans als „the new messi“ galt. Allerdings sagten diese zugleich mit einem berechtigten Augenzwinkern, dass sie jedes Jahr einen neuen Messi in der Jugendabteilung hätten.

Schewior scheitert knapp

Das Spiel an sich war recht einseitig, da in dieser Altersklasse der körperliche Vorteil nicht wegzudiskutieren ist. Und da waren die stämmigen Engländer einfach wesentlich weiter, zumal unsere Borussen auf dem schwierigen Geläuf ihre Kombinationsstärke nicht wirklich ausspielen konnten. Zwar gelang Schewior nach einer schönen Einzelaktion fast die frühe Führung (4.), doch erspielte sich danach nur der Gast die zwingenden Möglichkeiten. Eine davon führte nach 28 Minuten denn auch durch Lipman zur verdienten Führung, die fünf Minuten später fast verdoppelt worden wäre. Allerdings reagierte BVB-Torwart Göcke gegen den bereits angesprochenen Zelalem stark. Es sollte nicht seine letzte Glanzparade gewesen sein.

Nur nach 36 Minuten war er noch einmal machtlos: Der Finne (!) Kamara umspielte ganz Holzwickede und legte am Strafraum klug ab. Toral ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen. Göcke war zwar auch hier noch mit diversen Körperteilen dran, doch fand das Leder leider den Weg in die lange Ecke. Dass dann BVB-Stürmer Gümüstas mit einem herrlichen Kopfball den Anschluss erzielte (41.), war für die dominierenden Gunners wohl eher in die Kategorie Betriebsunfall einzuordnen. Zumal Zelalem zwei Minuten später nur um Zentimeter an einer Hereingabe und dem sicheren 1:3 vorbeirutschen sollte.

Doch wie der Fußball manchmal so spielt, sollte es für den Gast noch schlimmer kommen. Kocoglu, Schewior und Weber kombinierten sich zwei Minuten nach Wiederbeginn mit etwas Glück in Richtung Arsenal-Strafraum und plötzlich lag der Ball direkt vor Webers Füßen an der Strafraumgrenze. Der Ex-Nürnberger ließ sich diese Chance nicht entgehen und verwandelte technisch hochwertig in die kurze Ecke. Weitere zwei Minuten später hätte Kurt den Spielverlauf fast vollends auf den Kopf gestellt, als er nach einem schönen Solo per Fernschuss nur die Latte traf. Es sollte auch auf dem Platz fair bleiben

Dem BVB sollten letztlich diese zehn Minuten reichen, denn die folgenden wütenden Angriffe der Gäste überstand man mit Glück und einem fantastisch haltenden Steffen Göcke. Dieser junge Mann pendelt weiter zwischen Genie und Wahnsinn. Während er in der Bundesliga gefühlt alle zwei Spiele und jetzt auch in Leverkusen am Sonntag schlimme Patzer macht, wächst er auf internationaler Bühne über sich hinaus. Neben seiner Leistung heute hielt er beispielsweise sowohl gegen Marseille als auch in London jeweils einen Strafstoß.

Göcke gegen alle

Heute begann die Partie „Göcke gegen Arsenal“ nach 50 Minuten, als er im Eins-gegen-Eins gegen den durchgebrochenen Toral die Oberhand behielt. Weitere zwei Minuten später konnte Lipman erst eine Hereingabe von links und dann wenige Sekunden später von rechts jeweils nicht verwerten. So etwas hat man lange nicht gesehen. Beide Male kam er unbedrängt aus etwa drei Metern zum Schuss und jedes Mal traf er den Ball nicht richtig, sodass Göcke im letzten Moment zupacken konnte. Auch Torals Schuss aus Nahdistanz eine Minute später parierte Göcke in Weltklassemanier, wenngleich dieser Treffer wegen einer Abseitsstellung nicht gezählt hätte.

Nach 57 Minuten hielt Göcke noch einen Hammer von Bellerin, ehe vor der intensiven Schlussphase etwas Ruhe auf dem Feld einkehrte. So war es Benkarit für den BVB vorbehalten, die letzten gefährlichen Aktionen einzuleiten. Er verlängerte eine Ecke leider in die Arme des Arsenal-Torwarts Iliev (83.). Fünf Minuten später übersah der schwache lettische Schiedsrichter (die Referees in der YouthLeague sind allgemein richtig schlecht!) ein klares Handspiel im Arsenal-Aufbauspiel, doch blieb auch hier erneut Göcke der Sieger in einer unübersichtlichen Situation. Wie schwatzgelb hatte auch Trainer Meister alles immer im Blick

Dass dann auch der Fußballgott manchmal gerecht sein kann, zeigte sich in der Schlussminute. Zum ersten und letzten Mal war Göcke, dessen erster Verein „Kühe, Schweine, Eintracht Rheine“ war, in dieser Halbzeit machtlos. Allerdings ging der Schuss des über rechts vorgepreschten Maitland-Niles um Zentimeter am Gehäuse vorbei. So blieb es tatsächlich am Ende bei einem 2:2 und alle 680 Zuschauer fragten sich wohl, wie dieser Spielstand am Ende zustandegekommen ist. Auch die vielen mitgereisten englischen Zuschauer konnten es nicht fassen, dass in zwei Spielen gegen den BVB nur zwei Punkte auf die Habenseite addiert wurden.

Der BVB ist auch nach den beiden Partien gegen Arsenal weiter in Lauerstellung und kann im nächsten Gruppenspiel zu Hause gegen Neapel einen wichtigen Schritt in Richtung Achtelfinale machen. Die Italiener sind mit einem Punkt Vorsprung auf Platz 2. Das Hinspiel verlor man unglücklich mit 0:1, doch konnten dort die Neapolitaner selbst eine doppelte Überzahl nicht gewinnbringend für weitere Treffer nutzen. Bei Waffengleichheit ist auf alle Fälle ein Sieg drin. Anstoß wird am 26. November um 16 Uhr erneut in Holzwickede sein. In der Bundesliga geht es am Sonntag um 11 Uhr zu Hause in Brackel gegen Gladbach weiter.

Daten zum Spiel

BVB U19 (4-2-3-1): Göcke – Schewior (78. Camoglu), Mbende, Culjak, Bingöl (58. Franke) – Weber, Kurt – Kocoglu, Yildiz, Drozdek – Gümüstas (54. Benkarit)

Tore: 0:1 Lipman (28.), 0:2 Toral (36.), 1:2 Gümüstas (42.), 2:2 Weber (47.)

SR: Treimanis (Lettland)

Zuschauer: 680

Chancen: 5:11

Ecken: 4:3

Gelbe Karten für den BVB: Schewior (24., stand im Weg), Drozdek (33., taktisches Foulspiel)

Malte D., 7.11.2013

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