Spielbericht Jugend

Der Rote, der Siebener und dem sein Vater

20.09.2013, 20:57 Uhr von:  Redaktion

Urige Haupttribüne in AversaEs war Fußball wie früher. Ein altes Stadion mit durchfahrenden Zügen, Gepöbel von den Rängen und ein Schiedsrichter aus der kroatischen Kreisliga A. Welche schönen Geschichten man beim ersten Spiel der neuen Youth League in der italienischen Provinz erleben konnte, erfahrt ihr in unserem U19-Spielbericht.

Einige Kritik musste der neue UEFA-Wettbewerb „Youth League“ insbesondere von den drei beteiligten Westvereinen einstecken. Parallel zu den Spielen der ersten Mannschaften in der Champions League findet nämlich analog dazu auch ein Wettbewerb für die jeweiligen U19-Teams statt. Dieser Umstand brachte es mit sich, dass der BVB am Mittwochnachmittag ein paar Kilometer außerhalb von Neapel in Aversa gegen die Primavera (so der italienische Begriff für die älteste Jugendmannschaft) des SSC Neapel anzutreten hatte. Bereits in den letzten beiden Jahren gab es mit den privaten „NextGen Series“ einen europäischen Wettbewerb für die A-Jugendmannschaften. Auch aufgrund des Erfolgs dieser Konkurrenz entschloss sich die UEFA für einen eigenen Wettbewerb. Der BVB nahm letzte Saison mit eher durchschnittlichem Erfolg teil, sodass auch nur ein einziges Argument als Kritik berechtigt ist: Während letzte Saison der BVB insbesondere seine Auswärtsspiele so terminieren konnte, dass es für manche Spieler keine größeren Fehlzeiten in der Schule gab, ist man nun an die Termine der „großen“ CL gebunden und verpasst so ein Spieler beispielsweise wegen des Spiels in Neapel drei volle Schultage.

Rund 30 BVB-Fans fanden den Weg nach AversaDie Anreise von Neapel nach Aversa erfüllte erst einmal so ziemlich alle Klischees, die auch sonst gerne in Groundhopping-Berichten über italienischen Fußball vorkommen. Der Zug fuhr mit etwa zwanzig Minuten Verzögerung los (für einige Schwatzgelbe sogar kostenneutral), sodass man nach einem Fußmarsch über etwa zwei Kilometer (begleitet von einem Polizeiwagen mit drei Kaffee schlürfenden Beamten) das pittoreske Stadion „Augusto Bisceglia“ erreichte. Dort musste man erst einmal auf die andere Seite des Stadions, um sich mit Tickets einzudecken, ehe man wieder zurück zum tatsächlich vorhandenen Gästeblock durfte. 7,50 Euro waren zu zahlen und ab der Halbzeit gab es auch eine Getränkeversorgung. Es ist zu vermuten, dass im Gästeblock mehr Bier verkauft wurde als auf den anderen drei Tribünen.

Neben dem Weg aus Neapel gab es auch Auto-Besatzungen, die direkt aus Bergamo Halt auf dem Weg nach Neapel machten. In diesem Zusammenhang sei D. (Name der Redaktion bekannt) gedankt, der sich investigativ um einige Informationen bemühte, die wir dem interessierten Leser an dieser Stelle selbstverständlich nicht vorenthalten wollen. So traf man an einer Tankstelle auf dem Weg nach Aversa den Vater des Napoli-Kapitäns Tutino, der nicht nur freundlich den Weg erklärte, sondern auch fest davon überzeugt war, dass der BVB gewinnen würde. Weiterhin führte ein Gespräch mit einem BVB-Betreuer in roter Montur zu den Informationen, dass aufgrund des Erfolgsdrucks für Trainer Meister die Bundesliga wichtiger sei und deshalb nicht mit dem besten Kader aufgelaufen wird. Diese Aussage steht übrigens entgegen der Forderung der UEFA, dass mit den besten Spielern gespielt werden muss (aber wie will man das bitte nachprüfen?). Des Weiteren würde sich wohl der U19-Meister aus Wolfsburg ganz fürchterlich aufregen, dass man als deutscher Meister dieser Altersklasse nicht mitmachen dürfe und solch eine Durchschnittsmannschaft wie der BVB schon.

Göcke erneut mit schwerem Fehler

Mbende flog früh vom PlatzMit dem Anpfiff war auch der schwatzgelb-Redakteur endlich eingetroffen und sah in den ersten Momenten des Spiels eine gute BVB-Mannschaft, die nach zwei hohen Bällen jeweils nur knapp am Torerfolg scheitern sollten. Dann war leider wieder einmal Göcke-Time: Der momentan völlig von der Rolle scheinende Torwart spielte ausgerechnet Tutino (siehe oben) den Ball unbedrängt in die Füße. Auf dem Weg zum Torerfolg wurde dieser von Mbende angeblich gefällt. Später bestätigte ein BVB-Spieler glaubhaft, dass Mbende erst den Ball spielte und Tutino lediglich geschickt einfädelte: „Aber man kennt ja die Italiener.“ Zu allem Überfluss erhielt Mbende noch die Rote Karte vom dem lächerlich schlechten Schiedsrichter Batinic aus Kroatien. Tutino hatte nun die Chance zur Führung. Sein Vater war inzwischen auf den Zaun geklettert und riss seine Hände nach oben. Sollte diese Geste heißen, möglichst in Richtung der Züge zu zielen, damit die Prognose auf den BVB aufgeht? Von wegen! Tutino blieb eiskalt, verlud Göcke und sprang anschließend zu seinem völlig ausflippenden Daddy auf den Zaun. Gelb und Erheiterung im BVB-Block waren die Folge. Eine weitere lustige Szene ereignete sich zwanzig Minuten später, als ein Ball aus dem Stadion geschossen wurde und die Kinder eines angrenzenden Balkons wie von der Tarantel gestochen in Richtung Straße rannten. Solche Momente erlebt man leider in den standardisierten Hellmich-Zweckbauten heute sonst nicht mehr.

Tutino jubelt mit seinem Vater auf dem ZaunDas Spiel selbst war sonst eher von unterdurchschnittlichem Niveau (Ausnahme: Brauers Grätsche auf der Linie zur Verhinderung des 2:0, 45.) und hatte seine Aufreger nur, wenn der Schiri eingriff. Dieser zückte in der ersten Hälfte nämlich bei jedem Allerweltsfoul automatisch die gelbe Karte. Weiterhin pfiff er wie in der Kreisliga A wunderbar auf Zuruf der beiden Fangruppen. Nur einmal nicht: Als er Stenzel einen Elfmeter verweigerte und der BVB-Block aufschrie, war der Mittelfeldspieler wohl etwas zu übermotiviert und riss seinen Gegenspieler in bester American Football-Manier einfach um. In dieser Szene blieb leider keine andere Möglichkeit, als mit der zweiten gelben Karte den Platzverweis zu bekommen. Ansonsten übersah der kroatische Unparteiische auch gerne mal klarste Handspiele, obwohl er einen halben Meter daneben stand und verzichtete auf gelbe Karten, wenn es eigentlich Rot hätte geben müssen. In einem absolut nicht unfairen Spiel schaffte er es doch am Ende tatsächlich, vier Platzverweise und acht Verwarnungen auszusprechen. Damit sollte er jede Kartenwette in kroatischen Wettbuden gewonnen haben.

BVB versorgt Fans

Nick Weber sammelte weitere Spielpraxis gegen NapoliAn dieser Stelle sei noch einmal an die BVB-Verantwortlichen Dank ausgesprochen. Denn nachdem es in der Halbzeitpause erst so aussah, als dass es keine Getränke bei den sonnigen Temperaturen für uns geben sollte, brachte uns ein Betreuer zwei Getränkeflaschen sowie Plastikbecher aus der Kabine. Inmitten des Anhangs nahmen nun mit Wiederbeginng weiterhin die Rotsünder Mbende sowie Stenzel Platz. Die Pause wurde des Weiteren scheinbar genutzt, um den Spielern die besonderen Bedingungen einzutrichtern. So schoss Yildiz nach einem Freistoß clever den Napoli-Spieler Guardiglio an, nachdem dieser sich nicht vom Ball nach einem Freistosspfiff entfernen wollte. Natürlich gab es auch hier die gelbe Karte und somit einen Platzverweis (56.). Nun spielten nur noch 17 Feldspieler um die Wette. Die größten BVB-Chancen vergaben in der Folgezeit Weber nach einer Einzelaktion (60.), Dietz per Kopfball (79.) sowie Brauer mit einem Schuss an die Unterkante der Latte (86.). Im Spiel nach vorne fehlte sicher der verletzte Dudziak, der bis auf das letzte Spiel gegen Bielefeld in der Bundesliga ja momentan trifft, wie er will.

In der Nachspielzeit stellte der Schiedsrichter schlussendlich doch noch numerische Gleichzahl her und schickte einen weiteren Italiener zum Duschen. Beim anschließenden Freistoß schickten die BVB-Fans Torwart Göcke nach vorne und setzten sich somit über die Anweisungen von Trainer Meister hinweg. Leider klärte der italienische Torwart Contini mit seiner unorthodoxen Weise entscheidend, sodass es bei der unnötigen 0:1-Niederlage bleiben sollte. Im Rückspiel muss dieser Kontrahent einfach bezwungen werden. Zwar startete Napoli-Primavera mit zwei Siegen und einer Niederlage einigermaßen ordentlich in die nationale Liga, doch erspielte man sich in diesem internationalen Spiel selbst in doppelter Überzahl nur eine kümmerliche Gelegenheit. Wie bei den Profis ist es für unsere U 19 nun jedoch erst einmal Pflicht, das Heimspiel gegen Marseille zu gewinnen. Anstoß ist hier ebenfalls am Mittwoch um 15 Uhr in der Roten Erde.

Enttäuschung zum ersten in schwatzgelbDaten zum Spiel

BVB U19 (4-2-3-1): Göcke – Knystock, Mbende, Brauer, Franke (52. Schewior) – Greshake (75. N. Dietz), Stenzel – Camoglu, Yildiz, Bingöl (18. Culjak) – Weber

Tor: 1:0 Tutino (16., Foulelfmeter, Mbende an Tutino)

Schiedsrichter: Batinic (Kroatien)

Zuschauer: 35 BVB-Fans, alles andere ist primär!

Chancen: 2:4

Ecken: 4:6

Gelbe Karten für den BVB: Franke (45.+1), Camoglu (82.)

Gelb-Rote Karten: Guardiglio (56.), Romano (90.+3) – Stenzel (40.)

Rote Karte: Mbende (15.)

Malte D., 20.9.2013

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