Spielbericht Jugend

Göcke sichert Achtungserfolg

24.10.2013, 23:08 Uhr von:  Redaktion

Mit einem bärenstarken Torwart und dank einer kämpferisch eindrucksvollen Leistung ergatterte unsere U 19 beim Gruppenfavoriten Arsenal London in der Youth League einen Punkt. Während es in der heimischen Bundesliga West nur durchschnittlich läuft, hat die Mannschaft von Trainer Meister somit also vor der internationalen Rückrunde noch alle Chancen auf den Einzug in die K.O.-Phase.

Das Reglement des neuen UEFA-Wettbewerbs gibt es her, dass die analoge U19-Partie auch einen Tag nach dem Spiel der ersten Mannschaften absolviert werden darf. Im Gegensatz zu dem Vorspiel vor einigen Wochen im neapolitanischen Vorort Aversa war diese Ansetzung jedoch sicherlich nicht ganz optimal, da viele BVB-Fans bereits im Laufe des Mittwochs abreisten. Da es nicht wie in Aversa einen separaten Gästeblock gab, sondern sich die mitgereisten Schlachtenbummler im pittoresken Stadion vom heimischen Fußballclub Borehamwood verteilen durften, sind Schätzungen nur sehr schwer möglich. Es dürften so um die 30 Gästefans gewesen sein, wobei beispielsweise zivil gekleidete Eltern dabei nicht mitgerechnet sind. Borehamwood

Elstree & Borehamwood ist ein nördlicher Vorort von London und per Zug in nicht einmal einer halben Stunde gut erreichbar. Abseits der Touristenattraktionen ist E&B geprägt durch eine Haupt- und Einkaufsstraße, an der sich die typischen Billigläden und Ketten mit Schwerpunkt Nagelkosmetik, Haarkunst, Sportwetten sowie Fast Food tummeln. Der Charme dieser Nachwuchsliga besteht für Stadionliebhaber unter anderem auch darin, dass in Vororten noch richtige Schmuckkästchen mit einem Besuch beehrt werden können und endlich mal diese 08/15-Zweckbauten außen vor bleiben. Auch die Gästefans von Marseille haben in Dortmund mit unserer Spielstätte am 2. Spieltag, der Roten Erde, sicher ein gutes Los gezogen. Das Heimspiel gegen Arsenal wird übrigens am Mittwoch, den 6.11, in Holzwickede (Emscherstadion) stattfinden. Anstoß ist dann um 16 Uhr.

Der „Meadow Park“ in Borehamwood ist im gleichnamigen Freizeitpark gelegen und ist neben den erfolgreichen Arsenal Ladies also auch die Spielstätte für den Nachwuchs der „Red Army.“ In England ist es mit dem Jugendfußball übrigens etwas anders als bei uns. Um dort die Spieler vor gierigen Beratern und Scouts zu schützen, werden die Spieltermine der Jugendspiele manchmal gar nicht veröffentlicht und auch Tabellen werden gerade in den jüngeren Altersstufen nur „intern“ geführt. Was auf den ersten Blick etwas merkwürdig anmutet, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung aber als gar nicht so verkehrt, da so die Juniorenspieler in Ruhe ausgebildet werden können.

Prominenz auf den Rängen

Der Blick ins Stadioninnere offenbarte ein wohl typisch englisches Stadion mit einer überdachten Sitzplatztribüne sowie zwei Mini-Stehrängen hinter den beiden Toren. Die gesangliche Unterstützung der heimischen Fans beschränkte sich auf ein rühriges Ehepaar im besten Rentenalter, die 90 Minuten Dauersupport boten. Sportlich fair begrüßte man jedoch auch den Gast zum Warmmachen mit Applaus und einem netten „Herzliche Grüße.“ Da mussten selbst die coolen Jungstars schmunzeln. Weiterhin auf der Tribüne zugegen waren neben Eddy Boekamp und Lars Ricken vom BVB auch die DFB-Nachwuchstrainer Marcus Sorg und „Wück, du Sau“. Bemerkenswert noch der Einlauf der Mannschaften. Es gab tatsächlich die originale CL-Hymne, die jedoch geschätzte fünf Minuten in Dauerschleife bis zum Anpfiff lief. Und sind es drei wichtige Menschen, die bei den Profis jede Gesichtsregung in die heimischen Wohnstuben übermitteln, beschränkte sich dieses Procedere darauf, dass ein Arsenal-Mitarbeiter mit einer Handkamera von rechts nach links wanderte. Löblich: Freier Eintritt für alle

Wenn man so viel Eindrücke aus dem Vorfeld der Partie schildert, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass dem Autor sonst nicht viel zum Spiel an sich eingefallen ist. Und so war es diesmal tatsächlich. Die gesamten 90 Minuten waren zwar von großer Leidenschaft geprägt, ohne dass die ganz großen Torchancen erspielt wurden. Arsenal war wesentlich körperlicher und aggressiver in den Zweikämpfen, während Schwarz und Gelb spielerisch gefälliger war und durch frühes Stören die durchaus nervöse Defensive der Gastgeber in die Bredouille bringen wollte. Daraus resultierten denn auch kleinere Gelegenheiten durch Schewior (14.) und Gümüstas (27.), die jedoch nichts einbringen sollten. Allerdings waren die tapferen Recken aus Dortmund personell auch arg geschwächt. Nur vier Feldspieler standen für eine Einwechslung bereit, da kurzfristig auch noch U17-Stürmer Alici passen musste. Bei den „Gunners“ stand mit Leander Siemann übrigens auch ein deutscher Spieler im Aufgebot. Dessen Namensnennung durch den Stadionsprecher erinnerte jedoch eher an eine englische Arsenal-Torwartlegende mit Pferdeschwanz. Auch am Kopf.

Die größte Chance des Spiels hatten zweifellos die Engländer. Allerdings erreichten sie diese Gelegenheit auf äußerst fragwürdige Weise. Nach einem Zusammenprall im Mittelfeld, den man bis auf die Tribüne hören konnte, blieb Stenzel liegen. Arsenal war das aber piepenhagen und kombinierte sich über rechts in den Strafraum vor. Dort stellte sich Knystock aber zugegebenermaßen auch selten dämlich an und riss Maitland-Niles einfach mal um. Nach dieser Szene kam einem ein schönes Zitat vom legendären Kommentator Rudi Michel in den Sinn: „Die Engländer haben das Fair Play erfunden, aber nicht alle Spieler wissen es.“

Göcke grandios

Auf der anderen Seite gibt es ja glücklicherweise auch das Sprichwort „Kleine Sünden bestraft Gott sofort.“ In diesem Fall spielte BVB-Towart Göcke den Racheengel und parierte den fälligen Foulelfmeter von Akpom auf fantastische Art und Weise. Den gar nicht schlecht getretenen Elfer fischte der auch an der dieser Stelle oft kritisierte Göcke reaktionsschnell aus der linken Ecke (22.). Und auch der anschließende Nachschuss von Jebb ging ans Außennetz, wo der Linienrichter zum Glück vorher alles gründlich geprüft hatte.

In der Folgezeit fühlte man sich ans erste Spiel in Neapel erinnert, wo der kroatische Schiedsrichter bei grundsätzlich jedem Pfiff auch den gelben Karton zückte. Solche Szenen spielten sich auch in den letzten Minuten der ersten Hälfte ab. Absolut berechtigt war dabei jedoch die Verwarnung für Akpom, der seine sportlichen Unzulänglichkeiten an Brauer ausließ. Das sah richtig böse aus, wie der eine Fuß wegknickte. Dementsprechend musste der Rotschopf ebenso wie der taktisch überforderte Gümüstas in der Halbzeit raus. Nebenbei bemerkt ist es möglicherweise auch etwas unglücklich, bei einem englisch-deutschen Duell auf einen Schiedsrichter aus Nordirland zurückzugreifen. Aufstellen zur Hymne

Möglicherweise wird dem Schreiberling nun Faulheit vorgeworfen, aber in den zweiten 45 Minuten gab es bis kurz vor dem Ende keine einzige nennenswerte Szene mehr und man vertrieb sich die Zeit damit, wenigstens heißen, aber ungenießbaren Instant-Kaffee gegen die ekelhafte Kälte runterzuspülen. Nur nach dem unnötigen und blöden Platzverweis Knystocks, der im Zweikampf einfach noch zu ungestüm agiert, wurde es noch einmal spannend. Insbesondere weil sich Rechtsverteidiger Schewior auf außen immer wieder hinterlaufen ließ. Die scharfen Hereingaben entschärfte aber der diesmal richtig gute Göcke, der bis auf eine kleinere Unachtsamkeit heuer sein wohl bestes Saisonspiel zeigte.

Nach dem Platzverweis auf der Gegenseite für Akpom sollte der BVB nach Anweisung von außen den Punkt beim bisher verlustpunktfreien Tabellenführer über die Zeit bringen und machte es wie die Profi-Mannschaft ein Tag zuvor: Ab zur Eckfahne! Nun forderten aber einige U19-Ultras hinter dem Arsenal-Tor, auf Sieg zu spielen. Und Benkarit fasste sich in der Nachspielzeit tatsächlich ein Herz, um den mitgereisten Anhängern ein Geschenk und Betthupferl zu machen. Nach schönem Dribbling war sein Schuss aber viel zu harmlos, um Iliev im Tor der Engländer nervös zu machen. Dann war Feierabend und ein Bier im wunderbar beheizten Pub war der verdiente Lohn nach diesem zähen Kick.

Und während man anschließend gemeinsam mit dem Arsenal-Innenverteidiger Stefan O' Connor im Zug zurück nach London fuhr, erfreuten sich die jungen Borussen über den zweiten Tabellenplatz in dieser ausgeglichenen Gruppe, der so nach der Auftaktniederlage in Neapel nicht zu erwarten war. Vor dem Rückspiel gegen Arsenal in zwei Wochen wartet jedoch zunächst einmal der Liga-Alltag. Dort geht es am Sonntag um 11 Uhr zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf.

Daten zum Spiel

BVB U 19 (4-2-3-1): Göcke – Schewior, Brauer (46. Yildiz), Bauman, Knystock – Dietz, Greshake – Camoglu, Stenzel, Bingöl (72. Franke) – Gümüstas (46. Benkarit)

Tore: Fehlanzeige

SR: Hunter (Nordirland)

Chancen: 4:2

Ecken: 8:2

Gelbe Karten für den BVB: Knystock (22.), Stenzel (29.), Schewior (34.)

Gelb-Rote Karten: Akpom (90.) - Knystock (82.)

Bes. Vorkommnis: Göcke hält Foulelfmeter von Akpom (22., Knystock an Maitland-Niles)

Malte D., 24.10.2013

Britische Fußballromantik

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