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"Ohne Stimme keine Stimmung" beim BVB: "Wollen und müssen alle erreichen!"

26.11.2012, 21:30 Uhr von:  Redaktion

Logo der Initiative "Ohne Stimme keine Stimmung"

„Ohne Stimme keine Stimmung“ heißt die neue Faninitative, die sich bundesweite Proteste gegen das DFL-Sicherheitskonzept auf die Fahnen geschrieben hat. Ab dem morgigen Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf wird auch bei uns in Dortmund zu gemeinsamen Aktionen aller BVB-Fans aufgerufen. Wir haben Olli, Vorstandsmitglied von The Unity, gefragt, wie genau die Dortmunder Proteste in den nächsten Wochen aussehen sollen.

schwatzgelb.de: Olli, erzähl doch bitte etwas zu der Entstehung von „Ohne Stimme keine Stimmung“, wer steckt dahinter?

Olli: Um konkret auf die Entstehung der Initiative einzugehen, müssen wir ein wenig zurück blicken: Viele von uns werden das im letzten Jahr kontinuierlich steigende mediale Interesse bezüglich eines „Sicheren Stadionerlebnisses“ mitbekommen haben. Auslöser hierfür waren sicherlich die Spiele unserer Borussia im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden oder aber das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Da beide Spiele live übertragen wurden, war das mediale Echo natürlich enorm. Plötzlich waren Pyro und Fangewalt Thema Nummer eins in der deutschen Medienlandschaft. Leute, die nicht einmal wissen, dass Choreografien zur Fankultur gehören, sprachen in Talkshows öffentlich über uns, von Sandra Maischberger wurden Ultras öffentlich sogar als „Taliban der Fans“ diffamiert.

Infolge des ganzen medialen Echos versuchten sich dann natürlich einige Politiker, insbesondere Innenminister, zu profilieren. Es wurde öffentlichkeitswirksam mit populistischen Schnellschüssen reagiert und mit diversen Sanktionen wie Stehplatzverboten und Geisterspielen gedroht, sollten DFB und DFL ihren „Laden“ nicht schleunigst in den Griff bekommen. Die DFL hat daraufhin ein Pamphlet namens „Sicheres Stadionerlebnis“ ausgearbeitet, am 12. Dezember sollen die einzelnen Punkte des Konzepts dann abgestimmt werden. Auf den Inhalt möchte ich nun konkret gar nicht eingehen, denn dies wurde schon an anderen Stelle zu genüge getan. Fakt ist aber, dass der Ligaverband DFL mit diesem Konzept Grenzen überschritten hat. Die oftmals angesprochen „englischen Verhältnissen“ rücken dadurch wieder näher an uns heran und das bedroht unsere Fankultur.

„Uns Fans in Dortmund war schnell klar, dass man sich nur gemeinsam gegen den Druck der Verbände und Politik wehren kann.“

Durch den bereits angesprochenen Sicherheitsgipfel waren die Fans ja schon vorgewarnt und bei einigen machte sich da schon Untergangsstimmung breit. Die ersten Infos zum DFL-Konzept kamen durch einen Artikel im kicker zu Vorschein, hier läuteten dann die letzten Alarmglocken. Bei den Fanorganisationen ProFans und Unsere Kurve (UK) flatterte dann über diverse Quellen das komplette Konzept ins Haus. Danach ging eigentlich alles gezwungenermaßen sehr schnell. Die Unioner Fanszene stieß einen doppelten Dialog für den 1.November 2012 an. Während auf einer offiziellen Konferenz Verbands-, Vereins-, Fan- und auch ein paar Ultravertreter vor der Öffentlichkeit diskutierten, trafen sich circa 500 Meter weiter die meisten Ultraszenen aus den ersten fünf Ligen – ohne Medien. Hier ging es dann auch um die Protestform auf den Tribünen. Dass eine solche Diskussion schwierig ist, kann sich dann natürlich jeder denken.

Schlussendlich einigten sich die Vertreter der Ultras, dass man sich zum Ziel setzt, symbolträchtige 12 Minuten und 12 Sekunden als 12. Mann für den 12.12.2012 zu schweigen und am letzten Spieltag vor der DFL-Sitzung, also dem 16. Spieltag, noch einmal ein Zeichen zu setzen. Mag man platt finden, war aber wohl die zielführendste Lösung. Natürlich war allen bewusst, dass man ein solches Vorhaben nicht alleine umsetzen könnte. Also begannen die Szenen danach, intern und mit den restlichen Fans auf den Tribünen über die Idee zu diskutieren. In Dortmund wurden beispielsweise die Fanclubs zu einem offenen Treffen eingeladen, um mit ihnen gemeinsam über die anstehenden Proteste zu diskutieren und abzuschätzen, inwiefern die breite Masse in Dortmund den Protest mitragen kann. Dabei wurde auch schnell klar, dass allen Fans die Brisanz der aktuellen Forderungen bewusst ist und man sich nur gemeinsam gegen den Druck der Verbände und Politik wehren kann. Als das überarbeitete Konzept herauskam, wurde wiederum kurzfristig miteinander gesprochen und es waren sich wieder alle Beteiligten einig, dass lediglich Schönheitskorrekturen gemacht wurden, ohne dass die DFL auf die wirklichen Hauptkritikpunkte eingegangen war.

schwatzgelb.de: Wie läuft die Kommunikation zwischen den zahlreichen Fanszenen und welche Aktionen sind von ihnen geplant? An wen richtet sie sich?

Olli: Die Hauptkommunikation und Abstimmung verläuft natürlich über das Internet, also über Foren und Onlineportalen. Zudem gab es am 1. November den schon erwähnten Fangipfel in Berlin, bei dem Vertreter von Ultragruppen verschiedenster Vereine anwesend waren, um die auf der Veranstaltung gemachten Kompromisse an ihre jeweiligen Fanszenen und Vereine weiterzugeben. Hier wurde auch der Grundstein für „Ohne Stimme keine Stimmung" gelegt. Zudem ist vor einigen Tagen auch der Blog 12doppelpunkt12.de online gegangen, wo nochmals ausreichend über die Initiative berichtet wird. Die aktiven Fanszenen der Vereine sind jedoch nicht nur Adressaten, sondern auch wichtige Multiplikatoren in ihren Städten. Wir wollen und müssen alle erreichen! Vom jugendlichen Ultra über den Familienvater, der mit seinem kleinen Sohn ins Stadion geht, bis zum Rentner, der seit 30 Jahren eine Dauerkarte hat. All diese Stadiongänger wollen wir sensibilisieren! Zusätzliche Aktionsformen sind dann auch jedem Standort selbst überlassen. Da muss man einfach den unterschiedlichen Bedingungen Rechnung tragen. Gewisse Dinge sind eben bei Zwickau möglich, die du bei einem Bundesligaspiel im Westfalenstadion nicht durchführen kannst.

schwatzgelb.de: Die Initiative wurde aus der Taufe gehoben, bevor die DFL ihren überarbeiteten, geringfügig entschärften Maßnahmenkatalog vorgestellt hat. Wertet ihr das als Teilerfolg und hat „Ohne Stimme keine Stimmung“ ihre Pläne daraufhin geändert?

Schwer zu sagen, ob man es als Teilerfolg bewerten kann. Zumindest war unser Aufschrei augenscheinlich groß genug, um die DFL zur Reaktion zu zwingen. Fakt ist aber, dass dieses Papier, auch in der überarbeiteten Version, weiterhin nicht akzeptabel für uns ist. Inhaltlich ist die gleiche Ausrichtung zu erkennen. Teilweise sind Passagen schwammig formuliert, lassen aber immer noch die Konsequenzen wie zum Beispiel Ganzkörperkontrollen zu.

Besonders kritische Punkte wurden nun immerhin weggelassen, wie die Forderungen an Dritte, welche unzählige potenzielle Datenschutz- und Menschenrechtsverletzungen beinhalteten. Die Entstehung ist aber erneut als Schnellschuss zu verstehen. Die Herrschaften, welche sich scheinbar berufen fühlen, den deutschen Fußball grundlegend zu ändern, wollen schon bei der Mitgliederversammlung des Ligaverbandes am 12. Dezember Nägel mit Köpfen machen. Wieder wurde keine breite Diskussion geführt und wieder wurde den Vereinen nicht viel Zeit zum Antworten gelassen. Sieben Tage reichen keinesfalls aus, um Alternativen auszuarbeiten oder sich ein umfassendes Bild im eigenen Verein einzuholen. Man will mit aller Macht zumindest einige Punkte durchdrücken, koste es, was es wolle.

„In der Kürze der Zeit war es quasi unmöglich, einen konstruktiven Dialog zu führen.“

Wünschenswert wäre, dass Ligaverband, die Vereine und die Fans in Zukunft wieder als Einheit auftreten, die ein klares Zeichen an Polizei und Politik sendet. Momentan ist das aber schwer vorstellbar. Dies ließ uns leider keine andere Alternative als den geplanten Protest weiterhin durchzuführen. Bestärkt wurden wir hier auch durch Feedbacks diverser Fanclubs unserer Szene. Man darf hierbei auch nicht vergessen, dass es in der Kürze der Zeit quasi unmöglich ist, einen konstruktiven Dialog zu führen. Wir werden immer nur von quasi feststehenden Forderungen getrieben, die Lage vermutlich nur verschlimmbessern würden. Hätte man hier früher schon den Dialog mit den Fanszenen gesucht, wären sicherlich auch Lösungsansätze entstanden, die eine viel höhere Akzeptanz haben und vermutlich auch leichter und billiger umzusetzen gewesen wären. Mit wöchentlichen Deadlines ist es hingegen sehr schwer, sich konstruktiv einzubringen.

schwatzgelb.de: Wie genau sollen hier in Dortmund die Proteste gegen das Sicherheitspapier aussehen?

Olli: Die Proteste beginnen gegen Düsseldorf. Hier werden wir, wie auch bei den zwei darauffolgenden Bundesligaspielen in München sowie zu Hause gegen Wolfsburg, die ersten 12 Minuten und 12 Sekunden einen Stimmungsboykott durchführen. Diese Aktion ist auch in den anderen Fanszenen Deutschlands Konsens. Es wird also in einem Großteil der Kurven der Republik, optimalerweise in allen Stadien, in den ersten Minuten still bleiben. Nach diesen 12 Minuten und 12 Sekunden möchten wir optisch wie akustisch verdeutlichen, wie wichtig eine lebendige Fankultur ist. Zudem wird es beim Heimspiel gegen Wolfsburg, also dem letzten Spieltag vor der Vollversammlung eine große Demonstration für den Erhalt der Fankultur geben.

schwatzgelb.de: Ein Stimmungsboykott im Westfalenstadion, dazu über ganze 12 Minuten ist ein absolutes Novum. Ist er bei dieser riesigen Masse überhaupt durchführbar?

Olli: Das ist natürlich verdammt schwer abzuschätzen, denn ein geplanter Boykott bei einem Heimspiel ist für uns natürlich auch vollkommenes Neuland. Sicherlich ist es in Dortmund mit der riesigen Südtribüne und der aktuellen sportlichen Lage auch ein schwieriges Unterfangen. Fakt ist aber, dass wir versuchen werden, möglichst viele Leute zu sensibilisieren und mit ins Boot zu holen. Hierfür werden wir an den jeweiligen Spieltagen ausreichend Flyer verteilen und auch durch Spruchbänder auf den anstehenden Boykott aufmerksam machen. Es wäre natürlich utopisch zu glauben, es würde jeder mitziehen, dafür ist die Masse in unserem Westfalenstadion einfach zu riesig und das Spiel auf den Rasen oftmals viel zu emotional. Ich kann es aber nur noch einmal betonen: Dieses Papier beeinträchtigt jeden Stadiongänger und deswegen ist es an der Zeit, gemeinsam ein Zeichen zu setzen!

schwatzgelb.de: Was sagen Ihre Mitfans, die in dieser Phase berechtigte Zweifel haben, unser Team in der Anfangsphase nicht zu unterstützen?

Olli: Natürlich ist das ein wichtiger Punkt und es tut uns allen weh, unsere Mannschaft nicht unterstützen zu können. Dennoch geht es hier ja um das große Ganze. Außerdem ist das ja kein „Ultra-Protest“, sondern ein Fanprotest, an dem viele Fanclubs beteiligt sind. Wir hatten vor ein paar Wochen ein Treffen mit 60 Fanclubvertretern – jeder Fanclub war absolut für einen Boykott! Das hat uns natürlich bestärkt und viel Kraft für die nächsten Wochen gegeben.

„Wir müssen damit gewährleisten, unseren Verein auch in den kommenden Jahren unterstützen zu können.“

Noch einmal: Seinen Verein und seine Mannschaft nicht zu unterstützen, tut immer weh, keine Frage! Ich möchte dies aber auch noch in den kommenden Spielzeiten sowohl im Westfalenstadion als auch auswärts tun. Sollen einige Maßnahmen in dem Papier Früchte tragen, ist dies aber nicht mehr gewährleistet! Ich darf dann Beispielweise nur noch mit einem geringfügigen Auswärtsmob zum Derby nach Gelsenkirchen Fahren, wenn überhaupt noch Gästefans zugelassen sein werden. Wir haben als Fans leider nicht viele Protestformen. Unser stärkstes Gut ist die Stimme und nun müssen wir für wenige Minuten in den sauren Apfel beißen um weiterhin gewährleisten zu können, unseren Verein auch in den kommenden Jahren immer und überall unterstützen zu dürfen.

schwatzgelb.de: Ist geplant die Mannschaft zu informieren?

Olli: Ja, die Mannschaft wurde bereits informiert. Wir haben mit mehreren Spielern, zum Beispiel mit Roman Weidenfeller und Sebastian Kehl, gesprochen. Sie haben Verständnis gezeigt, aber wünschen sich natürlich, dass wir nach diesen 12 Minuten umso lauter hinter ihnen stehen – was wir ihnen natürlich zugesichert haben.

schwatzgelb.de: Ein paar Worte zur geplanten Demo. Welche Hürden muss man nehmen, um solch eine Veranstaltung in die Wege zu leiten? Wie soll sie aussehen? Gibt es bereits eine Route?

Olli: Die Anmeldung einer Demo ist erst einmal ein ganz formeller Akt. Glücklicherweise ist diese Form des Protestes eines unser wichtigsten Grundrechte, sodass nicht mit allzu vielen Hürden zu rechnen ist. Die Demo ist bereits angemeldet, die Route wird derzeit noch diskutiert – da an dem Tag sowohl Weihnachts- als auch Wochenmarkt ist, wird das nicht sehr einfach. Aber da wird uns schon etwas einfallen. Grundsätzlich ist anzumerken, dass wir explizit nicht gegen die DFL, ihr Sicherheitspapier oder gar gegen den BVB demonstrieren! Wir wollen bewusst „Für den Erhalt der Fankultur“ marschieren. Unter diesem Titel ist die Demo auch angemeldet. Wir wollen beweisen, wie farbenfroh und erhaltenswert unsere Fußballkultur ist!

schwatzgelb.de: Was für eine Resonanz erhofft ihr euch?

Olli: Wir hoffen natürlich, dass wir viele Stadiongänger erreichen, jedoch ist uns sehr wichtig bereits im Vorfeld zu betonen, dass wir von jedem Teilnehmer absolute Disziplin erwarten. Pyrotechnik und Vandalismus wären absolut kontraproduktiv. Auch laden wir die Wolfsburg-Fans ein, sich an der Demo zu beteiligen, es geht hier, wie schon erwähnt um das große Ganze.

Bei einer Demonstration im Winter spielt natürlich das Wetter eine große Rolle. Wir hoffen natürlich, dass uns Petrus diesbezüglich keinen Strich durch die Rechnung macht. Aber selbst bei Eis und Schnee sollte sich jeder bewusst sein, dass sein Erscheinen unfassbar wichtig ist. Lieber ein paar warme Socken mehr angezogen als in Zukunft das Spiel nur noch im TV gucken zu können.

schwatzgelb.de: Wie beurteilt ihr die Erfolgsaussichten von „Ohne Stimme keine Stimmung“, sowohl hier in Dortmund als auch auf Bundesebene? Sind weitergehende Aktionen geplant über die Hinrunde geplant?

Olli: Wir erhoffen uns natürlich einen Paukenschlag. Bei uns in Dortmund und auch bundesweit. Alle Fans in allen Stadien schweigen zu Beginn des Spiels. Wenn das klappt, gibt es kein nachhaltigeres Zeichen! Wir wollen ein Bild erzeugen und verdeutlichen, dass die Mehrheit der Fans, die Mehrheit der Stadiongänger in Deutschland sich nicht weiter gängeln lassen will. Die Innenministerkonferenz muss merken, dass die Bevölkerung bei ihrer Scharade nicht mitspielt. Im konkreten Fall wünschen wir uns dann natürlich, dass die Vertreter auf der DFL-Tagung am 12. Dezember einlenken und das Konzeptpapier nicht beschließen. Wir fordern einen fairen Dialog auf Augenhöhe und eine Akzeptanz der Fans als Teil der Lösung und nicht als störendes Element.

Wie es im neuen Jahr dann weitergeht, hängt erst einmal vom Ergebnis des 12. Dezembers ab. Gleichwohl müssen wir uns jedoch vergegenwärtigen, dass wir es seit Jahren mit einer Salamitaktik zu tun haben. Kommt es nicht zum großen Showdown, vollzieht sich die Entwicklung sukzessive. Wir müssen das Publikum sensibilisieren und das Auge für diese Tendenzen schärfen. Der Fußball muss als Volkssport erhalten bleiben!

schwatzgelb.de: Du hattest weiter oben schon die Homepage www.12doppelpunkt12.de angesprochen. Dort erfährt der Maßnahmenkatalog scharfe Ablehnung, Verbesserungsvorschläge werden jedoch nicht gemacht. Stehen die Fans diesbezüglich nicht in der Pflicht?

Es ist schwierig zu beurteilen, wer hier nun in der Pflicht ist. Alternativen seitens der Fans wurden aber definitiv an die jeweiligen Clubvertreter, auch an unseren BVB, weitergegeben. Hier ist zum Beispiel die staatliche Förderung der Fanprojekte hervorzuheben, hier entzieht sich die Politik ihrer Verantwortung. Anstatt diese öffentlichen Einrichtungen, die ein elementarer Teil der Sozial- und Jugendarbeit im Fußballumfeld sind, zu fördern, werden sie geschlossen oder kämpfen um ihre Existenz. Wie in Stuttgart oder Gladbach.

„Ich will uns Fans nicht aus der Verantwortung nehmen.“

Auf der einen Seite ist natürlich auch die DFL in der Pflicht, dem ganzen Hirngespinst mal ein Ende zu setzen und sich gegen Polizei und Politik zur Wehr zu setzen. Ein Trommelfeuer des Populismus hat die DFL mittlerweile zu einer Marionette von Politik und Polizei degradiert und dem Fußball ein tendenziöses Fehlbild verpasst! Die DFL muss sich klarer vor die Fußballfans stellen.

Ein aktuelles Beispiel: Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) hat vor wenigen Tagen ihre Jahreszahlen veröffentlicht. Aus diesen soll abgelesen werden, dass die Gewalt zugenommen hat. Beschäftigt man sich aber nur ein bisschen intensiver mit den dort veröffentlichen Zahlen, muss man feststellen, dass weder die insgesamt steigenden Zuschauerzahlen noch die vermehrt internationalen Spiele in den Hochrechnungen eine Rolle spielen. Da frage ich mich, wieso kein Vertreter seitens der DFL, beispielsweise Christian Seifert, eine Pressekonferenz einberuft, um diese Zahlen öffentlich zu relativieren. Immerhin wird hier das „Produkt Fußball“ bewusst angegriffen. Es wirkt geradezu grotesk, wie die ZIS derart plump versucht, in der Öffentlichkeit eine Fehlwahrnehmung zu manifestieren. An dieser Stelle muss man dem Spiegel lobende Worte zukommen lassen, der bereits kurz nach der Veröffentlichung die Zahlen kritisch hinterfragt hat. Uns Fans will ich allerdings ausdrücklich nicht aus der Verantwortung nehmen. Wir wollen uns einbringen, fordern eine Beteiligung. Leider wurden wir bisher zu oft übergangen. Dass wir zu einem konstruktiven Dialog bereit sind haben ja beispielsweise die anfänglichen Debatten rund um Pyrotechnik gezeigt.

Schwatzgelb.de: Der BVB schweigt leider weiterhin, wie er zu dem DFL-Papier steht und auf der Ligaversammlung am 12. Dezember darüber entscheiden wird. Im Hintergrund hat es allerdings Gespräche mit Fanvertretern gegeben. Wie sind die gelaufen und was hast du für ein Gefühl bei der Sache?

Der BVB wird eine Mitteilung an die DFL zum überarbeiteten Konzept schicken. Wir haben uns nach dem Amsterdam-Spiel mit Herrn Dr. Hockenjos zusammengesetzt, sind das Konzept einmal durchgegangen und haben unsere Kritikpunkte im Einzelnen vorgetragen. Wir hoffen, dass der BVB unsere Bedenken mit in seine Stellungnahme einbezieht. Das Gespräch war im Großen und Ganzen sehr positiv und produktiv. Wie sich der BVB allerdings schlussendlich positioniert, können wir –Stand heute – leider nicht einschätzen.

Malte S., 27.11.2012

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