Helden in schwatzgelb

Derbyheld und Bessermacher

28.06.2011, 23:41 Uhr von:  NeusserJens

Zusammengefasst ist Shinji Kagawa ein großartiger Fußballer, ein Derbysieger, ein Deutscher Meister - ein Held in schwatzgelb. Danke für deine großartigen Leistungen. Domo arigato, Shinji!

Derbyheld Kagawa
Derbyheld Kagawa

Ich muss gestehen, dass ich einige Probleme hatte, diesen Text zu verfassen. Denn wenn ich an Shinji Kagawa in der Rückrunde denke, bleiben eigentlich nur Klaus Neuhaus' legendärer Auftritt im Subrosa und die Vorstellung eines grünen Godzilla übrig - sportlich war da ja leider nur der Kurzeinsatz beim Saisonfinale gegen Frankfurt. Also habe ich mich dazu entschieden, ein Stückchen weiter auszuholen: Ich fange ganz vorn an.

Im letzten Sommer kursierte irgendwann die Nachricht, der BVB stehe kurz vor der Verpflichtung eines Japaners von Cerezo Osaka, dem Aufsteiger in die J-League. Torschützenkönig sei er gewesen, ganze 27 Tore in 44 Einsätzen habe er erzielt, nach dem Aufstieg in nur elf Partien gar weitere sieben Treffer folgen lassen, und das alles als offensiver Mittelfeldspieler - allerdings, so viele Skeptiker, nur, ja eben nur in der zweiten japanischen Liga. Eine Wundertüte, ein kleines Risiko bei nur 350.000 Euro Ausbildungsentschädigung, ein Ergänzungsspieler, der sicher einige Monate Eingewöhnungszeit gebrauchen würde - schließlich spielt man in Deutschland ganz anders Fußball als in Japan. Schnell, kraftvoll, körperbetont, nichts für einen schmächtigen Japaner.

Am Ball kann Kagawa alles
Am Ball kann Kagawa alles

In den ersten Testspielen teilte sich der junge, bescheidene Shinji, dem schnell eine vorbildliche Arbeitseinstellung attestiert wurde, seinen Platz also im linken offensiven Mittelfeld mit Kevin Großkreutz. Und, man kann es nicht anders sagen, er überzeugte. Schnell, trickreich, torgefährlich - Kagawa war der Lichtblick der Vorbereitung. Nur, so sagte Klopp bald über ihn, das Flanken sei nicht unbedingt seine Stärke. Also verfrachtete er den Import kurzerhand ins Zentrum hinter Lucas Barrios und beförderte damit den "Königstransfer" Lewandowski kurzerhand auf die Bank. Eine Maßnahme, die ihm später noch einen lautstarken Disput mit einem polnischen Journalisten bringen sollte.

Kagawa strafte seinen Übungsleiter übrigens Lügen, indem er im ersten Pflichtspiel der Saison den Führungstreffer durch Barrios vorbereitete: per Flanke, wohlgemerkt. Und genau das sollte die wohl auffallendste Fertigkeit des Japaners in der Meistersaison werden: wann immer jemand, wenn nicht gar er selbst, Kritik an ihm übte, nahm er sie auf und arbeitete an den vermeintlichen Defiziten. Hatte er nach den Spielen in Mainz und Paris noch selbst angemerkt, er müsse wieder öfter den Torabschluss suchen, schnappte er sich in Hannover nach 10 Minuten den Ball und knallte ihn trocken flach ins Eck. Ein Tor, das in dieser Beziehung ganze Bände über Shinjis Arbeitseinstellung spricht.

Zum Dortmunder Helden und Publikumsliebling avancierte Kagawa aber schon einige Wochen früher. Felix Magath hatte in seinem fast wahnsinnigen Kaufrausch beim geliebten Nachbarn wohl nicht nur den Überblick über die eigenen Spieler verloren, sondern auch über die der kommenden Gegner. Und so verpasste er es, seine Spieler vor Shinji zu warnen, sagte sinngemäß etwas wie "Dieser Japaner macht mir keine Sorgen". Dass er sich besser um dessen Deckung bemüht hätte, wird Wolfgang inzwischen wissen, denn Kagawa steuerte mit zwei Treffern den beachtlichen Großteil zum Derbysieg in der Halle bei und schoss sich in nur 90 Minuten endgültig in alle Dortmunder Herzen. Und obwohl dieses Spiel sicher als Highlight Kagawas bisheriger Auftritt in schwarz-gelb zu werten ist, hat Shinji soviel mehr geleistet, dass man sich nicht darauf beschränken darf.

Kagawa Shinji lalala lalalalala
Kagawa Shinji lalala lalalalala
Kurz die eindrucksvollen Fakten in Zahlen: in nur 17 Partien (plus vier Minuten im Mai) hat Shinji sensationelle acht Tore erzielt und ein weiteres direkt vorbereitet. Hinzu kommen vier Treffer in der Europa-League und besagt Vorlage im DFB-Pokal. Er stand in jedem Hinrunden-Spiel in der Startelf und hat dieses Vertrauen immer zurückgezahlt. Sein Mittelfußbruch hat seinen Höhenflug hoffentlich nur kurzzeitig unterbrochen, auch wenn seine Leistungen dann sicher nicht mehr als so sensationell angesehen werden. Dennoch ist sein Anteil an der Meisterschaft sicher nicht klein genug zu bewerten. Die Mannschaft hat es zwar geschafft, seinen Ausfall größtenteils zu kompensieren, die dann doch deutlich geringere Punkteausbeute ist aber sicher auch auf Shinjis Fehlen zurückzuführen.

Was bleibt zu sagen, über den flinken Japaner? Er ist ein schneller, beidfüßiger und torgefährlicher Instinktfußballer, der sowohl stark im Dribbling als auch im Passspiel und im Abschluss ist, einzig das Kopfballspiel hinkt etwas zurück. Vor allem aber ist er ein bescheidener, fleißiger Arbeiter und stets darauf aus, sich und die Mannschaft zu verbessern. Zusammengefasst ist Shinji Kagawa ein großartiger Fußballer, ein Derbysieger, ein Deutscher Meister - ein Held in schwatzgelb. Danke für deine großartigen Leistungen. Domo arigato, Shinji!

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