Spielbericht Profis

Bitter, emotional, unvergesslich

30.09.2010, 23:37 Uhr von:  Redaktion

Was war das für ein Abend. Der BVB verliert gegen Sevilla mit 0:1. Das war Europapokal in fast allen Facetten. Nur ohne das glückliche Ende. Schon weit vor Anpfiff machte sich bemerkbar, dass gestern nicht nur der FC Sevilla, sondern die UEFA höchst persönlich zu Gast war. Eine UEFA-Sponsorenwand im Pressekonferenzraum, Nobby durfte nicht auf den Rasen und eine kurze Einlaufhymne zum Einlaufen. Das Positive daran: Die Gesänge unmittelbar vor Anpfiff waren endlich mal den Fans vorbehalten. Das Stadion war für Dortmunder Verhältnisse mäßig gefüllt. Vor allem in den Oberrängen waren deutliche Lücken zu sehen. 50 000 ist aber trotzdem eine ordentliche Zahl für ein Spiel unter der Woche.

Und die Fans sorgten in den ersten Spielminuten für richtige Gänsehaut. Das ganze Stadion ist aufgestanden, mit dem ultimativen Anpeitschgesang „Borussia BVB“ im Munde. Ein Comeback-Gruß an Europa. Die Mannschaft des BVB versprühte zu Beginn ebenfalls richtige Europapokal-Lust, auch wenn dabei noch keine echte Torchance bei raus sprang.

In der 23. Minute hatte das ganze Westfalenstadion den Torschrei auf den Lippen: Flanke Sahin von Links, Kopfball von Barrios – das kann er besser. Der Ball ging links unten vorbei. Und wie gut er es kann, zeigte er drei Minuten später. Der BVB dominierte die Partie, spielte munter nach vorne. Hereingabe Bender von rechts, Kopfball Barrios aus fünf Metern – platziert links unten, aber Andres Palop kann parieren. Wieder kommt richtig gute Stimmung im „BVB Stadion Dortmund" auf, so wie es offiziell bei diesen Spielen genannt wird. Besser als „Park“.

Der BVB kombinierte und wirkte richtig spielfreudig. Besonders Kagawa bildete dabei immer wieder den Mittelpunkt. Das Spiel und die Stimmung verflachte etwas. Zwar spielte sich auch weiterhin fast alles in der Hälfte der Spanier ab, die Möglichkeiten zur Führung blieben jedoch aus. Die 42. Minute weckte noch einmal kurz auf: Barrios bekommt am Sechzehner den Ball, hat freie Schussbahn und schießt genau auf den Torwart. So ein Ball darf dann auch gerne mal ein Tor bringen. Eigentlich sollte jetzt der nächste Absatz kommen und mit „So hat auch die zweite Halbzeit begonnen...“ anfangen, aber leider kam da noch dieses überflüssige Gegentor in der Nachspielzeit dazwischen. Torschütze: Lucas Cigarini. Das war surreal. Hatte der BVB da gerade wirklich ein Tor kassiert?

Die zweite Halbzeit ließ das Westfalenstadion zu einem Hexenkessel werden. Nach den starken Anfangsminuten des BVB kam es zu einem Zweikampf. zwischen Marcel Schmelzer und Mouhamadou Dabo. Schmelzer sah Gelb-Rot, angeblich wegen einer Schwalbe. Das Stadion tobte, pfiff den Schiedsrichter Michael Leslie Dean gnadenlos aus. Und die Stimmung war einmalig: Das ganze Stadion steht auf, schreit „Borussia BVB“ und steht im voll hinter der Mannschaft. Das ist Unterstützung wie sie im Bilderbuch steht. Die Jungs von Jürgen Klopp haben es sich im Wahnsinns-Monat September mehr als verdient.

Vom Torwart bis zum Angreifer passte von der Leistung her alles, die Zuschauer waren laut – nur die Tore fehlten. Es waren ja noch mehr als 35 Minuten zu spielen. Sevilla zeigte sich mehr und mehr und mehr von seiner unschönen Seite, denn die Fouls waren sehr unrühmlich. Der Lautstärke tat es jedenfalls gut. Der BVB spielt und spielt. Leidenschaft, Kampf, Emotionen.

Schiedsrichter Dean blieb die Hauptfigur. Nach einer Flanke von Kagawa und einem Handspiel seitens Sevilla zeigte er nicht auf den Punkt. Borussias Leistung trübte das nicht. Es war ein unfassbares Spiel. Der Ausgleich lag in der Luft. Nach eine Weltklassepass von Barrios auf Kagawa trifft dieser nur den Pfosten. Das gibt es nicht! Die Stimmung wurde nun etwas ruhiger. Anspannung lag in der Luft. Und die Zeit rannte dem BVB davon. Die Elf von Jürgen Klopp fand stellenweise keine Mittel mehr gegen tief stehende Gäste. Ansonsten war Sevilla sehr schwach, schaffte es nicht einmal, kurz vor Schluss das leere Tor zu treffen.

Und so konnten die 50 000 weiter hoffen und standen auf. Fünf Minuten Nachspielzeit. Herzklopfen, wie man es in der Art lange nicht mehr hatte. Und tatsächlich kam Borussia noch einmal, Kopfball von Hummels. Dieser konnte gerade noch vor der Linie geklärt werden.

Ende. Pfiffe für die Schiedsrichter. Es folgten diese Momente, die als eines der emotionalsten der Fan-Gefühle eingestuft werden. Wie nach dem Pokalfinale, zum Beispiel. Kein Lachen, aber auch kein verzweifeln. Es ist dieser Stolz auf den Verein. Jürgen Klopp kommt zur Südtribüne und applaudiert seinen Spielern. Das ganze Stadion verabschiedet die Spieler mit minutenlangem Beifall und Gesängen in die Kabine. Es hat an diesem Abend nicht gereicht. Aber meine, deine, unsere Borussia hat gekämpft.

Erste Stimmen zum Spiel

Sven, 30.9.2010

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