Warmlaufen

Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte?..

22.05.2009, 14:05 Uhr von:  Redaktion

JubelarieEin Satzfragment verfolgt mich nun schon die ganze Saison: „Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte……!“ Ja, wenn. Dann. Aber was? Meistens hätte ich den Propheten für verrückt oder für unglaublich ahnungslos beim Thema Fußball gehalten. Aber die Mannschaft des BVB hat in dieser Spielzeit so viel Unglaubliches zustande gebracht. Am Samstag spielen sie doch tatsächlich um die Qualifikation für die Europaliga (ehemals UEFA Cup). Es geht gegen die andere Borussia. Die, die noch gegen den Abstieg kämpft.

Doch gehen wir mal chronologisch vor. Zu Saisonbeginn bescherte uns der Terminplaner des DFB ein Auftaktprogramm, das Assoziationen aus dem Bereich des Handwerks die Runde machen ließ. Das Wort „Hammer“ fiel einige Male. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach den ersten vier Spielen gegen Leverkusen, Bayern, Cottbus und Schalke mit zwei Siegen und zwei Remis auf Platz 4 stehen würden, ich hätte direkt angenommen. Aber schon zu diesem Zeitpunkt nervte irgendwie das Unentschieden gegen die Bayern, dass unnötig erschien. Aber in Anbetracht der vermeintlich übermächtigen Bayern war das allen noch egal.

Der Leader ist zurück - Sebastian KehlAn Spieltag 5 dann die erste herbe Klatsche. Ausgerechnet gegen die Emporkömmlinge aus Hoffenheim. Und schon kamen Befürchtungen auf, dass der BVB vielleicht doch wieder an Dollsche Zeiten anknüpfen würde. Wenn mir vor der Saison einer gesagt hätte, dass dieses 1:4 in Mannheim am 5. Spieltag die einzige derbe Niederlage der Saison bleiben wird, ich hätte ihn für verrückt erklärt.

Der Prophet, der mir niemals erschien, sollte aber recht behalten. Nach einigermaßen kuriosen Auftritten wie dem 3:3 in Bremen, hervorragend heraus gespielten Siegen wie dem 3:0 gegen Stuttgart oder das 1:0 in Köln und unnötigen Punktverlusten wie dem 1:1 gegen Hannover, fand sich der BVB an Spieltag 10 auf Platz 7 wieder, punktgleich mit den Blauen. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach zehn Spieltagen punktgleich mit den Blauen sind, ich hätte verwundert und erfreut zugleich angenommen. Das klang nach Kampf um die CL-Plätze, vielleicht sogar Meisterschaft. Es war aber nur gehobenes Mittelfeld. Schon da wurde deutlich, dass der Revierrivale diese Saison wohl eher eine Nebenrolle spielen würde und wir nur aufgrund jugendlichen Leichtsinns nicht schon längst die Nr. 1 im Revier waren.

An Spieltag 13 hatten wir die Blauen dann das erste Mal abgefangen. Ein munterer Platztausch sollte über die gesamte Saison mit dem FC Meineid stattfinden. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, dass wir bis zum Schluss die Möglichkeit haben, vor den Blauen zu stehen, ich hätte direkt Freudentränen in den Augen gehabt. Aber irgendwie nervte es die gesamte Saison, dass wir die Schalker – immerhin dreimal Tabellenführer der aktuellen Spielzeit – nie deutlich hinter uns lassen konnten. Möglich war es, das wurde irgendwann deutlich. Auf Platz sechs überwinterten wir, einen Platz vor Schalke 04. Wenn mir das einer vor der Saison……. aber das hatten wir schon.

Klopp bei der ArbeitNach der Winterpause folgte dann diese unsäglich Remis-Serie. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, dass wir uns darüber aufregen, dass wir dauernd Unentschieden spielen, da hätte ich nur mit den Achseln gezuckt und gefragt: Wo ist denn das Problem? Vor allem war darunter ein feines 1:1 in der Turnhalle zu GE. Zum zweiten Mal glichen wir einen Rückstand kurz vor Schluss gegen die blauen Mannen aus. Es war zwar nicht so witzig und legendär wie das 3:3 nach 0:3 aus dem Hinspiel, aber fett grinsen konnten wir auch diesmal. Wenn mir das einer vor der Saison gesagt hätte, dann hätte ich da schon die breite Grinsefresse aufgesetzt.

Allerdings waren unter den Unentschieden auch das blöde 1:1 gegen Cottbus und das noch dümmere 4:4 in Hannover nach zweimaliger 2-Tore-Führung. Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, dass sich eine Mannschaft zweimal in einem Spiel eine Führung mit 2 Toren nehmen lässt, dann hätte ich erwidert, dass ein Team so doof nicht sein könnte. Wir waren es trotzdem und irgendwann fehlten uns die Punkte.

Was dann aber ab Spieltag 25 bis 31 geschah, das war sensationell, legendär. Diese Wochen werden in die BVB-Geschichtsbücher eingehen. Denn wir gewannen jedes Spiel. Wenn mir jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir in dieser Saison sieben Spiele hintereinander gewinnen, ich hätte so ungläubig geguckt, als würde mir jemand sagen, dass man mich eben für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen hätte.

Und dann der Paukenschlag an Spieltag 33. Mit einem 6:0 schickten wir die armen Bielefelder nach Hause. Und in Hamburg kämpften sich wackere Kölner zu einem 1:0-Sieg. Was uns nun eine fast schon historische Chance bietet. Denn durch das Versagen des HSV hat der BVB es nun in der eigenen Hand, den Europapokal zu erreichen. Wenn mir das einer vor der Saison gesagt, ich hätte es nicht geglaubt. Ich wäre ja schon zufrieden gewesen, wenn wir ab Spieltag 30 jenseits von Gut und Böse gestanden hätten. Aber nun dieses. Gleichzeitig lassen wir die Blauen ziemlich weit hinter uns. Grandios.

Nun stehen wir hier. Noch ein Spiel vor der Brust. Die ist zwar stolz geschwellt und an Selbstbewusstsein mangelt es uns – uns Fans wie Mannschaft – sicherlich nicht. Aber trotzdem müssen gegen die Borussia aus Mönchengladbach, die sich in den letzten Wochen zu einer Last Minute-Einheit entwickelt hat, noch mal alle Kräfte mobilisiert werden. Denn so richtig möchte sich keiner darauf verlassen, dass der HSV nun so sehr demoralisiert ist, dass er bei der zu Zeit eher chaotischen Frankfurter Eintracht verliert. Borussia wir sind immer für dich daEin Sieg des BVB in Gladbach und die Erdbeere ist auf der Sahnehaube einer großartigen Saison platziert. Also, geht alle Freitag früh ins Bett, damit ihr Samstag fit seid. Zieht euch alle was gelbes an (und wenn es das Oberteil des Sponge Bob-Schlafanzuges des kleinen Bruders ist), damit der BVB-Block noch imposanter und geschlossener wirkt. Und dann lasst uns unsere Mannschaft zum Sieg brüllen.

Und so wollen sie das Unternehmen Euro League-Quali angehen:

Weidenfeller - Owomoyela, Hünemeier, Santana, Dede - Kehl - Kuba, Sahin - Hajnal - Valdez, Frei.
Auf der Bank: Ziegler - Hummels, Lee, Kringe, Tinga, Zidan, Kullmann.
Fraglich: Hünemeier (Oberschenkelprellung), Frei (Sprunggelenk), Hajnal (Wade).
Es fehlen: Subotic (Gelbsperre), Boateng (Rotsperre).

Die Ackergäule schwingen in folgender Formation die Hufe:

Bailly - Stalteri, Brouwers, Dante, Daems - Bradley, Galasek - Marin, Baumjohann, van den Bergh - Matmour.
Auf der Bank: Heimeroth - Callsen-Bracker, Kleine, Levels, Paauwe, Neuville, Colautti.
Fraglich: Stalteri (Leistenbeschwerden), Matmour (Oberschenkelprellung).
Es fehlen: Gohouri (Außenbandriss im Sprunggelenk), Friend (Fersen-OP), Alberman (Knochenhautreizung), Jaurès (Reha nach Knieverletzung).

DvB, 22.05.2009

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