Spielbericht Jugend

Hasse Scheiße am Fuß, hasse manchmal Glück

03.12.2007, 00:00 Uhr von:  Redaktion
Hasse Scheiße am Fuß, hasse manchmal Glück
Gästeblock in Stuttgart

Stuttgart, Samstag, 13:30 Uhr, in der Kneipe des Polizeisportverein. schwatzgelb.de philosophiert über das kommende Spiel im Nekarstadion gegen den VfB Stuttgart. Um den Ausgang des Spiels vorherzusagen, befragt man das Wurstsalatorakel. Es stellte sich heraus, dass die Zwiebeln uns wohlgesonnen sind. Die Paprika erklärten uns, dass Nelson Valdez einer der entscheidenden Spieler sein wird. Am Ende stellte sich heraus: Das Wurstorakel hatte vollkommen recht. Aber wie bei vielen Geschichten, sollte man am Anfang beginnen.

Um 6 Uhr morgends setzte sich aus Essen der schwatzgelbe Redakteursbus in Richtung Dortmund in Bewegung. Am ZOB in Dortmund wurde dann die gesamte Busbesatzung komplettiert. Die Busbesatzung bestand aus den Redakteuren Arne, Christian (CHS), Christoph, Felix, Jakob, Ramona und Sascha. Extra für dieses Unterfangen hatte man sich ein Neunsitzer gemietet, um die Mannschaft in Stuttgart zu unterstützen. Trotz der teilweise trostlosen Vorstellungen der Dortmunder fuhren wir frohen Mutes gen Schwabenländle. Ein Mut, der in Hagen das erste Mal auf die Probe gestellt wurde. Bei regennasser Fahrbahn bereits die zweite Unfallstelle, die wir passierten. Das konnte ja noch heiter werden.

Um die Hinfahrt kümmerte sich Sascha, der uns sicher und geschwind voran brachte. Unterstützt wurde unser Vorhaben durch Musikeinspielungen unserer an Bord. Während einige Redakteure der frühen Abfahrtszeit Tribut zollten und meditierten, unterhielten sich die anderen. So kamen wir nach zwei Pausen in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs an. Dort begann die erste Odyssee. Wir wollten zum Busparkplatz für die Gästefan fahren, kamen aber auf einem ganz anderen Parkplatz raus, wo uns freudig ein Ordner einweisen wollte. Diesen ignorierten wir und fuhren weiter, was dem Ordner Runzeln auf die Stirn zauberte. Nach kurzer Beratung drehten wir um und erneut reagierte der Ordner mit Unverständnis.

Nach diversen Turnover kamen wir dann wohlbehalten an den richtigen Parkplätzen an. Dort wurden wir bereits von der Polizei begrüßt. Unser Fahrer guckte ängstlich auf dem Beamten, der zum Auto kam. Dieser fragte uns, ob wir BVB-Fans wären. Wir bejahrten dies und erwarteten nun eine Maßregelung. Völlig überraschend erklärte uns der Beamte lediglich: Wir stünden richtig. Erleichtert versuchten wir zum Gebäude des Polizeisportverein zu kommen (Für Stuttgartunkundige: Es handelt sich um eine Kneipe direkt am Neckarstadion). Leider wurden diverse Zäune gezogen, so dass man einen weiten Bogen gehen musste.

An einem Verkaufsstand fiel uns dann ein Schal auf. Neben diversen Stuttgartschals und Schals von fast allen Fußballklubs der Erde gab es dort einen für „Ultras gegen Kommerz“. Und da man was gegen den Kommerz hat, kostete dieser auch „nur“ 13 Euro!

Kopfschüttelnd besuchten wir die Gaststätte am Stadion. Dort bestellten wir erst mal diverse Fangetränke. Neben unzähligen Portionen Pommes bestellte sich Jakob natürlich den Wurstsalat, um ihn zum Ausgang des Spiels zu befragen. Das Ergebnis könnt ihr oben im Antexter lesen. Nach und nach tauchten weitere BVB-Fans dort auf und man unterhielt sich.

Neben diversen Fangetränken nahm der harte Kern der Busbesatzung sich vor, dem griechischen Nationalgetränk zu frönen. Im Anschluss trennte man sich und es ging zum Stadioneingang. Obwohl der Eingang nur knapp zehn Meter entfernt war, musste man dank „aufmerksamer“ Ordner den ganzen Weg zum Auto zurückgehen, um von dort dem Weg zu den Eingängen zu befolgen. Muss ja alles seine Ordnung haben und so sind die Regeln. Es lebe die Bürokratie!

Gästeblock in Stuttgart

Der Einlass verlief ohne Probleme und man nahm seine Plätze in dem Stadion ein. Erfreulich waren die vielen Borussen, die sich mit BVB-Liedern einstimmten. Ein gut gefüllter Gästeblock verfolgte dann das Warmmachen der Mannschaft und sah sich das Treiben im weiten Rund an. Dabei fielen zwei Sachen auf. Zum einen gab es kaum Bewegungen im Stadion, vom Gästeblock mal abgesehen. Was aber noch mehr auffiel, war die Werbung auf den beiden Videoleinwänden. Wer immer sich in Dortmund über den Kommerz aufgeregt hat, wurde dort belehrt, dass es noch schlimmer geht. Ein Drittel der Leinwand war reserviert für diverse Kleinanzeigen der Sponsoren, die dort ununterbrochen angepriesen wurde. Auch auf der restlichen Leinwand wurde Werbung gezeigt, unterbrochen durch diverse Spielbezugsmeldungen (wie z.B. Mannschaftsaufstellungen).

Dann begann das Spiel und man wurde durch ein engagiertes Auftreten der Mannschaft erstmals überrascht. Mit einem Traumtor brachte Nelson Valdez Borussia Dortmund auf die Siegerstrasse. Zuvor hatte er souverän den aller, aller, allerbesten Torhüter der Liga, Raphael Schäfer, ausgeguckt und überlegen eingenetzt. Hätte der Gästeblock von dem Tor was mitgekriegt, hätte er gejubelt. An Stelle dessen herrschte ungläubiges Gemurmel. Foulspiel? Abseits? Nee, Eigentor. Er hatte seinen Gegenspieler so bedrängt, dass er keine andere Wahl hatte, den Ball in die einzige Richtung weiterzuleiten, die frei war. Sprich das Tor. Fast hätte Nelson es geschafft, den Ball von der Linie zu kratzen. Aber der BVB hatte Glück.

Doch das Glück hatte Grenzen. Der BVB stellte wie immer seine einmalige Einstellung zur Schau. Man ließ den Gegner zurück ins Spiel kommen und die Stuttgarter erzielten den Ausgleich durch eine Standardsituation. Mit Überraschung wegen dem Auftreten der Mannschaft, aber auch mit der Gewissheit, dass die Mannschaft versagen wird, ging es dann in die zweite Hälfte. Dort ging es hin und her und die Dortmunder zeigten sich stabiler, als man es erwartet hatte. Erneut ließen die Borussen hochprozentige Chancen links liegen, aber dank der Vorarbeit von Federico fiel dann überraschenderweise der erneute Führungstreffer durch Petric. Wieder Erstaunen im Gästeblock, aber diesmal erholte man sich von dem Schock schneller und jubelte.

In der Folgezeit gab es weitere Chancen, dass Spiel zu entscheiden bzw. Petric seinen gewohnten zweiten Treffer in der Liga folgen zu lassen. Diese ließ man aber ungenutzt, doch brachte man das Spiel mit Glück und Können über die Runden. Grenzenloser Jubel im Gästeblock. Diverse Fans wollten dann von der Mannschaft eine Humba sehen. Leute, letzte Woche pfiff man die Mannschaft aus und nun sollte man feiern, als ob nichts gewesen ist? Muss so was sein? Freude ist ja berechtigt, aber man muss nicht gleich in Extreme verfallen.

Die Stimmung insgesamt im Stadion war ziemlich lahm, was teilweise sicher an der schlechten Akustik im Stadion lag. So konnte man selbst im recht überschaubaren Gästebereich kaum verstehen, was einige Reihen weiter vorne so angestimmt wurde, andererseits aber mit Sicherheit auch an der doch recht skeptischen Erwartungshaltung der Dortmunder Fans. Auch auf Stuttgarter Seite wurde supportmäßig nicht viel mehr geboten. Gerade einmal nach dem Ausgleichstreffer konnte man die Schwaben wahrnehmen. Eine ziemlich trostlose Stimmung für einen Verein, der letzte Saison Überraschungsmeister wurde und sich langsam wieder anschickte in der Tabelle nach vorne zu klettern. Lobend erwähnen muss man, dass aufgrund der wenigen Verbote von Fanutensilien vorm Spiel optisch auf beiden Seiten ein stimmungsvolles Doppelhalterbild geboten wurde. Ansonsten fielen die Stuttgarter mehrheitlich durch „Lalala“-Gesänge auf, der Gästeblock durch unmotiviertes Fahnengeschwenke. Die meiste Zeit zeigte sich die Stimmung in den Kurven völlig entkoppelt vom Spielverlauf, lediglich zu den Toren kam man kurz zusammen.

Der Heimblock

Am Auto traf sich die Reisegruppe wieder und auch der ein oder andere weitere Redakteur gesellte sich hinzu. Nun sollte es los gehen, auf uns warteten Essen, Feier und Übernachtung im nahen Gerlingen. Dummerweise quittierte das Navigationsgerät („Ihr müsst nur kurz anhalten, dann findet es den Satelliten") seinen Dienst. Also auf eigene Faust den Weg gesucht und dabei dreimal am Stadion vorbeigefahren. Auch die Beschilderung in „Alle Richtingen“ trug nicht unbedingt zu unserer Orientierung bei. Also dreimal die ortskundigen Gastgeber angerufen und dabei drei verschiedene Routen erfahren. „Klaus hat uns gesagt, wir sollen Autobahn fahren.“ – „Oh… (Pause)“. Also wurde demokratisch an jeder Wegfgabelung abgestimmt. Frage: „Soll ich hier rechts fahren?“ – Antwort; „Ja nein!“

Nach etwa anderthalb Stunden kreuz und quer durch Stuttgart und seine Vororte fanden wir endlich hinaus und den Weg nach Gerlingen. Dort warteten unsere hungrigen Gastgeber bereits und überließen nichts mehr dem Zufall. Den Weg zum Hotel hin wurden wir gelotst, zur Gaststätte fuhr man uns direkt.

Dort gab es neben diversen Fangetränken erst einmal was zu Essen. Eine Attraktion waren die XXL-Schnitzelangebote, die von zwei Redakteuren genutzt wurden. Danach fiel uns ein weiteres Highlight auf der Speisekarte auf, die vielversprechende Spiritouse „Bauchweh a la Chef“, von unserem Redaktions-Hool kurzerhand in „Schlach in’ Magen“ umgetauft. Als vertrauensbildende Maßnahme erklärte uns die Bedienung detailliert alle Inhaltsstoffe: „Verrat ich nicht, sieht aber aus wie Spezi.“ Nachdem wir bereits im Polizeisportverein auf „Radler sauer“ hereingefallen waren, nahmen wir allen Mut zusammen. Ergebnis: Aussehen Spezi, Geschmack undefinierbar.

Im Anschluss wollte die Mehrzahl der Redakteure dem griechischen Nationalgetränk frönen. Man bestellte beim Wirt das Getränk, allerdings flaschenweise.

Währenddessen wollte man auch das Spiel noch einmal sehen, der Fernseher wurde angestellt. Nach den Spielszenen, hochgradig investigativen Interviews und einer schmachtenden Kathrin Müller-Hohenstein durfte Boubacar Sanogo die EM auslosen. „Das können wir besser“, war der allgemeine Tenor und so starteten wir unsere eigene Auslosung inklusive Stimmen der beteiligten Nationaltrainer.

Neugierig geworden, wollten wir dann aber auch den Europameister erfahren. In Mehrheitsentscheiden, die in Tradition der BVB-Jahreshauptversammlungen abgehalten wurden („Gegenstimmen?... aufzeigende Hände….ich sehe keine“), standen plötzlich Deutschland und Frankreich im Finale. Um Chancengleichheit zu garantieren, verlegten wir das Endspiel nach Deutschland. Man entschied sich für das Grünwalder Stadion in München und sensationell gewannen die Deutschen gegen den Vize-Weltmeister. Deutschland war Europameister.

Gegen zwei Uhr verließ man die Gaststätte und man fuhr wieder zum Hotel. Dort teilte sich die Redaktion. Die eine Hälfte wollte sich zur Meditation zurückziehen, während die andere Hälfte vom ortskundigen Führer in die Stadt der Abenteuer gelotst wurde.

Über den restlichen Verlauf wollen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens legen. Nur soviel sei gesagt: Für Nichteinheimische ist es verdammt schwer, einen Wirt zu finden, der einen auch nach 3 Uhr noch mit Grundnahrungsmitteln versorgt, ein Meter besteht manchmal aus maximal 70 Zentimetern und Zebrastreifen eignen sich um halb vier hervorragend für Fotoshootings.

Die Mannschaft bei den Fans
Gegen 9:30 Uhr trafen sich sechs der sieben Redakteure zum reichhaltigen Frühstück. Leider musste ein Redakteur den Strapazen der Nacht Tribut zollen, während es dem Rest geradezu unverschämt gut ging. Nach dem man gefrühstückt und die Sachen eingepackt hatte, ging es zur Rezeption um Auszuchecken. Am Auto traf man den bemitleidenswerten Redakteur und stieg ein, um nach Hause zu kommen. Während des Morgens stellte sich raus, dass der fast fertige Spielbericht sich in den Wirren des Laptops verloren hatte. Man entschied sich, diesen auf der Heimfahrt zu schreiben. Fahrer war erneut Arne und erneut streikte das Navi. Entweder Baden-Württemberg kann doch nicht alles außer hochdeutsch oder TCM ist ein geheimer Code für GDL.


Doch auch das Schreiben während der Heimfahrt war nicht vom Erfolg gekrönt, da der Akku langsam aufgab. Eine prompte Anschaffung an einer Tankstelle (Laptopadapter für den Zigarettenanzünder) zeigte leider Schwächen („Irgendwas riecht hier komisch“ – „Vielleicht weil der Adapter neu ist?“ – „Jetzt qualmt der Adapter“) und wurde erfolgreich reklamiert. Da nun feststand, dass wir den Spielbericht nicht rechtzeitig fertig kriegen konnte, nahm man das Redaktions-Notgerät und organisierte während einer Mittagspause in der Raststätte „Zum Goldenen M“ einen Notplan, um doch noch an einen Bericht zu kommen. Bei dieser Pause stellte sich ein weiterer Ausfall ein, der Burgerduft raffte einen von uns im Zeitraffer dahin.

Frohen Mutes ging es dennoch unter Musikbeschallung nordwärts. Feststellung dabei: Auch andere Vereine haben schöne Lieder. Eine Pause später kam man in Schwerte an. Dort verließen uns die ersten beiden Redakteure und Jakob übernahm die Weiterfahrt. Nächster Halt war Lünen. Von dort aus ging es dann zum Dortmunder Hauptbahnhof und weiter nach Essen, wo die Fahrt bei stürmischem Wetter endgültig ihr Ende fand. So viel Spaß die Tour auch gemacht hat, eine Couch zum Entspannen hat auch ihre Reize.

Fazit dieser auffallend glücklichen Fahrt: Redaktionsfahrten sind Garanten für Siege, glaube nie den Straßenschildern in Stuttgart, verlasse dich nie auf ein Navigationsgerät, trinke nur so viel wie Du vertragen kannst und rechne beim BVB immer mit dem Unmöglichen. Wollen wir wetten, gegen Bielefeld präsentiert sich Borussia Dortmund wieder ganz anders?

Unterstütze uns mit steady

Weitere Artikel