Warmlaufen

Wir vertrauen EUCH!

11.10.2001, 00:00 Uhr von:  Tommes
Die Mannschaft des Gegners
Die Mannschaft des Gegners

Es ist ja nicht das erste Mal, dass unsere Mannschaft nach großen Erfolgen im darauffolgenden Spiel etwas flügellahm war. Nach dem Sieg gegen Schalke kam die Pleite in Herne und jetzt nach dem tollen Spiel und dem Sieg gegen Wattenscheid im Pokal musste man sich, zum ersten Mal in dieser Saison überhaupt, in Lippstadt nur mit einem Punkt zufrieden geben. Aber nach Regen kommt bekanntlich (meistens) immer Sonnenschein. Und warum sollte das diesmal anders sein.

Gegner am Sonntag in der Roten Erde sind die Sportfreunde Oestrich - Iserlohn. Der Blick auf den Tabellenstand lässt den BVB-Fan beim Namen dieser Partie nicht vor Angst erzittern, allerdings soll es schon vorgekommen sein, dass Dortmunder Mannschaften mal Probleme mit sich und Iserlohner Teams hatten.

Der Verein der Sportfreunde wurde 1949 gegründet. Als Vorläufer des Vereines gelten der Oestricher Fußballclub 1911, der sich später mit einer Fußballabteilung dem TV Oestrich angeschlossen hatte. Ein Verein mit Tradition also. Traditionell anmutend ist auch der Trainer der Mannschaft. Horst Quade ist bereits seit 11 Jahren der Coach der Truppe. Solche langen Zugehörigkeiten findet man in diesem Sport nicht sehr oft, auch wenn Vergleiche zu Volker Finke und Guy Roux (Auxerre) wohl leicht übertrieben wären. Nur dieser Trainer wird in Kreisen des Vereins zur Zeit in Frage gestellt. Sicherlich ist eine solch lange Zugehörigkeit kein Freifahrtschein, wenn man als Tabellenletzter mit lediglich sieben Punkten und mageren acht geschossenen Törchen von ganz unten grüßt. Zum Vergleich, Conor Casey hat in der bisherigen Saison alleine 11 Tore erzielt.

Damit wären wir beim aktuellen Thema, die Beliebtheit von Conor Casey.

11 Tore, damit einen Torschnitt von 1,0, wobei es ihm egal ist, ob er Zuhause oder auswärts trifft (6/5). Er ist immer brandgefährlich, auch wenn er zu Anfang der Spielzeit ein paar „Eingewöhnungsschwierigkeiten“ hatte und des öfteren bei Gegenspieler und Schiedsrichter aneckte. Das brachte ihm schon zwei Matchstrafen (Gelb-Rote Karte) ein. Köppel führte mit ihm fruchtende Gespräche. Er spielt nun disziplinierter und ruhiger, was ihn für die Mannschaft noch wertvoller macht. Seine Strafstösse (bislang drei) sind bemerkenswert. Fast aus dem Stand zieht er trocken ab und lässt den Torhüter kaum eine Chance. Alle diese Vorzüge tragen sicherlich dazu bei, dass man außerhalb von Dortmund auf den Jungen aufmerksam geworden ist. Im Ort selbst scheint er an den richtigen Stellen noch nicht so bekannt zu sein. Hannover 96 soll seine Fühler nach dem 20 jährigen Amerikaner ausgestreckt haben. Frage ist hier nur, warum sollte ein Spieler aus einem wirklich erfolgreichen Team zu einem solchen Verein wechseln? Auch Krontiris wirbelt seit ein paar Tagen mit auf dem Wechselkarussell herum. Für ihn soll der MSV Duisburg Interesse gezeigt haben. Sicherlich ist Emanuel nicht von TeBe Berlin gekommen, um jetzt für die Zebras auf Torejagd zu gehen. Nein, dass kann es alles nicht sein, zumal die beiden Jungs wegen genügender Beispiele halbwegs gescheiterter Existenzen gewarnt sein dürften. Von einem Lars Müller, Dennis Weiland oder Tobias Schäper redet so richtig keiner mehr.

Krontiris und Caseys Platz ist (noch) beim BVB. Sie können lustlosen Spielern des Vereines sicherlich mal zeigen, wie das so geht, wenn man mittels Tore, Punkte und Erfolge einfahren will.

Nach der damaligen Pleite in Herne kam am Wochenende darauf Lengerich mit 5:2 unter die Erfolgsräder der Köppel Elf. Wer gesehen hat, wie Horst Köppel noch wochenlang mit einem Kopfschütteln auf die Herner Niederlage reagierend, über die Trainings- und Fußballplätze gelaufen ist, kann sich ausmalen, dass ihm der Punktverlust gegen Lippstadt nicht sonderlich geschmeckt hat. In solchen Zeiten profitiert er wieder von seiner Erfahrung als Spieler und erfolgreicher Trainer. Er weiß, wie man mit den Jungs zu reden hat. Wo man sie angreifen, provozieren kann, damit sie wieder voll da sind, um die begangenen Fehler zu verbessern. Aber vielleicht war der Punktverlust heilsam, da man sicher im Vorfeld dieser Partie ein Schützenfest hätte erwarten können. Erster gegen Letzter oder Bundesligist gegen Verbandsligateam, nicht immer ist das Ergebnis so, wie es die Quote auf einem Tippzettel es ausdrücken möchte. Aber in dieser Mannschaft steckt Leben, Freude am Fußball. Wer mal das Training der Truppe beobachtet hat, wird feststellen, dass sie wie eine Horde Jungs sind, die auf der Strasse kicken. Man muss sie fast mit Gewalt nach dem Training vom Platz schicken, ansonsten würden sie noch bis in die tiefe Nacht spielen. Da ist nichts zu sehen von „Dienst nach Vorschrift“, Tennis oder Golf spielen, Sportwagen ausfahren oder nachts in Diskotheken mit Türstehern um den Einlass streiten. Da gilt nur Fußball, Fußball, Fußball.

Noch nicht verkabelt: Florian Kringe
Noch nicht verkabelt: Florian Kringe

Florian Kringe, der am Sonntag eine Minute nach seiner Einwechslung zusammen mit Michael Kügler, der mit ihm eingewechselt wurde, für den wichtigen Ausgleich sorgte, hat nach eigenen Angaben noch nicht einmal einen Internetanschluss, diesen Bericht wird er also noch nicht mal lesen können. Andere, die eine Menge Geld mit dem gleichen Sport und vielleicht weniger Leistung verdienen, unterhalten eigene Webseiten, die vollgepackt sind mit Werbung, die dann noch einmal recht erträglich in der Geldbörse für Überfüllung sorgt.

Michael Ratajczak, der zur Zeit hinter Alexander Kuschmann zurückstecken muss und um die Wiedereroberung der Nummer 1 im Tor kämpft, quittierte die Bitte von schwatzgelb.de nach ein paar Worten zu seiner „Degradierung“ mit, er stehe „Selbstverständlich“ zur Verfügung! Seine Selbstkritik, die er dann äußerte, war überzeugend. Er habe Fehler gemacht und akzeptiere die Entscheidung des Trainers, ihn auf die Bank zu setzen. Er müsse halt jetzt mehr arbeiten, um wieder nach vorne zu kommen. Aber sonst blubbert er nicht sofort wie andere in jedes Mikrofon, dass ihm unter die Nase gehalten wird. Er geht erst einmal nach dem Spiel zu seinem Vater, um mit ihm zu sprechen.

Das sind nur ein paar Beispiele, dieser jungen, erfrischend spielenden Mannschaft. Da an diesem Wochenende fußballtechnisch aus Borussen-Sicht nichts besonderes ansteht, wäre es schön, wenn der eine oder andere, der sonst nicht zu dieser, unserer Mannschaft geht, den Weg ins Stadion finden würde. Sonntag um 15.00 Uhr in der Roten Erde, sind die zu bewundern, denen wir wünschen, dass sie ihren Weg machen und immer daran denken, dass Geld nicht alles ist im Leben. Dass sie sich den Spaß an Ihrem Sport erhalten und vielleicht sehen wir einige von Ihnen 2006 in den großen und schönen Stadien Deutschlands wieder.

So könnten sie spielen:

Kuschmann - Thorwart, Abel, Sahin, Öztürk, Mehnert, Pinske, Kringe, Bugri, Casey, Krontiris

Weitere Termine mit BVB Beteiligung:

  • Die Handballdamen der Borussia treten am Sonntag zu Ihrem Spiel der 1. Bundesliga in Blomberg an.
  • Die Mannschaft von Matthias Sammer fährt zum Ligaspiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach

Unterstütze uns mit steady

Weitere Artikel