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Unsa Senf - 27.04.2010

Vom Metze zum blauen Metzelder

Metzelders Abschied in LEVWen hat die heutige Nachricht nicht überrascht? Christoph Metzelder, der vor drei Jahren den BVB in Richtung Real Madrid verließ, wechselt zu unseren ungeliebten Nachbarn nach Gelsenkirchen. Nicht das erste Mal, dass jemand von der guten Seite zu den Blauen wechselt. Metzelder jedoch war für viele ein Publikumsliebling und der Wechsel eine menschliche Enttäuschung. Wie kann man nur menschlich von "Metze" enttäuscht sein? So handelt genau der Metzelder, der uns vor drei Jahren in Richtung Madrid verlassen hat. Es ist verblüffend, wenn man sich Metzelders erste Interviews als Bundesligaprofi anschaut - und seine letzten. Zu Anfang ist dort der junge, symphatische und aufgeregte Neuling, der mit glänzenden Augen vom Platz aus die Südtribüne bestaunt und sich fragt, wieso um alles in der Welt ausgerechnet er das Glück hat, das vielen tausend Kindern und Jugendlichen versagt bleibt. Am Ende ist jedes Feuer und jede Leidenschaft aus dem Blick gewichen. Der Metzelder, der uns verlassen hat, hat nur noch berechnende Phrasen mit kühl kalkulierter Wirkung auf die Außenwelt abgelassen. Irgendwann auf dem Weg dorthin, ist der "Metze" verloren gegangen und durch Medienprofi Metzelder ersetzt worden.

So kannte man Metze: Engagiert wie hier gegen BastürkVielleicht liegt es an seinen vielen Verletzungen, dass sein persönlicher Fokus irgendwann vom Fußballspielen abgedriftet ist und mehr in Richtung "sich verkaufen" wanderte. Zur richtigen Zeit doch am richtigen Ort (nämlich dem Fußballplatz) sein und sich trotz dürftiger Leistungs- und Arbeitsnachweise lukrative Verträge angeln. Spontan glaube ich nicht, dass es in Deutschland einen anderen Profi gibt, der mit derartig wenig Spielen derartig viel Geld verdient hat. Der Wechsel nach GE ist da auch nur folgerichtig. Was nutzt ihm sein Geschwätz von gestern, wenn es ihm im heute vom Geld abhält? Glaubwürdigkeit, Integrität und Loyalität sind damals zusammen mit dem "Metze" verschwunden.

Und so sehr unterscheidet sich "der Blaue" Metzelder nicht von all den Emblemküssern und Vereinsliebeseidschwörern, die beim nächsten, besser dotierten Angebot andere Embleme küssen und andere Vereine lieben. Judase, Verräter, Söldner  - denen wir alle schon hundert Mal zugejubelt haben und noch zujubeln werden. Weil wir im Innersten doch hoffen, dass es bei diesem einen Spieler doch anders ist. Dass er nur ein bisschen von dem Gefühl für den Verein aufbringt, das wir in uns tragen. Und dann weinen wir wie liebeskranke Teenager über den erneuten Verlust des ach so vereinstreuen Stars, nur um uns darauf wieder in die nächste Affaire zu stürzen. Diesmal aber, diesmal bleibt er für immer.

Mit Metzelder gewann der BVB gegen GELauf der Dinge und so wird auch Herr Metzelder bald nur noch eine Randnotiz sein. Was ihn aber von den anderen Profisöldnern unterscheidet, ist eine Aktion, die mich dann doch unfassbar wütend macht: Die T-Shirt Aktion. Das ist nicht nur mit den Gefühlen anderer spielen, er hat sich damit bereichert. Mit einem historischen Sieg und einem Moment intensiver Freude und des Stolzes in einer Zeit, die ansonsten doch sehr, sehr arm an solchen Momenten war. Die Aktion an sich war für mich schon recht fragwürdig, da dort drei Spieler nebenbei kommerziell mit einem Spiel, für das sie sicherlich anteilig mehr als genug verdient haben, noch Kasse gemacht haben. Dann aber drei Jahre später für die Blauen aufzulaufen und all den Fans noch zusätzlich ins Gesicht zu spucken, ist für mich ein Akt der Unverfrorenheit. Von vielen Wechseln zwischen GE und uns, die einen mehr, die anderen weniger geräuschlos verlaufen, ist das vielleicht der widerlichste.

Ich habe Vergleiche zum Aal gelesen als Synonym für Glätte und sich durchschlängeln. Mir fallen da noch unendlich viel kleinere Tierchen ein. Tierchen, die sich an einem Wirt festsetzen, sich an ihm gütig tun und wenn die Gelegenheit günstig ist, zum nächsten Wirt weiterwandern. Aber über diese Tierchen in blau weiß gibt es ja auch ein Lied auf der Tribüne...

Sascha, 27.04.2010


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