BFE trübt Auswärtssieg in Worms
Man war das ein Spiel. Geschah in über achtzig Minuten auf dem Platz nicht wahrlich viel, so hatten es die letzten Minuten gestern im Wormatia-Stadion in sich. Zuerst erzielte Uwe Hünemeier fünf Minuten vor Abpfiff das erlösende 1:0, ehe Worms in der Nachspielzeit ausgleichen konnte. Doch quasi im Gegenzug in der über fünfminütigen Nachspielzeit erzielte Damir Vrancic das 2:1 für Schwarzgelb. Wer hätte daran noch geglaubt. Das Profispiel in Bremen (3:3) ließ grüßen, nur das es diesmal um einiges geiler war – auf dem Platz wie in der Amaskurve. Getrübt wurde der Sieg auf der Rückfahrt von einigen sogenannten „Polizisten“, die nichts Besseres zu tun hatten, als den mitgereisten Anhang durchgehend zu schikanieren und als Krönung mehrmals den Schlagstock einsetzten. Auf Minderjährige und Frauen wurde dabei keine Rücksicht genommen.
Mit dem ÖPNV nach Worms
Doch fangen wir von vorne an. Endlich sollte mal wieder eine nette Tour mit dem ÖPNV in eine eher unbekannte Stadt starten, zumal kaum jemand der mitreisenden Fans bis jetzt das Wormatia-Stadion kreuzen konnte. Im Vorfeld hatte man erfahren, dass dieses umgebaut wurde und vor kurzer Zeit erst mit einem Freundschaftsspiel gegen Kaiserslautern eingeweiht wurde. Trotzdem war die Zahl
der Zugfahrer doch schon recht enttäuschend. Nicht mehr als 150 Fans kamen letztlich in Worms mit dem Zug an. Zuerst sollte einen der Weg mit dem NRW-Express von Dortmund nach Düsseldorf führen, ehe es mit dem RE5 nach Koblenz gehen sollte. Gerade in Düsseldorf und Köln konnte sich der Zugfahrermob nochmals deutlich vergrößern. Ab Koblenz folgte dann der wohl schönste Teil der der Strecke. Stets entlang des Rheins ging es bei grandioser landschaftlicher Kulisse gen Bingen. Festzuhalten bleibt, dass auf diesem Streckenabschnitt auch schon mal größere Wageneinheiten eingesetzt wurden. Heute gab es nur drei einfache Personenwagen. Bei einer doppelten Zugfahrerzahl hätte es sicherlich das ein oder andere Platzproblem gegeben. Dies war aber noch alles nichts gegen den Zug auf dem letzten Abschnitt Bingen-Worms, wo nur ein einziger Dieseltriebwagen eingesetzt wurde (wie etwa früher auf den RB-Linien 52-55 in Dortmund). Naja, so war halt quetschen angesagt und eine ganze Toilette für den Zug machte dies noch umso angenehmer. Und während wir so durch die Dörfer fuhren, erinnerte ich mich daran, dass wir diese Strecke vor etwa drei oder vier Jahren schon
einmal gefahren sind, damals ging es mit dem WET nach Stuttgart. Ebenfalls eine Toppfahrt, nur mit etwas weniger Mitfahrern. So war man dann auch recht froh, dass man pünktlich um kurz nach zwölf das Ziel erreicht haben sollte.
Festnahme für Zivilcourage
Gab es während der Hinfahrt eigentlich kaum Probleme mit der mitgereisten Polizei, wie sich nachher heraus stellte handelte es sich dabei um Beamte der Spezialeinheit „BFE“ (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit), so änderte sich die Lage schlagartig beim Ausstieg. So wurde ein Fan festgenommen, weil er einen anderen Fan zu Recht wies, dass Fußballspiele nicht zur Verbreitung von rechtem Gedankengut geschaffen wurde. Während derartige Aktionen beim Spiel des SV Werder in Bochum mit viel Beifall aufgenommen wurden und es sogar Lob vom DFB-Präsidenten gab, wird so etwas vom BFE mit einer Festnahme belohnt. Super sympathische Typen also. Für diese Aktion darf es auf keinen Fall ein Stadionverbot geben!
Logische Konsequenz war natürlich, dass sich die Zugfahrer fortan weigerten, ohne den Festgenommen zum Stadion zu gehen. Ein sehr schönes Beispiel dafür, dass die Solidarität in der aktiven Dortmunder Fanszene hervorragend existiert. Auf der anderen Seite versuchte die Truppe des BFE mit aller Macht die Zugfahrer mit aller Härte vom Bahnsteig zu drängen. Dass hierbei zum ersten Mal Schlagstöcke gegen absolut friedliche Fußballfans eingesetzt wurden, muss unbedingt Erwähnung finden.
Per pedes zum Wormatia-Stadion
Letztlich sah man ein, dass man gegen so eine brutale Schlagertruppe nichts ausrichten kann und machte sich auf dem Weg gen Stadion. Positiv zu erwähnen, dass man hier nicht von der BFE, sondern von einer normalen Einsatzhundertschaft begleitet wurde. Der Empfang am Bahnhofsvorplatz war beamtenmäßig zwar extrem übertrieben, aber daran hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Wenigstens wurde hier nicht provoziert und so ging es zügig zum Stadion. Die Kontrollen am Stadioneingang waren sehr fair, das gesamte Material fand ohne Probleme den Weg ins Stadioninnere. Das Stadion an sich konnte eigentlich überzeugen. Eine neue überdachte
Haupttribüne wurde durch weitere Sitzplätze an der Seite eingerahmt. Die Gegenseite war als reine Stehplatztribüne den Heimfans vorbehalten, während sich der Gästeblock in einem Teil der rechten Kurve befand. Obwohl noch massig Platz im weiten Rund frei war, war der Gästeblock recht klein gehalten. Für die vierte Liga aber letztlich wohl ausreichend. Auf der Gegengerade fanden sich dann im mittleren Teil die Supporters Worm ein, die während des Spiels mal mehr oder weniger für Stimmung auf Wormser Seite bemüht waren. Zum Intro gab es einige Doppelhalter, Schwenker und eine große Schwenkfahne. Nach langer Zeit also mal wieder ein Gegner, der auch mal optische Elemente mit ins Spiel brachte. Leider ließ das optische auf Wormser Seite mehr und mehr nach und warum man für einen Stimmungspulk von nicht mehr als 150 Mann unbedingt einen Vorsänger mit Megafon auf den Zaun positionieren muss ist seltsam.
Wurfrollen Choreo im Gästeblock
Das Intro ging deutlich an den BVB. Neben einem Spruchband „Ultras von die Amateure“ gab es eine feine Wurfrollenchoreo in schwarz und gelb. Dahinter gab es die bekannten Schwenker und Handhalter, denen in Herne noch der Weg ins Stadion verwehr geblieben war. Ein sehr nettes Bild. Über 300 BVB-Fans sorgten ohne Unterbrechung für einen neunzig minütigen Dauersupport – Liedwiederholungen waren eher die Ausnahme. Es war zwar kein grandioser Auftritt, nach dem Derby zeigt der Daumen aber endlich wieder nach oben. Hier muss aber auch die Frage erlaubt sein, warum man sich als Fan in den Stimmungspulk stellt und dann nur beim Torjubel den Mund aufbekommt. Solche Leute sollten das nächste Mal doch besser einen anderen Block wählen.
Das Spiel auf dem Platz war dagegen nicht so der Hit. Als Entschuldigung dient mit Sicherheit der schlechte Zustand des Platzes, der kaum Spielkombinationen zu ließ. Theo Schneider hatte bereits vor dem Spiel den Platz des Wormatia-Stadions als den schlechtesten der Liga bezeichnet - viel Matsch und Sand sollten dies bestätigen. BVB II-Coach Theo Schneider musste im Vergleich zum Heimsieg gegen Cloppenburg leider auf Kruska und Federico verzichten. Dass Sadrijaj fehlte darf wohl nach seiner miserablen
Leistung am Mittwoch eher als Vorteil gewertet werden. Zu aller Überraschung gab Lars Ricken für eine Stunde sein Comeback. Welcome back, Lars. Die Anfangsphase gehörte deutlich Schwarzgelb. Allerdings verpassten Hünemeier nach einer Ecke, sowie Kullmann und Vrancic eine frühzeitige Führung. Im weiteren Verlauf kam der VfR Wormatia immer besser ins Spiel, ohne aber das Tor von Lukas Kruse ernsthaft in Gefahr zu bringen.
In der zweiten Halbzeit dann das umgekehrte Bild: Wormatia am Stürmen, der BVB II kam erst zur Mitte der zweiten Halbzeit auf Trab. Richtig spannend wurde es aber erst zum Schluss. Uwe Hünemeier erzielte fünf Minuten vor Schluss mit einem Gewaltschuss das erlösende 1:0. Der Jubel kannte keine Grenzen. Hünemeier sprintete direkt zur Trainerbank und schnell bildete sich eine schwatzgelbe Jubeltraube. Doch als man sich schon auf die drei Punkte eingestellt hatte, fiel der 1:1-Ausgleich durch Gebhardt nach einer Standardsituation. Äußerst ärgerlich, zwei Punkte schienen verloren. Doch da Schiedsrichter Welz über sechs Minuten nachspielen ließ, erzielte Damir Vrancic in der vierten Minute der Nachspielzeit tatsächlich den erneuten Führungstreffer für den BVB II. Unglaublich und unfassbar zugleich – ein Wechselbad der Gefühle. Damit hätte wohl niemand der
1.600 Zuschauer gerechnet. Fortan gab es kein Halten mehr. Im Gästeblock war die totale Eskalation (im positiven Sinne) angesagt und auch an der Trainerbank lag man sich in den Armen. Viele erinnerten sich an das Spiel in Bremen, nur dass es diesmal noch dramatischer und demnach geiler war. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass es nach dem Derbysieg eine weitere Party am Gästeblock gab. Nach dem Abklatschen der Kurve durch das gesamte Team gab es einen guten Pogo zu „Auch in der vierten Liga singen wir weiter unsere Lieder...“ und abschließend die Welle. Emotionen pur. Hier wusste auch jeder der Zugfahrer, warum sich die fast sechs Stunden Zugfahrt heute gelohnt haben dürften. Dies schreit sehr nach einer Wiederholung in drei Wochen beim Auswärtsspiel der „Zwoten“ in Mainz.
Der Gästemob sammelte sich danach sehr schnell vor dem Stadion und in einen geschlossenen Marsch wurde der Weg zurück zum Bahnhof angetreten. Der Weg gestaltete sich recht unspektakulär, wobei an zwei Stellen in der Altstadt einige Wormser kurz „Hallo“ sagen wollten. Diesen Provokationen wurde aber kaum Beachtung geschenkt.
Am Bahnhofsvorplatz wurde dann noch ein nettes Mobfoto gemacht und weiter sollte es zum Bahnsteig gehen.
Provokationen des BFE enden mit Festnahmen
Was sich dann am Bahnsteig abspielte lässt sich kaum in Wort fassen. Dafür war die Situation für uns Dortmunder einfach zu ungewohnt und alles wirkte wie ein schlechter Traum. Da sich der Wormser Bahnhof in Umbauarbeiten befindet ging es nur schleppend zum Gleis. Eigentlich nicht weiter schlimm, wohl aber für unsere Spezialeinheit, dem BFE. So wurden friedfertige Fans erst weiter zum Gleis hochgeschubst, als es trotzdem nicht weiter ging, weil der Bahnsteig einfach vollkommen überfüllt war und Fans auf die Lage aufmerksam machten, tanzte der Knüppel. Unfassbar, wie man so eine Situation willkürlich herbeiführen kann. Doch es kam noch schlimmer. Als sich ein Fan über dieses vollkommen überzogene Verhalten des BFE beschwerte, sagte „Polizist“ X zu „Polizist“ Y, dass er sich doch mal das Gesicht merken möge und so dauerte es nur eine Minute und es gab es wilde Schlägerei der Kampftruppe, in der besagter Fan festgenommen wurde. Einfach unfassbar. Es gab weder Kontakt mit Wormsern, noch gab es Fehlverhalten auf Fanseite, einzig allein das Verhalten des BFE führte zur besagten Eskalation der Lage. Wie schon bei der Ankunft, wurde auf eine Weiterfahrt verzichtet, bis der Festgenommene die Heimreise mit antreten konnte. Der Zug gen Bingen fuhr demnach ohne Schwarzgelb los. Erst kurz vor Eintreffen des Zuges nach Mainz konnte der Festgenommene die Heimreise dank Vermittlung durch die BVB-Fanbetreuung mit antreten. Die Stimmung war ab hier mehr als gedrückt, sollte sich aber noch weiter verschlechtern. In Mainz stand der Anschlusszug nach Koblenz direkt auf das
gegenüberliegende Gleis, also kein großes Thema, wenngleich die Bundespolizei den Zug direkt mit einer Hundertschaft inklusiv tierischer Begleitung abschottete. Als beim Umstieg dann einige Fans die Zeit nutzten um wenigstens mal eine Zigarette zu rauchen (im Zug war dies ja nicht möglich), so rief dies direkt wieder unsere so geliebte Spezialeinheit auf den Plan. Mit Knüppelschlägen gegen Kopf und Körper wurden die Fans in den Zug geprügelt. Dabei wurde keine Rücksicht auf Alter oder Geschlecht genommen. Ein „Polizist“ schlug gar hemmungslos auf zwei Frauen ein. Einfach ein unfassbares und nicht hinnehmbares Verhalten, was selbst von der Hundertschaft in Worms und Mainz bestätigt wurde. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass alle Szenen immer mit mindestens zwei Kameras gefilmt wurden und sich die Beamten diese unter schallendem Gelächter und Worten wie „Den habe ich aber gut getroffen“ im Zug angeschaut wurden, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Als dann noch zwei Fans auf den Gang zur Toilette mithörten, wie sich ein „Polizist“ des BFE damit brüstete die zwei Frauen mit seinem Schlagstock geschlagen zu haben, muss man sich echt fragen, mit was für Menschen man es da zu tun gehabt hatte. Das sollen etwa Staatsdiener sein? Auch einen Tag danach fehlen einem immer noch die Worte. Auf einer absolut lauen Fahrt werden friedliche Fans so dermaßen schikaniert und
provoziert, dass es letztlich knallt. Gerechtigkeit wird es hierfür wohl nie geben, da die Polizeiberichte wohl wieder dermaßen geschönt werden, dass man wieder von randalierenden Dortmunder Hooligans schreiben wird. Das eskalierende Verhalten, das wie gesagt auch von anderen Polizeibeamten bestätigt wurde, wird keine Erwähnung finden. Wie auch, schließlich möchte man ja so einen Einsatz rechtfertigen.
Hier sollten sich aber die verantwortlichen Stellen mal hinterfragen, ob dies wirklich so okay ist und man hier nicht maßlos übertreibt. Bei den letzten Spielen des BVB II gab es nie derartige Probleme, sei es mit Fans des Gegners oder mit der Polizei. Dass es ausgerechnet beim ersten Mal Probleme gibt, wo man vom BFE begleitet wird, sollte den verantwortlichen Personen bei der Polizei zu denken geben. Insbesondere deren menschenverachtendem Verhalten. Den geschädigten Fans kann man nur eine Anzeige an Herz legen, damit derartige Schikanen nicht zum Dauerzustand werden. Ich kann mittlerweile die Spielberichte der EFU nachvollziehen (in Erfurt sind wohl zwei Hundertschaften der BFE stationiert) und möchte gar nicht an die Bayernultras und deren Probleme mit dem USK denken.
Zu erwähnen bleibt noch, dass die Umstiege in Koblenz und Düsseldorf problemfrei verliefen, wenngleich dem BVB-Anhang keine Möglichkeit gewährt wurde, Getränke oder Essen zu kaufen. Spruchbänder wie „Freie Bürger – Nein Fußballfans“ und „Wer beschützt uns vor unseren Beschützern?“, die bei uns auf der Süd im Laufe der Jahre gezeigt wurden, bekommen auf jeden Fall eine ganz neue Bedeutung.
Aufgrund derartiger Vorfälle, verliert man jeden Spaß am Fußball, aber genau das ist es, was die Polizei mit einem derartig menschenverachtenden Verhalten erreichen möchte.
In diesem Sinne: Alle nach Essen, alle nach Mainz.
Fotos vom Spiel in Worms, wird es ebenso wie Fotos von den Spielen gegen Karlsruhe und Cloppenburg bzw. die BVB-JHV erst zum Ende der Woche geben.
Tommy, 30.11.2008
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