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Unsa Senf - 17.08.2008

Bäumchen wechsel dich mit Petric und Zidan

Nun ein SchwatzgelberDie Nachricht schlug am Freitag Abend in Dortmund ein wie eine Bombe. Völlig überraschend und in aller Stille wurde der Wechsel von Mladen Petric an die Elbe zum Hamburger SV vereinbart, im Gegenzug kommt der Ägypter Mohamed Zidan nach Dortmund und bringt zudem ein Köfferchen mit geschätzten 4,5 Millionen € mit. Mit diesem Transfer am Vorabend des ersten Saisonspiels hat in der Dortmunder Anhängerschaft wohl niemand gerechnet und dementsprechend perplex waren die Reaktionen, die in Leverkusen auch in einigen „Susi raus"-Rufen mündeten.

Ein Transfer, der viele Fragezeichen mit sich bringt. Warum verkauft der BVB seinen erfolgreichsten Torschützen der letzten Saison an einen Ligakonkurrenten? Warum tätigt man einen Wechsel dieser Größenordnung zu diesem ungünstigen Zeitpunkt? Und wie passt Neuzugang Zidan ins Dortmunder Taktikkonzept?

Zuerst einmal scheint es keineswegs so zu sein, dass der BVB aktiv Petric an den HSV verkaufen wollte, sondern dass der Spieler mit diesem Wechselwunsch an den Verein herangetreten ist. Aber warum ist der BVB, anders als vor einem Jahr bei Dede, nicht hart geblieben und hat diese Wunsch widersprochen? Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Einerseits munkelt man, dass Petric nicht nur mit Alexander Frei so seine Probleme hatte, sondern auch im Mannschaftskreise nicht gerade Beliebtheitspreise eingesammelt hat. Dass Jürgen Klopp auf ein harmonisches Mannschaftsgefüge achtet und sehr großen Wert darauf legt, hat er unter anderem auch auf dem Fantreffen vor zwei Wochen deutlich gemacht.

Andererseits scheint es auch für Mlade Petric keinen richtigen Platz im neuen taktischen System der Borussia gegeben zu haben. Das geforderte Nachsetzen bei Ballverlusten, das Attackieren der gegnerischen Abwehrspieler - das ist nicht Petric Spielweise. Dieses Problem im taktischen Bereich wurde nahezu in jedem Zweikämpfe mit Petric sind GeschichteTestspiel sichtbar, das Petric merkwürdig kraft- und lustlos aussehen ließ. Zudem hätte der BVB nach der Rückkehr von Alexander Frei ein Luxusproblem gehabt. Klopp hält große Stücke auf Nelson Valdez, der mit seinen läuferischen und kämpferischen Qualitäten ein wichtiger Baustein für ihn ist und dieses Vertrauen mit Leistung zurück zu zahlen beginnt. Damit wäre für Petric oder Frei ein Platz auf der Bank gewiss gewesen und der BVB hätte einen latenten Unruheherd gehabt.

Es scheint also, als würde man Michael Zorc mit Kritik an diesem Transfer Unrecht tun, weil er damit nur sowohl dem Wunsch des Spielers, als auch den Vorstellungen des Trainers nachgekommen wäre. Was letztendlich wirklich ausschlaggebend für diesen Wechsel war, kann man allerdings nicht definitiv sagen. Der Verein hüllt sich in Schweigen und kommt damit eigentlich nur einer immer wieder gestellten Forderung nach weniger Effekthascherei und stillerem Arbeiten nach.

Aber warum hat man sich dieser Personalie nicht schon viel früher angenommen? Angeblich soll ja bereits im Frühjahr Juventus Turin seine Fühler nach dem Kroaten ausgestreckt und einen zweistelligen Millionenbetrag geboten haben. Der Wahrheitsgehalt dieser Meldung ist allerdings höchst zweifelhaft, wenn man sich den Herausgeber dieser „Nachricht" ins Gedächtnis ruft. Zwar hat man im Hause Springer am Freitag ein goldenes Händchen bewiesen, aber in der Vergangenheit hat man bei Unverständnis beim Dortmunder Anhang über die Personalie Mladen PetricTransfergeschichten rund um den BVB eine Ente nach der anderen produziert, so dass dieses Interesse aus Turin durchaus überhaupt nicht existiert haben kann.

Erschwerend für einen Transfer dürften Petric Leistungen im letzten Saisondrittel und inbesondere eine unterirdische Europameisterschaft gewesen sein. Es ist durchaus möglich, dass sich die Zahl ernsthafter und zahlungskräftiger Interessenten einzig und allein auf den Hamburger SV beschränkt hat. Und auch dort konnte man erst nach dem Transfer von van der Vaart tätig werden - schließlich hatte man beim „Bundesligadino" vorher die Kriegskasse für die Verpflichtung eines neuen Trainerteams geplündert. Stimmen diese Annahmen, ist auch die von vielen als zu gering empfundene Ablösesumme durchaus im Rahmen. Das Gesamtpaket von Ablösesumme, dem Wechsel von Zidan, für den die Hamburger seinerzeit 5,8 Millionen Euro an den FSV Mainz 05 überwiesen haben, und einer eventueller Erfolgsbeteiligung dürfte sich im Rahmen von 8 - 9 Millionen Euro bewegen. Für das eher niedrigere Transfersummenniveau bei Wechseln innerhalb der Liga, mit nur einem Abnehmer und gleichzeitiger Wechsellust des Spielers mit Sicherheit kein so schlechtes Geschäft, wie man auf den ersten Blick meinen mag.

Und was ist mit Zidan? Der Ägypter ist die große Unbekannte in diesem Wechselgeschäft. Zwei wirklich erfolgreichen Zeiten unter Klopp in Mainz stehen zwei gescheiterte Anstellungen in Hamburg und Bremen entgegen. Auffällig hierbei ist, dass seine Spielweise nur dort funktionierte, wo man susi zorctaktisch auf schnellen Konterfußball ausgerichtet war und dort scheiterte, wo sein Team selbst das Spiel machen musste. Es bleibt abzuwarten, wie sich Zidan in Dortmund entwickelt. Auch dort erwarten die Fans, dass man zuhause den Ton angibt und den Gegner dominiert.

Unbestritten ist, dass Zidan den Wohlfühlfaktor braucht. Jürgen Klopp gab als Mainzer Trainer unumwunden zu, dass der Ägypter die ein oder andere Freiheit benötigt, um sein Leistungspotential voll abrufen zu können. Ihn zu integrieren, ohne dabei Neid oder Missgunst bei seinen neuen Mannschaftskameraden zu wecken, dürfte eine der großen Baustellen des Trainers in den nächsten Tagen und Wochen sein. Ebenso muss sich Zidan den neuen Gegebenheiten anpassen. Die taktische Konzeption ist erst in der Entstehungsphase und noch ein ziemlich fragiles Gebilde. Disziplinlosigkeiten und Egotrips auf dem Rasen wären da tödlich und so wird Zidan auch von sich aus einiges ändern müssen.

Gelingt das, bekommt der BVB mit Zidan einen technisch höchst versierten und spielerisch exzellenten Stürmer, der auch gut mit Hajnal harmonieren dürfte. Geht es schief, wird dieser Wechsel im Nachhall noch für einigen Wirbel und Gegenwind sorgen.

Und zu guter Letzt: Herzlich willkommen Mohamed und alles Gute in Hamburg, Mladen.

Sascha, 17.08.2008


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