Männer

Zuckersüße Pillen

29.11.2025, 22:44 Uhr von:  Christoph  
Die Dortmunder Profis feiern nach dem Abpfiff vor dem Gästeblock

Dortmund gewinnt dank einer konzentrierten Mannschaftsleistung bei der Werkself am Ende verdient mit 2:1 und sichert sich den dritten Tabellenplatz. Der Blick kann jetzt vorsichtig optimistisch nach vorne gehen, schließlich ist nach Leverkusen vor Leverkusen.

Laute Bässe dröhnen schon eine Stunde vor dem Anpfiff durch die Bayarena. Der Gästeblock ist schon gut gefüllt, allerdings wirkt er ohne Fahnen und Doppelhalter trist und langweilig. Es fehlt an Farbe. Gleiches gilt auch für die Trikots der schwatzgelben Spieler. Erneut läuft der BVB in den außergewöhnlich hässlichen Trikots auf. Warum, weiß auch nur die Marketingabteilung des BVB. Die Forderung der Fans: "Wir wollen schwarz-gelbe Trikots" zum Einlaufen der Mannschaften, lies nicht lange auf sich warten. Warum die BVB-Fans kein Material wie Fahnen und Doppelhalter nutzen dürfen, weiß vermutlich auch nur Bayer Leverkusen.  Außergewöhnlich viel wurde beim letzten Auftritt des BVB in Leverkusen nicht gezündelt. Dafür schallt es aus dem BVB-Gästeblock zur Hymne der Leverkusener laut scheiß Leverkusen. Die folgende Lichtershow, Licht an, Licht aus mit laut unterlegter rockiger Musik könnte auch in einer Eishockeyhalle stattfinden. Erwähnenswert sind die orangenen Regenschirme zum Einlaufen der beiden Mannschaften. Am 25.11. fand der internationale Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen statt. Die Farbe Orange soll dabei die Aufmerksamkeit auf Gewalt gegen Frauen lenken. In der Halbzeitpause wurde sich erneut ausführlich diesem wichtigen Thema gewidmet.

Der BVB-Gästeblock ohne Fahnen
Auch ohne Fahnen tobt und singt der Gästeblock

Ausgangslage

Never change a wining Team, so oder so ähnlich müssen die Gedanken von Nico Kovac gewesen sein, als er die Mannschaft fast unverändert gegenüber dem 4:0 Sieg gegen Villareal auf den Platz schickt. Lediglich Yan Couto muss dem defensiveren Pendant Ryerson weichen. Auf der Gegenseite wechselt Kasper Hjulmand gleich dreimal. Unter anderem rückt der ehemalige Dortmunder Jonas Hofmann in die Startelf, welcher beim überraschenden Auswärtssieg in Manchester erst gar nicht im Kader stand. Er wäre nicht der erste ehemalige BVB-Spieler, der seinen Ex-Club ärgert.

1. Halbzeit

Ruhig geht es zu Beginn auf dem Rasen und den Tribünen zu. Populismus stoppen fordern beide Fanszenen auf großen Bannern. Beide Fanblöcke verbringen die ersten 12 Minuten aus Protest zu den Vorhaben der Innenminister schweigend. Lediglich in der zehnten Minute wäre das Schweigen fast unterbrochen worden, doch nach einem guten Pass von Maza verzieht der Leverkusener Poku in aussichtsreicher Position.

Kurz darauf dann die erste gelbe Karte gegen Schlotterbeck für ein unnötiges Faul im Mittelfeld. Eine Karte, über die selbst der Gefaulte lächeln muss. Dann sind die grauenhaften, stillen 12 Minuten vorbei und das Stadion gibt dem Spiel endlich die nötige Akustik, die ein Topspiel verdient. Lauter Wechselgesang der Heimfans und ein lautes: „Immer, wenn Borussia spielt, steht die Kurve hinter dir“ schallt durch das Stadion, während Leverkusen immer druckvoller agiert. Nach 22 Minuten zitiert Kovac in einer Verletzungsunterbrechung seinen „Lieblingsschüler“ Adeyemi heran und vermittelt ihm wild gestikulierend, wie er sich auf dem Platz verhalten soll.  Dortmund bis dato harmlos in der Offensive, lediglich Leverkusen strahlt so etwas wie Torgefahr aus. Das 0:0 nach 35 Minuten spiegelt sich nicht in der guten Stimmung im Stadion wider, beide Fanlager sorgen für ordentlich Rambazamba. Nach Ecken steht es kurz vor der Halbzeit 4:3 für Leverkusen, trotzdem gab es noch keinen richtigen Schuss auf das Tor, bis es  plötzlich 1:0 für Borussia steht. Was war passiert? In einem Zweikampf halb rechts vor dem Strafraum fasst Tapsoba Adeyemi in das Gesicht und sieht für das anschließende Meckern die gelbe Karte. Den Freistoß tritt Svensson, dessen Flanke findet den Kopf von Anselmino, der mit Hilfe des Innenpfostens das 1:0 erzielt. Ein Tor aus dem Nichts. Die zwei Minuten Nachspielzeit übersteht die Borussia unbeschadet, und geht glücklich mit 1:0 in die Kabine.

Kopfball von Anselmino zum 1:0 für Borussia
Anselmino köpft das 1:0 für Borussia

2. Halbzeit

Die zweite Halbzeit beginnt mit einer kleinen Pyro-show der Leverkusener Fans und dem Slogan: „Bayer04 Sicherheit Totengräber der Fankultur“.  Auf dem Rasen übernimmt die Werkself von Beginn an das Zepter und drängt auf den Ausgleich. Die fünfer Kette des BVB steht wie auch schon in der ersten Halbzeit stabil und lässt kaum etwas zu. Lediglich Standardsituationen, wie in der 54.  Minute, sorgen für Gefahr, als nach einem Freistoß der Leverkusener Tillmann frei vor dem Tor zum Kopfball kommt. Der Ball geht zum Glück am Tor vorbei. Ein Weckruf für den BVB?! Keine drei Minuten später dann eine ähnliche Standardsituation für den BVB. Doch Guirassy macht einen auf Tillmann und scheitert mit seinem Kopfball an dem Leverkusener Torhüter. In der Folgezeit schafft es der BVB den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten und auch der Gästeblock dreht den Lautstärkepegel höher. Wir sind in der 61.Minute als Kovac Guirassy gegen Fabio Silva auswechselt. Guirassy wirkte über  seine Auswechslung nicht gerade erfreut und verweigerte seinem Trainer den Handschlag, in dem er einen großen Bogen um ihn machte. Doch spätestens vier Minuten später schien die Welt aller Protagonisten, Guirassy eingeschlossen wieder in Ordnung. Nach einer Flanke von Silva versenkt das „Kopfballungeheuer“ Adeyemi den Ball zum 2:0.

Auf dem Bild feiern die Spieler den 2:0 Treffer an der Eckfahne
Der Torjubel zum 2:0 durch das Kopfballtor von Adeyemi

Leverkusen reagiert und erhöht den Druck. Die Zweikämpfe werden hitziger. Doch in jeden Schuss schmeißt sich ein Dortmunder hinein. Lediglich in der 70.Minute muss die Latte retten, als der Ex-Borusse Hofmann im Strafraum frei zum Schuss kommt. Das wäre es noch gewesen, dass ausgerechnet der ehemalige Dortmunder den Anschluss erzielt. Im Gegenzug vergibt Jule Brandt (ehemaliger Leverkusener) frei vor dem Gehäuse. Es wäre eine beruhigende 3:0 Führung gewesen. Vier Minuten später vergibt Brandt erneut eine gute Chance, nachdem der BVB durch zwei gute Kombination im Strafraum der Werkself auftaucht. Der Abschluss von Brandt ist allerdings nichts Halbes und nichts Ganzes und kein Problem für den Torhüter. Während 12 Minuten vor Schluss sich eine Leverkusener Flanke auf die Latte des BVB-Gehäuses verirrt, feiert der BVB-Fanblock mit einer schönen Schalparade. 

 Die Pfiffe der Leverkusener Fans bezüglich eines Zeitspiels der Dortmunder sind sicherlich berechtigt. Aber vielleicht wissen sie auch nicht, dass Kobel das Spiel einfach nie schnell macht. Dann kommt die 84. Minute als die Bayarena kocht und ein Lalala aus den Boxen dröhnt. Der Anschlusstreffer ist gefallen. Nach einer Flanke von Maza hält Kofane einfach nur seinen Fuß hin und der Ball hoppelt über die Torlinie. Das Zittern beginnt, während Bayer alles nach vorne wirft. Der Anhang der Werkself gibt alles um die Mannschaft nach vorne zu peitschen. Sollte Leverkusen noch der Ausgleich gelingen? Kovac nimmt in der 90.Minute Zeit von der Uhr, in dem er doppelt auswechselt. Die Nachspielzeit wird gerade durchgegeben, als die Flanken nur so durch den Dortmunder Strafraum segeln.  Die Gleichung von Kovac: Keine Flanken, keine Freistöße, keine Ecken gleich keine Gefahr, scheint bei den Spielern gerade kein Gehör gefunden zu haben.  Fünf Minuten muss der BVB noch zittern. Die Nervosität ist den Dortmundern anzusehen, oft schauen sich die Spieler ratlos gegenseitig an, während die Werkself eine Ecke nach der anderen herausholt. Entlastung- Fehlanzeige. Der Gästeblock tobt und brüllt die Mannschaft nach vorne. Nur nicht schon wieder kurz vor Schluss ein Tor kassieren. Nur nicht schon wieder wichtige Punkte liegen lassen. Dann der Abpfiff. Pure Erleichterung auf dem Rasen und auf den Rängen.

Brandt im Zweikampf gegen Hofmann
Ex-Leverkusener gegen Ex-Borussen. Beide hatten nicht ihren besten Tag an diesem Abend.

Kurze Zeit später laufen die BVB-Verantwortlichen nach Spielende mit einem Lächeln durch die Mixed-Zone. Besonders erleichtert ist dabei Jule Brandt, der durch seine vergebenen Chancen die Partie hätte vorzeitig entscheiden können, vielleicht sogar müssen. Egal! Drei Punkte in Leverkusen-wer hätte das gedacht?!

Fazit: In einem engen Spiel gewinnt Dortmund verdient, weil der BVB erneut extrem effizient gespielt hat und trotz vieler Druckphasen der Leverkusener kaum Großchancen zugelassen hat. Der BVB springt dank der drei Punkte auf den 3.Tabellenplatz und rückt näher an Leipzig heran. 

In drei Tagen begegnen sich beide Mannschaften erneut zum DFB-Pokal, allerdings im Westfalenstadion. Dort wird es laut dem Leverkusener Kapitän Andrich besonders schwer, weil der BVB dort von seiner „Fan-Kraft“ profitiert. Hoffen wir, dass er recht behält. Wenn der BVB erneut als Sieger vom Platz gehen würde, kann der erste Haken auf der Weihnachtswunschliste gesetzt werden und es soll niemand mehr behaupten, Pillen aus Leverkusen schmecken bitter! Mir kommen sie aktuell zuckersüß vor.


 

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