Frauenfußball

BVB-Frauen: Alles Wichtige zur neuen Saison

19.08.2022, 19:00 Uhr von:  Malte S. Tim K
18 Spielerinnen der BVB-Frauen, die aufgereiht und in Trainingskleidung eine Laufeinheit absolvieren. Im Hintergrund die Fassade des Westfalenstadions.

In ihrer ersten Saison stürmten die BVB-Frauen von Sieg zu Sieg und gewannen alle Pflichtspiele. Nun steht das zweite Jahr vor der Tür. Gelegenheit für uns, zu schauen, was sich im Team getan hat, wen es in dieser Saison zu schlagen gilt und warum es nun eine zweite Mannschaft gibt.

Am Sonntag steht für die BVB-Frauen das erste Pflichtspiel der Saison auf dem Plan. Das Heimspiel gegen TuS Wadersloh ist eine weitere Premiere. Zum ersten Mal starten sie im Westfalenpokal, wo man es im Erfolgsfall mit Krachern wie dem VfL Bochum zu tun bekommen könnte. Eine Woche später beginnt das Meisterschaftsrennen in der Bezirksliga. Währenddessen feierte die neu gegründete zweite Mannschaft bereits am vergangenen Dienstag einen torreichen Auftakt in der Kreisliga.

Genug Anlass also, an dieser Stelle einen Blick auf die wichtigsten Fragen rund um das zweite Frauenfußballjahr in schwarz-gelb zu werfen.

Zur Erinnerung: Was haben die BVB-Frauen in ihrer Premierensaison erreicht?

Die Mannschaft hat das Maximum rausgeholt. In der Kreisliga A2 gewann man jedes Spiel, und das mit einem Torverhältnis von 143:3. Der ungefährdeten Meisterschaft folgte die Aufstiegsrelegation gegen TV Brechten II. Auch die Meisterinnen der Kreisliga A1 stellten keine große Hürde dar, trotz eines frühen Platzverweises behielten die BVB-Frauen mit 4:0 die Oberhand. Wenige Tage später machten sie im Kreispokalfinale das Double klar. Wieder hieß der Gegner TV Brechten, diesmal jedoch die erste Mannschaft. Der Landesliga-Aufsteiger forderte Borussia schon etwas mehr, am Ende stand jedoch ein verdientes 3:0.

Nicht nur sportlich lief es im ersten Jahr. Für die Kreisliga ernteten die BVB-Frauen überdurchschnittliche Zuschauer*innenzahlen. Die Tatsache, dass auch Fans, die nicht klassisch im Männer-Profifußball sozialisiert worden sind, den Weg zu den Spielen fanden, lässt hoffen, langfristig vielleicht ein neues Publikum erschließen zu können. Immer wieder nutzte der BVB außerdem seine Popularität, um dem Frauenteam eine Bühne zu geben, zum Beispiel in den sozialen Netzwerken oder zuletzt bei der Saisoneröffnung im Westfalenstadion.

Schließlich sind viele Spielerinnen selbst BVB-Fans und erfüllen sich gerade ihren Traum, für Borussia Dortmund aufzulaufen. Das verleiht dem Team eine besondere Aura. Bei Instagram, Twitter oder im persönlichen Gespräch wirken die Akteurinnen nahbar und bilden damit einen Gegenpol zur weitgehend abgeschotteten Welt der männlichen Profis.

Wie hat sich Borussia verstärkt?

In Abwehr, Mittelfeld und Angriff hat der BVB jeweils substanzielle Verstärkungen an Land gezogen. Die fünf Neuzugänge sammelten allesamt schon Erfahrungen in höheren Spielklassen.

Allen voran Marie Grothe. Die Mittelfeldspielerin war sechs Jahre beim SV Berghofen aktiv und stieg in die zweite Bundesliga auf, wo sie Stammspielerin war. Zuletzt kickte sie für die Sportvereinigung Horsthausen (Landesliga) und schoss nebenbei die Blauen aus dem Kreispokal. In der Vorbereitung war sie stark in der Spieleröffnung und überzeugte mit einer guten Übersicht. Als Spielmacherin könnte sie eine der prägenden Figuren der kommenden Saison werden.

Ebenfalls im Mittelfeld, allerdings etwas offensiver, ist Mia Bedarf zu Hause. Dank eines vierjährigen Fußballstipendiums in den USA verfügt sie bereits Auslandserfahrungen. Mit dem FC Iserlohn stieg sie in der vergangenen Spielzeit in die Westfalenliga auf.

Thomas Sulewski am Spielfeldrand. Er coacht und hat dabei die Arme verschränkt. Er trägt einen Bart und eine nach hinten gekämmte Frisur.
Trainer Thomas Sulewski kann sich über hochkarätige Neuverpflichtungen freuen

Im Sturmzentrum haben sich die BVB-Frauen mit Mandy Reinhardt verstärkt. Die 22-Jährige wurde unter anderem bei der SGS Essen ausgebildet und spielte dort in der U17-Bundesliga und in der zweiten Frauen-Bundesliga. Sie wechselte vom 1. FFC Recklinghausen (Regionalliga) nach Dortmund und traf gleich bei ihrem ersten Testspiel in schwarz-gelb.

Lea Auffenberg ist auf der rechten Seite zu Hause und dürfte vor allem als Außenverteidigerin zum Einsatz kommen. Ihre Karriere begann sie in Dortmund beim VfR Sölde und verbrachte ihre Jugend bei der SpVg Berghofen und dem VfL Bochum. Die 19-Jährige läuft nach einer Saison ohne Verein nun in schwarz-gelb auf.

Mit Nora Rechenbach gewinnt der BVB einiges an Erfahrung in der Innenverteidigung hinzu. Sieben Jahre spielte die 28-Jährige für die Kickers Offenbach, ehe es sie ins Ruhrgebiet und somit auch zum BVB zog. Mit Marina Jung und Virginia Glänzer wartet jedoch starke Konkurrenz auf sie. Die beiden bildeten in der vergangenen Saison souverän die Innenverteidigung und sind eingespielt.

Wer hat das Team verlassen?

Mit Neele Dröter, Ana Lena West und Lilli Prinzen werden drei Spielerinnen, die bisher in der ersten Mannschaft kickten, künftig für die Zweitvertretung des BVB auflaufen. Aufgrund ihres zu geringen Alters hatten die beiden Erstgenannten in der vergangenen Saison kein Spiel absolvieren können. Den BVB verlassen hat Laura Höhl. Unterm Strich ist der Kader der Vorsaison in großen Teilen zusammengeblieben und mit den Neuzugängen gezielt verstärkt worden.

Wie lief die Vorbereitung?

Schon vor dem eigentlichen Saisonauftakt fuhren einige Spielerinnen in die Niederlande, um dort gemeinsam zu segeln. Mit sichtlicher Freude verbrachten sie einige Tage auf und an der Nordsee.

Mitte Juli begann die Saisonvorbereitung. In den Testspielen schlugen die BVB-Frauen drei Landesligisten (5:0 gegen Eintracht Emmerich, 2:1 gegen den BV Werther, 3:0 bei der SG Landau/Wolfhagen). Erst Westfalenligist Arminia Bielefeld II zeigte den Borussinnen die Grenzen auf, es setzte eine deutliche 4:0-Niederlage. Allerdings herrschte an diesem Tag beim BVB Personalmangel und einige Spielerinnen mussten auf ungewohnte Positionen ausweichen.

Krönender Abschluss war das mehrtägige Trainingslager, das die erste und zweite Mannschaft gemeinsam in Österreich verbrachten. Dort arbeiteten sie unter für Amateurfußballerinnen sicher äußerst überdurchschnittlichen Bedingungen. Die Erste errang vor Ort ein 2:2 gegen 1860 München, also die Mannschaft, gegen die vor etwas über einem Jahr alles begann. Die Löwen stiegen wie der BVB gleich in der ersten Saison auf und spielen kommende Saison in der 1. Kreisklasse, der zweitniedrigsten Spielklasse Bayerns.

Wen gilt es in diesem Jahr zu schlagen?

Im Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) gibt es sechs parallele Bezirksligen. Die BVB-Frauen wurden Staffel 4 zugeteilt, wo sie auf Teams aus den Kreisen Dortmund, Unna-Hamm, Hagen, Beckum und Münster treffen. Neben drei Stadtduellen (Eintracht Dorstfeld, TuS Eichlinghofen, Wambeler SV) steht also auch die ein oder andere etwas weitere Auswärtsfahrt an, zum Beispiel zum VfL Senden ins Münsterland. Die komplette Liga findet ihr hier.

Die Meister aller Bezirksligen steigen direkt in die Landesliga auf. Sollte das Team auch in dieser Saison auf Platz eins landen, stünde diesmal also kein Entscheidungsspiel an. Unter Umständen könnte man auch als Tabellenzweiter in die Landesliga aufsteigen, müsste dann aber eine Aufstiegsrunde gegen andere Bezirksligisten spielen.

Drei Vereine steigen in die Kreisliga A ab. Sportlich ermittelt werden davon allerdings nur zwei, denn der FC Donop-Voßheide II hat sich schon vor Saisonbeginn zurückgezogen und steht somit bereits als Absteiger fest.

Dürfen wir wieder mit einem Durchmarsch rechnen?

Eine Jubeltraube mehrerer BVB-Spielerinnen, alle tragen schwarze Doublesieger-Shirts. Im Vordergrund steht eine Spielerin, die von hinten zu sehen ist und einen kleinen silbernen Pokal in den Himmel reckt.
Die BVB-Frauen, die in der letzten Saison das Double gewannen, möchten auch dieses Jahr wieder jubeln

Der BVB bietet die besten Bedingungen aller Wettbewerberinnen und möchte auf dem schnellsten Weg in die Bundesliga. Dabei sei „die ein oder andere Ehrenrunde“, wie Svenja Schlenker es zuletzt formulierte, eingepreist – doch sicherlich nicht schon in der zweiten Saison. Das zeigen sowohl die Verstärkungen als auch die Testspiel-Erfolge gegen höherklassige Teams. Aktuell dürfte das Niveau des BVB zwischen Landesliga und Verbandsliga liegen – auf jeden Fall aber höher als Bezirksliga.

Was erwartet die BVB-Frauen im Pokal?

Als Gewinnerin des Kreispokals darf Borussia Dortmund im Westfalenpokal starten. Dort wartet in der ersten Runde mit TuS Wadersloh ein Landesligist. Weil im Westfalenpokal bereits die ersten drei Runden ausgelost wurden, weiß man schon jetzt, auf wen die BVB-Frauen im Erfolgsfall später treffen könnten:

  • Runde 2: SV Hohenlimburg (Landesliga)
  • Runde 3: VfL Bochum (Regionalliga) oder Germania Hauenhorst (Westfalenliga).

In der Vergangenheit hat der BVB regelmäßig gezeigt, dass er Gegnerinnen aus höheren Spielklassen gewachsen ist. Doch gut möglich, dass er im Westfalenpokal, im Gegensatz zur Bezirksliga, früher oder später ans Limit kommen wird.

Und die zweite Mannschaft?

Mit der Schaffung einer zweiten Mannschaft reagierte der BVB auf die hohe Nachfrage von Fußballerinnen, die für Borussia Dortmund spielen wollen. Bei der Zusammenstellung hatten die Verantwortlichen eine große Auswahl, insgesamt waren 150 Spielerinnen zum Sichtungstraining gekommen.

Wie auch die erste Mannschaft startet man in der Kreisliga. Allerdings gibt es in einige Besonderheiten. Durch den Zusammenschluss der Kreise Dortmund und Hagen wird es in dieser Saison – anders als in der letzten – nicht zwei (Dortmunder) Kreisligen geben, die per Entscheidungsspiel einen Aufsteiger ermitteln.

Stattdessen findet in der ersten Saisonhälfte eine Qualifikationsrunde statt. Die Teams, die jeweils in den oberen Tabellenhälften der beiden Gruppen landen, dürfen anschließend in einer Aufstiegsrunde antreten. Der Meister dieser neu zusammengesetzten Liga steigt in die Bezirksliga auf. Die zweite Mannschaft des BVB ist hierfür klarer Favorit, ihr erstes Ligaspiel gewann sie am Dienstag mit 8:0 bei SC Berchum/Garenfeld.

Ihre Heimspiele tragen beide Teams am gleichen Tag aus. So tritt die erste Mannschaft am frühen und die zweite am späten Nachmittag an, wodurch ein Besuch beider Heimspiele problemlos möglich ist.

Gibt es auch Wermutstropfen?

Das altehrwürdige Stadion Rote Erde ist wegen der Umbaumaßnahmen weiterhin nicht bespielbar, eine Fertigstellung in diesem Jahr unwahrscheinlich. Somit müssen die BVB-Frauen an der Fußballakademie im Rabenloh antreten. Schade, denn die Rote Erde bietet nicht nur mehr Nostalgie, sondern ist insbesondere bei Familien das beliebtere Ziel.

Auch ein sportlicher Wermutstropfen besteht. Mit ihrer Verletzung verpasste Hannah Goosmann, die Top-Torjägerin der vergangenen Saison, die gesamte Vorbereitung. Somit dürfte Mandy Reinhardt im Sturmzentrum zunächst mal gesetzt sein. Vielleicht kommt im Laufe der Saison aber wieder ein stärkerer Konkurrenzkampf auf.

Wie kann ich die Spiele verfolgen?

Alle, die nicht im Stadion beziehungsweise am Platz sein können oder möchten, können die Spiele zu einem großen Teil im Netz verfolgen. Dort wurden in der Vergangenheit die meisten Partien übertragen. Streams findet ihr bei Twitch und/oder Staige. Auch wir werden auf unserer Seite und unseren Social-Media-Kanäle (Twitter, Instagram) regelmäßig über die Spiele berichten.

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