Warmlaufen

Mitmachen oder zugucken?

02.04.2021, 15:40 Uhr von:  Vanni
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Die Südtribüne ist in schwarzgelbe Banner gehüllt, auf dem Mittelpunkt liegt das Logo der Champions League, rechts machen sich die Mannschaften von Borussia Dortmund und dem AS Monaco bereit für das Spiel.

Am kommenden Dienstag gastiert der berühmte Ballspielverein Borussia aus Dortmund bei einer der besten Mannschaften der Welt, Manchester City. Es ist das Viertelfinale des wichtigsten europäischen Wettbewerbs, der Champions League, das Hinspiel mit viel Prestige, Stolz und auch wirtschaftlicher Bedeutung. Denn wer im Konzert der Großen mitspielen will, muss in der Champions League dabei sein und am besten auch noch einige der zu holenden Prämien abgreifen. Doch damit solche Abende wie kommenden Dienstag auch noch in der kommenden Saison nötig sind, braucht es – neben der nur theoretischen Möglichkeit eines Titelgewinns in der Champions League – wichtige Punkte in der Bundesliga. Und um diese geht es nur wenige Tage vor dem Viertelfinalhinspiel am Karsamstag, wo mit Eintracht Frankfurt der direkte Konkurrent um den Einzug in die Königsklasse wartet. Und aufgrund der pomadigen Leistung beim 2:2 in Köln vor der Länderspielpause steht der BVB nun unter Zugzwang – alles andere als ein Sieg, erst recht eine Niederlage gegen die Eintracht, ist eigentlich keine Option. Im denkbar schlechtesten Fall stünden am Samstagabend sieben Punkte Rückstand auf den vierten Platz, der für die Teilnahme an der Champions League berechtigt, in der Tabelle. Das wäre zum Abschluss des 27. Spieltags noch keine Vorentscheidung, würde die Luft aber deutlich dünner machen.

Marco Reus nimmt einen Ball mit der Brust an, sein Blick ist nach vorne gerichtet.
Zuletzt eher auf der Suche nach seiner Form: Marco Reus

Klar, dreht man es ein wenig positiver hat der BVB genauso gut die Chance, den Abstand auf Rang 4 wieder auf einen Punkt zu verkürzen. Aber die wenigsten BVB-Fans dürften nach den vielen Rückschlägen und schlampigen Auftritten in dieser Bundesliga-Saison wohl der Fraktion „Glas voll“ angehören. Zumal die Zeichen auch nicht unbedingt sehr positiv stehen. Jadon Sancho fehlt weiterhin verletzt, immerhin Raphael Guerreiro und Marco Reus meldeten sich genau wie Mateu Morey unter der Woche vorsichtig wieder zurück, auch wenn die beiden Erstgenannten zuletzt eher weniger in bezeichnender Form waren. Auf der anderen Seite steht eine formstarke Eintracht aus Frankfurt, die aktuell die beste Laufzeit der Vereinsgeschichte spielt und in den letzten zehn Partien neun Mal nicht geschlagen werden konnte, davon sechs Mal den Platz sogar als Sieger verließ. Nach dem 2:1-Erfolg über die Bayern folgte ein kleiner Durchhänger mit einer Niederlage gegen Bremen und zwei Unentschieden gegen Stuttgart und – auch das ist aktuell wohl eher kein Rückschlag – Leipzig, der dann mit einem Sieg gegen Union Berlin aber auch wieder beendet werden konnte. Vor allem offensiv macht Frankfurt immer wieder auf sich aufmerksam, André Silva ist neben Robert Lewandowski und Erling Haaland der aktuell treffsicherste Stürmer der Bundesliga, als Backup funktioniert bekanntermaßen wieder Luka Jovic und auch Filip Kostic macht immer wieder durch starke Leistungen auf sich aufmerksam.

Thorgan Hazard und André Silva kämpfen um den Ball, der links von ihnen liegt. Hazard hat die Oberhand, Silva scheint zu Boden zu gehen.
André Silva vs. Thorgan Hazard - auch dieses Duell könnte es am Samstag geben

Zwar sind die Frankfurter neben Union Berlin mit elf Remis auch die Unentschiedenkönige der Bundesliga, aber das zeigt nur eher deutlich auf, dass sie eben sehr schwer zu schlagen sind. Die Eintracht macht in den letzten Jahren eben immens viel richtig und darf daher aktuell auch vollkommen zurecht von der Königsklasse träumen. Eben von diesen besonderen Abenden, die die Borussia in der letzten Dekade so oft genießen durfte und die sie aktuell wieder zu verlieren droht. Was es gegen Frankfurt brauchen wird, ist ein couragierter Auftritt. Die Frankfurter kommen häufig auch über die Physis und intensiv geführte Zweikämpfe. Das hat dem BVB in dieser Saison schon häufig den Zahn gezogen und für wiederholte Schwierigkeiten gesorgt, auch wenn es positive Gegenbeispiele wie Leipzig und Sevilla gab, wo der BVB gegen so ein Spiel passioniert mithalten konnte. Und so wird es sicher interessant zu sehen, wie der BVB am Samstag in dieses Spitzenspiel gehen wird – es wird sicherlich eine richtungsweisende Bedeutung haben.

Jadon Sancho und Erling Haaland bejubeln ein Tor von Haaland. Dieser springt und formt mit den Fingern eine Zwei, Sancho umarmt ihn.
Fraglich, ob Erling Haaland und Jadon Sancho auch ohne Champions League nächste Saison noch in Dortmund jubeln werden.

Und dabei haben wir noch gar nicht über die wirtschaftliche Bedeutung gesprochen. Schon in dieser Woche zeigte sich Mino Raiola, seines Zeichens Berater von Topstürmer Erling Haaland in Verhandlungsbereitschaft und traf sich mit den Bossen des FC Barcelona – ohne die Champions League dürfte man wohl ein Fragezeichen an Haalands Verbleib in Dortmund über den Sommer hinaus machen müssen. Ähnliches könnte man wohl auch über Jadon Sancho sagen. Der BVB braucht die Champions League. Aktuell sind die Leistungsträger und Spiele des Vereins zu sehr großen Prozentpunkten dafür verantwortlich, dass das Mindestziel der Saison – die Qualifikation für die Königsklasse – so sehr in Gefahr ist. Zu oft hat man gegen kleine Gegner überheblich, arrogant, leidenschaftslos und einfach schlecht gespielt und daher Punkte liegen gelassen. Also wäre es nun an der Zeit, dass genau die Spieler, die den Karren in den Schlamm gefahren haben, nun die Verantwortung übernehmen und ihn wieder aus dem Dreck holen. All zu viele Gelegenheiten dazu könnte es in der restlichen Spielzeit gar nicht mehr unbedingt geben. Am Samstag ist aber definitiv eine davon. Hoffen wir, dass die Spieler wissen, worauf es ankommt und sich dementsprechend auch präsentieren. Damit man auch in der nächsten Saison noch einmal die Hymne der Königsklasse im dann hoffentlich auch wieder besser gefüllten Westfalenstadion hören darf – und nicht dabei zusehen muss, wie die Frankfurter Eintracht solche Abende genießen darf, während man selbst darauf wartet, am Donnerstag in der Europa League nach Osteuropa reisen zu dürfen.

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