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Der Besuch der alten Dame

12.03.2021, 22:41 Uhr von:  Christoph
Lesezeit: ca. 3 Minuten
Der Besuch der alten Dame
Fußballhauptstadt Dortmund

Wer an dieser Stelle etwas Intellektuelles a la Dürrenmatt zu lesen erwartet, wird in den kommenden Zeilen mit dem tristen Bundesligaalltag abgespeist. In Worten: Der BVB empfängt die alte Dame aus Berlin im Westfalenstadion.

Nach den erfolgreichen Ausflügen im DFB-Pokal und der Champions League muss der BVB wieder in der Bundesliga antreten. Heimspiel, welch ein Graus, und dann noch gegen einen Abstiegskandidaten. Diese Konstellation allein scheint so reizvoll, dass ein Pay-TV Sender dieses Spiel zum Topspiel auserkoren hat. Vermutlich hat man nur oberflächlich die Tabelle gelesen und die beiden Berliner Vereine verwechselt. Denn das Spiel BVB gegen Union Berlin hätte tatsächlich Topspielcharakter, aber die alte Dame aus Berlin…

Einzig und allein, dass der eine Verein seine Chance auf den großen Geldtopf namens Champions League nächste Saison sichern möchte und der andere Verein, trotz hoher Investitionen um den Klassenerhalt kämpft, bereitet etwas Spannung. Letzteres hat etwas von einer dramatischen Komödie, womit wir wieder bei Dürrenmatt wären. Das Drama schildert, wie Menschen sich durch eine Person und ihr Geld beeinflussen lassen und suggeriert, dass man für Geld fast alles kaufen kann. Dieses „fast“ hatte man bei dem Hauptstadt Klub aus Berlin wohl unterschätzt. Statt Erfolge und Ruhm einzuheimsen, kreucht und fleucht die mit viel Geld aufgerüstete Mannschaft am Rande des Abgrundes der Bundesliga entlang.

„Ich habe keine Angst, nach Dortmund zu fahren. Ich glaube schon, dass wir eine Möglichkeit haben, da zu gewinnen“


Arne Friedrich

Hertha Fans präsentieren viele Fahnen im Gästeblock des Westfalenstadion.
Der Gästeblock in der Saison 2018/19

Auch durch Investitionen im Winterpäuschen konnte man in Berlin bislang kaum nennenswerte Fortschritte beobachten. Ein Weltmeister von 2014 (Khedira) macht zwar auf der Tribüne schon richtig was her, wirklich helfen könnte er allerdings nur auf dem Rasen und dort fehlt er verletzungsbedingt.

Damit beim BVB auch in Zukunft das Geld ausreichend in Beine und Steine fließen kann, sollte das Minimalziel Platz vier unbedingt erreicht werden. Umso wichtiger, dass die Euphorie aus dem Erreichen der nächsten Runden im DFB-Pokal und in der Champions League mitgenommen wird. Denn ein Sieg gegen einen Abstiegskandidaten ist eigentlich Pflicht. Dabei sollte man besser verdrängen, dass der BVB gerade gegen vermeintlich schwächere Mannschaften Punkte hat liegen lassen. Immerhin gewann der BVB das Hinspiel in Berlin mit 5:2. Wobei die Urgewalt Haaland die alte Dame im Alleingang durch seine vier Tore zerlegte.

Pal Dardai im Großformat wie er lauthals an der Seitenlinie Anweisungen gibt
Pal Dardai steht erneut an der Seitenlinie.

Ob ein Haaland allein ausreicht, um die drei Punkte im Westfalenstadion zu lassen, bleibt fraglich. Der Ausfall von Jadon Sancho, der in den letzten Spielen zu einem echten Leistungsträger avancierte, schmerzt dabei beträchtlich. Auch würde die Rückkehr von Raphael Guerreiro und Manuel Akanji die personelle Situation entspannen.

„Wir werden gemeinsam versuchen, Haaland zu stoppen“


Pal Dardai

Ein Punktverlust gegen Hertha hätte aus BVB-Sicht etwas Dramatisches und zugleich eine gewisse Komik: Jeder Punkt für Hertha ist ein Punkt mehr, den der S04 aufholen müsste, um nicht den Gang in die zweite Liga anzutreten. Spätesten an dieser Stelle merkt man, dass Dramen in der Literatur und im Fußball ziemlich kompliziert sein können…

So könnten sie spielen

Borussia: Hitz - Morey, Hummels, Zagadou, Schulz - Bellingham, Dahoud, Delaney - Reus, Hazard - Haaland

Hertha: Jarstein - Klünter, Stark, M. Dardai - Tousart - Zeefuik, Darida, Guendouzi, Mittelstädt - Lukebakio, Cordoba




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