Unsa Senf

Derby: Unsolidarische Nachspielzeit

21.02.2021, 20:08 Uhr von:  Malte S.
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Das Bild zeigt das Standardbild für Artikel der Kategorie "Unsa Senf": Einen Teller mit einer Frikadelle und einer Tube Senf.

Es war am späten Samstagabend, als der Bus mit den Derbyheld*innen nach Dortmund-Brackel zurückkehrte. Rund 200 Fans bereiteten ihnen dabei einen triumphalen Empfang, wobei Teile von ihnen gegen sämtliche Corona-Regeln verstießen. Nach über einem Jahr Pandemie ein wirklich unsolidarisches Verhalten.

Wie sehr sehnt man sich nach solchen Bildern! Feiernde BVB-Fans auf der Straße, die Mannschaft, die den FC Schalke gerade mit einem 4:0-Auswärtssieg in Richtung Fußball-Abgrund gestoßen hat, wird von einem feurigen Spalier begrüßt, und die Spieler im Bus genießen das Ganze sichtlich. Wäre da nicht die verdammte Pandemie.

Der Empfang am Trainingsgelände in Brackel, den Mo Dahoud live bei Instagram streamte, wurde buchstäblich zum Eigentor. Der BVB entschuldigte sich heute für die Vorfälle, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Spieler gegen das DFL-Hygienekonzept verstießen, indem sie die Abstände im Mannschaftsbus nicht einhielten und keine Masken trugen.

Vielleicht hätte es vertretbare Alternativen gegeben

Eins vorweg: Komplett überraschend kamen die Ereignisse nicht. Dass zumindest einige Fans nach einem der größten Derbysiege der Geschichte die Mannschaft auf diese Weise empfangen würden, damit durfte man zumindest rechnen. Entsprechende Vorkehrungen hatten weder Verein noch die Polizei getroffen. An dieser Stelle muss man auch festhalten, dass nicht alle Personen vor Ort die Schutzvorschriften grob verletzten, sondern sich an Masken- und Abstandsgebote hielten, so zumindest lassen sich die Bilder deuten.

Umso trauriger, dass es nicht beispielsweise dabei blieb, die einfahrenden Derbysieger*innen mit einem Spalier, ausreichend Abstand und kontrolliert abgebrannter Pyrotechnik zu empfangen. Das wäre vielleicht noch vertretbar gewesen und hätte seine Wirkung auf die Mannschaft sicherlich nicht verfehlt.

Doch dabei blieb es leider nicht. Irgendwann versammelte sich vor dem Bus eine dichte Menschentraube, der größte Teil ohne Masken, und ohne Abstand sowieso. Sie stoppten das Fahrzeug für kurze Zeit, besangen den Derbysieg – um es jugendfrei auszudrücken – und marschierten anschließend wieder ab. Spieler, Trainer und Betreuer*innen blieben im Bus. Ein Feiern in der Menschenmenge hätte vermutlich noch viel verheerendere Bilder produziert.

Viele bekommen zu Recht das kalte Kotzen

Bisher ist es rund um Fußballspiele weitgehend ruhig geblieben. Größere Fan-Aufläufe gab es, entgegen pessimistischer Einschätzungen aus Sicherheitskreisen, bisher nur vereinzelt. Und auch wenn die Bilder von Samstagabend viele Leute zu Recht zurückschrecken lassen – in vielen Straßenbahnen, Großraumbüros und Skigebieten fand (und findet) man während der Pandemie regelmäßig Situationen mit mindestens ebenso hohem Gefährdungspotenzial vor.

All das ist für die Ereignisse in Brackel aber keine Entschuldigung. Unterm Strich haben sich viele Fans schlicht unsolidarisch verhalten. Es gibt, nicht nur unter BVB-Fans, Personen mit Vorerkrankungen, Pfleger*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen und genug andere Menschen, die bei diesen Bildern zu Recht das kalte Kotzen bekommen haben. Und die eine gewisse Rücksichtnahme und Solidarität, die sie durch das Einhalten von Schutzmaßnahmen an den Tag legen, genauso von ihren Mitmenschen erwarten dürfen.

Nach nun über einem Jahr Pandemie ist das einfach frustrierend.

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