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BVB-Fans: So soll sich der BVB zur WM in Katar positionieren

17.04.2021, 12:00 Uhr von:  Seb Kevin
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Ein Fußball mit einer blutenden Überschrift "Quatar 2022"

Zum Start der WM-Qualifikation für die WM 2022 in Katar haben wir BVB-Fans gefragt, was sie sich vom BVB wünschen würden, wie der Verein sich dazu positionieren soll. Über Facebook, Twitter, per Mail und per anonymer Einsendung haben uns rund 200 sehr unterschiedliche Antworten erreicht: mal nur ein Wort, mal ein langer Text. Mal eine „Einzelstimme“, mal ein ganzer Fanclub, der seine Meinung einschickte. Was jedoch nahezu alle Antworten eint, ist eine ablehnende Haltung gegenüber der WM in Katar. Nur eine(!) Antwort fiel etwas anders aus, aber dazu am Ende mehr. Ansonsten kann man die Wünsche vorrangig in drei Kategorien gliedern.

Boykott

Das häufigste Wort in den Antworten ist „Boykott“. In verschiedenen Schattierungen wird vom BVB gewünscht, sich in Form eines Boykotts zur WM zu positionieren. Die Boykottwünsche reichen dabei von „komplett ignorieren“ bis hin zu „keine Spieler abstellen“. Viele Fans wünschen sich, dass der BVB beim DFB darauf hinwirkt, dass man nicht zur WM fährt, sofern sich die Deutsche Nationalmannschaft qualifiziert. Des Weiteren sollen Spieler aktiv gegenüber Medien und Verband unterstützt werden, sofern sie sich dazu entscheiden, nicht an der WM teilzunehmen. Dies beinhaltet auch etwaige Strafen oder sonstigen Auswirkungen. Als letzten Punkt, der unter Boykott zu fassen wäre, ist der Wunsch nach Aufruf zum Boykott: Der BVB soll aktiv Werbung dafür machen, den Wettbewerb zu boykottieren, sei es von Spieler- oder von Zuschauerseite.

Information und Protestaktionen

Der zweite große Punkt, den sich BVB-Fans von ihrem Verein wünschen, lässt sich unter „Information und Protestaktionen“ subsummieren. Zunächst einmal soll Borussia Dortmund seine Social-Media-Kanäle und auch das Mitgliedermagazin nutzen, um auf die Probleme bei dieser WM hinzuweisen. Aufklärungsarbeit in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen, Arbeitsbedingungen, Kritikpunkte an der Vergabe der WM – der BVB soll umfangreich informieren und Hintergründe liefern, warum Fußballfans einen Boykott in Betracht ziehen. Dazu soll auf diese Informationen durch Protestaktionen hingewiesen werden und auch sehr plastisch und plakativ zeigen, warum die WM in Katar problematisch ist. Ein Vorschlag dazu: Die Südtribüne mit 6.500 Kreuzen bestücken für die verstorbenen Arbeiter beim Bau der Stadien in Katar. Vor allem in Spielen gegen Vereine mit Verbindungen zu Katar (z.B. Manchester City, Paris St-Germain, aber auch Bayern München) sollten Protestaktionen stattfinden und zwar ehrlich, nicht als Marketingaktion wie beim DFB.

Geschäftspartner und Verbindungen

Im dritten „Wunsch-Cluster“ beziehen sich die Antworten auf den wirtschaftlichen Faktor beim BVB und zwar deutlich über die WM in Katar hinaus. Ausgehend von eben dieser äußern sich BVB-Fans, dass man sich insgesamt gesellschaftlich über das Monetäre positionieren solle. „Keine Trainingslager, Tourneen und Kooperation mit autokratisch regierten Ländern, die systematisch Menschenrechtsverletzungen begehen.“ – dieser Tweet fasst einen Großteil der Wünsche gut zusammen. Darüber hinaus soll der BVB aber auch bei der Auswahl seiner (Werbe)Partner gewisse Maßstäbe anlegen. In einer Antwort wird beispielsweise eine „Charta für Werbepartner und Werbeverträge“ gefordert, in der sich der BVB Spielregeln auferlegt, nach denen er Partner für die Zusammenarbeit auswählt und auch auf bereits vorhandene Partner einwirkt, Arbeitsbedingungen zu verbessern und gesellschaftliche Verantwortung zu leben. Diese Charta solle im besten Fall sogar eine Vorlage für DFL und DFB sein, um liga- / verbandsweit allgemeine Verantwortungsgrundsätze zu definieren, an die sich alle Vereine halten müssen.

Und dann sind da noch ...

… ein paar weitere Vorschläge und Rückmeldungen, die sich nicht so einfach kategorisieren lassen: Ein Vorschlag ist zum Beispiel, nicht nur den Boykott in den Vordergrund zu stellen, sondern vor allem auch die Opfer. Gewünscht ist, dass der BVB eine Spendenaktion zu Gunsten der Familien der Opfer initiiert und sich daran auch mit einem deutlichen Betrag beteiligt. Überhaupt wird gewünscht, dass Borussia Dortmund seine Netzwerke zu anderen Vereinen und Verbänden nutzt, um Gemeinschaftsaktionen anzustoßen. Eine Rückmeldung hebt sich dann aber doch von den anderen ab – und irgendwie auch nicht. Darin schreibt ein Fan, dass er sich keinerlei Positionierung des BVB wünscht, weil der BVB bereits Werbetouren durch China, Trainingslager in Dubai und auch fragwürdige Werbepartner mitgenommen hat, um Geld zu verdienen. Eine Positionierung wäre demnach nicht glaubwürdig und nur ein Feigenblatt.

Fazit

Den BVB-Fans ist nicht egal, wie Borussia Dortmund sich zur anstehenden WM in Katar positioniert. Sie stellen die Werte des Vereins heraus und wollen, dass der BVB sich dementsprechend verhält. Aus einigen Rückmeldungen liest man eine starke Enttäuschung, dass der BVB immer noch keinerlei Position kommuniziert hat. Aus den zahlreichen Wünschen und Antworten entsteht der Tenor „Wenn der BVB seine Werte glaubwürdig vertreten will, bleibt nicht viel Spielraum als sich gegen die WM zu positionieren“.

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