Spielbericht Profis

Schlecht

20.03.2021, 19:52 Uhr von:  Caroline
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Das Bild zeigt das Kölner Stadion in der Saison 2019/20 mit vollen Rängen.

Der Auftritt von Borussia Dortmund im Auswärtsspiel in Köln in einem Wort: Schlecht. Und das ist noch nett ausgedrückt. Der BVB stolpert über seine eigene Arroganz.

Dabei fing alles so gut an: Keine drei Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball bereits im gegnerischen Netz. Haaland – wer sonst? Für diesen Mann gehen einem ja die Superlative aus, in dieser Situation machte es ihm Verteidiger Meré hingegen grotesk einfach, der wenn überhaupt Geleitschutz bot. Ein perfekter Start für den BVB, die Weichen waren frühzeitig auf Sieg gestellt. Doch dann fangen die Konjunktive auch schon an:

Es hätte alles so schön werden können, hätte die Mannschaft weiter konzentriert nach vorne gespielt. Hätte sie sich nicht mit dem 0:1 im Hinterkopf auf der Führung ausgeruht. Hätte sie nicht mit ekelhafter Überheblichkeit den Gegner zunehmend ins Spiel kommen lassen. Hätte sie ihre auf dem Papier ohne jeden Zweifel vorhandene Überlegenheit auch auf dem Platz gezeigt. Hätte sie nach dem Führungstreffer konsequent nachgelegt, sich Chance kreiert, die mögliche Verunsicherung des 1. FC ausgenutzt, so hätte es schnell 0:2 oder gar 0:3 stehen können. Das wäre wiederum ein Spielstand gewesen, der es rechtfertigen würde, die ganze Nummer etwas ruhiger angehen zu lassen. Konjunktiv.

Die Realität sieht dann wesentlich beschissener aus: Die Wiederbelebung des Gegners erreichte ihren vorläufigen Höhepunkt mit einem hergeschenkten Handelfmeter, der den Ausgleichstreffer besiegelte. Aber sein wir mal ehrlich: So wie die Mannschaft von Edin Terzic in diesem Spiel auftrat, wäre das auch ohne Elfmeterpfiff nur eine Frage der Zeit gewesen.

Der BVB hat dieses Spiel nicht aus der Hand gegeben, weil Köln so gut war. Der BVB war nur einfach furchtbar schlecht und hat die Hausherren dementsprechend stark gemacht und vollkommen verdient letztlich zwei Gegentreffer kassiert. Hätte man dieses Spiel über 90 Minuten mit aller Konsequenz angenommen, Zweikämpfe vernünftig geführt und Pässe weniger nach Zufallsgenerator gespielt, wäre der Ballspielverein den Kölnern zweifellos überlegen gewesen. Konjunktiv.

Wen wundert da noch der zwischenzeitliche Führungstreffer für den FC? BVB-Anhänger wohl kaum, denn diese Geschichte ist so altbekannt, dass man das Grauen schon mit Anlauf hat kommen sehen – nur die Männer auf dem Rasen anscheinend nicht. Man wollte sie wachrütteln, links, rechts eine kleben, um sie aus ihrem Tiefschlaf zu wecken. Ich wünschte, es würde mich noch überraschen, aber es ist halt immer dasselbe. Und man fragt sich dann doch, ob die Spieler glauben, dass ihnen die Erfolge zwangsläufig in den Schoß fallen, weil sie nachweislich über ein riesen Talent verfügen? Auf internationalem Parkett kann man sich plötzlich reinhängen, aber gegen die jährlichen Abstiegskandidaten… ach da wird so ein bisschen Larifari schon reichen!

Und nein, dass einige Spieler (Reus, Sancho, Morey) ausgefallen sind, ist keine Rechtfertigung für diese Nicht-Leistung. Ich werde hier auch keine einzelnen Spieler und ihre Fehler hervorheben, denn die gesamte Mannschaftsleistung war schlichtweg unzureichend. Da zuckt es einem ja nicht mal im kleinen Finger, wenn dann kurz vor Schluss noch der Ausgleich fällt. Denn das ist einfach nicht genug. Es ist nicht genug, im Kampf um die nicht nur prestigeträchtige, sondern auch finanziell wichtige Champions League einen einzigen Punkt aus Köln mitzunehmen. Und das hat auch nichts mit einer Arroganz der verwöhnten schwarzgelben Fanseele zu tun. Nach der Entwicklung der letzten ~11 Jahre kann es nicht mehr der Anspruch von Borussia Dortmund sein, sich mit Mühe und Not ein Unentschieden bei einem Abstiegskandidaten zu ergurken. Würde man sein Spiel aufziehen und nur unglücklich Punkte liegen lassen: ok, kein Ding. Aber heute stand die Arroganz auf dem Platz – sie trug gelbe Trikots.

Shoutout noch an Ansgar Knauff, ohne den nicht mal dieser eine Punkt drin gewesen wäre. 19 Jahre jung, keine Bundesliga-Erfahrung, legt er mit einem bockstarken Lauf und einer zielgenauen Hereingabe noch den Ausgleichstreffer auf – weil seine Kollegen es nicht geschissen kriegen, in den 90 Minuten zuvor das Spiel zu ihren Gunsten zu entscheiden.

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