Spielbericht Profis

Por un puñado de dolares

10.03.2021, 01:22 Uhr von:  DocKay
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Blick auf die Anzeigetafel beim letzten Heimspiel gegen Sevilla, das mit 1:0 für die Spanier endete. Zuschauerzahl: 49.100
In der Gruppenphase der UEFA Europa League 2010/2011 gewannen die Spanier mit 1:0 beim BVB und sorgten für das Aus im Wettbewerb.

Auch wenn Andalusien nicht der Drehort dieses Italowesterns war, ging es im Rückspiel gegen den FC Sevilla um mehr als nur ein Weiterkommen und eine Handvoll Dollar.

Glaubt man Medienberichten, so war das Weiterkommen im Pokal gegen die Fohlen mindestens drei Millionen Euro wert. Am Ende könnten es sogar fast fünf Millionen werden. Die finanzielle Genesung unseres, durch die Pandemie schwer gebeutelten BVB könnte durch die Einnahmen aus der Champions League weiter fortschreiten. Erreicht man das Viertelfinale, bekommt man von der UEFA eine Prämie von 10,5 Millionen Euro. Aber auch diese Summe muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Wenn alle Quellen sprudeln, ist ein Ansteigen auf mindestens 15 Millionen Euro durchaus denkbar. Zum Vergleich, der Italowestern von Sergio Leone, spielte im Jahre 1964 mit einem Budget von 200.000 USD insgesamt 14.5 Millionen USD ein. Dabei war er im Vorfeld als Flop gehandelt worden. So war am 09. März im Westfalenstadion nicht die weltbekannte und erfolgreiche Filmmusik von Ennio Morricone zu hören, sondern das schwarzgelbe Profi-Orchester mit dem Dollar-Song „Du gehörst zu mir“ von Marianne Rosenberg. Hoffentlich ging ihm dabei nicht die Luft aus.

Insgesamt war es erst das vierte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften auf internationaler Ebene. In der Gruppenphase der UEFA Europa League 2010/2011 gewann der FC Sevilla im Westfalenstadion mit 1:0. Das Rückspiel endete 2:2 und bedeutete mit dem dritten Platz in der Gruppe das Aus im laufenden Wettbewerb. Zum ersten Mal traf man sich jetzt auf Augenhöhe im Hin- und Rückspiel-Modus. Das Hinspiel in Sevilla am 17.2. gewannen unsere Jungs mit 3:2. Zum Haare raufen (Friseure waren noch im Lockdown) war hier sicher der vermeidbare Anschlusstreffer von L. de Jong in der 84. Minute. Das machte die Ausgangsposition im Rückspiel nicht gerade einfacher. Bei einer frühen Führung der Andalusier könnte diese Begegnung zu einem Zitterspiel ausarten. Aber der FC Sevilla vergeigte zunächst einmal die Generalprobe in der spanischen Liga mit einer 1:2 Niederlage beim Vorletzten FC Elche. Der Verlust der drei Punkte bei den Bauern in München kam für die Anhänger des BVB da eher weniger überraschend.

Vor dem Spiel gab es Kritik an den Funktionären der Uefa Champions League. Für 15 Minuten entrollte SÜDTRIBÜNE DORTMUND das Banner "STOP UCL REFORMS!".


Es war Zeit, das Radio einzuschalten

Die ersten 45 Minuten

Edin Terzic veränderte die Startelf gegenüber dem Bayernspiel auf zwei Positionen. Morey und Bellingham ersetzten Zagadou und Meunier. Beide mussten in den ersten 30 Minuten ungewollt mit einer Beobachterrolle vorliebnehmen. Der FC Sevilla belagerte nach dem Anstoß direkt die Dortmunder Hälfte. Von Dortmunder Seite war man meilenweit vom Anblick der Nordtribüne entfernt. Am Radio bekam man immer mehr das Gefühl, dass es bald im Kasten der Borussen klingeln würde. Unsere Schwarzgelben liefen mehr dem Ball hinterher und hatten kaum Zeit, Luft zu holen. Eine Ecke jagte die andere und die Passmaschine Sevilla erhöhte zunehmend den Druck. Dennoch blieb es bei einer Großchance durch Ocampos (4´). Nach einer guten halben Stunde war aus Sicht der Borussen das 0:0 noch das Positivste. Wie aus heiterem Himmel fiel dann das 1:0 für den BVB (36´). Nach einer Balleroberung von Delaney folgte ein Pass von Schulz auf Dahoud, der Reus ins Spiel brachte und der Kapitän passte auf Erling Haaland. Dieser vollendete mit seinem linken Fuß und dem insgesamt vierten Ballkontakt im Spiel. Eine andere Chance war bis dahin vom BVB nicht zu sehen. Das Tor war Erlings neuntes Tor im laufenden Wettbewerb der Champions League. Ganz nebenbei feierte der Wikinger auf besondere Art und Weise sein Tor mit Marco Reus. Marco soll weitestgehend unverletzt geblieben sein. Er hatte Zeit, sich nach zwei Minuten Nachspielzeit in der Kabine zu erholen.

Die zweiten 45 Minuten

Es sei vorausgeschickt, dass der Anfang dieser Hälfte am Radio kaum zu ertragen war und auch die Radio-Kommentatoren ins Schlittern kamen. Aber der Reihe nach. Beide Mannschaften betraten den Rasen mit den gleichen Spielern. Musste man in der ersten Hälfte 35 Minuten bis zur ersten Chance mit Torerfolg warten, ergab sich diese ohne Torerfolg im zweiten Abschnitt durch Hazard bereits nach 35 Sekunden. Danach rückte der Schiedsrichter Güneyt Cakir in den Mittelpunkt und ließ verzweifelte Kommentatoren und einen Spielberichterstatter zurück. Leider war ich allein und konnte an dieser Diskussion nicht teilnehmen. Ich war optisch ausgegrenzt, aber das waren die Optiker auch. Alles spielte sich um die 55. Minute ab und keiner wusste Bescheid. Irgendwie hatte dies fast mit der Situation im vollbesetzten Westfalenstadion zu tun. Haaland hatte gerade sein 10. Tor im laufenden Wettbewerb gemacht. Es stand 2:0 für den BVB. Danach wurden die Minuten mal komprimiert bzw. verlängert. Selbst die verschiedensten Live-Ticker waren hoffnungslos überfordert, so dass ich es einfach dabei belasse. Es war die Zeit von Mr. VAR. Erling hatte wohl in der Vorbereitung seines zweiten Coups seinen Gegenspieler etwas auf Wikingerart geschubst. Ich strich die Zwei wieder (55´). Doch Moment, da war ja noch eine Spielszene ohne vorherige Unterbrechung (55´). Da hatte ein Spanier an Erling gezupft, ein Zupfhuhn also (55´). In bekannteren Kreisen ist das Zupfhuhn eigentlich die Frau vom Zapfhahn, oder so ähnlich, egal, das scheint es auch in Sevilla zu geben. Klingt interessant, ist es aber nicht. So gab es für alle überraschend einen Elfer, den Haaland dann mit Hilfe von Bono und dem Pfosten versemmelte (55´). Erneut, ob es wohl mit dem nahenden Osterfest in Zusammenhang stand, schritt Mr. VAR ein (55´) und verteilte ein weiteres Überraschungsei. Bono, der Keeper vom FC Sevilla, hatte wohl mit beiden Füßen keinen Linienkontakt, der Elfmeter wurde wiederholt (55´). Zweite Chance für Erling, die dieser dann mit dem zusätzlichen Gewinn einer gelben Karte auch nutzen konnte (55´). Bono und Haaland mochten sich für einige Sekunden nicht leiden. Erfreulicher Zwischenstand war jetzt ein fast sicheres 2:0 für unsere Borussen. Nach minutenlangen 55 Minuten freundete sich Güneyt Cakir dann mit einem zweiten Elfmeter an (68´). Fußball wird doch immer mehr zu einem körperlosen Spiel. Diese Meinung vertraten dann auch die beiden Kommentatoren. Plötzlich stand es nur noch 2:1 und das Zittern begann. Der Dauerdruck vom FC Sevilla nahm wieder zu, der Spielberichterstatter wurde zunehmend wahnsinniger. Radio kann einfach brutal sein. Insbesondere in der 5. Minute der Nachspielzeit. Tor für Sevilla! Erneut war es Y. En-nesyri. Dann war das Spiel aus. Noch einmal Mr. VAR wurde nicht erlaubt. Der große Kampf der Borussen führte schließlich ins Viertelfinale und hinterließ einen völlig fertigen Radio-Konsumenten. Insider sagen, sie hätten "Aki" schon beim Geld zählen auf der Tribüne gesehen.

Fazit des Abends

Es war geschafft, auch ohne SKY. In diesem Zusammenhang möchte ich mich recht herzlich bei den Kommentatoren vom WDR-Event-Livestream bedanken. Sie haben mir auf wundersame Weise das Netradio vom BVB erspart und damit auch die Kommentare von Nobby Dickel. Auch wenn ich das Spiel nicht wirklich sehen konnte, so war es doch eine Genugtuung, oft genauso wenig zu verstehen wie die Kollegen der visuellen Zunft. Ich hoffe, ihr könnt mit dem Spielbericht etwas anfangen. Am allerliebsten aber wäre ich heute im Stadion gewesen, ein phantastischer Fußballabend mit guten Freunden auf der "Süd" würde in Erinnerung bleiben. Vielleicht ein bisschen wie Malaga! Und am Ende hat es ja auch noch mit der Handvoll Dollar geklappt.

Das Radio ist jetzt ausgeschaltet

Unterstütze uns mit steady

Weitere Artikel