Spielbericht Profis

Der, der alles kann

20.09.2021, 09:00 Uhr von:  Tim K
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Haaland hält sich nach dem 4:2 an sein linkes Ohr und zeigt mit dem rechten Arm nach oben

Der BVB kann nach dem Sieg gegen Union Berlin auf einen gelungenen Saisonstart blicken. Dennoch bleibt bei 11 Gegentoren in 5 Spielen ein Beigeschmack. Einer sticht jedoch mal wieder heraus.

Nach dem geglückten Champions-League-Auftakt am Bosporus war am Sonntagnachmittag mit Union Berlin ebenfalls ein Europapokalteilnehmer im Westfalenstadion zu Gast. Im Gegensatz zur Borussia waren die Gäste aus der Hauptstadt bisher aber noch ungeschlagen, sodass sich eine nicht ganz einfache Partie für den BVB anbahnte, zumal das Spiel am vergangenen Mittwoch einige Körner gekostet haben dürfte. Apropos Mittwoch: Das Bündnis SÜDTRIBÜNE DORTMUND positionierte sich heute deutlich gegen das viel kritisierte, neue Cup-Trikot, welchem auch wir einen Artikel gewidmet haben. Zudem wurde heute erneut für volle Stadien demonstriert, wie wir sie schon in vielen Nachbarländern sehen.

Da der BVB in die Spur gefunden zu haben schien war es kaum verwunderlich, dass Marco Rose nur dort wechselte, wo er musste. Einzig der verletzte Brandt fehlte in der Dortmunder Startelf im Vergleich zum Spiel in Istanbul. Für ihn startete Axel Witsel.

1. Halbzeit

Die BVB-Spieler stehen zu einer Jubeltraube an der linken Eckfahne zusammen, nachdem Guerreiro das 1:0 geschossen hat.
Jubel nach dem wunderschönen Tor von Guerreiro

Anlaufzeit brauchte dieses Spiel kein bisschen. Noch während „Heja BVB“ von den Rängen zu hören war, tauchte Awoniyi nach einem Steilpass von Prömel vollkommen frei vor Kobel auf und netzte souverän ein. Die Fahne des Assistenten ging jedoch sofort hoch, der Berliner Stürmer wurde von der BVB-Defensive ins Abseits gestellt. Nach diesem kurzen Aufreger übernahm die Borussia allerdings vollkommen die Kontrolle, phasenweise hatte man über 70 Prozent Ballbesitz. Ertrag brachte bereits die 10. Spielminute, in welcher nach einem Doppelpass zwischen Dahoud und Guerreiro sich Letzterer einfach mal ein Herz nahm. Wumms! Ein geiles Tor mit seinem fantastischen linken Fuß. Norbert Dickel verlieh diesem Schuss zurecht den Titel „Traumtor“. Auch in der Folge blieb der BVB vollkommen dominant, ohne aber weitere Großchancen herauszuspielen. Diese lies bis zur 24. Minute auf sich warten. Dieses Warten hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. Meunier, welcher während seiner Quarantäne offenbar zum Flankengott mutierte, brachte den Ball butterweich auf den Kopf von Erling Haaland. Und wenn dieser zum Abschluss kommt, braucht man in aller Regel gar nicht mehr überlegen, was als nächstes passiert. Selbstverständlich stand es 2:0. In der Folge blieb der BVB dominant, ohne so richtig gefährlich zu werden. Somit ging es verdientermaßen mit einer 2:0-Führung in die Pause, weil Union offensiv fast nichts entgegenzusetzen hatte.

Jude Bellingham im BVB-Trikot ist früher am Ball als Gegenspieler Öztunali im Union-Trikot.
Bellingham im Zweikampf gegen Öztunali

2. Halbzeit

In Halbzeit 2 startete der BVB genauso furios wie in die erste. Reus tauchte bereits sechs Minuten nach Wiederanpfiff frei vor Luthe auf. Dieser legte in die Mitte, wo Friedrich freundlicherweise den Job von Erling Haaland erledigte, welcher in dieser Szene eigentlich ausnahmsweise mal zu spät dran war. Mit dem komfortablen Vorsprung sah alles nach einem recht entspannten Nachmittag aus…wenn Borussia Dortmund denn nicht Borussia Dortmund wäre. Nur drei Minuten später brachte der Videobeweis den Gästen einen Elfmeter, nachdem Sven Jablonski ein Foul von Axel Witsel im Strafraum übersah. Den fälligen Elfmeter verwandelte Max Kruse souverän zum Anschlusstreffer. In der Folge entwickelte sich ein recht offenes Spiel, bei dem die Fans allerdings zwischenzeitlich gar kein Faktor waren. Selbst auf der Südtribüne war es trotz des guten Spiels über weite Phasen sehr still. Dies änderte sich erst in der 81. Minute, dafür aber schlagartig: Auch in der Saison 21/22 hat der BVB ein erhebliches Problem im Verteidigen von Standards. So dürfte es auch keine Überraschung darstellen, dass Union genau so das Spiel wieder spannend machen konnte. Nach Gießelmanns Ecke stieg Voglsammer über Meunier hinweg und köpfte zum 3:2 ein. Das Spiel drohte nun vollends zu kippen, was auch die Zuschauer wieder auf den Plan rief. Spannend blieb es aber nur zwei Minuten, denn der BVB hat eine entscheidende Waffe: Erling Haaland. Und was der macht, kann man wohl ganz gut mit „unglaublich“ betiteln. Hummels schlug den Ball einfach mal lang, Haaland stand eigentlich schlechter zum Tor positioniert als Verteidiger Robin Knoche. Ihm doch egal. Da hebt er ihn einfach artistisch über Luthe hinweg zur Entscheidung ins Tor. Sein 68. Tor im 67. BVB-Spiel. Was kann dieser Typ eigentlich nicht? Die Partie war somit entschieden. Der BVB hatte sogar durch Reus‘ Pfostenschuss und Haalands erneut artistischem, aber diesmal weniger erfolgreichem Versuch gute Gelegenheiten, noch ein weiteres Tor zu erzielen.

Jubel um Doppelpacker Erling Haaland
Jubel um Doppelpacker Erling Haaland

Fazit

Somit steht nach 5 Spielen mit 12 Punkten ein gelungener Saisonstart, mit welchem der BVB sich auf Platz 3, einen Punkt hinter Spitzenreiter Bayern München, wiederfindet. Dennoch sollte auch festgehalten werden: Mit 11 Gegentoren hat der BVB die fünftschlechteste Abwehr der Liga. Selbst der Nachbar VfL Bochum, welcher an diesem Wochenende sieben(!) Gegentore in München bekam, hat nur zwei Tore mehr kassiert. Solange man mehr Tore schießt als der Gegner mag das gut gehen, aber nicht ohne Grund heißt es: „Offense wins games, defense wins Championships“.

Weiter geht es für die Borussia beim kriselnden Namensvetter aus Mönchengladbach am Samstag um 18:30. Auch dort sind wieder 25.000 Zuschauer zugelassen.

Statistik

BVB: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels (89. Pongracic), Guerreiro, Witsel, Bellingham, Dahoud (84. Hazard), Reus (89. Moukoko), Malen (73. Wolf), Haaland

Union: Luthe – Baumgartl (77. Endo), Knoche, Friedrich, Ryerson, Prömel, Khedira (71. Haraguchi), Gießelmann, Öztunali (55. Teuchert), Awoniyi (55. Behrens), Kruse (77. Voglsammer)

Tore: 1:0 Guerreiro (10.), 2:0 Haaland (24.), 3:0 Friedrich (52., ET), 3:1 Kruse (57., Elfm.), 3:2 Voglsammer (81.), 4:2 Haaland (83.)

Zu sehen ist die wegen der Corona-Beschränkungen nur teilweise gefüllte Südtribüne. Davor stehen auf dem Platz die Spieler und feiern mit den Fans den Sieg.
Jubel der Spieler mit der Welle nach Abpfiff vor der Südtribüne

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