Spielbericht Profis

At the end of the storm...

17.05.2021, 09:09 Uhr von:  Nadja
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Schwarzer, wolkenbehangener Himmel über dem Flutlichtmast in Wuppertal
Die dunklen Wolken zogen schnell vorüber

...there’s a golden sky. Eine Saison, die lange Zeit auf bestem Weg war, eine große Enttäuschung zu werden, endet nach dem Sturm mit einem goldenen Himmel voll Freude und Hoffnung.

Dass sie nicht nur ziemlich erfolgreich zu Ende geht, sondern auch noch sehr emotional, schien noch vor wenigen Wochen fast unmöglich.
Es war der 27. Spieltag, Anfang April, der BVB hatte gerade gegen Eintracht Frankfurt verloren und war 7 Punkte hinter der Eintracht auf Platz fünf. Die zwischenzeitlich immer wieder hochkommende Hoffnung, doch noch das Minimalziel Champions-League-Plätze zu erreichen, war endgültig zerschlagen, Fußball war nur noch emotionslos und trist.

Bereits einige Jahre zuvor, Ende des Jahres 2014, war eine Niederlage gegen Eintracht Frankfurt ein emotionaler Tiefpunkt gewesen. Damals befanden wir uns gar im Abstiegskampf, doch in der Woche nach dem Spiel kippte die Stimmung im Umfeld von Wut und Enttäuschung in Trotz und Hoffnung. Die Fans trugen die Mannschaft daraufhin mit lautstarker Unterstützung durch die schwere Zeit und am Ende schaffte man gemeinsam noch die Europa League.

Die Mannschaft von 2014 läuft nach dem Spiel mit gesenkten Köpfen auf den Gästeblock in Frankfurt zu
Hängende Köpfe nach der Auswärtsniederlage gegen Frankfurt 2014

Diesmal war es anders. Ohne Fans im Stadion, war die Stimmung in der Woche nach dem Spiel auch gekippt, aber diesmal wurde sie gleichgültig und hoffnungslos. Was sollte man auch machen? Die Saison war vorbei, die besten Spieler würde man wohl für das höchste Gebot verkaufen (müssen) und wir Fans hörten seit einem Jahr sowieso nur das Echo von taktischen Rufen und dem Ball, der laut knallend von Fuß zu Fuß gespielt wurde. Unterbrochen nur von den bestenfalls nervigen Sky-Kommentatoren - wenn man sich den Fußball überhaupt antat. Die Spieler waren diesmal komplett auf sich alleine gestellt und ein Aufbäumen war bei der Ansammlung von teilweise demotivierten Einzelspielern zu diesem Zeitpunkt für mich schlicht ausgeschlossen.

Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die Fans innerhalb des Vereins, die diesen Umschwung, der damals von außen angestoßen wurde, von innen entfesseln konnten. Ob das nun Edin Terzic, Otto Addo, Lukasz Piszczek oder Marcel Schmelzer, vielleicht auch Marco Reus, Felix Passlack oder selbst Jude Bellingham waren, es gab sie. Und sie blieben nicht wirkungslos.

Das Spiel gegen Mainz war nach einer beispiellosen Aufholjagd und dem Pokalsieg, die letzte große Bewährungsprobe für den neu entdeckten Charakter dieser Mannschaft, die innerhalb von kürzester Zeit aus einem Gebilde von Ego-Darstellern entstanden war. Und die erste Halbzeit hätte nicht besser laufen können.

Gegen zugegebenermaßen ziemlich verkatert wirkende Mainzer dominierte der BVB das Spiel und kombinierte sich in dieser neuen Leichtigkeit und Spielfreude durch die Abwehrreihen. Dass es den Gastgebern nicht schwindlig wurde, war nicht nur aufgrund des anzunehmenden Hangovers erstaunlich.

Grossaufnahme von Guerreiro gegen die Blauen, wie er zum Jubel abdreht
Guerreiro jubelte auch in Mainz

Ein wunderbarer Schuss von Guerreiro leitete das Spiel in die richtigen Bahnen und ein von Reus herrlich abgeschlossenes Gesamtkunstwerk beendete eine einseitige erste Halbzeit.

Alles war zum Pausentee eitel Sonnenschein - bis auf das Wetter. Ein Gewitter mit Platzregen sorgte für eine um über 15 Minuten verlängerte Pause - und danach war der BVB erst einmal etwas von der Rolle. Mainz war wohl im Regen kalt geworden und sie begannen plötzlich zu rennen, während sich bei den Borussen so langsam auch der schwere Kopf zu zeigen schien. Ob der vom Restalkohol oder einfach von der mentalen Hochleistung der letzten Wochen kam, bleibt Spekulation.

Nach einer Weile ohne Anschlusstreffer (Bürki hatte da auch einige Aktien drin), hatte man sich dann auf eine Art Waffenstillstand geeinigt, der doch etwas an zwei verkaterte WG-Bewohner erinnerte, die sich wortlos zu verstehen geben, laute Geräusche oder helles Licht zu vermeiden. Ausgerechnet Julian Brandt hatte dann aber doch noch was dagegen einzuwenden und vollendete eine weitere schöne Kombination zum endgültigen Schlusspunkt.

Doch dieses letzte entscheidende BVB-Spiel dieser Saison hätte selbstverständlich keinesfalls enden können, ohne ein für diese so typisches umstrittenes Handspiel zu unseren Lasten. Der Gewinner der Lotterie war diesmal Hazard, der seinen Arm in einer unnatürlichen Haltung über dem Kopf hatte, wo dummerweise der Ball darauf fiel. Letztendlich war das aber nur noch ein Nebensatz und höchstens schade für Bürki, der ein richtig gutes Spiel geliefert und dieses Gegentor sicher nicht verdient hatte.

Dann kamen die Emotionen, die Freude und die Hoffnung, dass die letzten Wochen vielleicht ein Vorbote sein könnten für eine neue Saison mit Emotionen in der Mannschaft, mit Fans auf den Rängen, mit Königsklasse im brodelnden Westfalenstadion, mit Fußball wie er sein sollte. Und für eine schwarz-gelbe Siegesfeier, die den Namen verdient.

Statistik

1. FSV Mainz 05: Dahmen – St. Juste, Hack, Niakhaté – da Costa (46. Fernandes), Barreiro, Brosinski – Latza (84. Kohr), Boetius (72. Stöger) – Onisiwo (72. Szalai)Glatzel (46. Quaison)

Borussia Dortmund: Bürki – Meunier (84. Reinier), Akanji, Hummels, Guerreiro (84. Schulz) – Dahoud – Bellingham (87. Delaney), Reus (94. Hazard) – Reyna (76. Brandt), Haaland, Sancho

Tore: 0:1 Guerreiro (23., Sancho), 0:2 Reus (42., Sancho), 0:3 Brandt (80., Haaland), 1:3 Quaison (90.+1, Handelfmeter)

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