Spielbericht Amateure

Campeones, Campeones!

06.06.2021, 17:41 Uhr von:  Larissa
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Campeones, Campeones!
Die gesamte Mannschaft hat sich fürs Jubelfoto versammelt

Im ungeheuer engen letzten Spiel der Regionalliga-Saison schießen Steffen Tigges und Ansgar Knauff den BVBII zum Sieg und machen somit zumindest sportlich alles klar. Nun ist der grüne Tisch am Zug.

Ausgangslage

Letzter Spieltag, drei Punkte Vorsprung und die um zwei Zähler bessere Tordifferenz – mit einem Punkt in Wuppertal wäre also eigentlich alles klar und der Sprung in die dritte Liga geschafft.

Dennoch war bereits vor Anpfiff klar, dass in keinem Fall zur Meisterehrung kommen würde. Für alle, die in den letzten Tagen unter einem Stein hausten oder einfach (nachvollziehbar) nicht mehr durchblicken, hier noch einmal die Zusammenfassung:

Rot-Weiss Essen und Bergisch-Gladbach erhoben Einspruch gegen die Wertung der Partien des BVBII in Rödinghausen, Straelen und gegen Bergisch-Gladbach. RWE nahm sich hierbei die Rödinghausen und Straelen vor, Bergisch-Gladbach beschränkte sich auf die eigene Partie.

Die Hintergründe: Ende April musste der halbe Kader der U23 aufgrund von Corona-Fällen innerhalb der Mannschaft in Quarantäne. In Kombination mit den ohnehin schon vorliegenden Verletzungen standen Enrico Maaßen so nicht mehr genügend Spieler zur Verfügung – wohl auch unter Berücksichtigung von Ansgar Knauff und Steffen Tigges, um die es sich bei dieser Geschichte hauptsächlich dreht.

Ansgar Knauff und Steffen Tigges posieren mit einem großen Bierkrug
Jede Menge Wirbel um die Einsätze von Ansgar Knauff und Steffen Tigges

Ein paar Tage später wurden diese Beiden nämlich auch aus dem Kader gestrichen, da sie in das Quarantäne-Hotel der Ersten beordert wurden. Nachdem der BVB am 33. Spieltag der Bundesliga die CL-Qualifikation klarmachen konnte, kehrten Tigges und Knauff nicht nur zu U23 sondern auch auf die Kaderliste – welche dem Verband vorliegen und von diesem genehmigt werden muss – zurück. Grundsätzlich ist ein aktualisieren mit Genehmigung des Verbandes bis zu 24 Stunden vor einer Partie möglich.

Irgendwo in diesem Wirrwarr wird nun ein Regelverstoß vermutet. Es bleibt Abzuwarten, wie der WDFV sich entscheidet. Aber aktuell ist man bei der U23 ziemlich optimistisch, dass der Einspruch keinen Erfolg haben wird – was nach Abpfiff auch einigermaßen deutlich zu merken war.

Kommen wir nun also endlich zum sportlichen Teil:

An der Personalsituation hatte sich im Vergleich zum Spiel gegen Bergisch-Gladbach eigentlich nichts verändert. Enrico Maaßen vollzog ausnahmsweise einmal keine Änderung und schickte dieselbe Startformation in den letzten Tanz der laufenden Saison: Im Tor Luca Unbehaun, welcher in dieser Spielzeit bereits so einige unfassbare Leistungen vollbracht hatte, davor die Dreierkette aus Weigelt, Dams und Finnsson. Bakir übernahm den rechten, Wanner den linken Flügel und im Zentrum tummelten sich Hober, Pfanne und Raschl. Tachie und Kapitän Tigges bildeten den bewährten Angriff. Ansgar Knauff musste sich und sein lädiertes Sprunggelenk zunächst auf der Bank parken – es war jedoch anzunehmen, dass er erneut den Edeljoker geben durfte.

Erste Halbzeit

Ein Wuppertaler versucht Marco Hober abzugrätschen
Marco hober gegen Kevin Pytlik

War was? Es ist wohl besser, wir einigen uns darauf, dass die ersten 45 Minuten nie stattgefunden haben. Die junge Mannschaft hatte in dieser Situation nämlich offensichtlich mit einigem Nervenflattern zu tun und zeigte sich gegenüber den Angriffen der stark aufspielenden Wuppertaler oft erschreckend wehrlos. Besonders über die rechte Seite unserer Borussia rollte der WSV ein ums andere Mal gefährlich auf unser Tor zu.

Am Ende war es fast schon Glück, dass man nur mit einem Gegentor in die Pause ging. Noch war alles möglich und die U23 hatte bereits einige Male bewiesen, dass sie mit Rückständen umzugehen wusste. Das war auch bitter nötig, denn die Konkurrenz aus Essen führte bereits früh mit 2:0 womit der Aufstieg Geschichte gewesen wäre.

Zweite Halbzeit

Maaßen reagierte bereits zur Pause: Bakir und Weigelt, die heute beide nicht ihren besten Tag erwischt hatten, durften unter die Dusche. Dafür betraten Thaqi und Makreckis den Rasen. Ob es nun an den Beiden, an Ennos zünftiger Halbzeitansprache oder am guten Kabinenkuchen lag: Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die Mannschaft wie ausgewechselt. Bereits nach wenigen Sekunden tauchte man – nicht zuletzt dank eines erneut brutal starken Cebo Makreckis – gefährlich vor dem Wuppertaler Tor auf und schon in Minute 47 klingelte es dank unseres Capitanos im Kasten von Patzler. Damit hatte man im Rennen um den Aufstieg wieder die Nase vorn!

Auch nach dem Treffer blieb der Fuß auf dem Gaspedal. Die Viertelstunde nach Wiederanpfiff war wohl die stärkste Phase des BVBII. Leider belohnte man sich (noch) nicht mit dem zweiten Treffer.

Anschließend wurde es auf dem Platz etwas ruhiger – die Amas behielten dieses Mal jedoch deutlich mehr Kontrolle über das Spiel.

Als Ausgleich für die ruhigere Phase auf dem Platz geriet dafür nun die Tribüne richtig in Fahrt. Wuppertal Asozial machte seinem Namen alle Ehre und sorgte mit launigen bis grenzwertigen Pöbeleien für Stimmung. Und ja, an dieser Stelle muss ich es einfach, ganz ernst und ohne Ironie, sagen: Es ist so, so unfassbar geil, wieder Fans in den Stadien zu haben. Die Pfeifkonzerte, Die Schieber-Rufe („Spielt der nicht in Augsburg?“) – wer hat es nicht vermisst? Auch Wuppertaler Sportdirektor Stephan Küsters wusste die Zuschauerrückkehr zu würdigen. In Minute 81. ließ er sich wegen Meckerns auf die Tribüne schicken – eine wirklich gelungene Hommage.

Steffen Tigges jubelt mit geballten Fäusten
Steffen Tigges erzielte den wichtigen Ausgleichstreffer nach Wiederanpfiff

Auf dem Platz ging es dann derweil auch wieder rund. In Minute 84 umkurvte Steffen Tigges den weit herausgerückten WSVler Schlussman, konnte den Ball aus spitzem Winkel jedoch nur an den Pfosten schlenzen. Auch Wuppertal ließ sich in dieser Phase nicht lumpen und warf noch einmal alle Mittel in den Ring. Die Schlussphase war alles andere als gut für die Nerven.

Doch zum Glück gibt es ja Ansgar Knauff: Der Jungspund war in Minute 71 für Richmond Tachie eingewechselt worden und avancierte nun zum Aufstiegshelden. Nach einer Wuppertaler Ecke konterte der BVBII, am Ende des Konters stand Knauff, und der schob den Ball ins Tor (89.). Kurz darauf wurde er begraben unter Mitspielern, Trainern und Staff.

Was in den letzten Minuten des Spiels passierte? Keine Ahnung. Ehrlich. War damit beschäftigt zu beten und vor Aufregung nicht zu sterben.

Nach vier Minuten Nachspielzeit war es dann aber überstanden: Der BVBII sicherte sich durch seine brutale Mentalität den Sieg und somit Platz eins in der Regionalliga-West. Und nun gab es auch für niemanden mehr ein Halten: Ob Trainer, Verletzte, Vereins(in)offizielle – alles tummelte und taumelte über den Rasen. Ganz offensichtlich hatte man nicht vor, sich vom ausstehenden Gerichtsurteil des WDFV bremsen zu lassen. Campeones, Campeones…

Statistik

BVB II: Unbehaun - Weigelt (46. Thaqi), Dams, Finnsson - Bakir (46. Makreckis), Hober (86. Krebs), Pfanne, Raschl, Wanner - Tigges, Tachie (72. Knauff)

Tore: 1:0 Hagemann (34.), 1:1 Tigges (47.), 1:2 Knauff (89.)

Fazit

Und damit verabschiedet sich nun auch die Amascrew in die Sommerpause. Was für eine Saison! Wir hören und sehen uns nächstes Jahr in Liga drei!

Trainer Enrico Maaßen wurde in Mitten seiner Spieler mit Bier geduscht
Die obligatorische Bierdusche für den Trainer

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