Im Gespräch mit...

...Franz Pfanne: "Ich glaube, dass wir eine außergewöhnliche U23 sind"

20.02.2021, 10:30 Uhr von:  Inken Larissa
Lesezeit: ca. 21 Minuten
Franz Pfanne im gelben Heimtrikot läuft jubelnd in Richtung der Kamera. Die rechte hand hat er aufs Herz gelegt, während die Linke nach hinten ausgestreckt ist.

Seit Anfang dieser Saison ist Franz Pfanne Teil der U23 und unser Abräumer im Mittelfeld. Vor ein paar Tagen sprachen wir mit ihm u.a über die Thematik der Zweitvertretungen, das Training unter Maaßen und seine Rolle in der Mannschaft.

schwatzgelb.de: Vergangenen Samstag hättet ihr gegen Rot-Weiss Essen gespielt. Das Spitzenduell wurde ja - wenn auch wenig überraschend - relativ kurzfristig abgesagt. Wie geht ihr bzw. wie gehst du mit so etwas um, gerade bei so einem wichtigen Spiel?

Franz Pfanne: Wir hatten uns in einer Videoanalyse auf Rot-Weiss Essen vorbereitet und unsere Abläufe schon auf dem Feld trainiert, wie wir mit und gegen den Ball spielen wollten. Dann kam plötzlich unser Videoanalyst nach draußen auf den Trainingsplatz und teilte uns mit, dass das Spiel ausfällt. Das war zwar schade, aber die Nachricht kam auch nicht ganz unerwartet für uns. Wir hatten den Platz in Essen ja gesehen und da dachte sich der ein oder andere schon, dass das Spiel nicht stattfinden kann. RWE ist es vielleicht auch nicht so ungelegen gekommen, nicht spielen zu müssen. Wie wir damit umgehen: Für uns war es blöd, weil wir wieder richtig gut in Form waren. Aber so hatten wir jetzt immerhin drei freie Tage, was jetzt auch nicht so schlecht war. Im Großen und Ganzen ist es aber doof, da wir jetzt wieder eine englische Woche mehr haben werden. Ich finde es cooler, wenn man Woche für Woche spielen kann, ohne die ständigen Spielabsagen und Verschiebungen. Es ist angenehmer, wenn man den Rhythmus beibehalten kann und davon mal abgesehen wäre es einfach geil gewesen, das Topspiel in der Liga bestreiten zu können. Äußerst ärgerlich einfach.

schwatzgelb.de: Als der SC Verl 2019 sein Spiel in ähnlicher Konstellation abgesagt hat, vernahm man aus der Essener Ecke gewissen Unmut. Bekommt die jetzige Absage von RWE dadurch ein gewisses Geschmäckle?

Franz Pfanne: Ich habe das damals auch ein bisschen verfolgt. Gerade, wie der Vorstand von Essen da ein bisschen gegen Verl geschossen hat. Man findet da vielleicht schon die ein oder andere Parallele. Aber der Platz in Essen sah ja wirklich katastrophal aus.

schwatzgelb.de: Generell werden zurzeit vor allem auf Social Media wieder Stimmen laut, die bei den Zweitvertretungen unfaire Vorteile wahrnehmen. Hast du dich damit schon mal befasst?

Franz Pfanne: Ja habe ich. Ich finde es generell witzig, dass gesagt wird, Zweitvertretungen hätten in der dritten Liga oder in der Regionalliga nichts zu suchen. Dann wird gesagt, dass man doch eine eigene Liga für Zweitmannschaften aufmachen soll. Ich verstehe das überhaupt nicht, und das nicht nur, weil ich bei einer Zweitvertretung spiele. Das habe ich auch schon vorher nicht verstanden. Gerade Dortmund hat ja auch bei der Zweitmannschaft einen sehr guten Support. Das ist eine große Bereicherung für die Regionalliga, wenn dann halt mal Zwei- oder Dreitausend Dortmund-Fans an der Seite stehen. Ich weiß nicht, ob das bei vielen Vereinen so ist, dass da tausend Zuschauer stehen, die auch richtig Stimmung machen.

Die BVB Spieler, im gelben Trikot, bilden eine große Jubeltraube in der roten Erde und umarmen sich alle gegenseitig
Ein Team

schwatzgelb.de: Wie groß ist der Vorteil für den BVB II durch die aktuell drei (Knauff, Raschl, Tigges) Profis in den eigenen Reihen?

Franz Pfanne: Das sind Spieler mit einer mega Qualität. Das sieht man ja auch auf dem Platz. Aber wenn sie dann nur selten bei uns trainieren, weil sie die Einheiten der Bundesligamannschaft mitmachen, heißt das auf der anderen Seite, dass sie unsere Abläufe überhaupt nicht kennen und nicht so wirklich in die Mannschaft integriert sind. Also nicht so wie ein Spieler, der jeden Tag mit uns zusammen trainiert und vier oder fünf Stunden mit der Mannschaft zusammen ist. Die Profis kommen am Freitag zum Abschlusstraining hinzu, spielen am Samstag und sind am Sonntag dann wieder bei den Profis.

schwatzgelb.de: Inwieweit habt ihr überhaupt Kontakt nach “oben”? Gibt es da auch mal einen kleinen Austausch oder läuft alles nebeneinander her?

Franz Pfanne: Das läuft tatsächlich eher nebeneinander her. Also zumindest auf der Spielerebene. Die Trainer haben natürlich regelmäßig Kontakt, da koordiniert werden muss, wann Spieler zu uns runterkommen oder wann Spieler von uns ins Training nach oben hochgezogen werden. Da ist also der Kontakt da. Aber was uns Spieler betrifft, gibt es den nicht. Wir tauschen uns nicht aus und gerade in Corona-Zeiten ist natürlich alles noch strikter getrennt.

schwatzgelb.de: Du warst zuvor in Rödinghausen, kannst also eigentlich den perfekten Vergleich ziehen. Wie sehr sind die “kleinen” Vereine gegenüber den Zweitvertretungen im Nachteil?

Franz Pfanne: Also infrastrukturell ist es schon sehr, sehr gut was man da vorfindet. Ich kann jetzt natürlich aber auch nur für den BVB II und nicht für andere Zweitvertretungen sprechen. Es ist alles sehr professionell hier. Von der Sauna angefangen über das Kältebecken, den Whirlpool, zwei Physios, die Tag und Nacht für uns da sind, und sehr viele Trainingsplätze. Ich muss aber auch sagen, dass Rödinghausen relativ gute Bedingungen hat. Das ist aber natürlich auch ein Regionalligist, der sich finanziell ein bisschen abhebt von anderen Vereinen. Dort war es auch schon sehr professionell aber natürlich nicht mit dem zu vergleichen, wie es hier ist. Ich weiß nicht, inwiefern sich daraus jetzt ein großer Vorteil ergibt.

Klar kann man sich perfekt auf Fußball konzentrieren, weil einem gefühlt alles andere abgenommen wird. Und man hat den riesigen Vorteil, dass man nicht auch noch nebenbei arbeiten gehen muss. Aber das muss man bei etwa 70% aller Regionalligisten vermutlich auch nicht. Und um nochmal auf die eigentliche Frage zurückzukommen: Ich habe da jetzt keine wirkliche Antwort darauf. Ich weiß nicht, inwieweit das ein Vorteil ist. Natürlich macht es Spaß, bei solchen Bedingungen zu trainieren und mit den Leuten abzuhängen. Aber letztendlich zählt ja das, was auf dem Platz passiert. Wie man gefördert wird und wie das Teamgefüge ist. Rot-Weiss Essen hat auch mega Bedingungen und nicht nur Borussia Dortmund. Und weil ich mich nicht immer nur auf Essen beziehen möchte, sagen wir einfach, dass die Top Fünf der Liga super Bedingungen haben. Die müssen alle nicht hungern und denen werden bestimmt auch die Trainingssachen gewaschen. Denen geht es auch nicht so schlecht.

schwatzgelb.de: Apropos Rödinghausen: Du kamst ja 2018 aus dem Osten der Republik nach NRW. Das war sicher ein großer Schritt. Was hat dich dazu bewogen?

Franz Pfanne: Enrico Maaßen war ja bekanntlich Trainer in Rödinghausen und ich wollte einfach nach dem Jahr in der Regionalliga Nord-Ost eine Veränderung. Ich habe damals ja noch nebenbei gearbeitet und wollte das nicht mehr. Ich wollte mich nur noch auf den Fußball konzentrieren. Und um diesen Schritt gehen zu können, musste ich aus dem Osten raus. Noch dazu hatte ich auch einfach keine Angebote aus dem Osten, die mich gereizt haben.
Dann war ich in Rödinghausen vor Ort und, wie vorhin schon gesagt, die Bedingungen dort sind wirklich gut. Gerade im Vergleich zu Bautzen. Das ist im Vergleich wie der Schritt von Rödinghausen nach Dortmund gewesen. In Rödinghausen hat dann einfach alles gepasst. Ich konnte mir meinen Traum erfüllen, nur noch Fußball zu spielen und davon auch leben zu können. Deshalb waren das zwar 450 Kilometer raus aus dem Schutz der Familie, aber es war der richtige Weg. Auch wenn er am Anfang nicht ganz leicht war.

Pfanne, im weißen Trikot, stellt den Körper rein gegen Sergio Gomez, im schwarz-elben Trikot, und schirmt so den Ball vor ihm ab.
2019 ging es im Trikot von Rödinghausen noch gegen den BVBII

schwatzgelb.de: Du hast in Rödinghausen zwei durchaus erfolgreiche Jahre verbracht. Doch obwohl man 2020 an der Spitze der Tabelle stand, verzichtete der Verein aufgrund der hohen Hürden des DFB auf den Aufstieg. Was macht so eine Entscheidung mit einem?

Franz Pfanne: Das war wirklich krass. Ich war richtig am Boden zerstört, vor allem an dem Tag, als wir das erfahren haben. In unserer Mannschaftsgruppe wurde geschrieben, dass wir um 14 Uhr ein Meeting mit dem Vorstand haben und mit dem Satz war uns allen eigentlich schon klar, dass die Lizenz erneut nicht eingereicht wird. Es hieß davor immer, wenn wir unsere Hausaufgaben erfüllen, was wir ja bekanntlich mit dem Meistertitel hatten, dann würden sie ihre auch erledigen. Wir hatten zwei Wochen zuvor das Spitzenspiel gegen Essen mit 2:0 gewonnen und dann bekamen wir später diese Nachricht. Das hat mich kurzzeitig richtig umgehauen, weil es mein Traum war, einmal aufzusteigen, in diesem Fall in die Dritte Liga, und dort dann auch zu spielen. Es war dann wirklich heftig, dass uns dieser Traum einfach weggenommen wurde. Aber was soll‘s - wir haben dann trotzdem als Mannschaft weiter performt und ich glaube, dass das die beste Antwort war, die wir hätten geben können. Gerade deshalb hoffe ich, dass die Geschichte in diesem Jahr vielleicht positiver ausgeht. Denn wenn ich und die Mannschaft jetzt drei so gute Jahre spielen und das immer noch nichts wird…das wäre schon bitter. Aber auch das würde mich nicht umhauen.

schwatzgelb.de: Hat diese Geschichte deinen Wechsel nach Dortmund begünstigt?

Franz Pfanne: Unter anderem ja. Ich wollte weiterhin mit Fußball mein Geld verdienen und mir ist es wichtig, dass ich das Vertrauen vom Trainer spüren kann. Ich habe einen super Draht zu Enrico. Das ist ja auch kein Geheimnis. Deshalb war auf jeden Fall auch der Trainer ein Grund, warum ich hier gelandet bin. Ich fand es auch sehr spannend, zu so einem großen Verein zu wechseln. Man bekommt nicht jedes Jahr die Chance, zu Borussia Dortmund zu wechseln. Deshalb musste ich da eigentlich auch gar nicht so lange überlegen. Hinzu kam, dass ich jetzt zwar nicht alt, aber im besten Fußballeralter bin, mit meine 26 Jahren. Ich finde es spannend, jüngeren Spielern bei ihrer Entwicklung zu helfen und als stabilisierender Faktor da zu sein. Das hat mir komplett gereizt. Und dann war ich halt auch hier in Dortmund und habe mir alles angeschaut, da bin ich dann ein bisschen ins Schwärmen gekommen. Mir war auch klar, dass wir hier Erfolg haben werden. Einfach weil ich Enno als Trainer schätze und wusste, was er mit der Mannschaft vorhat. Deshalb hoffe ich auch, um noch einmal auf die vorherige Frage einzugehen, dass wir dieses Jahr aufsteigen und ich mir meinen Traum erfüllen kann.


schwatzgelb.de: Was sind die größten Unterschiede zwischen Rödinghausen und Borussia Dortmund?

Franz Pfanne: Ich habe die Frage schon einmal so ungefähr bekommen. Da muss ich wirklich kurz nachdenken, weil ich die echt nicht so einfach finde. Wie schon angesprochen, sind die Bedingungen natürlich ein großer Unterschied. Bei Rödinghausen sind die Bedingungen gut, aber hier sind die halt auf Bundesliganiveau. Alleine schon, weil die Profis früher in dem Gebäude waren, in dem wir jetzt sind. Wir hatten keine Sauna bei uns in Rödinghausen und auch keinen Whirlpool. Es ist ein bisschen schade, dass wir das wegen Corona alles nicht nutzen dürfen. Weder den Whirlpool, noch die Sauna. Wir dürfen nur duschen. Aber das ist auch wieder ein anderes Thema. Infrastrukturell ist es schon ein riesiger Step von Rödinghausen nach Dortmund. Aber die zweite Mannschaft ist halt wirklich eine zweite Mannschaft. Bei Dortmund merkt man schon, dass das wichtigste die Profis sind, was ja auch vollkommen verständlich und auch richtig ist. Bei Rödinghausen warst du halt das Profiteam und zu dir wurden Spieler aus der U23 hochgezogen. Hier in Dortmund ist es komplett andersherum. Du trainierst am Montag mit 18 Spielern und weißt nicht, ob diese 18 Spieler am Wochenende dann wieder mit dabei sind. Das ist eine Ungewissheit, die bei einer zweiten Mannschaft mit dazu gehört. Das unterschätzen gerade Außenstehende öfters. Das ist also auf jeden Fall auch noch ein Unterschied. Dann ist Rödinghausen auch eher ein kleines Kaff und Dortmund ist eine große Stadt, in der man an gefühlt jedem Auto einen BVB-Sticker sieht. Da merkt man, in was für einem krassen Verein man spielt. In Rödinghausen gab es eine Küchenfirma neben dem Stadion und dann war das Dorf zu Ende. Da war logischerweise die Begeisterung nicht so groß.

Ich habe in Bielefeld gewohnt und da kannten die Leute Rödinghausen teilweise nicht mal. Total verrückt. Dann sagst du, dass du bei Rödinghausen spielst und dachtest, dass es ja schon ganz gut ist, so als erster in der Regionalliga und - nichts. Die Bekanntheit des Vereins ist einfach ein großer Unterschied. Was ich als Parallele sehe ist, dass beide Vereine den Anspruch haben, den bestmöglichen Erfolg zu haben. Auch wenn sich das jetzt ein bisschen mit der Lizenzabgabe von Rödinghausen widerspricht. Aber wir hatten trotzdem von Anfang an das Ziel, oben mitzuspielen und das haben wir dieses Jahr hier in Dortmund auch.

Pfanne, im elben Trikot, dribbelt mit dem Ball in Richtung Mittellinie in der roten Erde.
Franz Pfanne im Einsatz

schwatzgelb.de: Enrico Maaßen, schon in Rödinghausen dein Trainer, wollte dich unbedingt mit nach Dortmund nehmen. Warum bist du für ihn so ein besonderer Spieler?

Franz Pfanne: Das müsstet ihr ihn mal selber fragen (lacht). Enrico ist ein Trainer, der sich wirklich über alles Gedanken macht. Also wirklich über alles. Egal ob auf dem Platz oder daneben. Der ist so fußballverrückt, das ist echt krass. Sein Herzstück ist, dass wir sehr wenig Tore bekommen und die meisten in der Liga schießen. Dabei ist ihm wichtig, dass es einen Spieler in der Mannschaft gibt, der diese ganze Drecksarbeit macht. Für die Arbeit, für die vielleicht nicht jeder Spieler geboren wurde. Ich mache mich nicht größer als ich bin, aber ich bin halt so ein Spieler, der viel für die Mannschaft arbeitet. Ich haue mich in alle Zweikämpfe rein und gebe der Mannschaft dadurch eine gewisse Stabilität. Einfach weil sie weiß, dass ich noch hinten bin und sie sich auf mich verlassen können. Ich habe jetzt keine großen Ausreißer, wo ich mal wirklich krass oder mal richtig scheiße bin. Ich halte, zumindest meiner Ansicht nach, immer mein Niveau. Heißt, dass ich einfach eine verlässliche Person bin und das schätzt Enrico an mir. Wenn er mich zu irgendwelchen Dingen nach meiner Meinung fragt, dann bin ich auch ehrlich und rede ihm da nicht nach dem Mund. Das ist wichtig, weil man als Spieler Dinge auf dem Platz oder in der Kabine anders wahrnimmt als das Trainerteam von draußen. Ich glaube, dass ihm das wichtig ist, seine zwei, drei Spieler in der Mannschaft zu haben, auf die er sich zu 100% verlassen kann und die er zu gewissen Themen ansprechen kann.

schwatzgelb.de: Wer ist das außer dir noch?

Franz Pfanne:
Das liegt ja jetzt eigentlich auf der Hand. Dams und Tigges. Die Achse, von der jeder spricht (lacht). Ich glaube, dass ich einfach diese Stabilität gebe und diese Verlässlichkeit in Person bin. Nicht zu vergessen, dass ich immer ein positiver Mensch bin. Es soll ja Spieler geben, die schneller mal negativ werden. Und dann bin ich mit meiner positiven Art dafür da, dass ich alles am Leben erhalte. Achso, und Enrico sagt immer, dass ich mich nicht kleiner machen soll als ich bin und dass ich gut Fußball spielen kann. Er sagte, dass ich das immer dazu sagen soll, weil ich wohl das ein oder andere Mal schon so ähnlich geantwortet habe und dann sagt er mir danach immer, dass ich ja auch gut Fußball spielen kann und ich mich nicht verstecken muss. Dann mach ich das jetzt mal (lacht).

schwatzgelb.de: Haben sich Enricos Trainingsmethoden seit Rödinghausen verändert?

Franz Pfanne: Also gewisse Parallelen sind zu erkennen. Gerade beim Ablauf, also wie er die Trainingswoche gestaltet und wann Regenerationsphasen sind. Das ist eigentlich genau gleichgeblieben. Die Trainingsinhalte weisen natürlich auch Überschneidungen auf. Aber er hat sich zum Teil wirklich weiterentwickelt. Ich glaube aber auch, dass sich sein Spiel ein bisschen verändert hat. Es hat sich weiterentwickelt und das merkt man auch in den Übungen.

schwatzgelb.de: Hast du da vielleicht auch ein konkretes Beispiel?

Franz Pfanne: Für das Training oder für das Spiel?

Pfanne und Dams, beide im schwarz-elben Trikot laufen nebeneinander her und schlagen bei mit den Händen ein.
Die "Papas"

schwatzgelb.de: Dafür, wie sich eure Spielweise verändert hat.

Franz Pfanne:
Ich fange mal mit den Gemeinsamkeiten an. Wir stehen sehr kompakt und setzen den Gegner sehr früh unter Druck. Und dann bin ich jetzt schon bei den Unterschieden: Enno hat gemerkt, dass sich die meisten Mannschaften von dieser Intensität und Lautstärke verunsichern lassen und nicht so wirklich in ihr Spiel kommen. Das heißt, dass wir jetzt immer vorne draufgehen. Das ist ein Unterschied und ansonsten spielen wir auch ein ganz anderes System als in Rödinghausen. Da haben wir zwischen 4-2-3-1 und Fünferkette gewechselt. Und jetzt ist es so, dass wir unser Spiel durch Tausch einer Person sofort anpassen können. Das haben wir davor nicht gemacht. Ich glaube, das hängt einfach damit zusammen, dass man andere Spieler zur Verfügung hat. Das ist schon sehr interessant, vor allem wenn man letzte Saison eigentlich nur in einem System pro Spiel gespielt hat. Jetzt ist es sehr anspruchsvoll und deshalb war ich sehr überrascht, wie gut und schnell die Jungs das verinnerlicht haben. Wir hatten praktisch von Anfang an dieses Spiel drin. Ansonsten sind das so Kleinigkeiten: Wie sich die Sechser zueinander verhalten zum Beispiel, das passt Enno alles immer an. Das war bei Rödinghausen noch nicht ganz so der Fall, auch wenn er dort auch stark auf den Gegner eingegangen ist. Es sind so tausend kleine Dinge, die das ganze Spiel mega kompliziert machen aber auch mega effektiv und erfolgreich.

schwatzgelb.de: Der Spruch “Wir sind eine Familie” deines Teamkollegen Allaa Bakir ziert die Bande einer der Trainingsplätze in Brackel. Würdest du auch eure aktuelle Mannschaft als solche bezeichnen?

Franz Pfanne: Stimmt. Ich habe das Zitat vor kurzem an der Bande entdeckt und gestaunt, dass das da steht. Ich würde jetzt nicht bejahen, dass wir eine Familie sind, aber auch nicht verneinen. Es ist einfach sehr schwierig mit den ganzen Corona-Auflagen. Vorweg möchte ich schon mal sagen, dass ich heilfroh bin, weiterspielen zu können. Wir sind da natürlich sehr privilegiert und das wissen wir auch. Der BVB achtet wirklich darauf, dass jegliches Hygienekonzept eingehalten wird. Wir sind nicht mal in einer Kabine, sondern über sechs Kabinen verteilt, in welchen dann vier Leute sitzen. Deshalb ist es wirklich schwierig, ein perfektes Mannschaftsgefüge aufzubauen und praktisch eine Familie zu werden. Eigentlich ist man momentan nur auf dem Trainingsplatz zusammen. Sobald es dann in die Kabine geht, geht jeder wieder in sein Nest und muss zusehen, dass er schnell duscht und dann nach Hause geht. Auf dem Platz kann ich das absolut bestätigen, dass wir eine Familie sind. Das sieht man auch von außen, dass der eine für den anderen läuft und selbst der Stürmer mit nach hinten arbeitet. Jeder gönnt auch dem anderen etwas. Zum Beispiel Tore, Vorlagen oder einfach gewonnene Zweikämpfe. Ich glaube schon, dass wir auf dem Platz als Familie auftreten, aber wie gesagt, das Thema neben dem Platz ist wirklich schwierig. Da hoffe ich einfach, dass das ganze schnell vorbeigeht. Am Spieltag sind wir alle mal in einer Kabine und das fühlt sich sehr gut an. Es gibt einfach nichts besseres, als dieses quatschen mit der Mannschaft. Ich finde das einfach geil und so entwickelt sich ja auch ein gewisses Klima. So wird man ja eigentlich auch eine Familie. Auch wenn man mal einen Mannschaftsabend macht. Unter normalen Umständen hätte man jetzt wahrscheinlich den Superbowl zusammen geschaut. Diese Kleinigkeiten neben dem Platz fallen ja alle komplett weg. Deshalb muss ich sagen, dass ich auf dem Platz ja sagen würde. Neben dem Platz hingegen ist es coronabedingt sehr schwierig.

schwatzgelb.de: Wären du und Niklas Dams dann so etwas wie die Papas?

Franz Pfanne: Der Niki der ist ja nochmal ein bisschen älter als ich. Wir sind halt die Ältesten und deshalb würde ich jetzt mal „Ja“ sagen. Aber wir müssen jetzt auf niemanden aufpassen.

schwatzgelb.de: Ist es manchmal schwer, die vielen “Jungen, Wilden” auf dem Platz im Zaum zu halten?

Franz Pfanne: Es macht super viel Spaß. Und ich finde es krass, wie viel Selbstbewusstsein so junge Spieler schon haben. Es gibt aber sicherlich Situationen, in denen man den ein oder anderen ein bisschen runterholen muss. Aber das ist ja völlig legitim. Dafür gibt es ja die Regelung, dass drei ältere Spieler in einer U23 gleichzeitig auf dem Platz stehen dürfen. In dem Fall sind es halt Niki, Hobi und ich. Man muss nicht viel auf die Jungs einwirken, da die alle recht klar im Kopf sind. Aber es gibt immer wieder Momente, da muss man den ein oder anderen daran erinnern, dass man Spaß am Fußball haben sollte und dass das Team das Wichtigste ist.

schwatzgelb.de: Obwohl du erst im Sommer gekommen bist, durftest du schon die Kapitänsbinde tragen. Was macht für dich einen guten Führungsspieler aus?

Franz Pfanne: Eine gute Frage. Ich hatte ja leider, wie ich sagen muss, die Ehre, die Kapitänsbinde zu tragen, weil ja Tiggi in dem Fall nicht auf dem Platz stand. Ich würde natürlich lieber die Binde abgeben, wenn wir dafür Tiggi dabeihätten. Aber er hat sich das absolut verdient. Zu deiner Frage: Ein guter Führungsspieler sollte auf jeden Fall mit guter Leistung vorangehen, weil es immer schwierig ist, solche Dinge anzusprechen, wenn man selbst Schrott zusammenspielt. Als Führungsspieler sollte man einfach erkennen, wo es vielleicht Brennpunkte gibt, die gelöscht werden müssen und ein Gespür für gewisse Situationen entwickeln. Man sollte selbst eher bescheiden auftreten, um das auch vorzuleben. Ja - man sollte einfach ein Vorbild sein für andere in der Mannschaft, auch damit die, wenn es mal nicht so läuft, wissen „Schau mal, Spieler xy, der unser Kapitän, Vizekapitän oder dritter Kapitän ist, der gibt trotzdem im Training Gas, der haut sich trotzdem rein.“ Einen positiven Faktor sollte man darstellen.

Franz Pfanne, im gelben Trikot, grätscht zum Ball hin. Ein Kölner Spieler im weißen Trikot grätscht ebenfalls zum Ball, sodass sich beide Füße am Ball treffen.
Immer volle Attacke, wie hier gegen Kölns U21

schwatzgelb.de: Dein Spiel ist von einer gewissen körperlichen Härte gekennzeichnet. Hast du die meisten blauen Flecken in der Kabine?

Franz Pfanne: (lacht) Ich glaube Alaa [Bakir], der wird echt oft getreten im Spiel, der hat vielleicht noch mehr. Denn wenn ich in einen Zweikampf gehe, tut mir das meistens gar nicht so weh. Aber Alaa, der wird halt immer unfreiwillig getreten. Allgemein die Offensivspieler, auch Ansgar [Knauff] zum Beispiel, die werden teilweise wirklich fies getreten. Deswegen verliere ich das Duell bei den blauen Flecken wahrscheinlich.


schwatzgelb.de: Dass du Zweikämpfe kannst, wissen wir. Aber wo siehst du aktuell noch fußballerische Defizite, die du verbessern möchtest?

Franz Pfanne: Wenn wir unter größerem Druck stehen, beziehungsweise wenn ich mich in engen Räumen befinde, da habe ich sicherlich noch Handlungsbedarf. Dieses Vororientieren, wo ich als nächstes hinspiele, wie viel Platz ich habe, wann ich mich aufdrehen kann, wann ich mich in einen Gegner reindrehen würde - ja, einfach das Erkennen von Räumen, ich glaube da habe ich noch ziemlichen Nachholbedarf. Aber wenn ich das alles beherrschen würde, würde ich vielleicht gar nicht hier spielen.Und ich muss meinen Torabschluss verbessern. Ich kann echt nicht schießen.

schwatzgelb.de: Was sind deine spielerischen Vorbilder?

Franz Pfanne: Früher war es auf jeden Fall Bastian Schweinsteiger, als er dann im Zentrum gespielt hat. Der hat das auch immer so vorgelebt… Mir geht immer das Bild aus dem WM-Finale nicht aus dem Kopf, als er mit einem blutigen Auge und was weiß ich was noch alles über 120 Minuten alles gegeben hat. Der hat mich einfach fasziniert mit seiner Einstellung und ich fand auch, dass er neben dem Platz einen relativ bodenständigen Typen abgegeben hat. Fand ich sehr cool und war mein absolutes Vorbild. Aktuell habe ich aktuell aber keinen, bei dem ich das sagen würde.

schwatzgelb.de: Nach jedem Sieg wird mit Maloney als Vorsänger ausgelassen gefeiert. Habt ihr auch vor den Spielen bestimmte Rituale zur Motivation?

Franz Pfanne: Ja, das haben wir. Der ganze Ablauf am Spieltag ist immer sehr identisch - es sei denn, wir verlieren, dann ändern wir eine Kleinigkeit. Wir gehen immer zur selben Uhrzeit nach draußen, wenn wir um 14 Uhr spielen, um 13:19 Uhr. Wenn wir mal nicht gewinnen sollten ist es dann 13:18 Uhr oder 13:20 Uhr. Das ist auf jeden Fall ein Ritual. Wir haben immer um die gleiche Uhrzeit - 13:05 Uhr - Besprechung. Und als Motivation hält Sebastian Block, unser zweiter Co-Trainer, vor jedem Spiel eine Motivationsrede. Das pusht einen krass. Das macht er vor jedem Spiel, auch jedes Mal etwas anders.

schwatzgelb.de: Wie würdest du eure Hinrunde zusammenfassen? Wo siehst du noch Verbesserungspotential? Also nicht nur bei dir, sondern auch insgesamt in der Teamleistung?

Franz Pfanne: Insgesamt sehr gut auf jeden Fall. Verbesserungspotential sehe ich bei Standards. Ich weiß nicht, wie viele Gegentore wir bekommen haben, aber davon locker die Hälfte nach Standards. Sei es nach Einwürfen oder Ecken. Da müssen wir uns auf jeden Fall verbessern. Wir arbeiten auch wirklich viel daran und meiner Ansicht nach ist es auch zum Ende der Hinrunde schon besser geworden. Außerdem haben wir zwar die meisten Tore geschossen, fast drei pro Spiel. Wir brauchen aber relativ viele Chancen für ein Tor. Positiv ist dann wiederum, dass wir uns so viele Chancen erspielen, aber man hat nicht in jedem Spiel fünf, sechs riesen Torchancen, deshalb sollte man sich da in jeder Situation vollkommen konzentrieren. Daran müssen wir noch ein bisschen arbeiten und ich hoffe, dass wir das in den Griff kriegen. Aber ich muss sagen, dass das in den ersten vier Spielen seit der Pause meiner Ansicht nach schon recht positiv war. Da haben wir nicht mehr so viele Chancen für einen Treffer gebraucht.

Ein kleiner Wermutstropfen der Hinrunde ist aber trotzdem, dass wir gegen meinen alten Verein verloren haben - und auch nur gegen den alten Verein. Und man muss sagen, dass wir, wenn man das Ganze nüchtern betrachtet, gegen Bonn und in Homberg jeweils zwei Punkte liegen gelassen haben, die uns jetzt vielleicht fehlen. Was auch noch schmerzt ist der Gegentreffer gegen Essen in der 93. Minute, auch wenn das Unentschieden über die ganze Zeit betrachtet in Ordnung ist. Trotzdem, ab dem Tor war Essen eigentlich komplett tot und deshalb tut es so weh, dass die da noch irgendwie ein Tor geschossen haben. Aber dennoch - wir sind eine Mannschaft mit einem neuen Trainer und sehr vielen neuen Spielern und wir hatten fast einen Punkteschnitt von 2,5. Das ist dann schon nicht so schlecht.

schwatzgelb.de: Es waren ja viele englische Wochen bis jetzt dabei. Wie sehr zehrt das an den Kräften? Was machst du um trotzdem fit und motiviert zu bleiben?

Franz Pfanne: Das zehrt brutal an den Kräften, weil wir das einfach nicht gewohnt sind. Vor allem sind wir nicht so viele englische Wochen am Stück gewohnt. Für Profimannschaften ist das natürlich normaler, die spielen ja oft mit Dreifachbelastung. Liga, Champions League und DFB-Pokal. Bei uns ist es aber für alle erstmalig so, vor allem dann noch mit so vielen Spieltagen. 20 Spiele in der Hinrunde ist ja für Regionalliga-Verhältnisse sehr viel. Normalerweise sind es ja nur 17 oder 18 Spieltage und dann hat auch noch die Saison später angefangen. Dazu kommen coronabedingt noch viele Ausfälle. Zusammengefasst heißt das, dass es einfach mega viele englische Wochen waren. Und wenn man es nicht kennt, sich jede Woche darauf mental einzustellen, mittwochs zu spielen und dann am Wochenende nochmal, dann bist du irgendwann fertig. In deinem Kopf hast du dann einfach keinen Bock mehr. Du bist dann irgendwann froh, wenn du diesen Fußball, diesen Schiedsrichter oder diese Taktik einfach nicht mehr sehen musst. Ich denke auch, dass man uns genau das ein Stück weit angemerkt hat zum Schluss. Ich will damit nicht sagen, dass wir die Gegner ohne die englischen Wochen alle besiegt hätten, aber man hat uns angemerkt, dass wir körperlich und mental nicht mehr ganz auf der Höhe waren. Deswegen haben wir in den letzten vier Spielen im alten Jahr den ein oder anderen Punkt liegen gelassen. Das ist aber völlig menschlich. Es sind alles auch sehr junge Spieler und es war echt ein Brett.
Ich war einfach so froh, als der Schiri das Düsseldorf-Spiel abgepfiffen hat und ich erstmal den ganzen Haufen zwei Wochen lang nicht sehen musste (lacht).

Wie hält man sich fit? Ich glaube es geht nicht ums fit halten sondern ums Regenerieren. Den Fitnesslevel verlierst du auch nicht einfach so durch die Spiele. Du wirst halt einfach kaputt. Wir haben unsere Physios, die einen dann massieren und man hat einen Tag frei nach dem Spiel - wenn das Spiel positiv verlaufen ist. Und dann heißt es halt einfach wieder mental irgendwie darauf vorbereitet zu sein, dass es drei Tage später wieder gegen einen neuen Gegner geht. Das war nicht so leicht und es hätte besser laufen können.

schwatzgelb.de: Noch ist ja alles drin.

Franz Pfanne:
Ja, auf jeden Fall. Wir haben ja auch gegen keine schlechten Mannschaften zum Schluss gespielt. Das muss man auch sagen. Aber ich glaube wir wissen alle, dass wir nicht bei 100% waren.

schwatzgelb.de: Was geht mit dieser Truppe in der Rückrunde?

Franz Pfanne: Einiges. Ich glaube, dass wir eine außergewöhnliche U23 sind. Das hört man ja überall und unser Trainer sagt das auch zu uns. Wir haben brutal viel Qualität. Nicht nur unsere Stammspieler, sondern auch unsere Einwechselspieler. Wenn man da schaut, wann die Tore fallen und wer sie schießt. Zum Beispiel beim Spiel gegen Gladbach II. Da schießen die Einwechsler fünf von fünf Toren. Wir haben einfach eine sehr gute Breite im Kader. Hinzu kommt die gute Stimmung. Ich meine klar hat man immer eine gute Stimmung, wenn es vermeintlich gut läuft, aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass die Stimmung bei den Punkteverlusten stark bergab ging. Diese Faktoren Stimmung, Breite und Qualität können zu einer sehr erfolgreichen Saison führen. Wir sind jetzt auch wieder gut gestartet, sodass wir direkt wieder in diesem Flow sind. Auch wenn der uns jetzt wieder ein wenig genommen wurde.


Vielen Dank für das Interview!

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