Warmlaufen

Losglück im Unglück

14.09.2020, 09:09 Uhr von:  Michael
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Losglück im Unglück

An und für sich verbietet es sich, in der ersten Pokalrunde von Losglück zu sprechen. Jeder Gegner spielt, von einigen versprengten Zweitligisten abgesehen, mindestens zwei Ligen tiefer und fällt in die Kategorie Pflichtsieg. Erste Pokalrunden sind dementsprechend für Fans nicht immer vergnügungssteuerpflichtig. Häufig geht es (nach hektischem Googlen, wo Rielasingen-Arlen überhaupt liegt) irgendwo aufs Land, man schaut den vorbereitungsmüden Profis zu, wie sie sich zwischen „halbwegs souverän“ und „knapp an der Blamage vorbei“ gegen eine tapfer kämpfende Oberligamannschaft durchsetzen und freut sich auf das kommende Wochenende, wenn sich endlich Pflichtspielatmosphäre breitmacht. Wenigstens ist das Wetter meistens gut.

Und doch gibt es Ausreißer aus diesem Modus. Der Pokalauftakt im Vorjahr gegen Kevin Großkreutz mit erfreulich kurzer Anreise gehört hier dazu und natürlich auch das Erstrundenduell bei Rot-Weiss Essen 2008.

In diesem Jahr war dem BVB das Losglück mal wieder hold. Ein Auswärtsspiel bei den Zebras in Duisburg. Sportlich zumindest kein komplettes Fallobst, ein großes Stadion mit entsprechender Kartenverfügbarkeit und eine kurze Anreise. Und dazu ein durchaus nicht unsympathischer Gegner, für den ein ausverkauftes Haus ein finanzieller Segen aufs insolvenzgefährdete Konto gewesen wäre.

Gästeblock in der MSV-Arena mit BVB-Fans beim Spiel der Amateure beim MSV 2013
So war der Plan

Ein Spielverderber namens Corona

Es hätte alles so schön sein können. Doch auch weiterhin macht ein Virus namens Corona dicke Striche durch sämtliche Rechnungen. Und so wird das Pokalspiel vor 300 Zuschauern ausgetragen, die sich übrigens aus Sponsoren des DFB zusammensetzen… (Korrektur: 100 der 300 Tickets wurden unter den Fans des MSV verlost.)

Dass uns das Virus auch weiterhin mit all seinen schlimmen (Fußball ohne Fans), aber auch seinen schlimmen (Demos von Leuten mit viel Pech beim Querdenken) Auswirkungen beschäftigt, war leider frühzeitig abzusehen.

Die DFL hat im Mai mit der Fortsetzung der Liga hoch gepokert und gewonnen. Vor dieser Saison pokerte sie noch höher und hatte auf eine Zuschauerrückkehr in ganz Deutschland zum Bundesligastart gehofft. Diesem Ansinnen schob die Politik jedoch zügig einen Riegel vor. Nichtsdestotrotz waren in der ersten Pokalrunde durchaus Zuschauer in einzelnen Stadien zu sehen. In Rostock durften 7500 Zuschauer ins Stadion, in Dresden wird es heute Abend sogar fünfstellig werden.

Auch wenn das alles weit weg vom normalen Stadionbesuch ist, geht es aber ein kleines Stück zurück zur Normalität. Und wer weiß, vielleicht sind am 13.05. 2021 in Berlin ja Zuschauer zugelassen.

Szene aus dem Bundesligaspiel BVB-MSV von 2007, Nelson Valdez wird mit Ball von 3 Duisburgern bedrängt.
Nelson Valdez, von Zebras gejagt

Das Sportliche

Die Vorbereitung des BVB war durchwachsen. Zu den besseren Spielen gehört unter anderem ein 5:1 gegen den MSV im Rahmen einer Kurzturniers. Dass Vorbereitungsspiele allerdings nicht zu den besten Indikatoren gehören, zeigte sich 2007. War nach einem überzeugenden 4:0 in der Vorbereitung gegen AS Rom die Meisterschaft nur noch Formsache, ging das erste Bundesligaspiel der Saison direkt in die Hose…1:3 gegen den heutigen Gegner. Damals übrigens mit Ailton im Kader.

Die Kernfrage bleibt, ob es der BVB in dieser Saison endlich schafft, die Defensive endlich zu stabilisieren. 41 Ligagegentore sind einfach zu viel um ganz oben anzugreifen. Ob das mit Dreier- oder Viererkette funktioniert ist dabei zweitrangig.

Personell sieht es für Lucien Favre gut aus. Morey, Schulz, Zagadou und Schmelzer werden definitiv ausfallen, alle anderen sind dabei. Marco Reus könnte zum ersten Mal seit Februar wieder auf dem Platz stehen. Auch Thomas Meunier wird wohl sein Pflichtspieldebüt in Schwarzgelb feiern. Reinier wird wohl auf der Bank Platz nehmen.

Bei den Zebras ist Kapitän Stoppelkamp aufgrund eines Infekts fraglich. Ansonsten ist davon auszugehen, dass Thorsten Lieberknecht erstmal Beton anrühren wird.

Für diejenigen, die nicht zu den Sponsoren des DFB gehören und dementsprechend keine Karte bekommen haben, überträgt das ARD die Partie im Free-TV. Anstoß ist um 20.45 Uhr.

Für den BVB geht es darum, mit einem möglichst souveränen Sieg in die Burg-Wochen zu starten. Nach Duisburg warten dann mit Gladburg, Augsburg und Freiburg größere Burgen zu erobern.

Fanchoreographie aus der Saison 2010/11 in Nürnberg mit dem Schriftzug "Tag für Tag, Jahr für Jahr - Alles für Borussia"

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