Warmlaufen

Einmal Stadio Olimpico - nicht in diesem Jahr

20.10.2020, 09:35 Uhr von:  Nicolai
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Blick auf den Gästeblock im Oberrang des Stadio San Paolo. Vorne hängen schwarzgelbe Zaunfahnen und die BVB Fans haben einige farbenfrohe gelbe und rote Bengalos gezündet. Darüber verhindert der Rauch einen Blick auf die Fans.
Der BVB Gästeblock im Stadio San Paolo

Fußball interessiert im Moment nicht mehr richtig - Lazio Rom gegen Borussia Dortmund im Olimpico wäre mit Fans aber schon toll gewesen.

Seit dem Shutdown und der unwürdigen Rückkehr ist bei mir die Emotionalität hinsichtlich Fußball auf ein unglaublich niedriges Maß gesunken. Die Saison 19/20 plätscherte aus, die Champions League habe ich quasi gar nicht mehr wahrgenommen und auch der Beginn der aktuellen Saison ist fast schon eine Randnotiz.

Insofern war auch die Auslosung zur Champions League für mich eher eine Überraschung. Hat man früher sich noch die möglichen Lose nach Reiseziel und sportlichen Wert genau angeschaut und teilweise wie wahnwitzig nach der Terminierung die Reiserouten gebucht, habe ich dieses Jahr die Auslosung irgendwann Abends nach der Arbeit zu Kenntnis genommen.

Von der Osttribüne geht der Blick auf die bestuhlte Südtribüne. Die zugelassenen Fans sitzen entsprechend der Regeln sehr auseinander. Dadurch sind viele graue Sitze zu sehen, die durch schwarzgelbe Flecken der BVB Fans unterbrochen sind.
Blick auf die Südtribüne beim Spiel gegen Borussia Mönchengladbach

Doch ausgerechnet diese Partie gegen Lazio Rom zeigte mir dann, dass der Fußball, zumindest für mich, doch noch nicht ganz verloren ist. Denn das ausgerechnet dieses Spiel auf dem Sofa verbracht werden muss, nervt dann doch extrem. Es gibt für jeden Fußballfan diese legendären Mannschaften, Stadien, Spieler – die er oder sie einmal live haben möchte. Im besten Falle kann man dies mit seinem Team erleben. Für jeden und jede ist das natürlich hoch individuell. Manchmal hat man auch viele solche Wünsche. Für mich ist es immer ein Traum mit Borussia Dortmund im Stadio Olimpico zu stehen. Das 1927 erbaute Stadion, Heimat von Lazio Rom und A.S. Roma, in der ewigen Stadt gelegen – im besten Falle passables Wetter und ein gutes Spiel. Das sind diese besonderen Momente. Die Fahrten und Erlebnisse die können jahrelange im Gedächtnis bleiben.

Von links nach rechts: Es stehen Marco Reus, Lucien Favre und Julian Brandt an der Auslinie. Reus und Brandt warten auf eine Spielunterbrechung um eingewechselt zu werden. Reus kratzt sich dabei am Kopf und Brandt hat die Hände an der Hüfte.
Marco Reus und Julian Brandt bei der Einwechselung gegen Mönchengladbach

Doch es soll nicht sein. Anstatt den Tag in Rom zu verbringen, wird es ein ganz normaler Arbeitstag werden und man ist auf das PayTV angewiesen. Ähnliches gilt auch für den Großteil der römischen Fans – es wird also ein trauriger Anblick im Stadio Olimpico werden. Das ist wirklich schade und der Hintergrund ist vor allem die Geldsucht einer Branche, die drauf ist, wie die härtesten Junkies. Es muss immer wieder den neusten Schuss geben. Die Champions League ist dabei der reinste Stoff.

Sportlich hängen beide Vereine noch ihren Ansprüchen hinterher. Der BVB konnte sich nach dem peinlichen Auftritt in Augsburg wieder stabilisieren und holte sogar drei Punkte aus dem gelobten Land, in dem unter Sonnenkönig Dietmar Milch und Honig fließen. Dabei zeigte sich vor allem die Abwehr wieder etwas gefestigter. Dafür war der Offensivdrang überschaubar und es hätte auch gut ein Unentschieden geben können.

Lazio Rom startete mit einem Auftaktsieg gegen Cagliari Calcio – danach folgten aber, bis auf ein Remis gegen Inter Mailand, nur Niederlagen. Mit Ciro Immobilie kommt es zum wiedersehen mit einem alten Bekannten. Bei seiner damaligen Verpflichtung hofften wohl nicht wenige, man hätte ein abgezocktes Arschloch wie Luca Toni verpflichtet. Doch im Westfalenstadion funktionierte der Italiener einfach nicht. Erst bei Lazio Rom kam der Stürmer ins Rollen. 23, 37, 16 und 38 Tore wettbewerbsübergreifend sind schon sehr ordentlich Zahlen für einen Stürmer. Diese Saison hat er aber bis jetzt nur einmal getroffen und hat sich zuletzt eine rote Karte abgeholt. Persönlich hätte ich Immobilie allerdings gerne mal wieder live gesehen.

Ciro Immobile führt am rechten Fuß den Ball. Er ist in sportlicher Bewegung und hat ein schwarzgelbes Trikot an. Man sieht das es leicht nieselt und die Beleuchtung kommt vom Flutlicht von oben.
Ciro Immobile im BVB Trikot im Weserstadion

Bei unserer in Teilen pomadigen und selbstgefälligen Rückwärtsbewegung wird das sicherlich spannend. Vor allem Emre Can wäre in einem solchen Spiel vermutlich eine Bereicherung gewesen. Eventuell wird Thomas Delaney wieder, wie in Sinsheim, in der Abwehrreihe aushelfen. Vorne wird der BVB voraussichtlich wieder mit allerlei Jungstars antreten müssen und es könnte es zum Startelfdebüt von Marco Reus kommen. Dazu scheinen Haaland und Sancho den Angriff zu besetzen. Im Mittelfeld wird es sicherlich auf die Form von Witsel ankommen. Wenn der Belgier bissig und geistig auf der Höhe ist, konnte er hohen Ansprüchen gerecht werden.

Am Ende bleibt, dass vor ca. 1000 Zuschauern in einem 72000 Plätze Rund Fußball gespielt wird, um möglichst viel Geld für einige wenige Erlauchte zu generieren...

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