Warmlaufen

Die Pandemieliga

06.06.2020, 08:30 Uhr von:  dembo
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Die Pandemieliga
Duell zwischen dem BVB und Hertha BSC im Westfalenstadion

Dembowski kann sein Glück kaum fassen. Hertha beim Ballspielverein. Zwei Weltvereine von bescheidenem Ruf. Wie er und der DID, seine Agentur. Endlich wieder ein neuer Auftrag. Schwatzgelb will einen Vorbericht. Im Soldiner Eck haut der DID alles raus.

Am fünften Spieltag der Pandemieliga kommt es im Dortmunder Westfalenstadion zum Spitzenspiel gegen Hertha BSC. Nach einer an Klamauk kaum zu überbietenden Vorsaison ist der Hauptstadtklub binnen weniger Spieltage zu einem ernsthaften Kandidaten für den Gewinn der Meisterschaft geworden.

„Das System sitzt, die Geisterspiele kommen denen gerade recht. Vor Zuschauern konnten die noch nie“, sagt DID-Experte Justin Hagenberg-Scholz mit einem Augenzwinkern. „Schauen Sie nur auf die Heimbilanz der Vorsaison.“ Das werden wir gerne machen. Später dann. Es ist die Frage schlechthin: Was ist dran am Berliner Aufschwung? Ein Blick auf die Fakten ist nicht genug, aber zwingend notwendig.

Hat jetzt wieder gut lachen - Michael Preetz
Hat jetzt wieder gut lachen - Michael Preetz

Mit Siegen gegen Hoffenheim, den kleinen Stadtrivalen Union und Augsburg sowie einem Unentschieden beim nördlichsten Klub Österreichs, gelang es dem neuen Trainer Bruno Labbadia, dem tollsten aller Berliner Bären, die Dreitrainersaison Covic, Klinsmann und Nouri vergessen zu machen. Angeführt von Vladimir Darida, dem laufstärksten Spieler der Liga, dem ewigen Per „Schelle“ Skjelbred und Liverpool-Leihspieler Marko Grujic überzeugen die Hahoherrlichen mit teilweise berauschendem Offensivfußball.

„Der Schlüssel sind die Ballgewinne in den gefährlichen Zonen, das sofortige Umschalten und der ewige Ibisevic“, schwärmt Hagenberg-Scholz und schiebt nach: „Mit Cunha bricht Hertha natürlich der Schlüsselspieler schlechthin weg. Er ist der kommende Star dieser Liga und wird den Hauptstadtklub in der Bundesligaspitze etablieren können.“ Erzählen kann JHS!

Mit Cunha, dem Pistolero Piatek und dem argentinischen Nationalspieler Ascasibar hatte der Verein im Januar 2020 die Windhorst-Millionen mit vollen Händen ausgegeben. „Der Pull-Faktor war eindeutig Jürgen Klinsmann“, erklärt Miriam Wu, DID-Internationalisierungsexpertin. „Alle Welt wollte ihn scheitern sehen. Die Sympathiewerte für den Sunnyboy waren immer im Keller. Ob in Kalifornien oder Kreuzberg. Was aber viele vergessen: Unter Spielern gilt er noch was und unter Spielern gilt Geld noch was. Das war vorhanden und wird auch in Zukunft weiter vorhanden sein. Der Investor denkt langfristig.“

Fehlt heute - Cunha (noch in seiner alten Arbeitskleidung)
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Klinsmann galt als Statthalter Windhorsts, der mit seiner Yacht über die Weltmeere schipperte, mal in Florida und mal in London war. Klinsmann war pflichtbewusst und dokumentierte seine Zeit in Berlin. Jeder Lauf zum Checkpoint Charlie und zurück. Jedes Training und jede Ungenauigkeit im Tagesablauf. Auch das Verhalten der Spieler wurde dokumentiert. Als alle Ampeln auf Rot standen, zog er die Reißleine und verschwand. Vor ihm war Covic und nach ihm Nouri. Nur der Kader war ein anderer. Ein besserer.

„An Covic erinnere ich mich kaum. Nur sein Name Covic und das Jahr in 19. Naja. Sie wissen schon. Das hätte Micha Preetz verdächtigt vorkommen müssen“, sagt DID-Boss Dietfried Dembowski. „Du warst immer eher der Klinsi-Typ“, ergänzt Erfolgskneiper Hauke Schill. Er fragt sich: Wird Hertha im Olympiastadion endlich auf Schulle umsteigen? „Mit Kindl kannste mich jagen. Das schmeckt wie Pferdepisse. Schulle oder ich gehe da nicht hin!“ Dembowski schüttelt den Kopf: „Aber ist doch Pandemie! Wie willste denn ins Stadion?“

Dembowski, Hagenberg-Scholz, Wu und Schill sitzen an vier Tischen im Soldiner Eck. Hier spielte schon Frank Zander auf. Damals als Windhorst kam und Jürgen da war und sie etwas ausheckten. Das ist lange her und jetzt steht Hagenberg-Scholz auf. Er wedelt mit seinem iPad. „Meine Freunde! Die Wahrheit liegt in den Daten!“

Hat die Haare wieder schön, darf aber trotz Friseurvergehen heute spielen - Jadon Sancho
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Hagenberg-Scholz zeigt wie wild auf die Zuschauerzahlen, klickt dann rüber zum Heimvorteil, den es nicht mehr gibt. "Schaut Euch einfach die Spiele vorher an. Geringste Auslastung, schlechteste Bilanz. Jetzt bei gleicher Auslastung, also bei Nullauslastung sind die natürlich im Vorteil. Während alle Teams sich adaptieren müssen, kennen die es nicht anders.“

„Bist Du verrückt geworden, Justin?“, brüllt Dembowski. „Das Olympiastadion ist der Ort, an dem lange Zeit der alte Fußball gespielt wurde: Ohne Ambitionen, zutiefst negativ und vor verschwindend geringer Kulisse. Alle haben gegen den modernen Fußball gebrüllt und den alten Fußball doch verachtet. Machen wir uns nichts vor. Die, die gegen den modernen Fußball brüllen, haben den alten nie erlebt. Dabei war er dort immer zu sehen!“

Dembowski hat ein Auge auf die Hertha geworfen. Als zukünftigen Erstverein in der Bundesliga. Wenn sich die Borussia in die Europaliga verabschiedet. „Kannste auch nicht mehr Ernst nehmen. Alle. Jetzt der Sancho. Absoluter Joke, was der da veranstaltet.“

Fehlt weiterhin wegen eines Videovergehens - Salomon Kalou
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„Du meinst seine Aktion gegen Paderborn? Du bist ein Rassist!“ ruft Justin Hagenberg-Scholz. Schill, Dembowski und Wu stehen auf, nehmen JHS, zerren ihn vom Stuhl und schmeißen ihn aus dem Soldiner Eck. Ein klarer Verstoß gegen die Hygieneregeln. „Zum Glück spielen wir kein Fußball, dann hätten wir schon wieder was falsch gemacht“, lacht Schill. Seine Haare sind lang.

„Scheiße, jetzt steht schwatzgelb.de ohne Vorbericht da“, grummelt Dembowski. Nach einem weiteren Schulle sieht die Welt schon wieder besser aus.

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