Warmlaufen

Deutscher Meister wird nur der BVB

06.11.2020, 19:41 Uhr von:  Nadja
Lesezeit: ca. 4 Minuten
Schweinsteiger, Badstuber und Sven Bender, schauen dem Ball hinterher, während die Fans auf der Südtribüne in Vorfreude strahlen und der Ball hinter Torhüter Butt einschlägt.
Einschläge im Tor der Bayern vor den Augen einer vollen Südtribüne - Bilder aus einer früheren Zeit

Vor etwa zehn Jahren spielte der BVB gegen Bayern zuhause, am 7. Spieltag der Bundesliga. Keiner hatte vor der Saison an eine Meisterschaft gedacht, geschweige denn geglaubt, doch die ersten Spieltage liefen ziemlich gut (mit einem Ausrutscher) und der BVB und die Bayern waren zu dem Zeitpunkt auf Augenhöhe.

Nach ziemlich genau einer Stunde trat Nuri Sahin zum Freistoß an, kurz nachdem Barrios den BVB in Führung geschossen hatte. Die Süd schrie "Nuri! Nuri! Nuri!" und irgendwie wusste jeder, dass dieser Ball ins Netz fliegen würde. Vor unseren Augen segelte er in die Ecke des Tores. Das Netz vibrierte, das Stadion explodierte und zum wiederholten mal in dieser Saison stimmte die Süd in diesem Spiel "Deutscher Meister wird nur der BVB" an. Ein Lied, das praktisch von Anfang der Saison an Teil des Repertoires war und das einfach nur diesen gut gelaunten Vollgasfußball widerspiegelte. Der Herbst 2010 war eine sehr befreite, lockere und sorgenfreie Zeit - keiner meinte das ernst.

Vielleicht einen Monat später stand ich wie immer auf der Süd. Der BVB hatte seit dem Sieg gegen Bayern alles abgeräumt, was in seinen Weg kam und war schon eine ganze Weile ganz vorne und baute seinen Vorsprung immer weiter aus. An diesem Tag wurde nach einem weiteren Sieg wie eigentlich immer "Deutscher Meister wird nur der BVB" angestimmt. Wie immer sang und sprang ich mit, freute mich meines Lebens und strahlte über das ganze Gesicht, als es mich wie einen Schlag traf: "Ist das noch Ironie?" Irgendwann im November 2010 hatte das Lied sich klammheimlich von einem herzlich heraus geschrienen Witz, zu einer realen Hoffnung gewandelt. Ab diesem Moment hat die Saison ihre Unbekümmertheit verloren, denn jetzt wurde es ernst: wir können Deutscher Meister werden. Tatsächlich.

Ein paar einzelne Fans stehen auf der Ost oder Westtribüne des Westfalenstadions. Die Leute stehen, dazwischen sind viele leere, schwarze Stühle.
Nicht mal ein paar Fans werden das Spitzenspiel der Bundesliga im Stadion sehen können

Witzigerweise sind die Vorzeichen diese Saison gar nicht so anders. Es ist der 7. Spieltag, es ist ein Heimspiel gegen Bayern. Keiner glaubt ernsthaft an eine Meisterschaft, aber man ist gut gestartet und hat (bis auf einen Ausrutscher) seine Sache gut gemacht und ist daher mit Bayern auf Augenhöhe.

Es gibt aber auch ganz viele Dinge, die komplett anders sind. Was fehlt ist natürlich in erster Linie die Unbekümmertheit von damals. Davon kann nach "2. Leuchtturm", zwei Meisterschaften, einem Championsleague-Finale, zwei Pokalsiegen, etlichen Pokalfinalen und einem Abo auf den zweiten Platz keine Rede mehr sein. Eine Meisterschaft, so unerwartet sie auch sein würde, wäre keine Sensation.

Viel schlimmer ist aber der andere große Unterschied: statt einem vibrierenden, lauten, einschüchternden Westfalenstadion, erwartet die Spieler die große Leere. Keine Emotionen, keine Stimmung, keine Leidenschaft. So schade es für die Spieler sein mag, für Fans, die normalerweise im Stadion sind, macht es das Spiel - trotz seinem richtungsweisenden Charakter - irgendwie bedeutungslos.

Trotzdem sollte uns ein kleines "Deutscher Meister wird nur der BVB" im Ohr klingen morgen, wenn die Spieler aufs Feld kommen. Denn gute Omen sollte man auch während einer Pandemie nicht ignorieren.

Mögliche Aufstellungen

Borussia Dortmund: Bürki – Meunier, Akanji, Hummels (Witsel), Guerreiro – Dahoud, Delaney – Sancho, Reus, Reyna – Haaland

Bayern München: Neuer – Pavard, Boateng, Alaba, Hernandez – Kimmich, Goretzka – Gnabry, Müller, Coman – Lewandowski

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