Unsa Senf

Sorry, Liga

18.06.2020, 11:59 Uhr von:  Sascha
Sorry, Liga

Es war 2012, da flimmerte vor unserem Heimspiel gegen Hoffenheim ein Video über die Leinwand, bei dem die einen Fans schmunzeln mussten, die anderen sich fremdschämten. Die Mannschaft von Holstein Kiel hauchte dort in einem Tonfall, der deutlich machte, wie unwohl sich die Spieler bei der Sache fühlten, ein „Sorry, BVB“ in die Kamera, weil sie nach der Pokalauslosung das schwatzgelbe Los mit dem altbekannten „BVB Hurensöhne“ feierte. Konnte man machen, musste man aber nicht. Nach dieser Höchststrafe für die Kieler Störche wäre es jetzt eigentlich nur fair, wenn sich auch unsere Mannschaft hinstellt und sich öffentlich bei der Liga für die lustlosen Auftritte der letzten Spiele gegen Abstiegskandidaten entschuldigt.

Grundsätzlich ist es natürlich nachvollziehbar, dass spätestens mit der ziemlich sicheren Qualifikation für die Champions League und der eben ziemlich sicheren Meisterschaft der Bayern die Luft etwas raus war. Die Frage, ob man jetzt Zweiter, Dritter oder Vierter wird, ist aufgrund der Verteilung der Gelder aus dem TV-Pool für Thomas Treß und seine Finanzabteilung mit Sicherheit sehr interessant, aber als sportliches Ziel bleibt es gleich. Kein Wunder und verständlich, wenn die Spieler dann nicht mehr hochelektrisiert auf den Platz laufen und sich den – Mario-Basler-Modus on – Arsch aufreißen, um sich am Ende doch Vizemeister nennen zu dürfen.

Dennoch gibt es einen Sportgeist. Einen sportlichen Anstand, der es gebieten sollte, in einem laufenden Wettbewerb bis zum Ende die Grundanforderungen an Einsatz, Wille und Leistungsbereitschaft zu erfüllen, um diesen Wettbewerb nicht zu verwässern. Für uns mag es um nicht mehr viel gehen, für andere noch um nahezu alles. Insofern hat sich die Mannschaft selber ein ziemliches Armutszeugnis ausgestellt. Schon in Düsseldorf strömten für jeden Tropfen Schweiß zwei Tropfen Lustlosigkeit aus den Poren, der ziemlich erbärmliche Auftritt im Heimspiel gegen Mainz stellte einen unrühmlichen Tiefpunkt dar.

Mit Sicherheit spielen neben einem natürlich Spannungsabfall aufgrund der Tabellensituation auch eine gewisse fehlende Frische und körperliche Müdigkeit eine Rolle, allerdings ist das auch keine Erklärung, warum mindestens vier oder fünf Spieler von Anpfiff weg den Eindruck machten, als könnten sie aus dem Stehgreif zwanzig Orte aufzählen, an denen sie gerade lieber wären. Mats Hummels Ausruf im Spiel, dass man nur Alibi-Pressing spielen würde, war schon richtig, aber eigentlich auch noch zu nett. Wenn man maximal verschärftes Joggingtempo leistet und die Bälle fahrig und bar jeder Konzentration einfach nur grob in die Richtung, in der man seine Mitspieler vermutet, passt, zeigt man eine Arbeitseinstellung, die mit „unter aller Sau“ besser beschrieben ist.

Es ist schade und peinlich für Borussia Dortmund, wie man sich dort präsentierte und die Punkte gegen einen Gegner, dem man allerdings auch attestieren muss, es gut und leidenschaftlich gemacht zu haben, bereitwillig hergeschenkt hat. In Zukunft sollte man eher betreten schweigen, wenn man selber mal auf Schützenhilfe angewiesen ist, statt diese einzufordern.

Die Mannschaft hatte die Möglichkeit, ohne Druck „befreit“ aufzuspielen und Spaß am Fußball zu haben. Stattdessen präsentierte sie sich bereits im Aktivurlaubsmodus. Beziehungsweise eher wie in der Pause zwischen diversen Urlaubsaktivitäten. Man darf auch mal überlegen, ob es wirklich nur die qualitative und finanzielle Übermacht der Bayern ist, die zumindest in dieser und der letzten Spielzeit einen Titelgewinn verhindert haben, oder ob dieser Mangel an Bereitschaft, mehr zu tun als unbedingt notwendig ist, nicht auch eine Rolle spielt. Für die Meisterschaft benötigt es auch eine innere Haltung, über die 34 Spieltage hinweg sein Bestmögliches geben zu wollen. Das wird natürlich nicht immer klappen, aber der Anspruch an sich selbst muss erkennbar sein.

Das Spiel gegen Mainz hat da eine deutliche Sprache gesprochen. Sorry, Liga…

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