Spielbericht Profis

Katastrophale Abwehrleistung erstickt das Meistergerede

09.02.2020, 11:59 Uhr von:  DM
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Katastrophale Abwehrleistung erstickt das Meistergerede

Spiele in Leverkusen haben fast schon traditionell großen Unterhaltungswert, so auch in diesem Jahr. Aufgrund eines katastrophalen Defensivverhaltens und zu großer Passivität nach dem 3:2 musste der sich bereits auf der Siegerstraße wähnende BVB den Heimweg jedoch ohne Punkte antreten. Das Gerede von der Meisterschaft sollte endlich ad acta gelegt werden, denn mit dieser kreisligahaften Abwehrleistung wäre selbst der vierte Platz am Saisonende schon ein Riesenerfolg.

Fankurven setzen die ersten Akzente des Abends

Choreografie in der Nordkurve
Choreografie in der Nordkurve

Vor dem Anpfiff machten beide Fanlager auf sich aufmerksam: Während die Leverkusener Nordkurve eine Choreo präsentierte, ließen die Schwatzgelben den Gästeblock mit reichlich Pyrotechnik feuerrot erstrahlen.
Das Spiel selbst begann verhalten, beide Teams neutralisierten sich. Die Dortmunder Fans rieben sich verwundert die Augen, als Erling Heiland den Ball aus aussichtsreicher Position nicht wie gewohnt im Tor unterbrachte, sondern Leverkusens Keeper Lukas Hradecky die Kugel ans Außennetz lenken konnte (18.).

Partie nimmt nach Akanjis Fehler Fahrt auf

Die Partie nahm Fahrt auf, als Manuel Akanji nach einem Pass in die Sturmspitze einem Zweikampf lieber aus dem Weg ging und Kevin Volland so ungehindert zum 1:0 einschießen konnte (20.).
Auf der Gegenseite lenkte Hradecky einen weiteren Schuss zur Ecke, diesmal von Julian Brandt (21.). Jadon Sancho ließ sich von den aus der Nordkurve auf ihn einprasselnden Papierkugeln - so dämlich verwerteten die Leverkusener ihre Choreo-Elemente - nicht irritieren, servierte die Ecke mustergültig auf Mats Hummels, der zum Ausgleich einköpfte (22.). Das schnelle 1:1 ließ auch im Gästeblock ein Licht angehen.

Can man mal so machen

Mats Hummels feiert seinen Ausgleichstreffer
Mats Hummels feiert seinen Ausgleichstreffer

Emre Can krönte kurz darauf sein Startelfdebüt mit einem Traumtor in den Winkel und drehte damit die Partie (33.). Axel Witsel vergab die große Chance, die Partie mit dem dritten Treffer vorerst in ruhige Bahnen zu lenken (42.). Stattdessen fing sich der BVB nach einer Ecke durch kreisligahaftes Defensivverhalten den unnötigen Ausgleich durch Kevin Volland (43.) - der Schlusspunkt einer sehenswerten ersten Hälfte.

VAR macht sich lächerlich

Lucien Favre wechselte zur zweiten Hälfte, brachte Giovanni Reyna für Julian Brandt. Der BVB schien einen Traumstart zu erwischen: Jadon Sancho spielte zu Achraf Hakimi, der den Ball zurücklegte auf Sancho und der Engländer schloss zum 2:3 ab - dachten zumindest alle (52.).
Doch die Jubelexplosion im Gästeblock kam zu früh, denn nach dem Studium der Videobilder verwehrte der Schiedsrichter Markus Schmidt dem Treffer die Anerkennung, weil Reyna Lars Bender zu Boden riss - nachdem jedoch zuerst der Leverkusener an Reyna zerrte. Eine lächerliche Entscheidung also.

Havertz scheitert - Guerreiro trifft

Emre Can gab sein Startelfdebut und traf direkt zum 2-1
Emre Can gab sein Startelfdebut und traf direkt zum 2-1

Pech hatte Reyna wenig später, als sein Schuss von Hradecky an den Pfosten gelenkt wurde, von dort an den Rücken des Keepers zurücksprang und anschließend knapp am Tor vorbeirollte (58.).
Den Zuschauern blieb auch in der Folge keine Zeit zum Bierholen. Volland spielte einen Traumpass auf Kai Havertz, doch der möglicherweise Neu-Borusse traf nur den Pfosten (63.). Im direkten Gegenzug schloss Raphael Guerreiro einen Dortmunder Angriff zum 2:3 ab (64.). Diesmal hatte auch der VAR von der anderen Rheinseite nichts zu meckern. Zwischenzeitlich präsentierten die Leverkusener ein Spruchband in Richtung Gästeblock: "Lieber Corona im Eck als Desperados im Gästeblock!" Da hat der Zitronenmann den Mund ziemlich vollgenommen.

Werkself dreht die Partie innerhalb weniger Sekunden

In der Schlussphase blieben die Borussen zu passiv und wollten das Ergebnis über die Zeit retten. Glück hatten die Schwatzgelben, dass der Treffer des kurz zuvor eingewechselten Leon Bailey wegen einer Abseitsstellung nicht in die Wertung kam (72.).

Slapstick war schließlich das 3:3: Emre Can grätschte den Ball vom Fuß Kevin Vollands - jedoch genau vor die Füße von Bailey, der zum 3:3 einschob (81.). Noch bitterer wurde es, als das Kopfballungeheuer Lars Bender Sekunden später den Luftkampf bei einer Flanke gegen Mats Hummels gewann und zum 4:3 für die Werkself traf (82.).

Teams & Tore

Was soll ich machen - Roman Bürki fühlte sich alleine gelassen
Was soll ich machen - Roman Bürki fühlte sich alleine gelassen

BVB: Bürki - Hakimi, Akanji (86. Hazard), Hummels, Zagadou, Guerreiro - Brandt (46. Reyna), Can (87. Götze), Witsel, Sancho - Haaland.
LEV: Hradecky - Bellarabi (46. Weiser), Tah, S. Bender, Tapsoba, Sinkgraven - Amiri (89. Dragovic), L. Bender - Havertz, Diaby (71. Bailey) - Volland.
Tore:
1:0 Volland (20.), 1:1 Hummels (22.), 1:2 Can (33.), 2:2 Volland (43.), 2:3 Guerreiro (64.), 3:3 Bailey (81.), 4:3 L. Bender (82.). Schiedsrichter: Markus Schmidt. Zuschauer: 30.210 (ausverkauft). Gelbe Karten: L. Bender, Volland - Guerreiro.

Stimmen zum Spiel

Lucien Favre: "Das ist sehr schwer zu verdauen. Wir müssen das Spiel am Ende besser kontrollieren, das haben wir leider nicht geschafft. Es ist sehr schade, denn wir können hier mindestens einen Punkt mitnehmen."
Peter Bosz: "Das war ein verrücktes Spiel. Wir hatten heute vier Sechser nicht im Kader und mussten umstellen, erstmals in dieser Saison mit Dreierkette spielen. Der Wille der Spieler war heute wichtig, ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen."

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