Spielbericht Profis

Elf kleine Jägermeister erwarten den BVB zum Pokalspiel in Braunschweig

23.12.2020, 07:55 Uhr von:  DocKay
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Elf kleine Jägermeister erwarten den BVB zum Pokalspiel in Braunschweig
Die Fans der Eintracht beim letzten Aufeinandertreffen in der Bundesliga im Jahre 2014

Vorbei sind die Zeiten von Thorsten Lieberknecht und Jürgen Klopp. Mit einem 2:0 gegen Eintracht Braunschweig zog die Elf von Edin Terzic ins Achtelfinale des Pokals ein.

Wer erinnert sich nicht an das Jahr 1973 und den Rechtsstreit von Eintracht Braunschweig mit dem DFB. Viele von euch hatten damals noch nicht das Licht der Welt erblickt. Für andere mag es Vergleiche zur Gegenwart geben. Am 24. März 1973 lief die Eintracht als erster Bundesligist mit Trikotwerbung auf. Der damalige Sponsor und Geschäftsführer der Mast-Jägermeister AG Günter Mast trickste den DFB aus, indem er das Vereinswappen der Eintracht in das des Firmenlogos änderte. Bei der heutigen Kommerzialisierung des Fußballs mag man darüber schmunzeln, aber das Ganze liegt gerade einmal 47 Jahre zurück. Und es erhielt vor einiger Zeit eine Auffrischung durch einen Fußballclub aus Leipzig. Heute begegnet man den kleinen Spritflaschen häufig noch beim Heimweg nach einem Spiel im Westfalenstadion oder beim abendlichen Spaziergang durch die Fußballhauptstadt. Die Rolle des Sponsors hat eine Online-Plattform für geprüfte Gebrauchtwagen übernommen, unterstützt durch den Finanzservice eines Abgasbetrügers.

Die Frage bleibt offen, welcher Zusammenhang hier mit dem Lied der Toten Hosen besteht, das am 26.01.1996 veröffentlicht wurde, und als Schlusslied des Albums Opium Platz eins der damaligen Charts erklomm. Der Refrain dieses Liedes hat aber an Aktualität nicht verloren. Lieber Lucien, solltest du immer noch traurig sein, dann höre doch einfach einmal kurz in dieses Lied hinein. Vielleicht geht es dir dann besser, denn die Verantwortung liegt jetzt bei den anderen:

Einer für alle, alle für einen.

Wenn einer fort ist, wer wird denn gleich weinen.

Einmal trifft`s jeden, ärger dich nicht.

So geht`s im Leben, du oder ich.

Die Toten Hosen

Nach der Standardschwäche gegen Union Berlin waren dies die Voraussetzungen für das Pokalspiel gegen den Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895 e.V. (BTSV). Die launische Diva Ballspielverein Borussia Dortmund hinterließ einmal mehr ein Fragenmeer mit vielen Schiffbrüchigen. Man beschloss, nicht mehr auf die Tabelle zu schauen. Der Blick sollte zeitnah auf das Weiterkommen im Pokal gerichtet sein.

Michael Zorc sitzt auf der Tribüne und hält sich die Hände vor das Gesicht
Michael Zorc und die Angst vor Standards

Die ersten 45 Pokalminuten

Auf sieben Positionen hatte Edi Terzic das Team verändert und mit Steffen Tigges kam zum ersten Mal der 22-jährige U23-Kapitän in die Startelf. Er sollte seine Sache an diesem Abend gut machen. Diesmal brachte ein Standard der Borussen in der 12. Minute die 1:0 Führung. Ein Freistoß von Sancho landete bei Mats Hummels, und dieser erzielte per Schuss aus kurzer Distanz seinen viertes Pflichtspieltor in dieser Saison. Damit ist er Torschütze Nummer zwei bei den Borussen! In der 22. Spielminute erkämpfte Tigges bravourös einen Ball durch frühes Pressing und passte quer auf den mitlaufenden Brandt, dem es aber nicht gelang, die Pille im leeren Tor zu versenken. Brandt wirkte erneut im Spiel sehr unglücklich bei seinen Aktionen und man muss sich fragen, wann hier endlich einmal der Knoten platzt. Nach einem Guerreiro-Freistoß traf Bellingham in der 34. Minute mit perfekter Schusstechnik nur den rechten Pfosten. Die Eintracht hatte bis dahin nur eine Mini-Chance und so ging es unspektakulär in die Pause.

Die zweiten 45 Pokalminuten

Auch der Geschäftsführer blickt skeptisch in die Zukunft

Es gab den ersten Wechsel bei den Borussen. Für Mats Hummels kam Manuel Akanji ins Spiel. Bei Mats hatte man schon beim Gang in die Kabine das Gefühl, dass wieder irgendetwas zwickte. Das Spiel plätscherte dahin, bevor es in 56. Minute einen ersten Warnschuss für die Schwarzgelben gab. Zum Glück traf der Schuss von Bär nur die Latte und die Gesichter der Verantwortlichen auf der Bank wirkten angespannt. Auch dem Berichterstatter wurde es zunehmend mulmiger. Das Ding war noch nicht im Sack! Marco Reus kam, es lag auf der Hand, für den motivierten aber eher schwachen Julian Brandt. Die folgenden Minuten gehörten dann Steffen Tigges. Ein Kopfball in der 63. Minute landete etwas drucklos in den Armen von Fejzic. Ungefähr 20 Minuten später überwog bei Tigges dann die Angst vor seinem ersten Tor im Profikader. Freistehend scheiterte er am Braunschweiger Keeper. Der BVB hatte das Spiel zunehmend dominiert. Schließlich machte Jadon Sancho in der zweiten Minute der Nachspielzeit mit dem 2:0 den Deckel drauf. Der Sieg war am Ende verdient, insgesamt aber recht unspektakulär. Von einem Pokalfight kann man an diesem Abend nicht sprechen. Das Wichtigste war schließlich der Sieg und auch mir viel am Schluss ein Stein vom Herzen, auch wenn es ein schwerer Stein war.

Wie geht es weiter?

Sebastian Kehl in Gedanken versunken

Diese Frage werden wir frühestens im neuen Jahr beantworten können. Zunächst geht es erst einmal in eine Winterpause, die eigentlich keine Winterpause ist. Der BVB ist und bleibt für alle Verantwortlichen und uns Fans eine Wundertüte. Ziel der kurzen Pause sollte es sein, die physischen und psychischen Kräfte zu reaktivieren. Edin Terzic ist in seiner Rolle als Übungsleiter nicht zu beneiden. Er steht einem Kicker-Ensemble vor, das endlich in die Verantwortung genommen werden muss. Die Spieler mit Kämpfernatur sind in der Unterzahl, dennoch müssen alle bereit sein zu kämpfen. Unsere Ballkünstler müssen die Kunst des schnellen Spiels wieder entdecken. Die Erfahrenen sind die Schaltstellen und Vorbilder. Jeder trägt für sich die Verantwortung, aber auch die Verantwortung, die Mitspieler durch Leistung zu motivieren. Nur so kann aus den Einzelkickern wieder eine geschlossene Mannschaft werden. Das Motto „Einer für alle, alle für einen“, wird dann auch wieder zum Erfolg führen. Wir Fans sind zum tatenlosen Zuschauen verdammt, das ist bitter genug. In Zeiten der Corona-Pandemie brauchen wir den Optimismus und den Blick nach vorne. In diesem Sinne bleibt alle gesund und realisiert: „Es gibt auf dieser Welt schlimmere Dinge als eine durchwachsene Bundesligasaison“. So wünschen wir euch für das Jahr 2021 nur das Beste und unserem BVB glorreiche Zeiten mit furiosen Fußballspielen, die über zwei Halbzeiten gehen.

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